Neuer Aufsatz von Jan Albroscheit

Albroscheit, Jan (2026): Die Geschichtslehrkräfteausbildung in der zweiten Phase aus der Perspektive der Fachleiterinnen und Fachleiter. (Zwischen-)Ergebnisse einer qualitativ-rekonstruktiven Studie. In: Katinka Kalusche, Heike Bormuth und Johannes Meyer-Hamme (Hg.): Selbstständig. Geschichtslernen als Befähigung zum Historischen Denken. Festschrift für Andreas Körber zum 60. Geburtstag. Frankfurt am Main: Wochenschau Verlag (Wochenschau Wissenschaft), S. 168–182.

Albroscheit, Jan (2026): Die Geschichtslehrkräfteausbildung in der zweiten Phase aus der Perspektive der Fachleiterinnen und Fachleiter. (Zwischen-)Ergebnisse einer qualitativ-rekonstruktiven Studie. In: Katinka Kalusche, Heike Bormuth und Johannes Meyer-Hamme (Hg.): Selbstständig. Geschichtslernen als Befähigung zum Historischen Denken. Festschrift für Andreas Körber zum 60. Geburtstag. Frankfurt am Main: Wochenschau Verlag (Wochenschau Wissenschaft), S. 168–182.

Neuer Aufsatz von Annika Stork und Alexander Buck

Buck, Alexander; Stork, Annika (2026): Nur auf basalem Niveau?! Untersuchung und Graduierung der Beiträge von Schüler:innen im Umgang mit Perspektivität in einer Geschichtsstunde zu den Kreuzzügen. In: Katinka Kalusche, Heike Bormuth und Johannes Meyer-Hamme (Hg.): Selbstständig. Geschichtslernen als Befähigung zum Historischen Denken. Festschrift für Andreas Körber zum 60. Geburtstag. Frankfurt am Main: Wochenschau Verlag (Wochenschau Wissenschaft), S. 80–96.

Buck, Alexander; Stork, Annika (2026): Nur auf basalem Niveau?! Untersuchung und Graduierung der Beiträge von Schüler:innen im Umgang mit Perspektivität in einer Geschichtsstunde zu den Kreuzzügen. In: Katinka Kalusche, Heike Bormuth und Johannes Meyer-Hamme (Hg.): Selbstständig. Geschichtslernen als Befähigung zum Historischen Denken. Festschrift für Andreas Körber zum 60. Geburtstag. Frankfurt am Main: Wochenschau Verlag (Wochenschau Wissenschaft), S. 80–96.

Neuer Sammelband

Katinka Kalusche, Heike Bormuth und Johannes Meyer-Hamme (Hg.): Selbstständig. Geschichtslernen als Befähigung zum Historischen Denken. Festschrift für Andreas Körber zum 60. Geburtstag. Frankfurt am Main: Wochenschau Verlag (Wochenschau Wissenschaft)

Katinka Kalusche, Heike Bormuth und Johannes Meyer-Hamme (Hg.): Selbstständig. Geschichtslernen als Befähigung zum Historischen Denken. Festschrift für Andreas Körber zum 60. Geburtstag. Frankfurt am Main: Wochenschau Verlag (Wochenschau Wissenschaft)

Neuer Aufsatz von Heike Bormuth

Bormuth, Heike (2026): ‚Unterrichtsvorbereitung automatisch und blitzschnell‘? Ein Versuch zur Evaluation von ChatGPT-Planungen für Geschichtsstunden. In: Katinka Kalusche, Heike Bormuth und Johannes Meyer-Hamme (Hg.): Selbstständig. Geschichtslernen als Befähigung zum Historischen Denken. Festschrift für Andreas Körber zum 60. Geburtstag. Frankfurt am Main: Wochenschau Verlag (Wochenschau Wissenschaft), S. 97–120.

Bormuth, Heike (2026): ‚Unterrichtsvorbereitung automatisch und blitzschnell‘? Ein Versuch zur Evaluation von ChatGPT-Planungen für Geschichtsstunden. In: Katinka Kalusche, Heike Bormuth und Johannes Meyer-Hamme (Hg.): Selbstständig. Geschichtslernen als Befähigung zum Historischen Denken. Festschrift für Andreas Körber zum 60. Geburtstag. Frankfurt am Main: Wochenschau Verlag (Wochenschau Wissenschaft), S. 97–120.

Neuer Aufsatz von Katinka Kalusche

Kalusche, Katinka (2026): Geschichtslernen in einer auch migrationsbedingt diversen Gesellschaft. Ein Impuls für den geschichtsdidaktischen Diskurs. In: Katinka Kalusche, Heike Bormuth und Johannes Meyer-Hamme (Hg.): Selbstständig. Geschichtslernen als Befähigung zum Historischen Denken. Festschrift für Andreas Körber zum 60. Geburtstag. Frankfurt am Main: Wochenschau Verlag (Wochenschau Wissenschaft), S. 136–149.

Kalusche, Katinka (2026): Geschichtslernen in einer auch migrationsbedingt diversen Gesellschaft. Ein Impuls für den geschichtsdidaktischen Diskurs. In: Katinka Kalusche, Heike Bormuth und Johannes Meyer-Hamme (Hg.): Selbstständig. Geschichtslernen als Befähigung zum Historischen Denken. Festschrift für Andreas Körber zum 60. Geburtstag. Frankfurt am Main: Wochenschau Verlag (Wochenschau Wissenschaft), S. 136–149.

Kann ChatGPT Geschichtsunterricht planen? Ein Experiment mit Analyse (V1. 2.5.2025)

Körber, Andreas (2025): Kann ChatGPT Geschichtsunterricht planen? Ein Experiment mit Analyse. V1. In: Historisch denken lernen [Blog des AB Geschichtsdidaktik; Universität Hamburg], 02.05.2025. Online verfügbar unter https://historischdenkenlernen.blogs.uni-hamburg.de/?p=8279&preview=true, zuletzt geprüft am 02.05.2025.

2025 05 02 Körber ChatGPT Lesson Plan Kommentar Deutsch 1v3

  1. Einführung

Seit November 2022 hat die öffentliche Verfügbarkeit von Anwendungen generativer künstlicher Intelligenz (genKI) ein Spektrum von Praktiken, Routinen, Grundsätzen und zugrundeliegenden Konzepten sowohl in der Gesellschaft im Allgemeinen als auch in der Bildung aufgerüttelt. Im Laufe der Geschichte, insbesondere, aber nicht ausschließlich, in Europa und den von ihm direkt beeinflussten Gesellschaften, hat das Aufkommen neuer Technologien bei mehreren Gelegenheiten die Möglichkeit geboten, Aufgaben von menschlichen Akteuren auf Maschinen zu verlagern, was sowohl vorteilhafte als auch zweideutige und sogar nachteilige Auswirkungen und Folgen für Gesellschaften und Individuen hatte. Es bleibt abzuwarten, ob wir derzeit nur eine weitere Instanz in dieser Reihe technologischer Entwicklungen und ihrer sozialen Auswirkungen erleben oder ob die (zumindest versprochene) Fähigkeit der ‚KI‘, nicht nur von menschlicher Intelligenz vorprogrammierte repetitive und routinemäßige Aufgaben zu übernehmen, sondern vielmehr generative und damit schöpferische Kraft auszuüben, die Grundlagen, Strukturen und Funktionen des menschlichen Lebens und der Gesellschaft grundlegend umgestalten oder gar zerstören wird und eine große Herausforderung für die historische Orientierung der heutigen Gesellschaften und ihrer Mitglieder darstellt.
Handelt es sich dabei eher um eine Frage der historischen Orientierung und Erforschung der Bedeutung generativer KI und ihrer Thematisierung in der historischen Bildung, so ergeben sich weitere Aspekte im Hinblick auf die Rolle, die generative KI in diesen sowie in allgemeinen Prozessen der historischen Arbeit, d.h. des Forschens, Denkens und Lernens, spielen kann, wird und soll – und wie damit umzugehen ist.

Eine häufig vorgeschlagene Anwendung generativer KI im Unterricht ist der Einsatz bei der Planung von Unterrichtssequenzen und Einzelstunden. Es gibt eine gewisse Euphorie, die von einigen Anwendungen1 genährt wird, dass die Macht der generativen KI die oft mühsame Arbeit der Unterrichtsplanung, wenn nicht vollständig, so doch zumindest teilweise übernehmen und ein valider Partner und Vermittler sein kann.

Im Folgenden dokumentieren wir einen ersten und eher naiven Versuch, ChatGPT eine Geschichtsstunde mit Bezug auf einen bestimmten staatlichen Lehrplan, den „Bildungsplan Geschichte“ für Hamburg 2023, planen zu lassen.2 Obwohl sich die Ausgabe nicht explizit auf diesen Lehrplan3 bezieht oder ihn gar zitiert und eher allgemein gehalten ist, scheint dieser Kontext nicht völlig außer Acht gelassen zu werden.

ChatGPT und ähnliche und vortrainierte Anwendungen der ‚künstlichen Intelligenz‘ basiere auf LargeLanguageModels, d.h. sie konstruieren ihre Outputs auf der Basis eines großen Korpus an vorhandenem Material und nicht aus originären Prozessen des historischen Denkens bzw. geschichtsdidaktischen Denkens. Innerhalb ihrer Leistung werden sie jedoch ‚Entscheidungen‘ treffen müssen. Diese werden nicht auf originären kritischen Überlegungen beruhen, sondern auf (komplexen) statistischen Analysen des Materials. Die Analyse dieser Leistung und des Outputs wird daher Einblicke in eine Vielzahl von für den Geschichtsunterricht relevanten und bedeutsamen Aspekten geben, die in den von ihnen verwendeten großen Sprachkorpora mehr oder weniger stark vertreten sind. Dazu gehören z.B. Konzepte der Geschichte und ihres Charakters als Disziplin, Konzepte der Natur und Funktion von Materialien im historischen Denken, Konzepte des Geschichtsunterrichts, seiner Ziele und Prinzipien sowie der anwendbaren Methoden und vieles mehr.

Analysen können sich daher nicht nur auf das ‚Aufspüren von Fehlern‘ beschränken, sondern müssen auch die inhärenten und tief verwurzelten ‚maschinellen Überzeugungen‘, Vorstellungen und Strategien (mitsamt ihren Vorurteilen) offenlegen, die jeder Einsatz von generativer KI in Geschichte und Unterricht berücksichtigen muss.

  1. Dokumentation

Es folgt die Abschrift einer Konversation mit ChatGTP 4 omni, die am 16. Juli 2024, über das ChatGPT-Konto der Universität Hamburg geführt wurde, mit der Bitte, einen Unterrichtsplan für Geschichte zu erstellen. Das Gespräch wurde auf Deutsch geführt. In der Dokumentation wurden doppelte Leerzeilen zur Formatierung auf einfache Leerzeilen reduziert.

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Prompt: Kennen Sie die neuen Hamburger Bildungspläne?

KI: Ja, die neuen Hamburger Bildungspläne wurden kürzlich aktualisiert, um den aktuellen Standards und Anforderungen im Bildungswesen gerecht zu werden. Sie sind darauf ausgelegt, die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler in verschiedenen Bereichen zu fördern, einschließlich digitaler Bildung, Fachwissen und sozialer Fähigkeiten. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Stärkung der digitalen Kompetenzen, um den Schülerinnen und Schülern den Umgang mit modernen Technologien zu erleichtern und sie auf die Anforderungen einer zunehmend digitalisierten Welt vorzubereiten. Die Pläne zielen auch darauf ab, Inklusion und Chancengleichheit zu verbessern, indem sie individuelle Lernbedürfnisse stärker berücksichtigen. Falls Sie spezifische Informationen zu einem bestimmten Bildungsbereich oder einer Schulstufe benötigen, können Sie gerne nachfragen!

Ich: Erstellen Sie mir bitte eine Planung für eine Unterrichtsstunde zum Thema „Kinderarbeit" mit Bezug zum aktuellen Bildungsplan Geschichte für Stadtteilschulen KI Antwort: Gerne erstelle ich Ihnen eine Planung für eine Unterrichtsstunde zum Thema "Kinderarbeit" im Fach Geschichte für die Stadtteilschulen, basierend auf den aktuellen Bildungsplänen. Die Stunde sollte sowohl historische Perspektiven als auch aktuelle Bezüge enthalten, um das Thema umfassend zu behandeln. 

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 Stundenplanung: Kinderarbeit

 Klasse: 8-10 (je nach Detailtiefe anpassbar)

 Dauer: 90 Minuten 

 Ziele der Stunde: 
  • Die Schülerinnen und Schüler sollen die historischen Hintergründe und die Entwicklung der Kinderarbeit verstehen.
  • Sie sollen die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen historischer und heutiger Kinderarbeit erkennen.
  • Die Schülerinnen und Schüler sollen die sozialen und ökonomischen Ursachen sowie die Auswirkungen von Kinderarbeit diskutieren können.
  • Förderung von Empathie und kritischem Denken. 
 Materialien: 
  • Arbeitsblätter mit historischen Dokumenten und Bildern
  • Kurzfilm oder Video-Clip über Kinderarbeit heute
  • Zugang zu Internet oder Bibliothek für Recherche (falls möglich)
  • Whiteboard/Smartboard und Marker
 Unterrichtsverlauf:

 1. Einstieg (15 Minuten)
      • Ein kurzes Video oder eine Bildergalerie zum Thema Kinderarbeit in der Industriellen Revolution zeigen.
      • Kurze Diskussion über die Eindrücke und erste Gedanken der Schülerinnen und Schüler.
      • Brainstorming: Was versteht ihr unter Kinderarbeit? Welche Bilder habt ihr im Kopf? Wo und wann gab es Kinderarbeit?
2. Erarbeitung (40 Minuten)

 Teil 1: Historische Perspektive (20 Minuten)
          • Kurzer Input des Lehrers über die Kinderarbeit während der Industriellen Revolution (Zeitraum: 19. Jahrhundert).
          • Verteilung von Arbeitsblättern mit historischen Dokumenten (z.B. Berichte, Gesetzestexte, Bilder).
          • Gruppenarbeit (Kleingruppen): Die Schülerinnen und Schüler analysieren die Dokumente und beantworten vorbereitete Fragen zu den Ursachen, Bedingungen und Auswirkungen der Kinderarbeit damals.
 Teil 2: Moderne Perspektive (20 Minuten)
          • Zeigen eines Kurzfilms oder Video-Clips über moderne Kinderarbeit (z.B. in Entwicklungsländern).
          • Diskussion über die gezeigten Inhalte: Wo gibt es heute noch Kinderarbeit? Warum existiert sie immer noch?
          • Vergleich der historischen und modernen Formen der Kinderarbeit: Was hat sich verändert, was ist gleich geblieben?
 3. Auswertung und Diskussion (20 Minuten)
        • Präsentation der Gruppenarbeitsergebnisse im Plenum.
        • Gemeinsame Diskussion: Was lässt sich gegen Kinderarbeit tun? Welche Verantwortung tragen wir (als Gesellschaft, Konsumenten, Politiker)?
        • Reflexion über die Rolle von Bildung und Gesetzen bei der Bekämpfung von Kinderarbeit.
 4. Abschluss (15 Minuten)
      • Zusammenfassung der wichtigsten Punkte durch den Lehrer.
        • Ausblick: Welche weiteren Fragen habt ihr zum Thema? Welche Aspekte könnten wir in der nächsten Unterrichtsstunde vertiefen?
        • Hausaufgabe: Rechercheaufgabe oder Reflexionsaufsatz: „Was kann ich persönlich tun, um Kinderarbeit zu bekämpfen?“
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 Diese Planung kann je nach Klassengröße, Leistungsniveau und verfügbaren Ressourcen angepasst werden. Viel Erfolg mit der Unterrichtsstunde!









AK: Ich bitte um die zu nutzenden Materialien





KI: Natürlich, hier sind die spezifischen Materialien, die Sie für die Unterrichtsstunde zum Thema "Kinderarbeit" nutzen können:





 Materialien:

 1. Arbeitsblätter

 Arbeitsblatt 1: Historische Dokumente zur Kinderarbeit
        • Auszüge aus Berichten von Fabrikinspektoren (z.B. aus Großbritannien, 19. Jahrhundert)
        • Zitate von Zeitzeugen (z.B. Kinderberichten aus der damaligen Zeit)
        • Bilder von Kindern in Fabriken oder Bergwerken
 Arbeitsblatt 2: Aktuelle Informationen zur Kinderarbeit
        • Statistiken und Karten zu aktuellen Verteilungen von Kinderarbeit weltweit (z.B. von Organisationen wie der ILO oder UNICEF)
        • Fallbeispiele und Berichte aus aktuellen Medien (z.B. Textilindustrie, Kakaoplantagen)
 2. Video-Clip/Kurzfilm
        • Kurzfilm über Kinderarbeit in der Industriellen Revolution (z.B. BBC Documentary Clips, YouTube findet sich unter „Victorian Child Labour“ oder „Industrial Revolution Children's Lives“)
        • Aktueller Video-Clip über moderne Kinderarbeit (z.B. Berichterstattung von Organisationen wie der ILO, UNICEF oder Human Rights Watch, abrufbar auf YouTube unter Titeln wie „Modern Child Labour“ oder „Children in the Chocolate Industry“)
 3. Zusätzliche Ressourcen für Gruppenarbeit (falls verfügbar)
        • Zugang zu Bibliothek oder Internetrecherche-Tools für weiterführende Informationen
        • Bücher, Zeitschriften oder Dokumentensammlungen zum Thema Kinderarbeit
 4. Technische Ausstattung
        • Projektor oder Smartboard und ein Laptop/Computer zum Abspielen von Videos
        • Internetzugang (falls Videos oder zusätzliche Informationen online recherchiert werden)
 Arbeitsblätter:

 Arbeitsblatt 1: Historische Dokumente zur Kinderarbeit

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  Bericht eines Fabrikinspektors (1842)4

  "Die Jungen und Mädchen, die in den Textilfabriken arbeiten, beginnen in der Regel im Alter von sechs oder sieben Jahren. Sie werden für 10 bis 14 Stunden am Tag in stickigen und lauten Fabriken eingesetzt, wo sie Maschinen bedienen oder Baumwollfasern sammeln."5

 Fragen:

 1. In welchem Alter begannen Kinder laut diesem Bericht zu arbeiten?

 2. Welche Arbeitsbedingungen werden beschrieben?





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 Zeitzeugenbericht (1843)6

  "Ich war neun Jahre alt, als ich in der Gerberei zu arbeiten begann. Die Arbeit war hart und die Tage lang. Wir hatten oft nur eine kurze Mittagspause und arbeiteten bis spät in die Nacht."7

 Fragen:

 1. Was sagt der Zeitzeuge über die Arbeitszeiten?

 2. Wie hat sich die harte Arbeit auf den Alltag der Kinder ausgewirkt?

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 *Bilder von Kindern in Fabriken (19. Jahrhundert)*

 !Bild von Kindern in einer Fabrik 





 Fragen:

 1. Schau dir das Bild an. Was fällt dir sofort auf?

 2. Wie wirken die Kinder auf dem Bild auf dich (z.B. glücklich, müde, gestresst)?

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 Arbeitsblatt 2: Aktuelle Informationen zur Kinderarbeit

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 Statistiken und Karten (ILO-Bericht 2020)

  "Rund 152 Millionen Kinder im Alter von 5 bis 17 Jahren sind weltweit von Kinderarbeit betroffen. Davon arbeiten 73 Millionen Kinder unter gefährlichen Bedingungen."8

 Fragen:

 1. Wie viele Kinder weltweit sind von Kinderarbeit betroffen?

 2. In welchen Regionen der Welt ist Kinderarbeit am verbreitetsten?

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 Fallbeispiel: Die Textilindustrie (Indien, 2021)

 "Viele Kinder arbeiten in der Textilindustrie Indiens, wo sie oft stundenlang unter schlechten Bedingungen arbeiten müssen. Sie werden schlecht bezahlt und haben keine Möglichkeit, zur Schule zu gehen."9

 Fragen:

 1. Warum arbeiten Kinder in der Textilindustrie?

 2. Welche Bedingungen herrschen dort?

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 Zusatzmaterial:
      • Links zu hilfreichen Webseiten für weitere Recherche
      • https://www.ilo.org">ILO: International Labour Organization
      • https://www.unicef.org">UNICEF: United Nations Children's Fund
      • https://www.hrw.org">Human Rights Watch
 Reflexionsaufgabe (Hausaufgabe):

 Aufsatz: „Was kann ich persönlich tun, um Kinderarbeit zu bekämpfen?“
      • Recherche und Reflexion über mögliche persönliche Maßnahmen (z.B. bewusster Konsum, Unterstützung von NGOs, Bildungsinitiativen).
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 Diese Materialien sollten Ihnen eine umfassende und strukturierte Grundlage bieten, um das Thema Kinderarbeit im Unterricht zu behandeln. Viel Erfolg bei der Durchführung Ihrer Unterrichtsstunde!

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AK: Bitte gib mir noch die Nachweise für die historischen Quellen. Wo sind sie zu finden? 





KI: Natürlich, hier sind einige historische Quellen und deren Nachweise, die für das Thema Kinderarbeit verwendet werden können:





 1. Bericht eines Fabrikinspektors (1842)

  Quelle: Edwin Chadwick, "Report on the Sanitary Condition of the Labouring Population of Great Britain" (1842)10

 Verfügbar unter: Viele Bibliotheken haben Kopien dieses Berichtes. Digitale Versionen können auch in Online-Archiven und Bibliotheken gefunden werden, wie z.B. Google Books oder Archive.org.





 2. Zeitzeugenbericht (1843)

  Quelle: Interview mit einem ehemaligen Arbeiterkind aus "The Condition of the Working-Class in England" von Friedrich Engels (1845)11

 Verfügbar unter: Das Buch ist frei zugänglich und kann z.B. auf Projekt Gutenberg (gutenberg.org) oder in vielen digitalen Bibliotheken eingesehen werden.





  3. Bilder von Kindern in Fabriken (19. Jahrhundert)12

 Quelle: Fotografien von Lewis Hine und anderen Fotografen der Zeit, besonders aus den Archiven der Library of Congress oder der New York Public Library.

 Verfügbar unter:

 - Library of Congress: www.loc.gov

 - New York Public Library Digital Collections: digitalcollections.nypl.org





 Zusätzliche empfohlene Quellen für weitere Informationen und Recherchen:

1. Bücher:
"Child Labour in the Industrial Revolution" von ClarkNardinelli13
– "Child Labour: A World History Companion" von Sandy Hobbs & Jim McKechnie

2. Berichte und Artikel:
"The Factory System" von Andrew Ure (1835)
- "Annual Reports of the Secretary of State for the Home Department regarding the Employment of Children in Factories" (verschiedene Jahre)





  Diese Quellen bieten eine zuverlässige und gut dokumentierte Grundlage für die Vorbereitung Ihrer Unterrichtsstunde zum Thema Kinderarbeit. Sie helfen den Schülerinnen und Schülern, die historischen Umstände besser zu verstehen und bieten gleichzeitig die Möglichkeit für Vertiefungen und weiterführende Recherchen.

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  1. Analyse

Der zitierte Output von ChatGPT bietet eine Struktur eines Geschichtsunterrichts zum Thema industrielle Kinderarbeit, die aktuellen Praktiken ähnelt und eine Reihe aktueller Standards des Geschichtsunterrichts umsetzt – zumindest oberflächlich und auf den ersten Blick.

  1. Der vorgeschlagene Unterrichtsplan sieht vor, dass die Lehrkraft nicht nur eine vorgegebene Erzählung über Kinderarbeit vorträgt, die die Schüler lediglich anhören, auswendig lernen und schließlich abrufen müssen. Vielmehr werden den Lernenden in jedem Schritt und zu jedem Material Aufgaben gestellt. (Inwiefern) ist der Unterrichtsentwurf somit „schüleraktivierend“?

  2. Der Unterrichtsplan greift nicht auf fiktive Erzählungen über Kinderarbeit zurück und appelliert an die Empathie und das Mitgefühl der Schüler für die arbeitenden Kinder, sondern wendet eine Art elementarisierte Art der historischen Arbeit an, um Wissen über die Vergangenheit zu erlangen, indem er den Schülern nicht-fiktionales Material zur Analyse vorlegt.14 Das Konzept von Geschichte, das diesem Unterrichtsplan zugrunde liegt, ist daher das, dass Geschichte nicht eine vorgegebene Reihe von vorgefertigten Geschichten ist, sondern etwas, das untersucht werden muss. Inwiefern entspricht der Entwurf also gegenwärtigen Theoriekonzepten von Geschichte?

  3. Der Lehrplan reduziert die Geschichte nicht nur auf eine Facette der ‚Vergangenheit‘. Er scheint die grundsätzlichen Unterscheidungen (nicht: Trennungen) zwischen ‚Vergangenheit‘ als dem Bereich der Bedingungen, Ereignisse und Prozesse vor unserer Zeit (oder, noch richtiger: als den Bedingungen dieser Bedingungen, Ereignisse und Prozesse als nicht mehr gültig) einerseits und ‚Geschichte‘ als gegenwärtigem Bezug auf die Vergangenheit sowohl von gegenwärtigen Standpunkten und Interessen als auch mit Blick auf gegenwärtige Belange zu erkennen. Wie steht es also mit dem Geschichtskonzept in dieser Unterrichtsplanung?

  4. In der geplanten Unterrichtseinheit wird daher ausdrücklich auf Kinderarbeit nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch in der Gegenwart eingegangen, und die Schüler werden aufgefordert, über den Zusammenhang zwischen diesen beiden Themen nachzudenken. Inwiefern kann also davon gesprochen, dass die Unterrichtsplanung sinnvoll einen Gegenwartsbezug herstellt?

  5. Die Lektion soll daher das eigene historische Denken der Schüler aktivieren, vor allem im rekonstruktiven Modus, indem sie aufgefordert werden, Material zu analysieren, um nicht nur zu Schlussfolgerungen über die Faktizität der Kinderarbeit zu kommen, sondern auch Schlussfolgerungen zu ziehen und wertbezogene Urteile darüber abzugeben.

  1. Der Unterrichtsplan stellt den Schülern sowohl mit Blick auf die untersuchte Vergangenheit als auch mit Blick auf die Gegenwart jeweils eine Reihe von Materialien zur Verfügung, in welchen mehrere Personen und/oder Organisationen zu Wort kommen, die nicht allein individuell, sondern strukturell unterschiedliche Positionen zu und Perspektiven auf die Ereignisse besitzen – ist also Multiperspektivität als Prinzip berücksichtigt und im Material sinnvoll realisiert?

All das ergibt eine scheinbar positive und recht moderne Konzeption von Geschichtsunterricht, die von ChatGPT – mangels eigenen Denkens und Urteilens – offenkundig mittels seiner statistisch-wortprädiktiven Algorithmen aus den zur Verfügung stehenden Datenmengen generiert. Es hat den somit Anschein, dass eine solche Vorstellung von ‚Natur‘ und Ablauf von Unterricht zwar nicht in genau dieser Form in übergroßer Menge vorliegt, wohl aber latent dominiert.

Andererseits weist der Unterrichtsentwurf einige mehr oder weniger schwerwiegende Mängel auf, sowohl in der Pädagogik als auch in den zugrunde liegenden didaktischen Konzepten:

    1. Auch wenn der Unterrichtsplan Kinderarbeit in der Vergangenheit und in der Gegenwart behandelt (siehe oben), so geschieht dies hauptsächlich durch einfachen Vergleich und letztlich weitgehender Gleichsetzung beider, wobei beide als gegebene und getrennte Einheiten betrachtet werden. Gerade auch wenn dies als Sachurteil im Ergebnis weitgehend triftig ist, so verwehrt die Art der Zusammenstellung und des gegenseitigen Bezuges geradezu das historische Denken. Ein spezifischer historischer Zusammenhang zwischen ihnen wird nämlich gar nicht erst thematisiert, weder dahingehend, dass beide in exemplarischer Sinnbildung darauf hin untersucht werden, inwiefern sie in ähnlichen strukturellen Kontexten entstanden und ihnen vergleichbare strukturelle Ursachen zugrunde liegen – etwa: ungeregelte kapitalistische Wirtschaftsweisen, Armut, geringe Bildung und Bildungsmöglichkeiten, Dominanz unmittelbaren Überlebensdrangs gegenüber langfristigen Zukunftsvorstellungen von Eltern für ihre Kinder, etc. – (Regel: bestimmte Komplexe sozialer, wirtschaftlicher und kultureller Bedingungen befördern oder bewirken die Entstehung früher Erwerbsarbeit von Kindern; – evtl. gerade auch als ein Element der Überwindung dieser Phase) oder die Deutung des Phänomens als Begleiterscheinung von dann auch wieder vorübergehenden Umbruchphasen in Modernisierungsprozessen (etwa im Rahmen eines „demographischen Übergangs“); oder dass – und sei es hypothetisch – mittels der Materialien und/oder Fragen den Lernenden Fragen nach möglichen zeitlichen Entwicklungszusammenhängen zwischen ihnen zumindest ermöglicht würden – etwa dahingehend, dass die gegenwärtige Kinderarbeit in Entwicklungsländern als Phänomen auch vor dem Hintergrund heutigen Wissens um die Erfahrungen mit diesem Phänomen in der europäischen Industrialisierung beurteilt werden müssten („daraus müsste man gelernt haben“).

    2. Auch die vorgeschlagenen Aufgaben und/oder Fragen zu jedem Material deuten auf ein überaus traditionelles und dadurch problematisches Konzept von Lehrens und Lernen. In jedem Fall zielt die erste Frage nur auf die Ebene der ‚Informationsaufnahme‘ ab, und zwar in einer sehr einfachen Form, indem die Schüler lediglich aufgefordert werden, die in dem sehr kurzen ‚Quellenmaterial‘ fast wörtlich wiedergegebenen Informationen wiederzugeben. Es hat den Anschein, dass in der Datengrundlage von ChatGPT omni4 eine Lehr-/Lernkonzeption dominiert, die auch außerhalb durchaus weit verbreitet ist, aber aufgrund von Schüler- und Methoden- sowie zuletzt Kompetenzorientierung deutlich modifiziert wird.

    3. Die gesamte Lektion wird als eine Reihe von kleinen Einzelschritten oder Operationen präsentiert, die, zumindest in der Anfangsphase, eines von zwei Merkmalen aufweisen: (1) Entweder fordern sie die Schüler*innen auf, im Material enthaltene Aussagen zunächst einmal herauszuarbeiten, oder (2) sie geben, wie im Fall der Fragen zu den Hine-Fotos, bestimmte wertende Antwortkategorien vor.

    4. Zur Choreographie der Lektion: Auch wenn die Lektion insgesamt Formen der Kinderarbeit in der Vergangenheit und in der Gegenwart in Beziehung setzt, so geschieht dies doch erst im Verlauf der Lektion, die mit der Vergangenheit beginnt. Ein Bezug dieser Kinderarbeit zur Gegenwart wird erst nach einer Art ‚Feststellung‘ von ‚Tatsachen‘ dargestellt. Damit wird die epistemologische Einsicht, dass Geschichte eine Form der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und den dortigen Verhältnissen, Ereignissen und Prozessen aus einem gegenwärtigen Interesse heraus ist, unterlaufen.

    5. Ein weiterer positiver Punkt bei der Planung ist, dass ChatGPT vorschlägt, nicht nur schriftliches Material zu verwenden, sondern eine multimodale Präsentation von Informationen vorschlägt,15 hier in Form der Fotografien von Kindern an Industriemaschinen von Lewis Hine.

Zusammenfassend kann man sagen, dass der Unterrichtsplan oberflächlich modern erscheint und tatsächlich einem Standard-Arbeitsunterricht entspricht, der die Schüler aktiviert und sie auffordert, das Material individuell zu analysieren, zu diskutieren und die Ergebnisse untereinander und mit der Klasse zu teilen. Es scheint sich um eine ganz normale Form des Geschichtsunterrichts zu handeln, die wir in zahlreichen Unterrichtsbeobachtungen jeden Tag erleben können. In dieser Hinsicht scheint ChatGPT tatsächlich in der Lage zu sein, die Aufgaben der Lehrkräfte bei der Unterrichtsplanung weitgehend zu übernehmen oder zumindest zu erleichtern.

Wie im weiteren Verlauf dieses Kommentars gezeigt werden soll, gilt dies jedoch nur für die charakterisierte Oberfläche der Lektion.

Zunächst zu den Aufgaben: Beide oben charakterisierten Aufgabeformate kanalisieren mögliche Interpretationsfragen schon im Vorfeld in rein induktive Formen der Elaboration. Der erstere Typ von Aufgaben Formulierung der Aufgabe suggeriert dabei den Lernenden, dass die herauszuarbeitenden Merkmale demjenigen, der die Aufgabe gestellt hat (also idealiter die Lehrkraft, hier vertreten durch ChatGPT) bereits bekannt sind, es also darum geht, dieses als richtig und eindeutig Bestimmte zu treffen. Das hat mehrere Implikationen und mögliche Konsequenzen für das Lernen. Vornehmlich besteht hier wohl die (auch bei Berufsanfänger*innen im Lehramt verbreitete) Vorstellung, dass vor einer deutenden oder gar diskutierenden Auseinandersetzung mit einer Fragestellung „zunächst“ einmal alle Einzelheiten eineindeutig und kontrolliert herausgearbeitet sein müssen. Es geht somit Klein- und Gleichschrittigkeit der Informationsgewinnung und damit der Rahmung der dann später folgenden Diskussion. Unklarheiten, Vermutungen, unterschiedliche Assoziationen, Deutungen und Urteile haben hier kaum Platz und werden, soweit es geht, möglichst früh „abgefangen“ – besprochen, erwogen, geklärt etc. werden sie hingegen nicht. Zugleich wird der Rahmen für die späteren vergleichenden Schlussfolgerungen eindeutig gesetzt. Indem die Materialien in dieser Kleinschrittigkeit nacheinander bearbeitet werden, ist kein wirklicher Raum für Vergleiche. Dieses Aufgabenverständnis hat starke Gemeinsamkeiten mit einem anderen, das vor allem in mündlicher Kommunikation im Unterricht auftritt, nämlich der landläufigen, gerade auch von Lernenden immer wieder aktualisierten Vorstellung, derzufolge es im Unterricht darum gehen muss, von der Lehrkraft gestellte Aufgaben möglichst sofort richtig zu „beantworten“ und dafür ebenso sofort eine (natürlich möglichst positive) Antwort zu erhalten. Sie bewirkt unter anderem, dass Schüler*innen vornehmlich direkt zur Lehrkraft sprechen in der Erwartung einer unmittelbaren, an sie gerichteten Beurteilung, weshalb diese zunächst von Hugh Mehan und später von Courtney Cazden beschriebene Kommunikationsform als „I-R-E“ (Impulse – Response – Evaluation) bezeichnet wird.16 Wie dieses binden die von ChatGPT vorgelegten reinen „Erfragungs-“Aufgaben die Lernenden an den Erkenntnisstand der Lehrkraft und die unmittelbare Bestätigung durch diese. Es handelt sich in beiden Fällen um Leistungs-, nicht um Lernaufgaben gemäß der Unterscheidung durch Josef Leisen.17 Problematisch an diesem Konzept ist nicht nur, dass Schüler*innen aufgrund der stetigen gefühlten und auch von ihnen selbst reproduzierten (vielleicht gar nicht einmal beabsichtigten) Leistungserwartung weder Anregung erhalten, sich mit etwaig vorhandenen eigenen Vermutungen (Hypothesen) an der Erschließung, Deutung und Interpretation zu beteiligen – schon gar nicht mit Beiträgen, derer Richtigkeit sie sich nicht ganz sicher sind – und mit Unsicherheiten und Fragen. Es ist aber die (gemeinsame) Befassung mit diesen – dem unterschiedlichen Wissen, den Vermutungen, den Unsicherheiten, Fragen und oftmals auch mit halb-Richtigem –, was das eigentliche Lernen voranbringt: Nicht möglichst schnelle und eindeutige Beantwortungen von Fragen, sondern das Sichtbarmachen und Besprechen von Unterschieden, Unsicherheiten, Fehlern fördert Lernen. In diesem Sinne sind Aufgaben vorzuziehen, die solche Unsicherheiten nicht in die Unsichtbarkeit verdrängen, sondern sichtbar machen. Dabei ist es aber nicht zentral, welche*r Schüler*in eine bestimmte Fehlvorstellung oder auch eine „weiterführende, aber noch schiefe“ Idee einbringt, sondern vielmehr welche solcher Unklarheiten, Unterschiede, aber auch weiterführende Denkleistungen, in der Lerngruppe vorhanden sind. Lernaufgaben erfordern es also, dass „Lösungen“ (besser: Bearbeitungen) von Lernenden nicht sofort beurteilt, sondern in einem zweiten Schritt gemeinsam erwogen, geklärt, auch geschärft und, wo nötig, auch als falsch beurteilt werden – nötigenfalls auch unter dem „Deckmantel“ von Anonymität (etwa durch das Notieren auf Karten, oncoo.de oder dergleichen).

Zu den ausgewählten Materialien: Wie wir im Transkript gesehen haben, stellt ChatGPT der Lehrkraft vorausgewählte und maßgeschneiderte Quellen zur Verfügung, insbesondere Originaldokumente aus dem untersuchten Zeitraum. Diese Materialien liefern in der Tat effektive Informationen aus vergangenen Perspektiven zum untersuchten Thema und können sowohl die historisch rekonstruierende Informationsgewinnung der Schüler*innen unterstützen als auch gemeinsam die abschließende Rekonstruktion von Wissen über und Einsichten in vergangene Bedingungen und deren Verbindungen zur Gegenwart fördern. Es gibt mehrere Probleme mit den in wörtlichen Auszügen zur Verfügung gestellten Primärquellen:

Sie sind extrem kurz und komprimiert und geben genau die Informationen wieder, die in das Gesamtbild der gesamten Lektion passen (siehe unten, Punkt. Fehler: Verweis nicht gefunden, p. Fehler: Verweis nicht gefunden), die offenbar genau zu diesem Zweck ausgewählt wurden. Dieses Merkmal untergräbt jedoch in gewisser Weise das scheinbar beabsichtigte Konzept des rekonstruktiven historischen Lernens: Wenn die Schüler*innen die Informationen korrekt und effektiv aus dem Material extrahieren können, haben sie keine wirkliche Chance, unterschiedliche Interpretationen zu entwickeln, die die Grundlage für eine echte Diskussion bilden können – sei es über die Richtigkeit der vergangenheitsbezogenen Informationen, ihre Gewichtung oder ihre Relevanz und/oder Bedeutung.18

Darüber hinaus zeigt sich bei näherer Betrachtung, dass die angegebenen Primärquellen tatsächlich eine Art Fälschung sind. Keines der angegebenen wörtlichen Zitate konnte verifiziert werden. Interessanter ist hier jedoch der Gedanke, dass es sich nicht um einen Standardfall von ‚Fake Olds‘ handelt, bei dem Schülern erfundenes Material vorgelegt wird, um sie absichtlich mit einem einseitigen oder sogar verzerrten Bild der Vergangenheit zu indoktrinieren und sie zu falschen Schlussfolgerungen zu führen. Ich habe den Eindruck, dass das von ChatGPT präsentierte Quellenmaterial in der Tat Informationen und Perspektiven enthält (wenn auch in einem sehr engen Spektrum), die sowohl zu der allgemeinen Darstellung passen, die dem Unterricht zugrunde liegt, als auch zu den weithin akzeptierten historischen Interpretationen des Themas (Kinderarbeit) – entweder so, wie sie in den Lehrplänen dargestellt werden, auf die in der ersten Aufforderung verwiesen wird (Hamburg 2024)19 oder ganz allgemein.

Diese Logik ist jedoch sowohl aus epistemischer Sicht als auch im Hinblick auf Schlussfolgerungen über die ‚Fähigkeit‘ von ChatGPT zur Unterrichtsplanung bzw. seine Eignung zur Erleichterung einer solchen Planung durch Lehrer*innen – und nicht zuletzt für Schlussfolgerungen über die von Lehrer*innen geforderten Kompetenzen – höchst interessant.

Wie bereits erwähnt, besteht das, was ChatGPT offensichtlich tut, darin, Material aus vorhandenen Quellen so zu ‚konstruieren‘, dass es in die allgemeine Erzählung passt. Der Fall des Zitats aus dem ILO Report 2020 ist besonders aufschlussreich. Während die angegebenen Zahlen korrekt sind,20 scheint der genaue Wortlaut konstruiert zu sein, um in den Plan zu passen. Das so entstandene Material kann von den Schülern tatsächlich so genutzt werden, wie es der Unterrichtsplan vorschlägt, nämlich als ‚Primärquellen‘ für Vorgänge, die der Arbeit von Historikern nahe kommen. Dies untermauert das ‚Denken wie ein Historiker‘ in hohem Maße. Tatsächlich aber wird damit die gesamte Logik des historischen Denkens, der Gewinnung von Wissen über die Vergangenheit, umgekehrt: Das Material wird so konstruiert, dass es zum angestrebten Ergebnis passt, während sich historisches Denken auf (nicht nur, aber insbesondere primäres) Material stützt, das die ‚Grundlage‘ für historische Darstellungen, für Aussagen über vergangene Bedingungen, Ereignisse und Prozesse bildet. Dies muss nicht zwangsläufig in einem induktiven Verfahren von einem Quellenmaterial zu einer Aussage erfolgen, sondern kann (und wird in den meisten Fällen) auch deduktiv im ‚Testen‘ von Annahmen (Hypothesen) an Primärmaterial (das ebenfalls hinterfragt werden muss) erfolgen. Auch wenn historisches Wissen nicht von selbst aus dem Primärmaterial ‚fließt‘, sondern diese Materialien als ‚Wider-‘ oder ‚Gegenlager‘ historischer Aussagen fungieren müssen, nicht als deren Funktionen. Aber das ist offenbar die Arbeitsweise von ChatGPT (und wahrscheinlich auch anderer LLMs): Sie leiten ihr ‚Wissen‘ aus einem sehr großen Haufen von ‚Aussagen‘ mittels statistischer und vortrainierter Algorithmen ab, die nicht nach dem erkenntnistheoretischen Status jedes einzelnen Materials, in unseren Fällen seiner historischen Natur, unterscheiden.

Natürlich wäre es eine sehr aufschlussreiche und wichtige Übung, die präsentierten Materialien zu hinterfragen – mit anderen Worten, eine Quellenkritik zu betreiben – nicht nur vor und für die Stunde, sondern in der Stunde, mit den Schülern. Dies wird jedoch in dem transkribierten Unterrichtsplan in keiner Weise vorbereitet oder gar vorgeschlagen. Das Material wird in einer autoritativen Weise präsentiert, nicht als Thema für historisches Denken an sich.

Anderes Quellenmaterial, das nicht direkt angegeben, sondern für die weitere Verwendung und multimodale Präsentation des Materials vorgeschlagen wird, ist an sich keine Fälschung, wird aber ohne jeden Hinweis auf seinen anderen Kontext präsentiert. Der Vorschlag, „Bilder“ [d. h. Fotos] von „Kindern in Fabriken (19. Jahrhundert)“ von Lewis Hine zu verwenden (siehe oben S. 8) ist nur teilweise zutreffend. Hine fotografierte zwar ausgiebig die sozialen Verhältnisse der Arbeiterschaft in der industriellen Revolution, darunter auch Bilder von Kindern an Maschinen. Aber er begann mit dieser Arbeit erst weit im 20. Jahrhundert (1906) und in den USA, nicht in England. Während dieses Material für den Unterricht über Kinderarbeit nicht gänzlich unbrauchbar ist, muss ihr unterschiedlicher historischer Kontext explizit angesprochen werden – nur dann (!) ist die Aussage, dass diese „Quellen“ den Schülern helfen, „die historischen Umstände besser zu verstehen und bieten gleichzeitig die Möglichkeit für Vertiefungen und weiterführende Recherchen“ (siehe S. 9), ansatzweise gültig.

Offensichtlich sind die Kompetenzen der Lehrkräfte nicht nur für die Durchführung der vorgeschlagenen Schritte erforderlich, sondern noch mehr für die Betrachtung der Konstruktion des Historischen in dieser Stunde. Aber es gibt noch mehr Probleme mit dem in dieser Lektion präsentierten Material. Ich habe oben festgestellt, dass das Material offensichtlich so ausgewählt wird, dass es zur vorgegebenen Erzählung und Bewertung passt, und nicht umgekehrt. Mehr noch: es wird gerade zu zurechtgefälscht.

Anders, aber nicht weniger problematisch verhält es sich mit dem Umgang mit nicht-primären („Quellen“)-Material: Auch hier wird eine spezifische didaktische Chance spektakulär verpasst – soll heißen: Der Umgang von ChatGPT ist hier auf eine Art und Weise problematisch, die einerseits die simple Übernahme verbietet, andererseits selbst (gegen den „Willen“ von ChatGPT) die didaktisch deutlich wertvollere Thematisierung bereithält – wenn man sie denn erkennt: In dem Abschnitt, der sich mit dem Verhältnis zwischen früherer und heutiger Kinderarbeit befasst, schlägt ChatGPT zwei Bücher zur weiteren Lektüre vor, darunter eines von Clark Nardinelli: Während der gesamte Unterrichtsplan auf der Vorstellung beruht, dass Kinderarbeit etwas Schlimmes ist, das glücklicherweise im Westen weitgehend überwunden wurde und in anderen Ländern überwunden werden kann, vertritt Nardinelli in seinem Buch eindeutig eine andere Auffassung, ohne dies auch nur irgendwo zu erwägen oder zu erwähnen. In einer Rezension auf der Website der Stiftung für ökonomische Bildung (fee.org) heißt es:

„In diesem schmalen, aber faktenreichen Band stellt der Wirtschaftswissenschaftler Clark Nardinelli fest, dass viele Historiker Kinderarbeit als Symbol für die Verwüstungen der industriellen Revolution betrachten. In Anlehnung an zeitgenössische Kritiker des Fabriksystems wie Richard Oastler gehen sie oft von einer willkürlichen moralischen Annahme aus – dass Kinderarbeit von vornherein unmoralisch oder ausbeuterisch ist – und quetschen die Fakten so aus, dass sie zu dieser Annahme passen.21 ‚Die Erforschung der Kinderarbeit und der industriellen Revolution hat meiner Meinung nach der wirtschaftlichen Realität dieser Arbeit zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt’, schreibt Nardinelli. Kinderarbeit kann leicht das Ergebnis von Familienentscheidungen zur Verbesserung des Wohlergehens der Kinder sein. Die wichtige Entscheidung in Bezug auf Kinderarbeit ist vielleicht nicht die zwischen Arbeit und Nichtarbeit, sondern zwischen Arbeit zu Hause und Arbeit außer Haus. […] Unter den Bedingungen der frühen industriellen Revolution kann Kinderarbeit durchaus dazu geführt haben, dass es den Kindern (und der Familie) besser ging.‘“ 22

Gerade auch wenn man die Position sowohl Nardinellis als auch des Rezensenten wohl mit Recht nicht vertritt, so sind doch hier mehrere interessante Beobachtungen und Feststellungen möglich:

  1. Die vom Rezensenten bekräftigte Kritik Nardinellis verweist darauf, dass auf der Ebene historischer Darstellungen eine Kontroversität gegeben ist, die ChatGPT überhaupt nicht aufgreift, ja wohl kaum wahrnimmt – obwohl der Hinweis auf Nardinellis Buch darauf hindeuttet, dass ChatGTP diese Position zumindest allgemein „kennt“ – nicht aber als solche „wahrgenommen“ hat.

  2. Gerade wenn man Nardinellis Urteil über möglicherweise segensreiche Folgen der Kinderarbeit nicht teilen mag und wird, so wird doch deutlich, dass zu einem eigenen Urteil die Berücksichtigung zweier Aspekte dazugehört: zum einen dahingehend, dass an ihnen deutlich werden kann, dass eine Verurteilung der Kinderarbeit allein deswegen, weil letztere in den üblichen gebotenen Quellen negativ dargestellt wird, und weil die dort gezeichneten Charakteristika des Kinderlebens und vor heutigem Hintergrund als nicht kindgerecht und menschenwürdig erscheinen. Es ist durchaus zu erwägen, dass diese Verhältnisse zwar im Vergleich zu heutigen Vorstellungen guter Kindheit deutlich negativ zu beurteilen, sind, dass aber die Frage, inwiefern sie gegenüber vorherigen Lebensverhältnissen und/oder anderen Optionen in ihrer Zeit nicht doch als möglicherweise vorzuziehen einzuschätzen sind, zumindest einer expliziten Erwägung bedarf. Zum muss zur Kenntnis genommen werden, dass Nardinellis und seines Rezensenten positiv(er)es Urteil spezifische sehr liberale Werthaltungen in Bezug auf die Gestaltung der Wirtschaftsordnung zugrunde liegen. Sie wahrzunehmen, heraus zu arbeiten, ermöglicht dann wiederum, auch die jeweils eigenen Werte (etwa in Bezug auf Konzepte von Ungleichheit vs. Gleichheit etc.) als solche und als Grundlagen auch der eigenen Auswertung der anderen Quellen zu erkennen, und sich bewusst dazu zu verhalten. ChatGPT aber verweist auf Nardinellis Buch so, dass jede*r Lehrer*in/Nutzer*in daraus schließen muss, dass der Inhalt von Nardinellis Buch zwar mehr Details und Spektrum zu der ganzen Frage bietet, aber gerade keine andere Sichtweise und Interpretation. Gerade als solcher aber wäre der Hinweis auf Nardinelli sehr wertvoll, wenn es um einen Geschichtsunterricht geht, der den Schüler*innen nicht nur Material präsentiert, das die weit verbreitete, gängige und (vor allem im Hinblick auf aktuelle Menschen- und Kinderrechtsvorstellungen) weitgehend vertretbare Interpretation von Kinderarbeit untermauert, sondern sie auch zu der konkreten Schlussfolgerung und Einschätzung führt, dass die Abschaffung der Kinderarbeit eine Errungenschaft ist und dort, wo es sie noch (oder wieder) gibt, überwunden werden sollte, der aber auch die in der Gegenwart noch oder wieder (darüber ließe sich diskutieren) vorhandenen (neo-)liberalen, arbeitgeberfreundlichen Haltungen und die damit verbundenen anderen Deutungen der Vergangenheit und zwischenzeitlichen Entwicklungen zur Reflexion und Argumentation zugänglich macht. Damit wäre eine wesentliche Dimension des Prinzips der Multiperspektivität sensu Bergmann,23 erfüllt, nämlich die Darstellung und Reflexion mehrerer retrospektiver Deutungen und Bewertungen der Vergangenheit, die sich nicht miteinander vereinbaren lassen (Kontroversität). Darüber hinaus könnte sie zumindest andeuten, dass die dieser Lehre zugrunde liegende Deutung der Überwindung der Kinderarbeit als Errungenschaft und die ihr zugrunde liegende Darstellung ihrer frühindustriellen Formen als inhuman nicht einfach selbstverständlich und unhinterfragbar ist. Selbst wenn man die Auffassung teilt, dass die Kinderarbeit als Errungenschaft überwunden wurde, wird man sich mit der Frage auseinandersetzen müssen, ob die Fabrikarbeit von Kindern nicht zumindest eine Verbesserung möglicher früherer Lebensbedingungen bzw. eine damalige Überlebensnotwendigkeit dargestellt haben könnte – mit dem Argument, dass unsere heutige Sicht auf diese damaligen Verhältnisse richtig sein mag, auch wenn zumindest ein Teil der damals Betroffenen das anders beurteilt haben mag. Neben der unausgesprochenen und unfreiwilligen Kontroverse, die hier durch Nardinelli ermöglicht wird, wäre es aber auch notwendig, eine deutlichere Multiperspektivität in die Primärquellen für die vorgestellten Unterrichtsreihen einzubringen, nämlich Materialien aus der Zeit, die sowohl Unterstützung als auch Kritik an den Verhältnissen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Positionen (Kinder, Eltern, Fabrikbesitzer, Sozialreformer*innen) liefern.

Auch hier könnte man zu dem Schluss kommen, dass die Unterrichtsplanung von ChatGPT in dem Sinne ‚funktioniert‘, dass es einen sehr konventionellen Unterrichtsplan zusammen mit Materialien präsentiert, der an sich ‚funktionieren‘ könnte, insofern die Schüler in der Lage sind, das Material zu überprüfen, zu analysieren und zu diskutieren und zu Schlussfolgerungen zu kommen. Ebenso aber gilt, dass die wirklich historisch-didaktisch bedeutsamen Dimensionen der Unterrichtsplanung von der KI gerade nicht angesprochen werden. Vielmehr schlägt sie unter der Oberfläche einer vordergründig kohärenten Planung problematische Strukturen vor geht nicht nur ethisch, sondern auch fachwissenschaftsheoretisch auf eine unhaltbare Weise Materialien um, die eine Umsetzung dieser ja oberflächlich plausibel erscheinenden Planung geradezu verbietet.

Die Probleme liegen auf mehreren Ebenen: Schon ohne Berücksichtigung spezifisch fachlicher Ansprüche ergibt sich, dass die wirklichen Probleme unterhalb der Oberfläche der von aktuellen Unterrichtsmustern nicht weit entfernter Planung liegen, die die Schülerinnen mit Materialien versorgt und für sie eigenständige Aktivitäten in der Auseinandersetzung damit vorsieht. Schaut man genau hin, besteht die Auseinandersetzung mit dem Material beinahe ausschließlich in der Übernahme und Reformulierung darin enthaltener Aussagen. Eine reflektierende und reflexive Auseinandersetzung mit dem Problem der Kinderarbeit wird gerade nicht gefordert. Vielmehr steht das Urteil darüber offenkundig von Anfang an fest – ohne dass die Lernenden es merken (sollen) und ohne dass ihnen die Möglichkeit geboten wird, nachzudenken. Das betrifft aber gerade nicht nur ein distantes Urteil über frühere Kinderarbeit. Gerade der umstandslose Anschluss der letzten Aufgabe mit dem Fokus auf Möglichkeiten heutigen Handelns gegen Kinderarbeit anderswo – also mit einem unbedingt unterstützenswerten Fokus – beweist, dass es hier gerade nicht um einen Geschichtsunterricht geht, der zu Orientierungsfähigkeit beitragen soll – nicht zuletzt deswegen, weil diese heutige Kinderarbeit selbst gar nicht analysiert wird und nach möglichen Bezügen zur früheren überhaupt nicht gefragt wird – weder nach Parallelen und Unterschieden, noch danach, inwiefern die Erfahrung mit der früheren Kinderarbeit in Europa als Hintergrund für die Betonung heutiger Kinderarbeit herangezogen werden kann, usw. Vielmehr scheint die Geschichte der Kinderarbeit umgekehrt als ein zwar exemplarisches, aber für die hiesigen Lernenden nicht mehr wirklich zu befragendes, sondern bereits geklärtes Problem präsentiert zu werden. Problematisch war Kinderarbeit damals und ist sie heute anderswo – und zwar unfraglich.

Ein Zusammenhang zwischen damaliger Kinderarbeit in Deutschland und Europa und heutiger Kinderarbeit in Ländern der „Dritten Welt“ kann so gar nicht reflektiert werden. Es wäre doch wichtig zu fragen, inwiefern etwa

  • heutige Kinderarbeit (hier) nicht mehr existiert, weil sie damals überwunden worden wäre (traditionale Sinnbildung) , weil man zwischenzeitlich erkannt hat, dass das unmenschlich, mindestens kritikwürdig sei. Eine solche ist zwar unplausibel, insofern ihr ja die ganze letzte Aufgabe widerspricht – aber die Sequenzierung der Aufgaben bewirkt, dass Schüler*innen das gar nicht explizit diskutieren können, bis die letzte Aufgabe gestellt ist.

  • heutige Kinderarbeit außerhalb Europas und frühere in Europa einer vergleichbaren Logik folgend funktionieren, etabliert, begründet und kritisiert und vielleicht auch überwunden wurden bzw. werden (exemplarische Sinnbildung), inwiefern also aus vergangenheitsbezogenen Materialien Hinweise dazu gewonnen werden können, wie die heutige Kinderarbeit analysiert werden kann;

  • man sagen kann, dass die Welt solcher Erfahrungen mit Kinderarbeit bereits einmal gemacht hat und man deshalb wissen könne, welche Folgen das für die Kinder, die Familien, aber auch für die Wirtschaft haben kann (genetische Sinnbildung).

Gerade insofern die ganze Unterrichtseinheit Kinderarbeit erkennbar aus einer ebenso dem Bildungsplan entnommenen wie offenkundig im Datenkorpus von ChatGPT statistisch tief verankerten entnommenen kritischen Haltung zu Kinderarbeit die Erfahrungen in der Vergangenheit thematisiert, ist zu bemerken, dass ein Nachdenken über die vergangenen Erfahrungen und ihren möglichen Zusammenhang mit heutigem Handeln und der Zukunft überhaupt nicht stattfindet, sondern die Befassung mit dem Vergangenen offenkundig lediglich den in der letzten Aufgabe vorgegebenen kritischen Impuls der letzten Aufgabe untermauern soll. Geschichte dient hier offenkundig nicht der Befähigung zu eigenständigem Erörtern und Erwägen, sondern zur nicht zu befragenden Untermauerung normativ zustimmungsfähiger gegenwärtiger Politiken. Man könnte das als Versuch der Indoktrination zu etwas Positivem bezeichnen.

Das ist aber auf dieser Ebene gar nicht einmal so weit entfernt auch von vielen Thematisierungen des Gegenstandes in klassischem „(analogem“) Geschichtsunterricht, in Schulbüchern und Bildungsplänen. Auch dort ist oft das (zu Recht!) negative Urteil über Kinderarbeit vorausgesetzt (nicht unbedingt vorgegeben) und Gegenwartsbezüge oftmals – auch angesichts knapper Zeit – eher wenig erörternd und erwägend. Hier aber kommt nun deutlich erschwerend hinzu, dass ChatGPT offenkundig nicht nur diese Thematisierungsform emuliert, sondern dass es dazu die Quellen fälscht – also etwa genau das tut, was Nardinelli und sein Rezensent ihrerseits dem Mainstream vorwerfen. Die Herkunft der Rezension nicht aus der Geschichtswissenschaft, sondern von einer marktliberalen Organisation her zeigt einen Zusammenhang auf zwischen Darstellung und Bewertung früherer Kinderarbeit und Positionen im heutigen politischen Ringen um Kinderarbeit: Es reicht eben nicht, dagegen zu sein, und sie abschaffen zu wollen, wie die letzte Aufgabe weis unterstellt, sondern man muss die Positionen derjenigen kennen und analysieren, die sie nicht abschaffen wollen. Geht es und ging es einfach nur um „Profit“ – oder gibt es andere Begründungen und positive Urteile?

Fazit

Sicherlich kann, wie dieses Analyse zeigt, die Auseinandersetzung mit solchen Planungen dazu beitragen, wesentlich validere und didaktisch wirkungsvollere Unterrichtskonzepte und -pläne zu entwickeln. Man könnte also ChatGPT durchaus nutzen, um auf Ideen für Unterricht zu kommen. Gleichzeitig zeigt sich aber, dass eine korrigierende „Anpassung“ der erzielten nicht ausreicht. Die eigentlich wichtigen didaktisch relevanten Einsichten zur Unterrichtsthematik ergeben sich erst und gerade dann, wenn man den Planungen von ChatGPT nicht folgt, sondern sie „gegen den Strich“ liest, sie daraufhin befragt, inwiefern die Charakteristika und Lücken thematisch und didaktisch bedeutsam sind. Anregend und bedeutsam ist hier nicht, was ChatGPT geleistet hat, sondern was daran problematisch ist – und zwar nicht, weil es noch suboptimal wäre, sondern weil es als ein bestimmtes Sensorium für Brüche und Strukturen in der öffentlichen (Re-)präsentation der Thematik gelesen werden kann und muss. Das aber setzt aber voraus, dass die anwendenden Lehrer*innen bereits über die notwendigen Fachkenntnisse sowohl in Bezug auf die Gegenstände als auch auf das historische Lernen verfügen und diese anwenden, sowie die notwendigen nachgelagerten Recherchen und Weiterarbeit. Inwieweit dies noch als Moderation und Unterstützung bezeichnet werden kann, ist fraglich. Das alles gibt Anlass zur Sorge und ist geeignet, Herausforderungen für die Lehrkräftebildung und -fortbildung zu begründen.

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*Prof. Dr: Andreas Körber; Universität Hamburg; andreas.koerber@uni-hamburg.de

1Vgl. z.B. die deutsche Anwendung / Website fobizz.de.

2Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Schule und Berufsbildung.

3In der Tat sind die Vorschriften in diesem Bildungsplan an sich eher allgemein gehalten. Vgl. Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Schule und Berufsbildung, S. 28. Im Themenbereich ‚Moderne‘ und der Rubrik ‚Industrielle Revolution und soziale Frage‘ werden ‚Soziale Probleme (Löhne, Arbeitszeiten, Kinderarbeit, Wohnungsnot …)‘ und ‚Lösungsmöglichkeiten‘ als zu behandelnde Aspekte aufgeführt und festgestellt: „Die Geschichte der industriellen Revolution, die den gesellschaftlichen Reichtum enorm steigerte und gleichzeitig Massenarmut schuf, erlaubt es uns, grundlegende Fragen der sozialen Gerechtigkeit und Solidarität auf nationaler und internationaler Ebene zu betrachten.“ Als Verbindung zur Gegenwart wird eher ein Bezug zur aktuellen digitalen Revolution hergestellt als zur aktuellen oder gegenwärtigen Kinderarbeit. Dies schließt natürlich nicht aus, letztere Verbindung zu nutzen, wie es ChatGPT vorschlägt. Auch wenn diese Regelungen nicht sehr spezifisch sind und somit viel Spielraum für die eigene Planung der Lehrkräfte lassen, legen sie eindeutig eine gesellschaftskritische Haltung zum Thema nahe – ein Merkmal, das nicht ohne Relevanz für diese von ChatGTP geplante Unterrichtsstunde und ihre Bewertung ist, sondern auch in einem größeren Rahmen für den Geschichtsunterricht im Allgemeinen.

4Unten (S. 8) gibt ChatGPT auf Nachfrage die folgende Quellenangabe an: „Erster Bericht eines Fabrikinspektors (1842). Quelle: Edwin Chadwick, Report on the Sanitary Condition of the Labouring Population of Great Britain (1842). Verfügbar unter: Viele Bibliotheken haben Kopien dieses Berichts. Digitale Versionen sind auch in Online-Archiven und -Bibliotheken zu finden, z. B. bei Google Books oder archive.org.“

5Die Stelle findet sich weder in Chadwick 1842b, Chadwick 1842a, noch Chadwick 1843; [A. Körber]; vgl. FN , S. 6.

6Für diese Quelle gibt ChatGPT unten (S. 8) die folgende Referenz an: „2. Augenzeugenbericht (1843). Quelle: Interview mit einem ehemaligen Arbeiterkind aus The Condition of the Working-Class in England von Friedrich Engels (1845). Verfügbar unter: Das Buch ist frei zugänglich und kann z.B. auf Project Gutenberg (gutenberg.org) oder in vielen digitalen Bibliotheken eingesehen werden.“

7Die Stelle findet sich nicht in dem Buch von Friedrich Engels über die Lage der arbeitenden Klasse in England von 1845. [A. Körber]; Engels 1943.

8In diesem Fall ist der Verweis sehr vage und enthält nur einen kurzen Titel (ILO Report 2020). Die korrekte Referenz scheint International Labour Organization 2017 zu sein, wo die zitierten Zahlen auf S. 5, 11, 20 und 23 zu finden sind, während die Zahlen im folgenden Bericht von 2021 (International Labour Organization und UNICEF 2021, S. 8) für 2020 (im Gegensatz zur Projektion im früheren Bericht) deutlich höher sind (160 Millionen).

9Auch dieses Zitat – so allgemein und abstrakt es auch ist – kann nicht gefunden werden. Der treffendste Hinweis bei der Verwendung des Begriffs in einer Google-Suche ist Gupta 2023 von der „gemeinnützigen Organisation, deren Aufgabe es ist, eine nachhaltige und integrative Entwicklung in den ärmsten Regionen der Welt zu fördern“ (https://spesnova.org/about-us/; 09.09.2024) – ein Text, der an sich schon eine fragwürdige Referenzierung aufweist, z.B. die Zuordnung eines Zitats von Sofie Ovaa von Stop Child Labour, dass Kinder als gering qualifizierte Arbeitskräfte „leichte Ziele“ seien (zitiert Hymann 2021), zu Maria Montessori, von der in der Tat das optimistische Motto über dem besagten Artikel steht.

10Der Abschnitt auf S. 6 ist in dem Buch von Chadwick nicht zu finden. Vgl. Chadwick 1842a; Chadwick.

11Der Abschnitt auf S. 6 findet sich nicht in dem Buch von Friedrich Engels über die Lage der arbeitenden Klasse in England von 1845. (A. Körber)

12Lewis Hine dokumentierte Kinderarbeit erst ab 1906 und in den USA. Siehe z.B.: https://de.wikipedia.org/wiki/Lewis_Hine. [A. Körber]

13Mit diesem Hinweis ist wahrscheinlich Nardinelli 1990 gemeint.

14Vgl. Neubert und Seever 2024.

15Vgl. z.B. CAST 2008; Bühler 2015.

16Vgl. Mehan 2014; Cazden 2001; Cazden und Beck 2003, S. 171–174.

17Leisen 2008; Leisen 2011a; Leisen 2011b; Leisen 2017.

18Dies ist die gleiche Kritik, die in den späten 1970er und 1980er Jahren an die bahnbrechende Lehrbuchreihe Fragen an die Geschichte von H.-D. Schmid (vgl. Schmid 1979) in den späten 1970er und 1980er Jahren: Sie versammelte eine Fülle von unterschiedlichem und multiperspektivischem Primär- („Quellen“-) und Sekundärmaterial, das jedoch auf Schnipsel reduziert wurde, die nur jene Informationsteile enthielten, die sich leicht in die geplanten Erzählungen einfügen ließen. Zwar lagen in vielen Fällen Schnipsel aus mehreren und kontrastierenden Perspektiven und damit eine Art Multiperspektivität vor, aber der argumentative Kontext innerhalb des jeweiligen Materials, Informationen, aus denen sich dessen ‚innere‘ Perspektive charakterisieren ließe, fehlten weitgehend. Vgl. Spieß 2014, S. 34–36.

19Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Schule und Berufsbildung.

20Vgl. FN , oben, p. 7.

21Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ChatGPT beinahe diese beklagte Einseitigkeit der Quellenauswertung simuliert, indem es nicht die Fakten einseitig „ausquetscht“ oder auch nur auswählt, sondern gleich die Quellen zu seinem Gesamtnarrativ passend fingiert.

22Brown 1991 (Übers. A.K. unter Verwendung von deepl.com).

23Bergmann 2016; Vgl. Lücke 2012.

SWK-Stellungnahme „Demokratiebildung als Aufgabe der Schule“: Problematische Darstellung der Kompetenz-Bildungsstandard-Diskussion im Fach Geschichte [V.2]

Körber, Andreas (28.1.2025): „SWK-Stellungnahme „Demokratiebildung als Aufgabe der Schule“: Problematische Darstellung der Kompetenz-Bildungsstandard-Diskussion im Fach Geschichte“ In: Historisch Denken Lernen. Blog des Ab Geschichtsdidaktik.

[Edit 17.12.2025: Siehe nun auch die Stellungnahme der Konferenz für Geschichtsdidaktik (kgd).]

Mitte letzten Jahres hat die Ständige Wissenschaftliche Kommission (SWK) der Kultusministerkonferenz (KMK) eine Stellungnahme „Demokratiebildung als Aufgabe der Schule“ vorgelegt (auch auf pedocs zu finden). Diese ist – gerade vor dem Hintergrund starker Zustimmung zur Notwendigkeit von Demokratieförderung als fächerübergreifender Aufgabe – zum Ende des Jahres insbesondere von mehreren Verbänden der politischen Bildung — also der einschlägigen fachdidaktischen und auch fachwissenschaftlichen Gesellschaften — deutlich in einer Gegenstellungnahme (u.a. hier zu finden) kritisiert worden. Besonders angesprochen werden dort sowohl eine kategoriale und konzeptuell starke Verkürzung der Auseinandersetzung mit aktuellen politischen Einstellungen von Kindern und Jugendlichen mittels des Konzepts „Extremismus“, eine selektive Wahrnehmung empirischer fachdidaktischer Forschung und eine ebenso selektive Wahrnehmung schulischer Praxis.

Gerade wegen des beiden Papieren gemeinsamen Anliegens der Demokratieförderung in allen Fächern lohnt auch ein Blick darauf, wie dort die Rahmenbedingungen für das Fach Geschichte und in der Geschichtsdidaktik dargestellt werden. So wie für den Bereich der Sozialwissenschaftsdidaktiken bereits das Gegenpapier eine veraltete und stark verengte Kompetenzmodellierung kritisiert, ist auch für den Bereich der Geschichtsdidaktik eine starke Verkürzung und dadurch völlige Verkennung der Debatte und des Standes der Forschung im SWK-Papier zu erkennen. Es heißt dort:

  1. „In der Situationsanalyse wurde gezeigt, dass bislang noch keine verbindlichen Kompetenzziele definiert und flächendeckend im Unterricht der Fächer Politik und Geschichte implementiert wurden. Die Definition verbindlicher Kompetenzziele erfordert fachlich und fachdidaktisch begründete Modelle (Grieger & Oberle, 2020, S. 153), die die Struktur der zu erreichenden Kompetenzen definieren und die zur Orientierung guten Unterrichts geeignet sind (Körber, 2022a).
  2. „Angesichts der Bedeutung von Bildungsstandards für die Qualitätsentwicklung hat die GPJE bereits im Jahr 2004 einen ersten Entwurf von Bildungsstandards für politische Bildung entwickelt (G. Weißeno, 2021). Auch in der Geschichtsdidaktik gab es entsprechende Bemühungen. So wurde im Jahr 2002 ein Entwurf von Sauer vorgelegt, der die Grundlage für ein Papier des Geschichtslehrerverbands bildet (Körber, 2012[a]). Diese Bemühungen wurden von der Bildungspolitik bislang jedoch nicht aufgegriffen. Anders als für die Fächer Deutsch, Erste Fremdsprache (Englisch, Französisch), Mathematik sowie Biologie, Chemie und Physik liegen für den Politik- und den Geschichtsunterricht in Deutschland keine verbindlichen Bildungsstandards vor.“ (m. Herv.; A.K.)

Dazu möchte ich folgendes anmerken:

Dass eine Definition verbindlicher Kompetenzziele auf fachdidaktisch begründete Modellierungen der Struktur der zu erreichenden Kompetenzen“ aufsitzen sollte, ist wohl kaum zu bestreiten. Das ist aber nicht erst ein Ergebnis der Diskussion der letzten 20 Jahre, sondern war geradezu die Prämisse für die Entwicklung von Bildungsstandards. Schon die „Klieme-Expertise“ (2003) hat dies richtigerweise postuliert. Damals ging es vor allem auch darum, dass nicht einfach ein allgemeines, fachunspezifisches Kompetenzmodell (in dem etwa alle spezifischen Strukturen umstandslos als ein Kompetenzbereich „Fachkompetenz“ subsumiert wären) genutzt wird, sondern der jeweilige (!) Bildungsbeitrag des Faches kompetenztheoretisch formuliert wird.

Dass die Definition verbindlicher Kompetenzziele selbst aber selbst ein Wert an sich ist, wie die Verwendung des Indikativs („die Definition“) und die Vokabel „nötig“ suggeriert, ist dort gerade nicht gesagt. Zwar ist die Verwendung meines Beitrags von 2022 (Körber 2022a) an der oben zitierten Stelle im engeren Sinne korrekt – sie dient dort wohl nur zur Charakterisierung der Aufgabe von Kompetenzmodellen, „die Struktur der zu erreichenden Kompetenzen zu definieren“ und guten Unterricht zu informieren. Im weiteren Zusammenhang ist sie aber falsch. gerade in dem zitierten Beitrag führe ich nämlich aus, dass und wie die Geschichtsdidaktik als solche bislang keine Orientierung auf verbindliche Kompetenzziele im Sinne von Bildungsstandards vorgenommen hat — und zudem, dass die auch innerhalb unserer Disziplin bisweilen beklagte Mehrzahl an Kompetenzmodellen durchaus kein Problem sein muss (die Mehrzahl wohlgemerkt, nicht die Gesamtheit aller), sondern vielmehr auch Ausweis einer Entwicklung , in der sich die Disziplin mit den nach PISA 2000 erneut in den Blick gekommenen und genommenen Dimension des Könnens beim Historischen Denken auseinander gesetzt hat. Sie hat das nämlich in einer Art und Weise getan, die unter Kompetenzen nicht nur die Fähigkeit zur Anwendung der Fachdisziplin entnommener Methoden und Arbeitstechniken im Rahmen vorgegebener Themen und Aufgaben meint, sondern vielmehr die Befähigung zu eigenständigem historischem Denken als Orientierung in der Geschichtskultur — einschließlich Wissenschaft, und Lebenswelt und gerade auch gegenüber schulischen Narrativen (Körber 2022b). In diesem Sinne ist es gerade nicht meine Position, dass wir in Geschichte einen Satz im Konkreten verbindlich festgelegter „Kompetenzziele“ brauchen, um guten Unterricht zu entwickeln (und das gerade auch angesichts sich verändernder Bedingungen und neuen Herausforderungen), — wohl aber, dass die Disziplin und die Praktiker*innen wie auch die Bildungsverwaltung sich an fachdidaktisch validen und konsistenten Kompetenzkonzepten und -modellen orientieren können.

Hauptsächlich problematisch ist aber der oben unter 2. zitierte Absatz. Er suggeriert nicht nur, dass mit dem Entwurf von Sauer 2002 eigentlich Kompetenzorientierung in der Disziplin weitgehend abgeschlossen hätte sein können (auch wenn er dort als „Entwurf“ qualifiziert wird), und ein entsprechender Vorstoß des Geschichtslehrerverbandes nur von „der Bildungspolitik“ hätte aufgegriffen werden müssen. Das nun verkennt die Entwicklung und die Lage in der Disziplin und auch ihre Bedeutung in geradezu grotesker Weise.

Es wird suggeriert, dass ein solch früher Entwurf (2002 noch vor der „Klieme-Expertise“ !) ausgereicht hätte und es nach dem „Geschichtslehrerverband“  nur  noch eine Aufgabe der Politik gewesen wäre, dies umzusetzen, so als sei mit einem solchen Entwurf der fachdidaktischen Begründung von Kompetenzen Genüge getan. Damit wird die fachdidaktische und wissenschaftliche Expertise gerade zu beiseite gewischt. Dass gerade eine Wissenschaftliche Kommission das so formuliert, ist durchaus problematisch.

Dass dieser frühe Entwurf von Sauer selbst zunächst keineswegs als vollgültiges Modell, sondern als partieller und pragmatischer Zugriff gedacht war, wird ebenso nicht wahrgenommen, wie die Tatsache dass er selbst, mehr noch aber der auf ihm basierende Entwurf von Bildungsstandards durch den Geschichtslehrerverband (Verband 2006; 2010/2011) von der Disziplin keineswegs rundum anerkennend aufgenommen, sondern im Gegenteil scharf kritisiert wurden. Das hat sicher unter anderem damit zu tun, dass Sauers Entwurf weniger von einer allgemeinen Idee eines Bildungsbeitrags des Faches ausging (das wurde ja auch erst in der ein Jahr später erschienenen Klieme-Expertise so gefordert), sondern vielmehr bisherige Elemente historischen Unterrichts mittels der neuen Kompetenzsprache ausdrückte. Das ist als solches kein großes Problem, war doch die Geschichtsdidaktik und der Geschichtsunterricht seit spätestens der 1980er Jahre von einer reinen, alleinigen Vermittlung feststehender Narrative der einen Geschichte so weit abgekommen, dass innerhalb der weiter gültigen chronologischen Orientierung am Master Narrativ wissenschafts-, schüler(*innen)-, lebensweltliche und weitere Orientierungen (etwa auf „Handeln“) und insbesondere eine gewisse Methodenorientierung hinzu getreten waren, in welcher man einen Kern von Kompetenzorientierung erkennen kann. Aber was das hinreichend? Gerade der Impuls aus Weinerts Definition von Kompetenzen als Fähigkeiten, Fertigkeiten und (motivationale, volitionale und soziale) Bereitschaften zur Bearbeitung jeweils neuer Herausforderungen, solche Methoden und Grundzüge des „Geschichte selber Denken“s (Bergmann 2000) nicht nur im Rahmen der überkommenen und weiter geltenden Bildungsplaninhalte zu erwerben und anwenden können, sondern den Unterricht auf ein historisches Denken im „Bewährungsfeld“ (Pandel 2005) der Lebenswelt zu orientieren, ist bei Sauer gar nicht verarbeitet.

Mehr noch: Das in der SWK-Stellungnahme angeführte „Papier“ des Geschichtslehrerverbandes besaß nicht nur dieselbe Struktur, vornehmlich bisherige Unterrichtsfokussierung und Praxis eher umstandslos und ohne wirkliche Umorientierung in die neue „Kompetenzkultur“ zu überführen, sondern geriet sehr bald und sehr gründlich aus der Disziplin in scharfe und grundlegende Kritik, die u.a. herausarbeitete, dass dort nämlich gerade keine Selbstständigkeit des Denkens und Begründens als Kompetenzen modelliert wurden, sondern z.B. die Fähigkeit, Fertigkeit und Bereitschaft zur Abgaben vorgefertigter Urteile, zum (nur vermeintlich) „eigenständigen“ Nachvollzug vorgegebener Deutungen als „Kompetenzen“ ausgegeben wurden. Das ging bis zum Vorwurf, dort werde Kompetenzorientierung als Indoktrinationsinstrument genutzt (Pohl 2008).

Die vom VGD vorgeschlagenen Festlegungen von „Bildungsstandards“ auf der Basis von Sauers Modell entsprechen nämlich gerade nicht dem Kompetenzkonzept, das wohl auch die SWK im Sinn hat. Ich habe das in meiner Analyse u.a. des niedersächsischen „Kerncurriculums“ von 2008, das in vielen Formulierungen mit den Bildungsstandards des VGD in der überarbeiteten Fassung übereinstimmt, im einleitenden Rückgriff auf die Bildungsstandard-Konzeption wie folgt ausgeführt:

„‚Bildungsstandards‘ im Sinne der seit PISA geführten und von der Klieme-Kommission angestoßenen Debatte sind nämlich nicht vornehmlich inhaltliche Festlegungen von zu lernendem Wissen und Deutungen der Art, wie es hier im Bereich der „Sachkompetenz“ ausgebreitet wird, sondern Fähigkeiten und Fertigkeiten (sowie die Bereitschaft, sie anzuwenden), die an immer neuen (und somit anderen als den im Unterricht gelernten) Problemen anzuwenden sind, die nämlich bewerkstelligen, dass der Träger dieser Kompetenz neue Problemstellungen eigenständig bewältigen kann.[…] Das ist etwas, was hier nicht eingelöst wird. In den ‚Bildungsstandards‘ des VGD geht es vielmehr gerade um festgelegte ‚Bildungsinhalte‘. Man kann derartiges festlegen wollen, sollte es dann aber nicht ‚Bildungsstandards‘ nennen, sondern eher schon ‚Kerncurriculum – aber selbst dann sollten nur die Gegenstände, nicht deren Deutungen autoritativ vorgegeben werden.“ (Körber 2012b, S. 4).

Vor diesem Hintergrund stellt sich durchaus die Frage, ob eine Festlegung verbindlicher Kompetenzziele eigentlich wünschenswert ist – oder ob nicht eine deutliche, zugleich aber auch weiterhin ergebnis- und entwicklungsoffene  Reflexion aller geschichtsdidaktisch Tätigen über ihren Gegenstand (nicht: die Vergangenheit, sondern das Historische Denken) auch (!!) unter dem Aspekt der dafür individuell wie angesichts gesellschaftlicher  und medialer Geschichtsbezüge und Bedingungen nötigen und zu entwickelnden Kompetenzen wichtiger ist als eine konkrete Festlegung. Hier gilt hinsichtlich der Gefahr, dass Unterricht statt auf eigenständiges Denken und auf eine Befähigung zur Reflexion auf dieses eigenständige Denken auf Objektivierung ausgerichtet wird, ähnliches wie bei den Operatoren: Wie Hans-Jürgen Pandel in seinem jüngsten Buch (Pandel 2023, 33-34) richtig feststellt, haben sie Anfang der 2000er Jahre in der Tat dazu beigetragen, das Übergewicht lediglich die Reproduktion vorab erworbenen oder aus gegebenem Material herauszuarbeitenden Wissens verlangender Aufgaben (oder Aufgabefacetten) in Prüfungen („AFB 1“) zugunsten solcher, die Anwendung („AFB 2“) und Urteile („AFB 3“) erfordern, zu reduzieren. Inzwischen scheint ihr Hauptzweck aber weniger die Klärung der adressierten Operationen zu sein als die Sicherstellung einer eine Form der Berechenbarkeit der konkret erwarteten Performanzen, die dem, was Historisches Denken eigentlich ausmacht – nämlich Orientierung angesichts zeitbezogener Kontingenz – ebenso entgegenwirkt wie dem Prinzip der Pluralität eigensinniger Deutungs- und Urteilsergebnisse (vgl. Lücke 2012).

Sicher, auch ich wünsche mir manchmal (oft) verbindlichere Kompetenzziele. Aber darüber, wie diese aussehen könnten, bin ich herzlich unsicher – gerade wenn ich etwa die Versuche von Umsetzungen in Bildungsplänen sehe. Vieles daran ist im Groben in Ordnung, wird dann aber im Konkreten schnell problematisch. Die Formulierung solcher Kompetenzziele scheint insbesondere dann eine durchaus nicht wirklich zu leistende Aufgabe zu sein, wenn man (wie es zuletzt wieder stärker betont wird) die Kompetenzen an „verbindlichen Inhalten“ vermittelt wissen will.

Natürlich ist es sinnvoll und dringend zu fordern, dass Lernende (alle!) einen Begriff von den spezifischen Erkenntnisbedingungen entwickeln, die eine Befassung mit Vergangenem mit sich bringt. Darunter fällt unbedingt der Erwerb einer begrifflichen (konzeptuellen) Unterscheidung von „Vergangenheit“ und „Geschichte“ ebenso wie ihres Zusammenhangs. Das gleiche gilt für die Gewinnung einer Einsicht in die unhintergehbare Perspektivität aller historischen Aussagen und ihrer Charakteristik, jeweils konstituierende Aussagen, schließende (Sach-) und Werturteile miteinander zu verbinden. Es gilt auch für die Fähigkeit Fertigkeit und Bereitschaft (=Kompetenz), solche Aussagen in allen Formen kritisch reflektierend zu analysieren (zu „de-konstruieren“) und bei der Erstellung von Aussagen über Vergangenes (also beim Re-Konstruieren) sowohl diese Charakteristik (Perspektivität, Ko-Konstruktivität und Adressatenbezug!) zu berücksichtigen als auch die jeweils enthaltenen Geltungsansprüche durch Verweise, Belege, Begründungen etc. zu sichern. Zugleich braucht es eine Verfügung über Begriffe und Konzepte, und zwar eine Verfügung, die sowohl die Unterscheidung zwischen Vergangenheit und Geschichte (also u.a. Termini aus der Vergangenheit und Bezeichnungen für rückblickende begriffliche Fassungen vergangener Phänomene, Entwicklungen und Ereignisse) ebenso berücksichtigt wie wahrnimmt, dass und wie solche Begriffe selbst Ergebnisse historischen Denkens und Urteilens und der Anwendung gegenwärtig genutzter Begriffe „Zweiter Ordnung“ sind. Ein wichtiges Beispiel etwa ist die in Bildungsplänen oft zu findende Formulierung (als „Kompetenzziel“), Lernende sollten Quellen und Darstellungen“ eindeutig unterscheiden können. Klingt gut, ist es aber nur bis zu einem gewissen Grade. Gibt es denn „Quellen“ an sich? Ist „Quelle“ oder „Darstellung“ zu sein eine Eigenschaft des jeweiligen Materials – oder doch eher eine (hoffentlich begründete) Zuerkennung einer bestimmten Funktion und eines bestimmten erkenntnistheoretischen Status im Rahmen eines historischen Denkens? Es ist ja schon eine oft zitierte Binsenweisheit, dass alle „Darstellungen“ auch „Quellen“ sein können bzw. „als Quellen“ genutzt werden können (nämlich für das Fragen, Denken und Erzählen ihrer Zeit) – und dass viele Quellen selbst Charakteristika von Darstellungen (insbesondere Narrativität) aufweisen. Und viele Materialien passen gar nicht in diese binäre Unterscheidung. Letzteres gilt nicht nur für die oft angeführten Zeitzeug*innen  („Quelle und Darstellung zugleich“ ! -??), sondern auch etwa für Memoiren. Anders etwa als Tagebücher sind sie retrospektive, von späterem Interesse sowohl an Erinnerung und Aufarbeitung aber eben auch an der Schaffung eines spezifischen Bildes mindestens mit beeinflusste, Narrative; zugleich beinhalten und reflektieren Sie aus der Situation heraus bekannte Kenntnisse und Sichtweisen der jeweiligen Situation, die anderweitig nicht überliefert ist.

Aber nicht nur in Bezug auf „Begriffe zweiter Ordnung“ gilt, dass nicht nur ihre Verfügung, sondern ihre Reflexion notwendig ist. Inwiefern solche Konzepte aber im Rahmen einer Lernprogression, einem „Lehrgang“ o.ä. wirklich systematisch erworben und der Reflexion zugeführt werden können, ober ob es dazu nicht vielmehr deutlich mehr und vielfältigerer Situationen der Irritation und Anwendung bedarf, dazu liegen kaum Daten vor.

Das gleiche gilt für Methoden. „Die Fähigkeit, Quellen zu analysieren“ etwa ist eine Abstraktion. Man erwirbt (und besitzt) sie nicht ein und für alle Male. Andererseits ist es eben auch nicht so, dass jede Quelle, jedes material, jede Gattung völlig eigene Fähigkeiten, fertigkeiten und Bereitschaften erfordert. Vielmehr besteht diese Verfügung über diese Methode in einer Kombination einer (oder mehrerer) Grundeinsicht(en) in Bedingungen historischer Erkenntnis mit Grundkonzepten, und der Fähigkeit, den erkenntnistheoretischen Status des jeweils vorliegenden (oder auch eines noch zu findenden) Materials, seinen spezifisch historischen Erkenntniswert sensibel zu reflektieren, und dann auf dieser Basis variabel Zugänge zu seiner Erschließung zu wählen, auszuprobieren, ggf. zu revidieren und das Ergebnis einzuschätzen. Sie geht eben nicht darin auf, die einzelnen Elemente wiederzugeben oder sie mehr oder weniger schematisch auf neue Aufgaben „anzuwenden“.

Jede Standardsetzung, die das berücksichtigen wollte (oder will), erfordert eine Betonung des Konzeptuellen, Kategorialen und Methodischen, die in den genannten Kompetenzmodellen von Sauer und im „Standard“-Entwurf des Geschichtslehrerverbands gerade nicht gegeben ist, und die der gegenwärtigen Mode stärkerer inhaltlicher Verbindlichkeit zuwider läuft.
Meine eigene Position zur Frage der Bildungsstandards dazu lautet daher seit langem: „Kompetenzen und Kompetenzmodelle ja – Bildungsstandards: nein“ bzw. erst, wenn es uns gelingt, jegliche Schematisierung und somit Verengung bzw. gar Verkehrung der damit verbundenen Intention zu vermeiden oder gar zu verhindern – gerade weil Historisches Lernen – und zumal in heterogener, diverser Gesellschaft und angesichts gesellschaftlicher wie wissenschaftlicher Kontroversen – letztlich Befähigung zu immer neuer Orientierung an wechselnden und neuen oder zumindest neu lebensweltlich und relevant werdenden Fragestellungen bedeutet – Fragen, die nur zum Teil einen ähnlichen Grad an Stabilität haben wie es in den Naturwissenschaften und den Fremdsprachen der Fall sein mag.

Literatur

  • Bergmann, Klaus (2000): Multiperspektivität. Geschichte selber denken. Schwalbach/Ts.: Wochenschau (Wochenschau Geschichte).
  • Gautschi, Peter; Hodel, Jan; Utz, Hans (2009): ‚Kompetenzmodell für «Historisches Lernen‘ – eine Orientierungshilfe für Lehrerinnen und Lehrer. Online verfügbar unter http://ernst-goebel.hoechst.schule.hessen.de/fach/geschichte/material_geschichte/allpaed_geschichte/kompetenzorientierunggu/litkompetenzorientierunggu/Gautschi-Kompetenzmodell_fuer_historisches_LernenAug09.pdf (zuletzt geprüft 29.01,2025)
  • Gautschi, Peter (2009): Guter Geschichtsunterricht. Grundlagen, Erkenntnisse, Hinweise. Schwalbach/Ts.: Wochenschau (Wochenschau Geschichte).
  • Gundermann, Christine; Brauer, Juliane; Carlà-Uhink, Filippo; Keilbach, Judith; Koch, Georg; Logge, Thorsten et al. (Hg.) (2021): Schlüsselbegriffe der Public History. Uni-Taschenbücher GmbH; Vandenhoeck & Ruprecht. Göttingen, Stuttgart: Vandenhoeck & Ruprecht; UTB GmbH (utb-studi-e-book, 5728).
  • Klieme, Eckhard; Avenarius, Hermann; Hermann, Werner a.o (2003): Zur Entwicklung nationaler Bildungsstandards: Eine Expertise. Hg. v. BMBF. Bonn. Online verfügbar unter http:­/­/www.bmbf.de­/pub­/zur_entwicklung_nationaler_bildungsstandards.pdf; nun https://www.pedocs.de/volltexte/2020/20901/pdf/Klieme_et_al_2003_Zur_Entwicklung_Nationaler_Bildungsstandards_BMBF_A.pdf, zuletzt geprüft am 29.01.2025.;
  • Körber, Andreas; Schreiber, Waltraud; Schöner, Alexander (Hg.) (2007): Kompetenzen historischen Denkens. Ein Strukturmodell als Beitrag zur Kompetenzorientierung in der Geschichtsdidaktik. Neuried: Ars Una (Kompetenzen, 2). Online verfügbar unter http://edoc.ku-eichstaett.de/1715/1/1715_Kompetenzen_historischen_Denkens._Ein_Strukturmodell_al.pdf (zuletzt geprüft 29.01.2025).
  • Körber, Andreas (2012a): Kompetenzorientierung in der Domäne Geschichte. Universität Saarbrücken. Saarbrücken, 27.06.2012. Online verfügbar unter http://www.pedocs.de/frontdoor.php?source_opus=10235 (zuletzt geprüft 29.01.2025).
  • Körber, Andreas (2012b): Kompetenzorientiertes Geschichtslernen in Hamburg und Niedersachsen? Zwei Wege der Richtlinien-„Innovation“: pedocs. Online verfügbar unter http://www.pedocs.de/volltexte/2012/5850 (zuletzt geprüft 29.01.2025).
  • Körber, Andreas (2022a): Kompetenzmodelle in der Geschichtsdidaktik. In: Georg Weißeno und Béatrice Ziegler (Hg.): Handbuch Geschichts- und Politikdidaktik. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden; Springer VS, S. 3–16. Online: https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-658-29668-1_1 (zuletzt geprüft 29.01.2025)
  • Körber, Andreas (2022b): Kompetenzorientierung – eine Sackgasse? Nein! In: Thomas Must, Jörg van Norden und Nina Martini (Hg.): Geschichtsdidaktik in der Debatte. Beiträge zu einem interdisziplinären Diskurs. Frankfurt: Wochenschau Verlag (Geschichtsdidaktik theoretisch), S. 139–156.
  • Lücke, Martin (2012): Multiperspektivität, Kontroversität, Pluralität. In: Michele Barricelli und Martin Lücke (Hg.): Handbuch Praxis des Geschichtsunterrichts. Historisches Lernen in der Schule. Schwalbach/Ts.: Wochenschau (Wochenschau Geschichte), S. 281–288.
  • Pandel, Hans-Jürgen (2005): Geschichtsunterricht nach PISA. Kompetenzen, Bildungsstandards und Kerncurricula. 1. Aufl. Schwalbach/Ts.: Wochenschau (Forum Historisches Lernen).
  • Pandel, Hans-Jürgen (2023): Geschichtsdenken. Grundzüge einer fachspezifischen Methodik. Frankfurt am Main: Wochenschau (Forum Historisches Lernen).
  • Pohl, Karl Heinrich (2008): “Bildungsstandards im Fach Geschichte. Kritische Überlegungen zum Modellentwurf des Verbandes der Geschichtslehrer Deutschlands (VGD)”. In: GWU 59 (11), S. 647–652.
  • Verband der Geschichtslehrer Deutschlands (VGD) (2006): Bildungsstandards Geschichte. Rahmenmodell Gymnasium, 5. – 10. Jahrgangsstufe. Schwalbach/Ts.: Wochenschau (Studien des Verbandes der Geschichtslehrer Deutschlands).
  • Verband der Geschichtslehrer Deutschlands (VGD) (2010/2011): Bildungsstandards Geschichte (Sekundarstufe I). Kompetenzmodell und Synoptische Darstellung der Kompetenzen und Verbindlichen Inhalte des Geschichtsunterrichts- Entwurf -. Fassung mit erster Überarbeitung; Stand der Überarbeitung: 10.5.2011. Hg. v. Verband der Geschichtslehrer Deutschlands. Vom Arbeitskreis Bildungsstandards dem VGD zur Diskussion vorgelegt auf dem Historikertag am 29. September 2010. Online verfügbar unter http://www.geschichtslehrerverband.org/fileadmin/images/Bildungsstandards/Druckfassung/Standards_Druckformat__10.5.2011_.pdf (nun ungültig); https://www.geschichtslehrerforum.de/VGD_Bildungsstandards_Entwuf2010.pdf, zuletzt geprüft am 29.01.2015.

 

Quellensprache – Alltagssprache – Bildungssprache – Fachsprache?

Kurze Irritation:
„Quellensprache“? Als Bezeichnung für den linguistischen Ursprung einer sprachlichen (Ver-)mittlungs- und Übersetzungsleistung –sicher (ich würde dann aber selbst eher „Quellsprache“ sagen). Aber im Sinne von „Handros Differenzierung von vier für den Geschichtsunterricht relevanten Sprachen (Quellensprache, Darstellungssprache, Schülersprache, Schulsprache)“?1

Was soll das sein? Sprechen Quellen eine (eigene) Sprache? Oder verhält es sich vielmehr so, dass sich in „Quellen“ ihrerseits die Vielfalt von vernakulärer und Alltagssprache über Bildungs- bis hin zu Fachsprachen manifestiert — mitsamt weiterer Dimensionen wie Regio- und Soziolekten?  Das gleiche gilt auch, wenn bei Handro „Sprache“ dabei nicht „langue“ meint, sondern die spezifischen Register des Darstellens, Vermitteln etc. – Haben historische Quellen ein eigenes Sprachregister? Bilden sie nicht wiederum die ganze Vielfalt ab?

Nicht, dass ich die sprachliche Dimension des Geschichtslernens für zu vernachlässigen halte – im Gegenteil! Gehört aber zu Sprachsensibilität nicht auch, zeitlich bedingte Differenzen in Sprache und Sprachgebrauch nicht mit einem übergreifenden Wort zu verdinglichen – (ungewollt!) zu suggerieren, dass man es mit einer sprachlichen Einheit zu tun hat, nicht mit einer Dimension von Vergangensein einerseits bzw. einer linguistischen Dimension historischer Alterität?

  1. Bernd-Stefan Grewe, Rezension zu: Bracke, Sebastian; Flaving, Colin; Jansen, Johannes; Köster, Manuel; Lahmer-Gebauer, Jennifer; Lankes, Simone; Spieß, Christian; Thünemann, Holger; Wilfert, Christoph; Zülsdorf-Kersting, Meik: Theorie des Geschichtsunterrichts Frankfurt am Main 2018 , ISBN 978-3-7344-0617-1 , in: H-Soz-Kult, 27.02.2020, https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-26961. []

Eine Facette geschichtsdidaktischer Aufgabentheorie

Körber, Andreas (17.3.2024): „Eine Facette geschichtsdidaktischer Aufgabentheorie“

Nur eine kurze Bemerkung:

In einer Hausarbeit wird (durchaus korrekt) unter Bezug auf Heuer 20191 ausgeführt, dass im Geschichtsunterricht „gute Lernaufgaben“ „sowohl Lehrende als auch Lernende“ herausforderten, „sich zu positionieren und zu versuchen eigene wie fremde Denkprozesse nachzuvollziehen und darauf zu reagieren“

Dazu nur eine kurze Anmerkung:

Das ist ein Aspekt, der noch ausbaufähig ist (sowohl hier wie auch in der Literatur). Mit „fremden Denkprozessen“ sind zumeist diejenigen gemeint, die Lernenden in der Literatur bzw. in Materialien begegnen. Mit Blick auf die Aufgabe von Geschichtsunterricht, Lernende zur Teilhabe an der Geschichtskultur , zur geschichtsbezogenen Kommunikation mit anderen und überhaupt zum Zusammenleben mit anderen zu befähigen, die ebenso historisch denken wie sie selbst (vgl. Röttgers, Kurt (1982): Geschichtserzählung als kommunikativer Text. In: Siegfried Quandt und Hans Süssmuth (Hg.): Historisches Erzählen. Formen und Funktionen. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht (Kleine Vandenhoeck-Reihe, 1485), S. 29–48), gehört dazu aber auch das Wahrnehmen von und die Auseinandersetzung mit historischem Denken anderer, seinen Voraussetzungen (etwa Perspektiven, Interessen, Fragen, Deutungsmustern, Normen, Werten) und Ergebnissen — gerade auch in einem Geschichtsunterricht, der inklusiv sein soll.

Auch das kann und muss im Unterricht „geübt“ werden. Schon von dieser Perspektive her ist es eigentlich gar wüschenswert, wenn die Bearbeitung von Lernaufgaben nicht zu gleichförmigen Ergebnissen führt, und wenn Aufgaben nicht suggerierten, dass eine bestimmte Lösung zu finden sei, sondern wenn sich in den Aufgabenbearbeitungen der Schüler*innen (d.h in den Produkten wie den Bearbeitungswegen) durchaus unterschiedliche gleichwertige wie auch qualitativ unterschiedliche Umgangsweisen mit historischen Problemen und historischem Material zeigen, die in einem zweiten Arbeitsschritt sowohl wertfrei wie auch wo nötig wertend besprochen und reflektiert werden können.

 

 

  1. Heuer, Christian (2019): Gute Aufgaben?! Plädoyer für einen geschichtsdidaktischen Perspektivenwechsel, in: Kühberger, Christoph et al. (Hrsg.): Das Geschichtsschulbuch : Lehren – Lernen – Forschen (Salzburger Beiträge zur Lehrer/innen/bildung, 6). Münster/New York, S. 147–160, hier S. 155. []

Eine geschichtstheoretisch-geschichtsdidaktische Unterhaltung mit ChatGPT

Körber, Andreas (2023): „Eine geschichtstheoretisch-geschichtsdidaktische Unterhaltung mit ChatGPT“ (Blogbeitrag)

nicht schlecht, aber an wesentlichen Stellen dann doch noch formelhaft. Aber besser als befürchtet. Interessant, wie unterschiedlich ChatGPT auf Rückfragen (gerade auch auf solche, die nach Implikationen des Vorher gesagten fragen und es hypothetisch in Frage stellen) anders antwortet als auf direkte Kritik (ausweichend).

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  • andreas.koerber: Differenziere unterschiedliche Verständnisse bzw. Aspekte von „Präsentismus“ in der Geschichtstheorie!
    Präsentismus“ ist ein Begriff, der in der Geschichtstheorie verwendet wird, um eine Haltung oder Praxis zu beschreiben, die anachronistisch oder unhistorisch ist. Es gibt verschiedene Verständnisse und Aspekte von Präsentismus in der Geschichtstheorie, die im Folgenden näher erläutert werden:

    • Anachronistischer Präsentismus: Diese Form des Präsentismus tritt auf, wenn man eine heutige Haltung oder eine moderne Perspektive auf historische Ereignisse oder Personen anwendet. Dies bedeutet, dass man historische Ereignisse durch eine moderne Linse betrachtet und moderne Werte oder Ideale auf historische Ereignisse anwendet, die diese nicht hatten. Zum Beispiel könnte ein moderner Historiker denken, dass alle Menschen gleiche Rechte haben sollten, und dann die Handlungen historischer Figuren kritisieren, die dies nicht getan haben, ohne zu berücksichtigen, dass sie in einer anderen Zeit und in einem anderen Kontext gelebt haben.
    • Zeitgenössischer Präsentismus: Diese Form des Präsentismus tritt auf, wenn man eine historische Perspektive auf zeitgenössische Ereignisse anwendet. Zum Beispiel könnte man eine bestimmte politische Entscheidung kritisieren, ohne die damaligen Bedingungen oder die politischen Hintergründe zu berücksichtigen.
    • Methodischer Präsentismus: Diese Form des Präsentismus tritt auf, wenn man historische Ereignisse durch die Methoden und Techniken analysiert, die in der heutigen Zeit verwendet werden. Zum Beispiel könnte man versuchen, historische Ereignisse durch statistische Methoden zu analysieren, obwohl diese Methoden zu der Zeit, als das Ereignis stattfand, nicht verfügbar waren.
    • Technologischer Präsentismus: Diese Form des Präsentismus tritt auf, wenn man historische Ereignisse oder Figuren durch die Perspektive von heutigen Technologien oder Innovationen betrachtet. Zum Beispiel könnte man die Rolle der Dampfmaschine in der Industriellen Revolution überschätzen und den Beitrag anderer Technologien oder gesellschaftlicher Entwicklungen unterschätzen.

    Insgesamt ist Präsentismus ein wichtiges Thema in der Geschichtstheorie, da es dazu beitragen kann, dass historische Ereignisse und Figuren falsch interpretiert werden. Historiker sollten sich bemühen, historische Ereignisse und Figuren im Kontext ihrer Zeit und ihres Kontextes zu betrachten und die Vorurteile und Perspektiven der heutigen Zeit zu vermeiden.

  • andreas.koerber: Wann ist ein historisches Ereignis richtig interpretiert?
    Die Interpretation eines historischen Ereignisses kann als „richtig“ betrachtet werden, wenn sie auf einer sorgfältigen und gründlichen Analyse der verfügbaren Quellen und Informationen basiert und diese in den Kontext der damaligen Zeit und Umstände einbettet. Eine „richtige“ Interpretation sollte also historische Ereignisse in Bezug auf ihre politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rahmenbedingungen untersuchen und die verschiedenen Perspektiven und Interessen der beteiligten Akteure berücksichtigen.
    Eine „richtige“ Interpretation sollte auch historische Fakten von Meinungen und Interpretationen unterscheiden können und sollte sich bemühen, Vorurteile und Anachronismen zu vermeiden, die aus einer modernen Perspektive resultieren könnten. Historiker sollten auch ihre Methoden und Herangehensweisen offenlegen und diskutieren, um ihre Argumentation und Interpretation nachvollziehbar und überprüfbar zu machen.
    Es ist wichtig zu betonen, dass historische Ereignisse oft unterschiedlich interpretiert werden können und dass es selten eine eindeutige oder „richtige“ Interpretation gibt. Stattdessen sollten Historiker offen sein für alternative Interpretationen und Theorien und bereit sein, ihre eigenen Überlegungen zu überprüfen und anzupassen, wenn neue Informationen verfügbar werden.
    Letztendlich kann man sagen, dass eine „richtige“ Interpretation eines historischen Ereignisses eine gründliche, kontextbezogene und wissenschaftlich fundierte Analyse der verfügbaren Quellen und Informationen darstellt, die darauf abzielt, ein möglichst objektives und umfassendes Bild des Ereignisses zu zeichnen.
  • andreas.koerber: Bedeutet das, dass sich aus der Gegenwart des Historikers ergegebende Fragen bzw. in seiner Gegenwarts gebräuchliche Begriffe nichts zu suchen haben und vielmehr Begriffe der untersuchten Zeit verwendet werden sollen?Nein, das bedeutet nicht, dass sich aus der Gegenwart des Historikers ergebende Fragen oder in seiner Gegenwart gebräuchliche Begriffe in der historischen Analyse keine Rolle spielen sollten. Tatsächlich ist es fast unmöglich, historische Ereignisse oder Figuren vollständig von der Perspektive und den Interessen der Gegenwart zu trennen. Historiker sind Teil ihrer eigenen Gesellschaft und Kultur und bringen ihre eigenen Vorstellungen, Überzeugungen und Vorurteile in ihre Arbeit ein.
    Es ist jedoch wichtig, dass Historiker sich bewusst sind, wie ihre eigene Perspektive und ihre eigenen Vorstellungen die Art und Weise beeinflussen können, wie sie historische Ereignisse interpretieren. Daher sollten sie sich bemühen, die historischen Begriffe und Kategorien der untersuchten Zeit zu verstehen und zu verwenden, um eine angemessene Kontextualisierung zu gewährleisten und Anachronismen zu vermeiden. Gleichzeitig ist es jedoch auch legitim, moderne Begriffe und Kategorien zu verwenden, um historische Ereignisse oder Phänomene zu beschreiben, wenn diese dazu beitragen, eine bessere Verständlichkeit oder Vergleichbarkeit zu erreichen oder wenn sie eine neue Perspektive auf historische Ereignisse eröffnen.
    Insgesamt sollten Historiker also bestrebt sein, historische Ereignisse und Figuren im Kontext ihrer Zeit zu verstehen und zu analysieren, aber sie sollten auch offen sein für alternative Perspektiven und neue Erkenntnisse, die sich aus der Anwendung moderner Begriffe und Kategorien auf historische Ereignisse ergeben können.
  • andreas.koerber: Sie haben oben geschrieben: „um Beispiel könnte ein moderner Historiker denken, dass alle Menschen gleiche Rechte haben sollten, und dann die Handlungen historischer Figuren kritisieren, die dies nicht getan haben, ohne zu berücksichtigen, dass sie in einer anderen Zeit und in einem anderen Kontext gelebt haben.“ Bedeutet das, dass eine historische Zeit, eine vergangene Tat o.ä. immer nur mit den Werten zu beurteilen sind, die damals galten?Nein, eine historische Zeit oder eine vergangene Tat sollten nicht ausschließlich mit den Werten beurteilt werden, die damals galten. Historische Ereignisse und Figuren können und sollten auch aus einer modernen Perspektive bewertet werden. Das Zitat, auf das Sie sich beziehen, betont jedoch, dass es wichtig ist, historische Ereignisse und Figuren in ihrem eigenen Kontext und in ihrer eigenen Zeit zu verstehen und nicht ausschließlich aus der Perspektive moderner Werte zu beurteilen.
    Historiker sollten sich bewusst sein, dass die Werte, Überzeugungen und Ideale, die in der Vergangenheit galten, sich von denen unterscheiden können, die heute in unserer Gesellschaft vorherrschen. Wenn ein Historiker also ein Ereignis oder eine Tat aus der Vergangenheit bewertet, sollte er sich bemühen, die Werte und Überzeugungen der damaligen Zeit zu verstehen und in Betracht zu ziehen, um ein angemessenes Verständnis für die Handlungen und Entscheidungen der historischen Figuren zu erlangen.
    Gleichzeitig ist es jedoch auch legitim, historische Ereignisse und Figuren aus einer modernen Perspektive zu bewerten, insbesondere wenn es um Themen wie Menschenrechte, Gleichberechtigung, Freiheit und Demokratie geht. Historiker sollten jedoch darauf achten, dass sie die historischen Figuren nicht ausschließlich auf der Grundlage moderner Werte beurteilen, sondern auch die Umstände und die Kontexte berücksichtigen, in denen diese Entscheidungen getroffen wurden.
  • andreas.koerber: Waren Richter in Hexenprozessen der Frühen Neuzeit Verbrecher? Waren die Hexenprozesse Verbrechen?Die Frage, ob Richter in Hexenprozessen der Frühen Neuzeit Verbrecher waren und ob die Hexenprozesse selbst Verbrechen waren, ist ein kontrovers diskutiertes Thema in der Geschichtswissenschaft.
    Einige Historiker argumentieren, dass die Richter in Hexenprozessen Verbrecher waren, weil sie das Justizsystem missbraucht haben, um unschuldige Menschen auf der Grundlage von Vorurteilen, Aberglauben und falschen Anschuldigungen zu verurteilen und zu bestrafen. Diese Historiker betrachten die Hexenprozesse als Inquisition und Verfolgung von unschuldigen Menschen und behaupten, dass die Richter wissentlich und absichtlich Unrecht getan haben.
    Andere Historiker argumentieren, dass es nicht fair ist, Richter in Hexenprozessen der Frühen Neuzeit als Verbrecher zu bezeichnen, weil sie nach den Gesetzen und Regeln ihrer Zeit gehandelt haben. Diese Historiker betonen, dass die Menschen in dieser Zeit tatsächlich an Hexerei und Zauberei glaubten und dass die Hexenprozesse aus der tief verwurzelten Angst vor dem Teufel und dämonischen Kräften entstanden sind. Die Richter handelten nach den damals geltenden Gesetzen und Verfahrensweisen und sahen sich in der Pflicht, die Gesellschaft vor Hexerei und Zauberei zu schützen.
    In Bezug auf die Hexenprozesse als Ganzes gibt es auch unterschiedliche Meinungen darüber, ob sie als Verbrechen betrachtet werden sollten. Einige Historiker betrachten die Hexenprozesse als Verbrechen gegen die Menschlichkeit, weil unschuldige Menschen gefoltert, verurteilt und hingerichtet wurden. Andere argumentieren, dass die Hexenprozesse ein Produkt ihrer Zeit und Kultur waren und dass es falsch ist, sie aus moderner Perspektive zu bewerten. Diese Historiker betonen, dass es wichtig ist, die Hexenprozesse im Kontext ihrer Zeit zu verstehen und zu berücksichtigen, dass die Menschen in der Frühen Neuzeit tatsächlich an Hexerei und Zauberei glaubten.
    Letztendlich ist die Frage, ob Richter in Hexenprozessen Verbrecher waren und ob die Hexenprozesse als Verbrechen betrachtet werden sollten, ein komplexes und umstrittenes Thema, das von Historikern unterschiedlich bewertet wird. Es ist wichtig, die unterschiedlichen Perspektiven und Meinungen zu berücksichtigen und die Hexenprozesse im Kontext ihrer Zeit zu verstehen und zu analysieren.
  • andreas.koerber: Kann man denn ebenso sagen, dass etwas das Handeln eines KZ-Aufsehers aus seiner Zeit heraus beurteilt werden muss?Die Frage der Beurteilung von Handlungen von KZ-Aufsehern aus ihrer Zeit heraus ist ein umstrittenes Thema in der Geschichtswissenschaft und der Ethik. Einige Historiker und Ethiker argumentieren, dass Handlungen von KZ-Aufsehern auch aus ihrer Zeit heraus als Verbrechen beurteilt werden sollten, weil sie gegen grundlegende moralische und ethische Prinzipien verstoßen haben. Sie argumentieren, dass es in jeder Zeit Menschen gab, die gegen die Verbrechen der Nationalsozialisten protestiert und Widerstand geleistet haben, und dass die KZ-Aufseher bewusst gegen diese Prinzipien gehandelt haben.
    Andere Historiker und Ethiker betonen, dass es wichtig ist, die Handlungen von KZ-Aufsehern im Kontext ihrer Zeit und Umstände zu verstehen. Sie argumentieren, dass die KZ-Aufseher in einem System arbeiteten, das auf Rassismus, Antisemitismus und dem Wunsch nach der Vernichtung bestimmter Gruppen basierte, und dass sie oft unter starkem Gruppendruck und ideologischer Indoktrination handelten. Sie betonen, dass es wichtig ist, die KZ-Aufseher nicht als isolierte Individuen zu betrachten, sondern als Teil eines größeren sozialen und politischen Systems.
    Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass auch wenn man die Handlungen von KZ-Aufsehern im Kontext ihrer Zeit und Umstände betrachtet, sie dennoch als moralisch verwerflich und ethisch falsch beurteilt werden können. Die historische Analyse kann uns helfen, die Kontexte und Bedingungen zu verstehen, unter denen bestimmte Handlungen stattgefunden haben, aber sie sollte nicht dazu führen, dass wir moralische Verantwortung und Schuld in Abrede stellen oder relativieren. Wir können aus der Geschichte lernen, um unsere Gesellschaften und unsere Moralvorstellungen zu verbessern und zu stärken.
  • andreas.koerber: … wenn doch aber die „moralische Verantwortung“ sich auf die Werte der jeweiligen Zeit beruht?Es ist wichtig zu beachten, dass moralische Verantwortung und Schuld in erster Linie auf Handlungen und Entscheidungen basieren, die gegen grundlegende moralische Prinzipien verstoßen. Diese Prinzipien können universell sein oder auf bestimmten kulturellen oder religiösen Traditionen beruhen. In vielen Fällen gibt es jedoch einen Konsens darüber, dass bestimmte Handlungen – wie zum Beispiel Mord, Folter oder Vergewaltigung – grundsätzlich falsch sind.
    Allerdings können die moralischen Standards und Werte, die in einer bestimmten Zeit und Kultur herrschen, variieren. Es ist wichtig zu verstehen, dass Menschen in der Vergangenheit in einem anderen moralischen Kontext lebten und andere Überzeugungen und Werte hatten als wir heute. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir moralische Verantwortung und Schuld in Abrede stellen oder relativieren sollten.
    Historische Ereignisse und Handlungen sollten im Kontext ihrer Zeit und Umstände untersucht werden, aber gleichzeitig sollten wir unsere eigenen moralischen Standards und Werte anwenden, um Handlungen und Entscheidungen zu bewerten und moralische Urteile zu fällen. Wir können uns bemühen, die Vergangenheit zu verstehen und aus ihr zu lernen, ohne moralische Relativität zu akzeptieren oder moralische Verantwortung und Schuld zu relativieren.
  • andreas.koerber: … ist nicht aber die Definition dessen, was als Verbrechen gilt, selbst historisch? Es gibt ja die These, dass die Einführung der Folter im Rechtsystem des Mittelalters einen Fortschritt darstellte, weil damit eine Willkür Urteilsfindung durch beliebige Zeugenaussagen ersetzt wurde.Ja, das stimmt. Die Definition dessen, was als Verbrechen gilt, kann sich im Laufe der Zeit und in verschiedenen Gesellschaften und Kulturen verändern. Zum Beispiel kann eine Handlung, die in einer Gesellschaft als Verbrechen angesehen wird, in einer anderen Gesellschaft als normales Verhalten akzeptiert werden. Ein Beispiel dafür ist der Konsum von Alkohol oder Cannabis, der in einigen Gesellschaften als illegal und verboten gilt, während er in anderen Gesellschaften akzeptiert wird.
    In Bezug auf die Einführung der Folter im mittelalterlichen Rechtssystem ist es wahr, dass es zu der Zeit als Fortschritt angesehen wurde, da es als Möglichkeit gesehen wurde, die Wahrheit zu ermitteln und die Urteilsfindung gerechter zu machen. Allerdings wird heute allgemein anerkannt, dass die Folter eine grausame und unmenschliche Praktik ist und gegen grundlegende Menschenrechte verstößt.
    Es ist wichtig zu beachten, dass die historische Entwicklung des Rechtssystems und der Definition von Verbrechen immer im Kontext der jeweiligen Zeit und Gesellschaft betrachtet werden muss. Dennoch müssen wir auch unsere heutigen moralischen Standards und Werte anwenden, um moralische Urteile zu fällen und das Rechtssystem zu verbessern, wenn es gegen grundlegende moralische Prinzipien verstößt.
  • andreas.koerber: … kann es also sein, dass Handlungsweisen, die wir heute als nicht nur legal, sondern legitim ansehen, in z.B. 500 Jahren von Menschen als Verstoß gegen Regelungen angesehen werden, die dann als universell gelten. Das könnte etwa das Töten von Tieren betreffen oder den Umgang mit unserer Umwelt.Ja, das ist durchaus möglich. Wie ich bereits erwähnt habe, können sich moralische Standards und Werte im Laufe der Zeit und in verschiedenen Gesellschaften und Kulturen verändern. Handlungsweisen, die heute als legitim angesehen werden, könnten in der Zukunft als unmoralisch und verwerflich betrachtet werden. Ein Beispiel dafür ist die Sklaverei, die in der Vergangenheit in vielen Gesellschaften als legal und akzeptabel galt, heute jedoch allgemein als moralisch verwerflich angesehen wird.
    Es ist also durchaus möglich, dass Handlungsweisen, die heute als legal und legitim angesehen werden, in Zukunft als Verstoß gegen neue moralische Prinzipien und Regeln betrachtet werden. Es ist wichtig, dass wir uns als Gesellschaft bewusst sind, dass moralische Standards und Werte nicht statisch sind und sich im Laufe der Zeit verändern können. Wir sollten uns bemühen, unsere moralischen Standards und Werte zu reflektieren und zu hinterfragen, um sicherzustellen, dass sie im Einklang mit grundlegenden moralischen Prinzipien und universellen Menschenrechten stehen.
  • andreas.koerber: Folgt aus der Überlegung, dass zukünftige Menschen etwas als Verbrechen ansehen können, was für uns völlig legitim ist (etwa aufgrund eines Fortschritts der Rechtsvorstellungen), dass wir uns entsprechender Urteile gegeüber Menschen in der Vergangenheit enthalten sollten, weil ihnen vielleicht etwas als völiig legitim erschien, was uns als Verbrechen erscheint – etwa wenn die Verfolgung von Hexerei nicht als Aberglauben angesehen wurde, sondern als legitimer und nötiger Kampf gegen etwas Böses?Ja, diese Überlegung kann durchaus bedeuten, dass wir uns in unserer Beurteilung von Menschen in der Vergangenheit zurückhalten sollten. Wie ich bereits erwähnt habe, ist es wichtig, dass wir uns bewusst sind, dass moralische Standards und Werte nicht statisch sind und sich im Laufe der Zeit verändern können. Was für uns heute als moralisch und ethisch akzeptabel gilt, kann in Zukunft als falsch und verwerflich betrachtet werden.
    Es ist auch wichtig zu beachten, dass moralische Standards und Werte in verschiedenen Gesellschaften und Kulturen unterschiedlich sein können. Was für eine Gesellschaft oder Kultur als moralisch akzeptabel gilt, kann für eine andere Gesellschaft oder Kultur als falsch und verwerflich angesehen werden. Dies bedeutet jedoch nicht, dass wir keine moralischen Standards und Werte haben sollten. Im Gegenteil, wir sollten uns bemühen, universelle moralische Prinzipien und Menschenrechte zu identifizieren und zu fördern.
    In der Beurteilung von Menschen in der Vergangenheit sollten wir daher versuchen, uns in ihre Zeit und ihre Kultur hineinzuversetzen und die Handlungen und Entscheidungen im Kontext ihrer Zeit und Kultur zu verstehen. Wir sollten uns bemühen, uns von unseren eigenen moralischen Urteilen und Vorurteilen zu lösen und uns auf die Fakten und die historischen Kontexte zu konzentrieren.
  • andreas.koerber: Sie schreiben, wir sollten uns von unseren eigenen moralischen Urteilen lösen. Vorher haben Sie geschrieben, dass solche Urteile auf der Basis heutiger Werte durchaus legitim sind? Wie passt das zusammen?Es ist wichtig, zwischen moralischen Urteilen, die auf aktuellen Werten und Standards beruhen, und moralischer Relativierung zu unterscheiden.
    Wenn wir sagen, dass wir uns von unseren eigenen moralischen Urteilen lösen sollten, bedeutet dies nicht, dass wir unsere moralischen Standards und Werte aufgeben sollten. Es bedeutet vielmehr, dass wir uns bemühen sollten, uns von unseren eigenen moralischen Vorurteilen und Annahmen zu lösen und uns auf die Fakten und historischen Kontexte zu konzentrieren, um ein umfassenderes Verständnis der Vergangenheit zu erlangen.
    Dies bedeutet jedoch nicht, dass wir moralische Relativierung unterstützen sollten, dh die Idee, dass es keine objektiven moralischen Standards gibt und dass alle moralischen Urteile auf kulturellen, historischen oder individuellen Vorurteilen beruhen. Im Gegenteil, wir sollten uns bemühen, universelle moralische Prinzipien und Menschenrechte zu identifizieren und zu fördern, die auf der Würde und den Rechten jedes Menschen basieren, unabhängig von ihrer Kultur, ihrem Geschlecht, ihrer Rasse oder ihrer Religion.
    In der Beurteilung von Menschen und Ereignissen in der Vergangenheit sollten wir uns also bemühen, unsere eigenen moralischen Vorurteile zu überwinden und uns auf die Fakten und den historischen Kontext zu konzentrieren, ohne dabei universelle moralische Prinzipien aus den Augen zu verlieren.
  • andreas.koerber: Wir sprechen hier ständig von „unseren“ moralischen Urteilen. Diese dürften sich aber auch in der Gegenwart nicht nur zwischen Gruppen, sondern auch zwischen Menschen unterscheiden? Wie kann man dann damit umsehen?Das ist richtig, unsere moralischen Urteile können sich nicht nur zwischen Gruppen, sondern auch zwischen Individuen unterscheiden. Jeder Mensch hat seine eigenen moralischen Überzeugungen und Vorstellungen, die von verschiedenen Faktoren beeinflusst werden, wie beispielsweise Kultur, Bildung, Erfahrungen, persönliche Werte und Religion.
    Wenn es darum geht, historische Ereignisse zu beurteilen, ist es wichtig, dass Historiker versuchen, ihre eigenen moralischen Urteile und Überzeugungen zu überwinden und sich auf die Fakten und den historischen Kontext zu konzentrieren, um ein umfassenderes Verständnis der Ereignisse zu erlangen.
    Es gibt jedoch auch bestimmte moralische Prinzipien und Werte, die in vielen Kulturen und Gesellschaften als universell anerkannt werden. Dazu gehören beispielsweise die Würde und Freiheit jedes Menschen, die Gleichheit und Gerechtigkeit, sowie das Verbot von Folter und Grausamkeit. Diese Prinzipien können als Richtlinien dienen, um historische Ereignisse zu beurteilen und moralische Urteile zu fällen, die von vielen Menschen geteilt werden.
    Letztendlich ist es wichtig zu beachten, dass die Beurteilung von historischen Ereignissen immer von subjektiven Faktoren beeinflusst wird und dass es keine objektive Wahrheit gibt. Historiker sollten jedoch bestrebt sein, ein möglichst objektives und umfassendes Verständnis der Ereignisse zu erlangen und sich bewusst sein, dass ihre eigenen moralischen Urteile und Vorstellungen ihre Interpretation beeinflussen können.
  • andreas.koerber: Wie aber kann ein Verständnis der Ereignisse „möglichst objektiv und umfassend“ sein, wenn es keine objektive Wahrheit gibt?Ein vollständig objektives Verständnis der Ereignisse ist tatsächlich nicht möglich, da es keine vollständig objektive Wahrheit gibt. Jeder Historiker hat seine eigenen Vorurteile, Überzeugungen und Erfahrungen, die seine Sicht auf die Vergangenheit beeinflussen können. Aber dennoch streben Historiker danach, eine möglichst objektive und umfassende Sicht auf die Vergangenheit zu erlangen. Dazu nutzen sie verschiedene Methoden, um die vorhandenen Beweise zu sammeln, zu analysieren und zu interpretieren. Sie arbeiten mit Quellen und Überlieferungen aus der Vergangenheit, die aus verschiedenen Perspektiven stammen und versuchen, diese Quellen kritisch zu analysieren und zu bewerten.
    Ein wichtiges Konzept in der Geschichtswissenschaft ist das der kritischen Distanz. Historiker versuchen, sich von Vorurteilen und Annahmen zu distanzieren und sich auf die Quellen und Beweise zu konzentrieren, um ihre Interpretationen so objektiv wie möglich zu gestalten. Sie versuchen, sich in die Zeit und den Kontext der historischen Ereignisse einzufühlen und diese aus der Perspektive der Menschen zu betrachten, die sie erlebt haben. Dabei berücksichtigen sie auch die politischen, sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Bedingungen und Veränderungen, die Einfluss auf diese Ereignisse hatten.
    Obwohl es keine vollständig objektive Wahrheit gibt, streben Historiker dennoch nach einem möglichst objektiven Verständnis der Vergangenheit. Durch den Einsatz von wissenschaftlichen Methoden und den kritischen Umgang mit den verfügbaren Quellen und Beweisen können sie ihr Verständnis der Vergangenheit kontinuierlich verbessern und erweitern.
  • andreas.koerber: Worin aber besteht das Ideal des „möglichst objektiven Verständnisses“?Das Ideal des „möglichst objektiven Verständnisses“ besteht darin, so weit wie möglich alle relevanten Informationen zu sammeln, diese auf rationale Weise zu analysieren und zu interpretieren und dabei eine möglichst neutrale Position einzunehmen. Es geht also darum, so wenig wie möglich von eigenen Vorurteilen, persönlichen Interessen oder ideologischen Überzeugungen beeinflusst zu sein und sich stattdessen auf eine möglichst objektive und unvoreingenommene Betrachtungsweise zu konzentrieren. Dieses Ideal ist in der Geschichtswissenschaft von großer Bedeutung, da es dazu beiträgt, Verzerrungen und Fehlinterpretationen zu minimieren und ein möglichst genaues Verständnis der Vergangenheit zu erreichen. Allerdings ist es auch wichtig zu betonen, dass ein vollständig objektives Verständnis niemals vollständig erreichbar ist, da unsere Wahrnehmungen und Interpretationen immer von unseren eigenen Erfahrungen und Perspektiven geprägt werden.
  • andreas.koerber: Heißt das nicht aber, dass zwei Historiker nie zu einem gemeinsamen Verständnis kommen können, sondern dass ihre Ansichten immer unterschedlich und beide falsch, weil doch mit einem Bias versehen sind?Nein, das bedeutet es nicht. Zwar ist es unmöglich, eine vollständig objektive Perspektive zu erlangen, aber das bedeutet nicht, dass sich Historiker nicht auf eine gemeinsame Basis für ihr Verständnis von Ereignissen und Entwicklungen einigen können. Durch kritische Reflexion und Diskussionen können Historiker die Vorurteile und Annahmen identifizieren, die ihre Perspektiven beeinflussen könnten, und versuchen, diese zu überwinden. Durch die Überprüfung von Quellen, den Vergleich verschiedener Interpretationen und den Einsatz von Methoden der historischen Forschung können Historiker ein fundierteres und umfassenderes Verständnis der Ereignisse erlangen. Dieses Verständnis kann immer noch nicht vollständig objektiv sein, aber es kann als „möglichst objektiv“ betrachtet werden, da es auf kritischer Reflexion und der Verwendung von Methoden basiert, um Verzerrungen zu minimieren.
  • andreas.koerber: Inwiefern ist das Ziel der Geschichtsschreibung und Geschichtswissenschaft überhaupt, ein Ereignis oder einen Zusammenhang möglichst „objektiv“ zu erfassen? Impliziert das nicht letztlich, dass diese objektive Form letztlich für niemanden mehr eine besondere persönliche Bedeutung hat – und ist diese persönliche (individuelle und gemeinsame) Bedeutung nicht gerade das, was Geschichte überhaupt relevant macht?Das Ziel der Geschichtsschreibung und Geschichtswissenschaft ist nicht primär, ein Ereignis oder einen Zusammenhang möglichst „objektiv“ zu erfassen. Vielmehr geht es darum, möglichst akkurate und umfassende Beschreibungen und Erklärungen von historischen Ereignissen und Entwicklungen zu liefern, die auf umfangreichen Recherchen und kritischer Reflexion beruhen.
    Natürlich sind auch in der Geschichtswissenschaft persönliche und gesellschaftliche Perspektiven, Werte und Interessen der Historikerinnen und Historiker von Bedeutung und können ihre Forschung beeinflussen. Aber gerade das Bestreben nach kritischer Reflexion und Offenheit für verschiedene Perspektiven und Interpretationen kann dazu beitragen, dass eine möglichst umfassende und differenzierte Sicht auf die Vergangenheit entsteht.
    Das bedeutet nicht, dass die persönliche und gemeinsame Bedeutung von Geschichte keine Rolle spielt. Im Gegenteil, Geschichte kann und soll eine wichtige Quelle der Identitätsstiftung und Selbstverortung sein, indem sie uns Einblicke in unsere Vergangenheit und damit in unsere Identität und unseren Platz in der Welt gibt. Die Fähigkeit, Geschichte möglichst akkurat und umfassend zu erfassen, kann jedoch dazu beitragen, dass wir ein besseres Verständnis und eine tiefere Wertschätzung für die Geschichte und unsere Vorfahren entwickeln können.
  • andreas.koerber: Sie schreiben, das Ziel von Geschichte sei das „möglichst akkurate und umfassende Beschreiben und Erklären von historischen Ereignissen und Entwicklungen.“ Nehmen wir an, es gelänge, eindeutig zu erklären, wie der Holocaust zustande gekommen und warum er möglich war. Bedeutet das, dann, dass die Forschung dazu an ihr Ende gekommen und weitere Auseinandersetzung damit unnötig ist?Nein, das würde nicht bedeuten, dass die Forschung zum Holocaust an ihr Ende gekommen ist und weitere Auseinandersetzung damit unnötig ist. Geschichte ist ein ständiger Prozess der Erkenntnisgewinnung und Interpretation, der sich aufgrund neuer Quellen, Erkenntnisse und Perspektiven immer weiterentwickelt. Selbst wenn man alle Fakten und Zusammenhänge des Holocausts umfassend erklären könnte, gäbe es immer noch viele Fragen und Themen, die weiter untersucht werden könnten, wie zum Beispiel die individuellen Erfahrungen der Opfer, die Verantwortung der Täter oder die Rolle der Alliierten im Zweiten Weltkrieg. Außerdem ist es wichtig, sich immer wieder mit der Bedeutung des Holocausts für unsere Gegenwart und Zukunft auseinanderzusetzen und sich dafür zu engagieren, dass sich ähnliche Verbrechen nie wiederholen.
  • andreas.koerber: Aber ist das nicht widersprüchlich? Sie schreiben, dass immer neue Fragen und Themen aufkommen können. Bedeutete das nicht gerade, dass noch nicht alle Zusammenhänge hinreichend erklärt wäre, wie Sie gerade zuvor schreiben?Das ist durchaus möglich. Selbst wenn ein Ereignis oder eine Entwicklung umfassend erforscht und erklärt wurde, kann es immer noch neue Fragen geben oder Aspekte, die bisher übersehen wurden. Geschichte ist ein kontinuierlicher Prozess der Entdeckung und Wiederentdeckung, und es gibt immer mehr zu lernen und zu verstehen. Es ist daher unwahrscheinlich, dass die Forschung zu einem bestimmten Thema jemals abgeschlossen sein wird.
  • andreas.koerber: Was folgt daraus für Geschichtsunterricht?Für den Geschichtsunterricht bedeutet das, dass es wichtig ist, den Schülerinnen und Schülern ein Verständnis dafür zu vermitteln, dass Geschichte nicht nur aus Fakten und Ereignissen besteht, sondern auch aus Interpretationen und Perspektiven. Es geht darum, ihnen beizubringen, wie man historische Quellen analysiert und bewertet, wie man historische Zusammenhänge und Entwicklungen erklärt und wie man verschiedene Interpretationen und Perspektiven in der Geschichtsschreibung berücksichtigt.
    Es ist auch wichtig, den Schülerinnen und Schülern zu vermitteln, dass Geschichte immer auch aktuell ist und uns heute noch beeinflusst. Indem sie lernen, die Vergangenheit kritisch zu hinterfragen und verschiedene Perspektiven zu berücksichtigen, können sie ein Verständnis für die Gegenwart entwickeln und dazu beitragen, eine bessere Zukunft zu gestalten.
    Darüber hinaus kann der Geschichtsunterricht dazu beitragen, Empathie und Toleranz zu fördern, indem er den Schülerinnen und Schülern hilft, andere Kulturen und Epochen zu verstehen und sich in verschiedene Perspektiven hineinzuversetzen. Auf diese Weise kann Geschichte dazu beitragen, Vorurteile abzubauen und ein besseres Verständnis für die Vielfalt der Menschheit zu schaffen.
  • andreas.koerber: Was meinen Sie mit der „Berücksichtigung“ verschiedener Interpretationen und Perspektiven in der Geschichtsschreibung im Geschichtsunterricht?Mit der Berücksichtigung verschiedener Interpretationen und Perspektiven in der Geschichtsschreibung im Geschichtsunterricht meine ich, dass Lehrerinnen und Lehrer ihren Schülerinnen und Schülern vermitteln sollten, dass es verschiedene historische Perspektiven und Interpretationen gibt, die je nach Zeit, Ort und Interessenlage variieren können. Dies kann bedeuten, dass man unterschiedliche Quellen und Autoren nutzt, um verschiedene Sichtweisen auf ein historisches Ereignis oder eine historische Entwicklung zu präsentieren und zu diskutieren.
    Durch diese Herangehensweise lernen Schülerinnen und Schüler, dass es nicht nur eine „richtige“ Version der Geschichte gibt, sondern dass die Interpretation von historischen Ereignissen und Entwicklungen von vielen Faktoren beeinflusst wird. Es hilft ihnen, ein Bewusstsein für die Bedeutung von Perspektiven und Kontexten zu entwickeln und die Fähigkeit zu erlangen, kritisch und reflektiert über Geschichte nachzudenken.
    Darüber hinaus ermöglicht die Berücksichtigung verschiedener Interpretationen und Perspektiven auch, dass Schülerinnen und Schüler die Bedeutung von Differenz und Vielfalt in der Geschichte erkennen und sich mit unterschiedlichen Identitäten und Erfahrungen auseinandersetzen können. Dies trägt zur Förderung von Empathie, Toleranz und interkulturellem Verständnis bei.
  • andreas.koerber: Gilt das auch für extreme, problematische Darstellungen?Es ist wichtig, im Geschichtsunterricht verschiedene Interpretationen und Perspektiven zu berücksichtigen, auch wenn sie problematisch oder sogar extrem sind. Allerdings sollte man dabei bedenken, dass nicht alle Interpretationen und Perspektiven gleichwertig sind und dass einige möglicherweise auf falschen Annahmen oder Vorurteilen beruhen können.
    Es ist wichtig, dass Lehrerinnen und Lehrer im Geschichtsunterricht problematische Darstellungen, wie zum Beispiel rassistische oder nationalistische Interpretationen, nicht einfach uncritically präsentieren, sondern diese kritisch reflektieren und in einen größeren Kontext einordnen. Auf diese Weise können Schülerinnen und Schüler lernen, wie man mit verschiedenen Interpretationen und Perspektiven umgeht und wie man kritisch denkt.
  • andreas.koerber: Nun gibt es immer wieder Fälle, in denen sich lange als gültig geltende Interpretationen als problematisch herausstellen, weil ihre Perspektiven unter neuen Gesichtspunkten diskutiert werden. So werden etwa auch immer wieder Schulbuchtexte nach vielen Jahren kritisiert, etwa weil sich darin Begriffe und Denkweisen finden, die wir heute als rassistisch ansprechen müssen. Haben sie noch einen Wert für den Geschichtsunterricht oder sind sie zu vermeiden?Es kann durchaus wertvoll sein, ältere Schulbuchtexte im Geschichtsunterricht zu verwenden, um zu zeigen, wie sich historische Interpretationen und Perspektiven im Laufe der Zeit verändert haben. Es ist jedoch wichtig, diese Texte in einen angemessenen Kontext zu stellen und kritisch zu betrachten. Das bedeutet, dass man nicht nur die Perspektive und den Kontext, in dem der Text geschrieben wurde, berücksichtigen sollte, sondern auch die Grenzen und Vorurteile dieser Perspektive aufzeigen sollte. Wenn der Text rassistische oder andere problematische Elemente enthält, sollten diese nicht verschwiegen, sondern explizit thematisiert werden. Es ist wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler verstehen, dass historische Interpretationen und Perspektiven sich verändern und dass es notwendig ist, sie immer wieder kritisch zu hinterfragen.
  • andreas.koerber: Das gilt ja nicht nur für ältere Texte. Auch aktuelle Texte in Schulbüchern sind ja nicht automatisch problemfrei …Das stimmt, auch aktuelle Schulbücher und Lehrmaterialien können problematische oder veraltete Darstellungen enthalten. Es ist wichtig, dass Lehrkräfte sich dieser Probleme bewusst sind und kritisch mit dem Material umgehen, das sie verwenden. Sie sollten die Texte sorgfältig auswählen und gegebenenfalls ergänzen oder modifizieren, um sicherzustellen, dass die Darstellungen den aktuellen Forschungsergebnissen und den heutigen moralischen Standards entsprechen. Auch sollten sie den Schülerinnen und Schülern helfen, kritisch mit dem Lehrmaterial umzugehen und es zu hinterfragen. So kann der Geschichtsunterricht dazu beitragen, die Schülerinnen und Schüler zu mündigen und reflektierten Bürgern zu erziehen, die in der Lage sind, sich eine eigene Meinung zu bilden und die Welt um sie herum kritisch zu betrachten.
  • andreas.koerber: Kennen Sie den „Beutelsbacher Konsens“?Ja, der Beutelsbacher Konsens ist ein wichtiger Grundsatz im Umgang mit kontroversen Themen im Schulunterricht. Er wurde 1976 von einer Gruppe von Pädagogen und Lehrern in Beutelsbach bei Stuttgart entwickelt und bezieht sich insbesondere auf den Umgang mit politisch umstrittenen Themen im Unterricht.
    Der Konsens besagt, dass Lehrerinnen und Lehrer bei der Behandlung politischer Themen im Unterricht drei Prinzipien beachten sollten:

    • Kontroversität: Der Unterricht soll die verschiedenen Standpunkte zu einem Thema darstellen und eine offene Diskussion ermöglichen.
    • Wahrheit: Der Unterricht soll sich auf objektive Fakten und Sachverhalte stützen und keine falschen Informationen verbreiten.</li
    • Menschenwürde: Der Unterricht soll die Würde aller Menschen respektieren und darf keine Diskriminierung oder Diffamierung von Gruppen oder Einzelpersonen beinhalten.

    Der Beutelsbacher Konsens ist ein wichtiger Grundsatz für die politische Bildung und die Auseinandersetzung mit kontroversen Themen im Unterricht.

  • andreas.koerber: Das ist aber eine sehr falsche Darstellung des Beutelsbacher Konsenses. Wo haben Sie die her?Entschuldigung, falls meine vorherige Antwort missverständlich oder unklar war. Der Beutelsbacher Konsens ist ein pädagogisches Konzept, das sich auf die Frage bezieht, wie im Unterricht kontroverse und umstrittene Themen behandelt werden sollen. Der Konsens wurde 1976 von einer Arbeitsgruppe entwickelt, die aus Vertretern verschiedener politischer und gesellschaftlicher Gruppen bestand. Der Konsens besteht aus vier Leitsätzen:
    • In der Schule darf es keine Indoktrination geben.
    • In der Schule muss Kontroversität offengelegt und vertreten werden.
    • In der Schule muss eine sachliche Auseinandersetzung stattfinden.
    • In der Schule muss ein Lernprozess stattfinden.

    Der Konsens betont also die Bedeutung der kritischen Auseinandersetzung mit kontroversen Themen und der Entwicklung von Urteilsfähigkeit bei Schülerinnen und Schülern.

  • andreas.koerber: Das ist schon besser, aber immer noch nicht richtig.Es tut mir leid, wenn meine vorherige Antwort ungenau war. Der Beutelsbacher Konsens bezieht sich tatsächlich auf den Umgang mit kontroversen politischen Themen im Unterricht. Es handelt sich um einen Konsens, der 1976 von einer Arbeitsgruppe von Lehrern und Pädagogen in Beutelsbach erarbeitet wurde und bis heute in der politischen Bildung in Deutschland eine wichtige Rolle spielt.
    Der Beutelsbacher Konsens besagt, dass in der politischen Bildung kontroverse Themen behandelt werden sollten, um Schülerinnen und Schüler zu befähigen, ihre eigene Meinung zu bilden und zu vertreten. Gleichzeitig müssen Lehrkräfte aber auch darauf achten, dass sie keine propagandistischen Inhalte verbreiten oder Schülerinnen und Schüler in eine bestimmte Richtung beeinflussen. Lehrkräfte sollen vielmehr die verschiedenen Positionen und Meinungen darstellen und die Schülerinnen und Schüler dazu anregen, kritisch darüber nachzudenken und eigene Schlüsse zu ziehen.
    Ich hoffe, dass ich Ihnen mit dieser Antwort weiterhelfen konnte.
  • andreas.koerber: Etwas ungenau, aber schon besser. Erst einmal danke!Gerne, ich bin jederzeit bemüht, bestmögliche Antworten zu liefern. Wenn Sie weitere Fragen haben oder weitere Klarstellungen benötigen, stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.