Arbeitsbereich Geschichtsdidaktik / History Education, Universität Hamburg

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Vortrag auf der Zweijahreskonferenz der Konferenz für Geschichtsdidaktik (KGD) in München

11. September 2022 Andreas Körber Keine Kommentare

Vom 7. bis 9. Sep­tem­ber 2022 fand unter dem Titel “Geschichts­be­wusst­sein, Geschichts­kul­tur, Public Histo­ry — Ein span­nen­des Ver­hält­nis” die Zwei­jah­res­ta­gung der Kon­fe­renz für Geschichts­di­dak­tik in Mün­chen statt. In einer von Sebas­ti­an Barsch und Mar­tin Nit­sche aus­ge­rich­te­ten Sek­ti­on zum The­ma “Lässt sich Geschichts­be­wusst­sein (noch) erfor­schen? Epis­te­mo­lo­gi­sche Her­aus­for­de­run­gen bei der Erfor­schung von Geschichts­be­wusst­sein” habe ich dort einen Vor­trag gehal­ten mit dem Titel “Geschichts­be­wusst­sein: (nur) reif – modern – westlich?”.

Analyse des Entwurfs für den neuen Hamburger Bildungsplan Geschichte Studienstufe (2022)

07. Juli 2022 Andreas Körber Keine Kommentare

Im Rah­men der Ent­wick­lung über­ar­bei­te­rer Fas­sun­gen der Ham­bur­ger Bil­dungs­plä­ne wur­den durch die Behör­de für Schu­le und Berufs­bil­dung zahl­rei­che Insti­tu­tio­nen, Orga­ni­sa­tio­nen und Ver­bän­de zu Stel­lung­nah­men auf­ge­for­dert. Die­se sind inzwi­schen auf der Sei­te der Bil­dungs­be­hör­de ver­öf­fent­licht (sie­he Refe­ren­ten­ent­wurf Bil­dungs­lan Ham­burg 2022. Stel­lung­nah­men). Unter ande­rem haben eine grö­ße­re Zahl Ham­bur­ger Fachdidaktiker*innen eine Stel­lung­nah­me ver­fasst (sie­he dort: Stel­lung­nah­me Ham­bur­ger Fachdidaktiker*innen zu den Ham­bur­ger Bil­dungs­plan­ent­wür­fen 2022).
Für Geschich­te ist in die­ser Run­de der Plan für die Sekun­dar­stu­fe II (“Stu­di­en­stu­fe”) in über­ar­bei­te­ter Form vor­ge­legt wor­den. Er ist hier zu fin­den: Ham­burg: Bil­dungs­plan Geschich­te Stu­di­en­stu­fe. Ent­wurf 2022.
Ich doku­men­tie­re hier eine recht umfang­rei­che Ana­ly­se die­ses Pla­nes, die ich in obi­gem Ver­fah­ren auch als Stel­lung­nah­me ein­ge­reicht habe (vgl. auf der ange­ge­be­ne Sei­te Kör­ber, Andre­as (2022): Ana­ly­se des Ham­bur­ger Bil­dungs­plan-Ent­wurfs Geschich­te Stu­di­en­stu­fe 2022).

2022 06 29 Ana­ly­se und Kom­men­tar Bil­dungs­plan Geschich­te Studienstufe_final-Lit_CC

Vortrag auf Werkstatt: “Formen der Vermittlung der NS-Zwangsarbeit und ihrer Folgen” der Kurt-und-Herma-Römer-Stiftung

22. Mai 2022 Andreas Körber Keine Kommentare

Am 19. und 20. Mai 2022 fand im Stu­di­en­zen­trum der KZ-Gedenk­stät­te Neu­en­gam­me eine “Werk­statt: For­men der Ver­mitt­lung der NS-Zwangs­ar­beit und ihrer Fol­gen” der Kurt-und-Her­ma-Römer-Stif­tung statt — u.a. mit einem Vor­trag von Andre­as Kör­ber mit dem Titel “Neue Per­spek­ti­ven auf und Dis­kus­sio­nen über das Ler­nen zu den natio­nal­so­zialis­ti­schen Mas­sen­ver­bre­chen” und anschlie­ßen­der Diskussion.

Neuerscheinung: Kompetenzorienierung — eine Sackgasse? Nein!

20. Mai 2022 Andreas Körber Keine Kommentare

Gera­de ist im Wochen­schau-Ver­lag ein Sam­mel­band mit Vor­trä­gen aus einer Kol­lo­qui­en­rei­her der Uni Bie­le­feld erschienen.

Dar­in u.a. mein Bei­trag aus einem kon­tro­vers ange­leg­ten Gespräch mit Jür­gen Gunia als aus­ge­spro­che­nem Kri­ti­ker der Kom­pe­tenz­ori­en­tie­rung und einem Bei­trag von ihm, der aller­dings wenig sei­ne damals vor­ge­tra­ge­nen Gedan­ken ent­hält, son­dern offen­kun­dig viel­mehr als aber­ma­li­ge Reak­ti­on auf mei­ne dama­li­gen The­sen zu ver­ste­hen ist:

Kör­ber, Andre­as (2022): Kom­pe­tenz­ori­en­tie­rung – eine Sack­gas­se? Nein! In: Tho­mas Must, Jörg van Nor­den und Nina Mar­ti­ni (Hg.): Geschichts­di­dak­tik in der Debat­te. Bei­trä­ge zu einem inter­dis­zi­pli­nä­ren Dis­kurs. Frank­furt: Wochen­schau Ver­lag (Geschichts­di­dak­tik theo­re­tisch), S. 139 – 156.

Gunia, Jür­gen (2022): ‚Selbst ver­nünf­tig Geschichte(n) den­ken‘? Zur Kom­pe­tenz­ori­en­tie­rung nach Andre­as Kör­ber – Ein Blind­flug mit Boden­kon­takt. In: Tho­mas Must, Jörg van Nor­den und Nina Mar­ti­ni (Hg.): Geschichts­di­dak­tik in der Debat­te. Bei­trä­ge zu einem inter­dis­zi­pli­nä­ren Dis­kurs. Frank­furt: Wochen­schau Ver­lag (Geschichts­di­dak­tik theo­re­tisch), S. 157 – 168.

Entwürfe neuer Hamburger Bildungspläne: Stellungnahme einiger Fachdidaktiker*innen der UHH

13. Mai 2022 Andreas Körber Keine Kommentare

Zu dem vor ein paar Wochen auf den Sei­ten der Ham­bur­ger Schul­be­hör­de (BSB) ver­öf­fent­lich­ten Ent­wür­fen für neue Bil­dungs­plä­ne für Ham­bur­ger Schu­len (gemäß den Infor­ma­tio­nen auf den von der BSB ver­an­stal­te­ten Fach­fo­ren zur Dis­kus­si­on bis Ende Juni; Über­ar­bei­tung dann bis Okto­ber; Erpro­bung ab 8/​2023) haben eini­ge Fachdidaktiker*innen unse­rer Fakul­tät eine gemein­sa­me ers­te Stel­lung­nah­me ver­fasst, wel­che ggf. ein­zel­ne Stel­lung­nah­men und Hin­wei­se im wei­te­ren Ver­fah­ren nicht aus­schließt. Nach­dem die Stel­lung­nah­me — zuerst intern in den jewei­li­gen Arbeits­grup­pen und auch Sozie­tä­ten zur wei­te­ren Dis­kus­si­on ver­brei­tet — nach dem zwei­ten Fach­fo­rum der Behör­de nun auch offi­zi­ell an den Bil­dungs­se­na­tor und die für die Bil­dungs­plä­ne Ver­ant­wort­li­chen über­sandt wur­de, aber offen­kun­dig auch bereits eini­ge Ver­brei­tung gefun­den hat (vgl. Bericht im NDR), stel­le ich sie nun­mehr hier auch her­un­ter­lad­bar ein:

2022_05_02_­FI­NAL-Fach­di­dak­ti­ken-Stel­lung­nah­me-Bil­dungs­plan­ent­wu­er­fe-BSB

 

Neues Buch von Bodo von Borries: “In Krisen Geschichte lernen, um Zukunft zu gewinnen. Überlebenstraining bei Umweltkollaps, Menschheitsverbrechen und Demokratieverfall”

11. April 2022 Andreas Körber Keine Kommentare

Ein wich­ti­ger neu­er Band aus der Ham­bur­ger Geschichts­di­dak­tik: Bodo von Bor­ries legt eine Samm­lung über­wie­gend bereits ein­mal erschie­ne­ner, aber über­ar­bei­te­ter Vor­trä­ge vor, die im Zusam­men­hang eine wich­ti­ge und wesent­li­che Aus­rich­tung sei­nes unbe­dingt not­wen­di­gen Geschichts­ver­ständ­nis­ses als nicht ver­gan­gen­heits­fi­xiert, son­dern auf His­to­ri­sche Ori­en­tie­rung im exis­ten­ti­el­len Sin­ne nicht nur ver­deut­li­chen, son­dern an einem gan­zen Spek­trum hoch bedeut­sa­mer Gegen­stän­de exem­pli­fi­zie­ren. Unbe­dingt zu empfehlen!

Bor­ries, Bodo von (2022): In Kri­sen Geschich­te ler­nen, um Zukunft zu gewin­nen. Über­le­bens­trai­ning bei Umwelt­kol­laps, Mensch­heits­ver­bre­chen und Demo­kra­tie­ver­fall. Frank­furt: Wochen­schau Ver­lag (Wochen­schau Wis­sen­schaft). ISBN 9783734413339

Titel des Buches

https://​www​.wochen​schau​-ver​lag​.de/​I​n​-​K​r​i​s​e​n​-​G​e​s​c​h​i​c​h​t​e​-​l​e​r​n​e​n​-​u​m​-​Z​u​k​u​n​f​t​-​z​u​-​g​e​w​i​n​n​e​n​/​4​1​334

 

Vorankündigung: Kompetenzorienierung — eine Sackgasse? Nein!

11. März 2022 Andreas Körber Keine Kommentare

Dem­nächst erscheint in Wochen­schau-Ver­lag ein Sam­mel­band mit Vor­trä­gen aus einer Kol­lo­qui­en­rei­her der Uni Bielefeld.

Dar­in u.a. mein Bei­trag aus einem kon­tro­vers ange­leg­ten Gespräch mit Jür­gen Gunia als aus­ge­spro­che­nem Kri­ti­ker der Kom­pe­tenz­ori­en­tie­rung und einem Bei­trag von ihm, der aller­dings wenig sei­ne damals vor­ge­tra­ge­nen Gedan­ken ent­hält, son­dern offen­kun­dig viel­mehr als aber­ma­li­ge Reak­ti­on auf mei­ne dama­li­gen The­sen zu ver­ste­hen ist:

Kör­ber, Andre­as (2022): Kom­pe­tenz­ori­en­tie­rung – eine Sack­gas­se? Nein! In: Tho­mas Must, Jörg van Nor­den und Nina Mar­ti­ni (Hg.): Geschichts­di­dak­tik in der Debat­te. Bei­trä­ge zu einem inter­dis­zi­pli­nä­ren Dis­kurs. Frank­furt: Wochen­schau Ver­lag (Geschichts­di­dak­tik theo­re­tisch), S. 139 – 156.

Gunia, Jür­gen (2022): ‚Selbst ver­nünf­tig Geschichte(n) den­ken‘? Zur Kom­pe­tenz­ori­en­tie­rung nach Andre­as Kör­ber – Ein Blind­flug mit Boden­kon­takt. In: Tho­mas Must, Jörg van Nor­den und Nina Mar­ti­ni (Hg.): Geschichts­di­dak­tik in der Debat­te. Bei­trä­ge zu einem inter­dis­zi­pli­nä­ren Dis­kurs. Frank­furt: Wochen­schau Ver­lag (Geschichts­di­dak­tik theo­re­tisch), S. 157 – 168.

Ansprache bei der Mahnwache anlässlich des 83. Jahrestages der Pogrome vom 9. /​10. November 1938 auf dem Joseph-Carlebach-Platz

12. November 2021 Andreas Körber Keine Kommentare

Hier doku­men­tie­re ich mei­ne Anspra­che als Ver­tre­ter der Uni­ver­si­tät Ham­burg bei der Mahn­wa­che am 9. Novem­ner 2021 zum Jah­res­tag der Novem­ber­po­gro­me von 1938 auf dem Joseph-Carlebach-Platz.

“Lie­be Anwesende,
ich bin gebe­ten wor­den, hier bei die­ser Gedenk­fei­er ein paar Wor­te für die Uni­ver­si­tät zu sagen.
Wenn wir heu­te der Opfer der Pogro­me der Nacht vom 9. auf 10. Novem­ber 1938 und der fol­gen­den Tage geden­ken, tun wir das nicht allein wegen des Leids und der Ver­bre­chen, die ihnen ange­tan wur­den, son­dern wir geden­ken ihrer als Men­schen, Nachbar:innen, Bürger:innen. Eini­ge unter uns – unter Ihnen – geden­ken Ihrer als der ihren im fami­liä­ren Sin­ne, ande­re als Ange­hö­ri­ger glei­cher Reli­gi­on, poli­ti­scher und ande­rer Ver­bin­dun­gen – wir alle als Gesell­schaft soll­ten ihrer Geden­ken als Mit­glie­der der­sel­ben Gemein­schaft – auch wenn, nein, gera­de weil die­se Zuge­hö­rig­keit, die grund­le­gen­de Aner­ken­nung ihnen damals von vie­len (nicht allen) Mitberüger:innen ver­wei­gert, ja genom­men wur­de. Denn die­se Aberken­nung ist ein Ver­lust an Mensch­lich­keit gewe­sen auch der Gesell­schaft selbst. Unser Geden­ken ist somit auch eine Wie­der-Bekräf­ti­gung die­ser Mensch­lich­keit und einer Aner­ken­nung der Ver­pflich­tung auf sie.
Die Uni­ver­si­tät Ham­burg, für die ich heu­te hier spre­che, als Insti­tu­ti­on hat fast nur in die­sem all­ge­mei­nen Sin­ne ver­gleich­ba­re Bezü­ge zu den dama­li­gen Ver­bre­chen und ihren Opfern, inso­fern sie sich heu­te ver­steht – ver­ste­hen muss – als eine Insti­tu­ti­on der Wis­sen­schaft in einer Demo­kra­tie, die auf die­se Wer­te ver­pflich­tet ist und blei­ben muss.
Sie kann jedoch die Opfer nicht als ein Ver­lust ihrer selbst bekla­gen. Wohl aber hat sie einen ande­ren Bezug zu dem Gesche­hen, und so trägt Betei­li­gung an die­ser jähr­li­chen Ver­an­stal­tung auch einen ande­ren Cha­rak­ter. Sie ist Teil der viel zu spät begon­ne­nen Auf­ar­bei­tung eige­ner insti­tu­tio­nel­ler Schuld – und Über­nah­me von Ver­ant­wor­tung – Ver­ant­wor­tung nicht kon­kret für die­ses Gesche­hen, wohl aber dar­aus – war sie doch als Anlie­ger die­ses Vier­tels durch­aus Akteur dies Gesche­hens – wenn nicht aktiv, so doch passiv.
Insti­tu­tio­nen han­deln nicht wirk­lich selbst, aus sich her­aus, son­dern durch ihre Mit­glie­der und Gre­mi­en. Für deren Ver­hal­ten und Han­deln gel­ten die­sel­ben Regeln des Rechts, der Mensch­lich­keit und des Anstands. Und indem Insti­tu­tio­nen die Mit­glied­schaft ihrer Ange­hö­ri­gen und oft auch deren Lebens­zeit ihrer Mit­glie­der über­dau­ern, haben sowohl sie als auc ihre viel spä­te­ren Mit­glie­der Anteil an der Not­wen­dig­keit der Auf­ar­bei­tung des­sen, was um sie her­um und mit ihrem und ihrer frü­he­ren Ange­hö­ri­gen Mit-Wis­sen, Zutun und Las­sen gesche­hen ist.
Die Uni­ver­si­tät Ham­burg war durch ihre Mit­glie­der und Ange­hö­ri­gen, Leh­ren­de, Stu­die­ren­de, Mitarbeiter:innen damals betei­ligt – und zwar genau benom­men nicht nur als Zeu­gin, hat­te sie doch durch die Ent­fer­nung vie­ler ihrer eige­nen jüdi­schen (wie auch ande­rer) Mit­glie­der aus dem Dienst, aus der Mit­glied­schaft, aus dem Stu­di­um, den Boden für die­ses Ereig­nis, für die Stim­mung, die es die es SA und HJ und denen, die die Pogrom­nacht orches­trier­ten, erlaub­te, kei­nen Wider­stand befürch­ten zu müs­sen und kei­ne kri­ti­schen, empör­ten Anfra­gen selbst durch eine gro­ße, inter­na­tio­nal ver­netz­te Insti­tu­ti­on und ihre doch viel­fäl­ti­gen Mitglieder.
In den letz­ten 20 Jah­ren, die ich selbst hier als Mit­glied die­ser Uni­ver­si­tät über­bli­cke, hat sie durch­aus selbst an meh­re­ren Stel­len die dama­li­ge insti­tu­tio­nel­le Schuld und die vie­ler dama­li­ger Mit­glie­der – von Pro­fes­so­ren, Stu­die­ren­den u.a. – auf­ge­ar­bei­tet und Ver­ant­wor­tungs­über­nah­me bekun­det. Ich den­ke an die Benen­nung der Hör­sä­le im Haupt­ge­bäu­de nach ver­trie­be­nen Wissenschaftler:innen, die Stol­per­stei­ne davor, das Wand­ge­mäl­de von Mar­tha Muchow dort drü­ben, die Boden­plat­te für die Mit­glie­der der Ham­bur­ger Wei­ßen Rose, etc.
Das aber sind gewis­ser­ma­ßen stum­me Zeu­gen des Geden­kens – ihre Exis­tenz garan­tiert gera­de kei­ne Errun­gen­schaft in dem Sin­ne, dass damit das Geden­ken sicher­ge­stellt wäre.
Geden­ken und Erin­nern sind Tätig­kei­ten, die auch – wie man heu­te sagen wür­de – „per­for­miert“ wer­den müs­sen. Die genann­ten Gedenk­or­te ermög­li­chen es, sichern es eber nicht – und erset­zen es auch nicht – wie auch das Denk­mal von Mar­grit Kahl, auf bzw. neben dem wir hier ste­hen, der erin­nern­de Platz­hal­ter für die in der Pogrom­nacht beschä­dig­te und spä­ter abge­ris­se­ne Syn­ago­ge, und der Ver­weis auf den Ver­lust, den dies bedeu­tet und auf den es verweist.
Es ist also nicht damit getan, die­ses Geden­ken ein­mal voll­zo­gen zu haben und dann sicht­bar zu hal­ten. Dies ist der Grund, war­um die Uni­ver­si­tät sich seit eini­gen Jah­ren regel­haft an die­ser Gedenk­ver­an­stal­tung zur Erin­ne­rung an den 9. Novem­ber 1938 betei­ligt. Es gilt, die­ses Erin­nern immer wie­der neu zu bekräftigen.
Zudem ist kein Geden­ken und Erin­nern allein rück­wärts gewandt. Es bedeu­tet immer, den Bezug erneut her­zu­stel­len, zu befra­gen und zu bekräf­ti­gen – durch­aus auch immer wie­der aus neu­en, sich ver­än­dern­den Blick­win­keln. Das bedeu­tet kei­ne unbot­mä­ßi­ge Indienst­nah­me der Erin­ne­rung oder der erin­ner­ten Men­schen für heu­ti­ge Zwe­cke – zumin­dest dann nicht, wenn sol­ches Erin­nern nicht instru­men­tell ist, son­dern der Befra­gung des heu­ti­gen Wahr­neh­mens und Han­delns dient.
Vor sie­ben Jah­ren habe ich schon ein­mal hier gespro­chen. Damals (2015) war es die von vie­len als „Flücht­lings­kri­se“ apo­stro­phier­te huma­ni­tä­re Situa­ti­on, die vie­le umtrieb und Befürch­tun­gen neu­er, ande­re, nicht aber unver­bun­de­ner For­men von Hass und Aus­gren­zung ent­ste­hen ließ. Nicht Par­al­le­len, wohl aber Leh­ren wur­den damals thematisiert.
Das ist nicht ganz vor­bei. Aktu­ell sind aber ande­re Fra­gen hin­zu­ge­kom­men oder wie­der aktu­ell gewor­den. Mehr­fa­che Angrif­fe auf jüdi­sche Men­schen auf offe­ner Stra­ße in Ham­burg wer­fen die Fra­ge wie­der auf, was wir als Gesell­schaft wahr­neh­men, hin­neh­men, wo die Schwel­len der Auf­merk­sam­keit sind und die­je­ni­gen wann man aktiv wird.
Es sind aber auch neue Anfra­gen ande­rer Art hin­zu­ge­kom­men. Wenn sich Men­schen heu­te etwa unter Ver­wen­dung bzw. Adap­ti­on der­je­ni­gen Sym­bo­le und Kenn­zeich­nun­gen, mit­tels derer im natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Staat Men­schen mar­kiert, aus­ge­grenzt und ent­rech­tet wur­den, als Opfer einer ver­gleich­ba­ren Ver­fol­gung gerie­ren, obwohl sie allen­falls im übli­chen Rah­men der gegen­sei­ti­gen Schran­ken bür­ger­li­cher und Grund­rech­te ein­ge­schränkt sind (ich spre­che natür­lich von den „Ungeimpft“-Sternen), dann gehört das Erin­nern an die tat­säch­li­che Ent­rech­tung, die nicht nur gewalt­sa­me, son­dern sozia­le Grau­sam­keit und das Aus­maß – mit immer­hin fast 100 selbst von den Nazis aner­kann­ten Todes­op­fern und eines Mehr­fa­chen davon in aktu­el­len Schät­zun­gen – auch zur Not­wen­dig­keit der Klä­rung der gegen­wär­ti­gen poli­ti­schen Kul­tur und Bil­dung, und der Begriffe.
2015 schloss ich: „Indem wir uns heu­te in Trau­er und rück­bli­cken­dem Ent­set­zen vor die­sen Men­schen ver­nei­gen und ihre ihnen damals ver­nein­te Zuge­hö­rig­keit zu unse­rer Gemein­schaft wie­der aner­ken­nen, beken­nen wir uns auch zu einem Geist, einer Hal­tung, glei­ches nicht wie­der zuzu­las­sen.“ Die­ses Bekennt­nis und die­se Ver­pflich­tung haben Gel­tung und müs­sen wei­ter Gel­tung haben. Heu­te nun möch­te, nein muss ich ergän­zen: „… beken­nen wir uns zu einer Hal­tung, die sol­ches Erin­nern auch nicht miss­braucht.“ In die­sem Sin­ne muss die Uni­ver­si­tät auch heu­te Zeu­gin, Beob­ach­te­rin der gesell­schaft­li­chen Ent­wick­lun­gen sein und in ihren Akti­vi­tä­ten, die gera­de nicht wert­neu­tral sind – näm­lich Wis­sen­schaft­li­che For­schung und Leh­re und zuletzt gera­de auch Lehrer:innenbildung, in wel­cher ich selbst tätig bin – Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men – Ver­ant­wor­tung für das eige­ne Han­deln aber auch dafür, was im kon­kre­ten und wei­te­ren Umfeld geschieht. An die­sem Geden­ken teil­zu­ha­ben gehört grund­le­gend dazu.
Ich dan­ke ihnen.”

Aktueller Vortrag

23. September 2021 Andreas Körber Keine Kommentare

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