Arbeitsbereich Geschichtsdidaktik / History Education, Universität Hamburg

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Vortrag auf Werkstatt: “Formen der Vermittlung der NS-Zwangsarbeit und ihrer Folgen” der Kurt-und-Herma-Römer-Stiftung

22. Mai 2022 Andreas Körber Keine Kommentare

Am 19. und 20. Mai 2022 fand im Stu­di­en­zen­trum der KZ-Gedenk­stät­te Neu­en­gam­me eine “Werk­statt: For­men der Ver­mitt­lung der NS-Zwangs­ar­beit und ihrer Fol­gen” der Kurt-und-Her­ma-Römer-Stif­tung statt — u.a. mit einem Vor­trag von Andre­as Kör­ber mit dem Titel “Neue Per­spek­ti­ven auf und Dis­kus­sio­nen über das Ler­nen zu den natio­nal­so­zialis­ti­schen Mas­sen­ver­bre­chen” und anschlie­ßen­der Diskussion.

Interessanter Gastvortrag von Steven Stegers (EUROCLIO) zu demokratischen Formen des Unterrichtens, Diagnostizierens und Prüfens im Fach Geschichte

06. Juli 2016 Andreas Körber Keine Kommentare

Am 1. Juli hat­te der Arbeits­be­reich Geschichts­di­dak­tik den Pro­gramm­di­rek­tor von EUROCLIO, des frü­he­ren Dach­ver­ban­des euro­päi­scher Geschichts­leh­rer­ver­bän­de und heu­ti­ger euro­pa­weit täti­ger NGO im Rah­men der his­to­risch-poli­ti­schen Bil­dung zu Gast. In einem Gast­vor­trag an der Fakul­tät für Erzie­hungs­wis­sen­schaft stell­te er — aus­ge­hend von eini­gen Besorg­nis erre­gen­den gegen­wär­ti­gen geschichts­po­li­ti­schen Aktio­nen in ver­schie­de­nen euro­päi­schen Län­dern ein­schließ­lich eini­ger Ver­su­che, Geschichts­un­ter­richt in Inhalt und Struk­tu­ren für die Ver­mitt­lung geschlos­se­ner Geschichts­bil­der in Dienst zu neh­men, beton­te er in einem anre­gen­den und inter­es­san­ten Über­blick über die Ver­hält­nis­se in meh­re­ren euro­päi­schen Län­dern die Bedeu­tung frei­heit­li­chen, die Befä­hi­gung der Schü­le­rin­nen und Schü­ler zum eigen­stän­di­gen his­to­ri­schen Den­kens ins Zen­trum stel­len­den “histo­ry edu­ca­ti­on” und ent­spre­chen­der nicht-eng­füh­ren­der Assess­ment- und Prüfungsformen.

On 1st July 2016, the pro­gram­me direc­tor of EUROCLIO, the for­mer umbrel­la asso­cia­ti­on of Euro­pean Histo­ry Tea­cher Asso­cia­ti­ons and the today world­wi­de ope­ra­ting NGO, visi­ted the Depart­ment of Histo­ry Edu­ca­ti­on. Star­ting with some alar­ming examp­les of con­tem­pora­ry his­to­ri­cal-poli­ti­cal actions (inclu­ding attempts to use histo­ry tea­ching for the media­ti­on of ‚clo­sed‘ views on histo­ry), he pre­sen­ted in his guest lec­tu­re at the facul­ty an inspi­ring and inte­res­ting over­view of the con­di­ti­ons of histo­ry tea­ching in several Euro­pean sta­tes. He empha­si­zed the impor­t­ance of a libe­ral histo­ry edu­ca­ti­on with open for­mats of assess­ment and exami­na­ti­on that enab­le stu­dents to think his­to­ri­cal­ly in an inde­pen­dent way.

Gastvortrag zum Thema “Assessment of History learning Outcomes/​Exams”

28. Juni 2016 Andreas Körber Keine Kommentare

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am kom­men­den Frei­tag, 1.7. spricht Ste­ven Ste­gers, Pro­gramm­di­rek­tor von EUROCLIO an unse­rer Fakul­tät (in eng­li­scher Spra­che) unter dem Titel “A Bird‘s Eye View of Histo­ry Exams across Euro­pe. Why the assess­ment of His­to­ri­cal Com­pe­ten­ces mat­ters” über (kom­pe­tenz­ori­en­tier­tes) Prü­fen und Dia­gnos­ti­zie­ren beim Geschichtslernen.

Aus der Ankündigung:

“In this pre­sen­ta­ti­on, Ste­ven Ste­gers, the Pro­gram­me Direc­tor of EUROCLIO (Euro­pean Asso­cia­ti­on of Histo­ry Edu­ca­tors) will share his expe­ri­ence of working on histo­ry edu­ca­ti­on pro­jects across Euro­pe. He will focus on the impli­ca­ti­ons of the way assess­ment – espe­cial­ly exams – are impac­ting the way histo­ry is being taught. He will com­pa­re and con­trast di!erent prac­ti­ces in terms of the rela­ti­ve impor­t­ance of cen­tral exams: what is being asses­sed, and what are the aims of histo­ry edu­ca­ti­on in the first place.”
Wir laden herz­lich ein.

Einladung zum Gastvortrag (engl.) von Prof. Dr. Carla van Boxtel

10. Februar 2015 Andreas Körber Keine Kommentare

Universität Hamburg

Der Arbeits­be­reich Geschichts­di­dak­tik der Fakul­tät für Erzie­hungs­wis­sen­schaft der Uni­ver­si­tät Ham­burg lädt ein zu einem

öffent­li­chen Gastvortrag
(in eng­li­scher Sprache)

von

Frau Prof. Dr. Car­la van Boxtel
(Uni­ver­sit­eit van Amsterdam)

zum The­ma:
Tea­ching His­to­ri­cal Reasoning
From „knowing that“ to „thin­king with“

am 4. März 2015
18.00 c.t.
Von-Mel­le-Park 8, Raum 05

Dr. Car­la van Box­t­el ist Pro­fes­sor­in­für Geschichts­di­dak­tik (Vak­di­dac­tiek, in het bij­zon­der van geschiedenis­onderwijs) am For­schungs­in­sti­tutfür kind­li­che Ent­wick­lung und Erzie­hung und am Insti­tut für Kul­tur und Geschich­te der Uni­ver­si­tät Ams­ter­dam sowie Direk­to­rin des Nie­der­län­di­schen Zen­trums für Sozi­al­wis­sen­schafts­di­dak­tik (Lan­de­li­jk Exper­ti­se­cen­trum Mens- en Maats­ch­ap­pij­vak­ken). Sie ist Autorin eines Modells zum “His­to­ri­cal Reasoning”.

Für unse­re Pla­nun­gen bit­ten wir um eine unver­bind­li­che Bekundung
Ihres Inter­es­ses an einer Teil­nah­me per Mail (link unten).

Dan­ke
Pro­jekt „HiTCH“ (His­to­ri­cal thinking
– Com­pe­ten­ci­es in History);
Prof. Dr. Andre­as Kör­ber und Team


Mail an HiTCH: 

Ich habe Inter­es­se am Gast­vor­trag von Frau Prof. Dr. van Box­t­el und wer­de wahr­schein­lich kommen.

Gastvortrag am 25.11.2010: Prof. Dr. RH Kofi Darkwah (Winneba/​Ghana): „Human Rights and Historical Learning“ — a postcolonial perspective in a globalized world”

11. November 2010 Andreas Körber Keine Kommentare

„Her­aus­for­de­run­gen an die Geschichtsdidaktik“:
Gast­vor­trag
von

Herrn Prof. Dr. Kofi Darkwah

His­to­ri­an at the Uni­ver­si­ty of Edu­ca­ti­on, Win­ne­ba (Gha­na)

„Human Rights and His­to­ri­cal Learning“
 — a post­co­lo­ni­al per­spec­ti­ve in a glo­ba­li­zed world -

(in eng­li­scher Sprache)

Do 25. Novem­ber 2010
18.00 Uhr

im
Völ­ker­kun­de­mu­se­um Hamburg

PIASTA Völkerkundemuseum

Afrika — (k)ein Thema im hiesigen Geschichtsunterricht?

14. Juni 2010 Andreas Körber 1 Kommentar

“Afri­ka — (k)ein The­ma im hie­si­gen Geschichts­un­ter­richt?” ist eine Ver­an­stal­tung über­schrie­ben, die der AB Geschichts­di­dak­tik in Zusam­men­ar­beit mit der Hein­rich-Boell-Stif­tung (“umden­ken”) am 25. Juni durchführt.

Das Podi­um wird sich der Fra­ge wid­men, wel­chen Stel­len­wert “Afri­ka” im Geschichts­un­ter­richt hie­si­ger (Deut­scher, Ham­bur­ger) Schu­len zum einen tra­di­tio­nell ein­nimmt und ein­neh­men kann und soll­te. Dabei geht es nicht allein (und nicht ein­mal pri­mär) um quan­ti­ta­ti­ve Aspek­te, nicht um die Rekla­mie­rung des dem Kon­ti­nent “gebüh­ren­den” Anteils, son­dern vor allem auch um die Fra­ge, in wel­cher Form und mit wel­chem Ziel “afri­ka­ni­sche Geschich­te” the­ma­ti­siert wer­den kann und soll.

Den Fly­er zur Ver­an­stal­tun­gen fin­den Sie hier:

28.4.2010; 19.00h: Gastvortrag Prof. Dr. Bodo von Borries

09. April 2010 Andreas Körber Keine Kommentare

Ästhe­tik, Emo­tio­na­li­tät und Moral als — unver­meid­li­che und reflek­ti­ons­be­dürf­ti­ge — Kom­po­nen­ten des Geschichtslernens

Geschichts­ler­nen stellt durch­aus einen nicht-nur-kogni­ti­ven Pro­zess dar. Emo­tio­nen, Ästhe­tik, Moral, Poli­tik, Ima­gi­na­ti­on, Trieb­dy­na­mik usw. haben ihren Anteil an Aus­lö­sung, Ver­lauf und Ergeb­nis; sie trei­ben also nicht nur Ler­nen (oder Lern­ver­wei­ge­rung) an, son­dern ändern sich auch durch Umgang mit Geschich­te. Das ist tri­vi­al und wird von nie­man­dem bestrit­ten. Es wird aber meist auch über­haupt nicht ernst genom­men, nicht nur in der Unter­richts­pra­xis (mit ihrer häu­fi­gen Still­stel­lung von Ästhe­tik und Emo­ti­on), son­dern auch in Theo­rie­bil­dung, Norm­set­zung und empi­ri­scher Erfor­schung im Rah­men aka­de­mi­scher Geschichtsdidaktik.
Es geht im Vor­trag also um zwei­er­lei. Zum einen sind an exem­pla­ri­schen Fäl­len Urge­walt und Unver­meid­lich­keit der nicht-nur-kogni­ti­ven Momen­te des Geschichts­ler­nens — sie müs­sen weder außer-kogni­tiv noch anti-kogni­tiv sein! — so zu ver­deut­li­chen, dass sie nicht wie­der gleich danach in Ver­ges­sen­heit gera­ten. Zum zwei­ten ist anzu­deu­ten, wie sie bei der Norm­set­zung (z.B. Lern­zie­le) ehr­li­cher reflek­tiert und in die geschichts­di­dak­ti­sche Theo­rie, ins­be­son­de­re das Kom­pe­tenz­struk­tur- und ‑gra­du­ie­rungs­mo­dell von “FUER Geschichts­be­wusst­sein”, begriff­lich dif­fe­ren­zier­ter inte­griert wer­den können.

Datum: 28. April 2010
Zeit: 19.00h
Ort: Von-Mel­le-Park 6 (Phi­lo­so­phen­turm), Hör­saal E

Gastvortrag Dr. Lücke: Anmoderation A.Körber

20. Januar 2010 Andreas Körber Keine Kommentare

Andre­as Körber

“Diver­si­ty und Geschichtsdidaktik”

Ich freue mich, mit Dr. Mar­tin Lücke heu­te einen Kol­le­gen hier begrü­ßen zu kön­nen, der als Exper­te gel­ten kann für eine Fra­ge­stel­lung, die – wie­der ein­mal – als Her­aus­for­de­rung für geschichts­di­dak­ti­sche Theo­rie und Pra­xis ver­stan­den wer­den kann.

Hat­ten wir es im letz­ten Gast­vor­trag der Kol­le­gin Bea Lundt (die ich hier auch begrü­ße) damit zu tun, unser Bild sowohl von Afri­ka als auch vom Mit­tel­al­ter in Fra­ge stel­len zu müs­sen und über sich dar­aus erge­ben­de Kon­se­quen­zen für his­to­ri­sches Den­ken und Ler­nen nach­zu­den­ken, so geht es dies­mal um ein gan­zes Bün­del durch­aus anders gela­ger­ter, stär­ker kate­go­ria­ler Her­aus­for­de­run­gen. In sinn­ge­mä­ßer Anwen­dung unse­res Kom­pe­tenz-Struk­tur­mo­dells nicht auf his­to­ri­sches Den­ken als sol­ches, son­dern auf die fach­di­dak­ti­schen Kom­pe­ten­zen müss­te man davon spre­chen, dass unse­re “Sach­kom­pe­tenz Geschichts­di­dak­tik” ela­bo­riert wer­den muss – und mit ihr die Kompetenzen,

  1. fach­di­dak­ti­sche Fra­ge­stel­lun­gen und fach­di­dak­tisch rele­van­te The­men­stel­lun­gen zu identifizieren,
  2. fach­di­dak­ti­sche Lern­pro­zes­se und Unter­richts­mo­del­le zu ana­ly­sie­ren, um die in ihnen ent­hal­te­nen Prä­mis­sen, Set­zun­gen, Wer­te, das in sie ein­ge­gan­ge­ne Ver­ständ­nis von Form und Ziel his­to­ri­schen Ler­nens, aber auch die Vor­stel­lun­gen davon zu erken­nen, wie denn his­to­ri­sches Ler­nen funk­tio­nie­ren kann und soll (man könn­te das an den gera­de erschie­ne­nen Arbeits­fas­sun­gen der neu­en Ham­bur­ger Bil­dungs- und Rah­men­plä­ne für Pri­mar- und Stadt­teil­schu­le sowie für die ver­kürz­te Sek I des Gym­na­si­ums testen).

Das gilt natür­lich auch für publi­zier­te Unter­richts­ent­wür­fe und Mate­ria­li­en. Glei­cher­ma­ßen wird dadurch aber auch unse­re didak­ti­sche Kon­struk­ti­ons­kom­pe­tenz her­aus­ge­for­dert (und hof­fent­lich ela­bo­riert), näm­lich die Fähig­keit, Fer­tig­keit und Bereit­schaft, im Sin­ne der uns heu­te von Mar­tin Lücke prä­sen­tier­ten Kate­go­rien (die dem Titel sei­nes Vor­tra­ges nach ja vor allem Ana­ly­se­ka­te­go­rien sind) iden­ti­täts- und ori­en­tie­rungs­re­le­van­te Lern­pro­zes­se und ‑umge­bun­gen zu kon­zi­pie­ren – und dann auch wie­der zu diagnostizieren.

Dazu gehört natür­lich nach wie vor die Lern­be­din­gungs­ana­ly­se, die Ana­ly­se nicht nur von Gegen­stän­den und The­men, son­dern der anthro­po­lo­gi­schen, insti­tu­tio­nel­len und kul­tu­rel­len Vor­aus­set­zun­gen von Lernen.

“Race, class and gen­der” – die Drei­heit der bereits klas­si­scher­wei­se in der Theo­rie der “Inter­sek­tio­na­li­tät”, also der gegen­sei­ti­gen Durch­drin­gung und Beein­flus­sung von Dis­kri­mi­nie­run­gen und Benach­tei­li­gun­gen benutz­ten Dimen­sio­nen (heut­zu­ta­ge zumeist um wei­te­re ergänzt) betref­fen ja gera­de nicht nur die qua­si sozio­lo­gisch zu ana­ly­sie­ren­den Dis­kri­mi­nie­rungs­pro­zes­se, son­dern auch die Iden­ti­tä­ten, sie sind nicht nur wirk­sam in der Fremd­zu­schrei­bung von Eigen­schaf­ten und Zuge­hö­rig­kei­ten, bei der In- und Exklu­si­on, der Er- und Ent­mäch­ti­gung von Men­schen zur Teil­ha­be, son­dern auch im Bereich der Selbst-Kon­zep­te, der eige­nen Vor­stel­lun­gen von Zuge­hö­rig­kei­ten. Und inso­fern his­to­ri­sches Den­ken und Fra­gen immer mit der Klä­rung von Iden­ti­tät in zeit­li­cher Hin­sicht zu tun hat, inso­fern his­to­ri­sche Fra­gen und Denk­pro­zes­se aus der zeit­li­chen Ver­un­si­che­rung unse­res Selbst- und Welt­ver­ständ­nis­ses ent­ste­hen, sind sie für die Fach­di­dak­tik bedeutsam.

Aller­dings wer­fen die genann­ten Kate­go­rien natür­lich auch Fra­gen auf: “Race, Class und Gen­der” sind sämt­lich kei­ne zeit­über­grei­fend fest­ste­hen­den, von außen gege­be­nen Kon­zep­te und Unter­schei­dun­gen. An allen drei­en lässt sich das zei­gen. Die Ent­wick­lung nicht nur der Kate­go­rien von geschlecht­li­cher Dis­kri­mi­nie­rung, son­dern gera­de auch der wis­sen­schaft­li­chen Kon­zep­te, mit denen sie ana­ly­siert und behan­delt wer­den, ist das wohl bekann­tes­te Bei­spiel, aber auch in Bezug auf “Klas­sen” gilt, dass sie sozio­lo­gisch nicht ohne wei­te­res auf alle Zei­ten anwend­bar sind, die Zeit der Klas­sen­theo­rien sozia­ler Ungleich­heit galt bereits ein­mal als vor­bei zuguns­ten von Schich­ten und spä­ter Milieu-Theo­rien. Ob sie ange­sichts von Hartz IV und sich öff­nen­der Sche­re zwi­schen arm und Reich wie­der­kommt, sein dahin­ge­stellt. Und dass “race” ein Kon­zept ist, dass nicht ohne Refle­xi­on auf sei­ne Prä­mis­sen und Grund­kon­zep­te ver­wen­det wer­den kann, ist ange­sichts von Ras­sis­men mit ihren spe­zi­fi­schen Ras­sen­kon­zep­ten gera­de in Deutsch­land evi­dent. Mit ande­ren Wor­ten: Nie­mand – weder eine his­to­ri­sche Per­son als Teil des Gegen­stands eines Lern­pro­zes­ses, noch ein Mit­glied einer Lern­grup­pe oder ein(e) ander­wei­tig his­to­risch Den­ken­de® – kann mit die­sen Kate­go­rien ein­fach klas­si­fi­ziert werden.

Race, Class und Gen­der sind aber mehr als nur Bei­spie­le für varia­ble Ana­ly­se­kon­zep­te. Wenn sie his­to­risch gewen­det frucht­bar gemacht wer­den sol­len nicht nur für wis­sen­schaft­li­che Ana­ly­se, son­dern für rele­van­te Lern­pro­zes­se, dann müs­sen sie dif­fe­ren­ziert und reflek­tiert wer­den in didak­ti­scher Hinsicht.

Gera­de dafür sind wir heu­te hier. Mar­tin Lücke, Lehr­kraft für beson­de­re Auf­ga­ben im Arbeits­be­reich Didak­tik der Geschich­te am Fried­rich Mein­ecke-Insti­tut der FU Ber­lin, zuvor Stu­di­en­rat an einem Ber­li­ner Gym­na­si­um, Mit­ar­bei­ter an Lehr­stüh­len in Leip­zig und Ber­lin, erscheint dafür genau der Richtige.

Er hat sein Lehr­amts­stu­di­um in Bie­le­feld absol­viert mit den Fächern Geschich­te und Deutsch, und sein Refe­ren­da­ri­at mit Zwei­tem Staats­examen in Ber­lin abge­legt. 2007 hat er an der Uni­ver­si­tät Bie­le­feld bei einer aus­ge­wie­se­nen Kol­le­gin der neue­ren Kul­tur­ge­schich­te (Mar­ti­na Kes­sel) pro­mo­viert über das The­ma “männ­li­che Pro­sti­tu­ti­on im Kai­ser­reich und Wei­ma­rer Repu­blik” und dafür auch meh­re­re Prei­se erhal­ten, dar­un­ter den Hed­wig-Hint­ze-Preis des Ver­ban­des der His­to­ri­ke­rin­nen und His­to­ri­ker Deutschlands.

Mar­tin Lücke hat sich dane­ben aber gera­de auch in der Fach­di­dak­tik inzwi­schen brei­ter auf­ge­stellt, etwa durch Ver­an­stal­tun­gen und Vor­trä­ge sowie Publi­ka­tio­nen zu spe­zi­fi­schen Medi­en beim his­to­ri­schen Ler­nen (Film), zur Theo­rie his­to­ri­schen Den­kens und Ler­nens (Stich­wort: Nar­ra­ti­vi­tät), Holo­caust und his­to­ri­sches Ler­nen, Zeit­ge­schich­te und vie­le ande­re The­men mehr.

Mein per­sön­li­ches Inter­es­se an dem nun fol­gen­den Vor­trag ist eines, das aus einer spe­zi­fi­schen Skep­sis ent­springt, ob und wie die Kate­go­rien der Diver­si­ty-Ansät­ze zu den den Kon­zep­ten inter­kul­tu­rel­len Ler­nens und Den­kens in Bezie­hung gesetzt wer­den kön­nen. Unter­lau­fen nicht die klas­si­fi­ka­to­ri­schen Sek­tio­nie­run­gen moder­ne, varia­ble Kul­tur­be­grif­fe – oder kön­nen und müs­sen sie viel­mehr als deren Kon­kre­ti­sie­rung auf­ge­fasst wer­den? Inter- und Trans­kul­tu­rel­lem Den­ken (im Sin­ne von W.Welsch etwa) und dem Diver­si­ty-Ansatz lie­gen sicht­bar ver­gleich­ba­re Pro­blem­ana­ly­sen und Inten­tio­nen zu Grun­de – ihre Instru­men­te sind aber zumin­dest nicht deckungs­gleich. Kann es sein, dass das “inter­kul­tu­rel­le Ler­nen” noch zu idea­lis­tisch erscheint und die Diver­si­ty-Stu­dies als Her­aus­for­de­rung und als Fort­füh­rung anti­ras­sis­ti­scher Ansät­ze dies ver­mei­den hel­fen? Ich bin gespannt. Ich will hier aber nicht eine neue Glie­de­rung über den Vor­trag legen, son­dern freue mich auf die spä­te­re Dis­kus­si­on und bit­te nun Mar­tin Lücke, uns die Diver­si­ty mit Blick auf his­to­ri­sches Den­ken und Ler­nen nahe zu bringen.

Herr Dr. Lücke, Sie haben das Wort!

20.1.2010: 18.00h: Gastvortrag Geschichtsdidaktik: Martin Lücke: Diversity

10. Dezember 2009 Andreas Körber Keine Kommentare

Gast­vor­trag von Herrn Dr. Mar­tin Lücke:

„Diver­si­ty und Ungleich­hei­ten – race, class und gen­der als geschichts­di­dak­ti­sche Analysekategorien“

„Diver­si­ty“ ist in aller Mun­de. Ihr ist der Anspruch imma­nent, gesell­schaft­li­che Hete­ro­ge­ni­tät in ihrer Viel­falt zu akzep­tie­ren und dar­auf hin­zu­wir­ken, dass die durch geschlecht­li­che, sozia­le oder eth­ni­sche Kate­go­ri­sie­run­gen ent­ste­hen­den Hier­ar­chien abge­schlif­fen wer­den, ohne einen Ver­lust an Viel­falt hin­neh­men zu müs­sen. Aus Sicht der Geschichts­wis­sen­schaft mag eine sol­che Vor­stel­lung naiv erschei­nen, haben doch gera­de die his­to­ri­schen Kul­tur- und Sozi­al­wis­sen­schaf­ten gezeigt, dass race, class und gen­der als „Ach­sen der Ungleich­heit“ in der Geschich­te über­haupt erst schier unüber­wind­ba­re gesell­schaft­li­che Hier­ar­chien her­ge­stellt haben.
Kann die Didak­tik der Geschich­te in die­sem Kon­flikt ver­mit­teln? Als Mitt­le­rin zwi­schen Gegen­warts­wahr­neh­mun­gen und Ver­gan­gen­heit kann sie vor allem die His­to­ri­zi­tät von Viel­falt beto­nen, um Kon­flik­te um Viel­falt in ihrer his­to­ri­schen Tie­fen­schär­fe zu ver­ste­hen. Gesell­schaft­li­che Hete­ro­ge­ni­tät wird auf die­se Wei­se zu einer Kate­go­rie mit Geschich­te. Indem etwa im Geschichts­un­ter­richt die Wir­kungs­mäch­tig­keit von race, class und gen­der ana­ly­siert wird, kön­nen die Schü­le­rin­nen und Schü­ler mit der Geschich­te einen sekun­dä­ren Erfah­rungs­raum betre­ten, in dem sie erfah­ren, in wel­cher Viel­fäl­tig­keit die Kate­go­rien race, class und gen­der his­to­risch gewirkt haben und dass die­se Kate­go­rien wir­kungs­vol­le Inklu­si­ons- und Exklu­si­ons­me­cha­nis­men bereit hielten.

Die “Foli­en” des Vor­tra­ges sind nun hier abrufbar.

Herr Dr. Mar­tin Lücke ist wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter im Arbeits­be­reich Didak­tik der Geschich­te an der Frei­en Uni­ver­si­tät Ber­lin. Er forscht und lehrt zu den The­men Diver­si­ty und trans­kul­tu­rel­ler Geschichts­un­ter­richt, Holo­caust und his­to­ri­sches Ler­nen und zu his­to­ri­scher Biografieforschung.

Datum: 20. Janu­ar 2010
Uhr­zeit: 18.00 Uhr
Ort: Phi­lo­so­phen­turm Hör­saal A
(Von- Mel­le- Park 6)

Nach­trä­ge (21.1.2010):

27.11.2009: Gastvortrag von Prof. Dr. Bea Lundt (Flensburg)

09. November 2009 Andreas Körber Keine Kommentare


Lie­be Kommiliton(inn)en,

am 27.11. star­tet der Arbeits­be­reich Geschichts­di­dak­tik eine neue Rei­he mit Gast­vor­trä­gen. Den Anfang macht Frau Prof. Dr. Bea Lundt von der Uni­ver­si­tät Flensburg:

A.Körber

Gast­vor­trag von Frau Prof. Dr. Bea Lundt:

Das Afri­ka­ni­sche Mit­tel­al­ter als Her­aus­for­de­rung für die Geschichtsdidaktik.


beafrika_1Afri­ka im Mit­tel­al­ter? Bei dem Begriff “Mit­tel­al­ter” tau­chen cbeafrika_​1hristliche Dome vor unse­ren inne­ren Augen auf, Rit­ter in glän­zen­den Rüs­tun­gen, städ­ti­sche Hand­wer­ker, aber auch arme und unwis­sen­de Bau­ern in ihren unzi­vi­li­sier­ten Dör­fern. Gera­de erst erschie­nen sind Unter­richts-mate­ria­li­en, die auch wei­ter­hin “das Reich” und sei­ne Kai­ser als Vor­form Deutsch­lands prä­sen­tie­ren; noch immer ein­ge­setzt wird eine drei­glied­ri­ge Lehn­s­py­ra­mi­de zur Kenn­zeich­nung einer sta­ti­schen sozia­len Ord­nung, die angeb­lich die Vor­mo­der­ne kenn-zeich­ne­te. Dabei zeigt uns die For­schung seit eini­gen Jah­ren eine dif­fe­ren­zier­te, mul­ti­re­li­giö­se und mul­ti­kul­tu­rel­le Epo­che von hoher Mobi­li­tät in einem weit über Euro­pa hin­aus­rei­chen­den Raum. Am Ende der Kara­wa­nen­stra­ßen durch die Saha­ra befan­den sich gro­ße Städ­te und Rei­che. Zur Zeit wer­den in dem mit­tel­al­ter­li­chen Gelehr­ten­zen­trum Tim­buk­tu zahl­rei­che ara­bi­sche Hand­schrif­ten gesi­chert, die von Reich­tum und Wis­sen einer isla­mi­schen Schrift­kul­tur des Mit­tel­al­ters zeu­gen. In Afri­ka ist man sich die­ser Tra­di­ti­on bewusst und pflegt sie. Doch in die mit­tel­eu­ro­päi­schen Geschichts­bil­der sind sol­che Erkennt­nis­se noch nicht ein­ge­ar­bei­tet. Wir wer­den “unser” Mit­tel­al­ter tei­len müssen…

Frau Prof. Dr. Bea Lundt ist Pro­fes­so­rin für mit­tel­al­ter­li­che Geschich­te und für die Didak­tik der Geschich­te an der Uni­ver­si­tät Flens­burg, eben­so nimmt sie Lehr­auf­trä­ge und Asso­zi­ie­run­gen an der Hum­boldt-Uni­ver­si­tät zu Ber­lin wahr.

Datum: 27. Novem­ber 2009

Uhr­zeit: 18.00 Uhr

Ort: Anna- Siem­sen- Hörsaal

(Von- Mel­le- Park 8 )

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