Arbeitsbereich Geschichtsdidaktik / History Education, Universität Hamburg

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“Master Narrative” = “Meistererzählung”?

23. Februar 2014 Andreas Körber 2 Kommentare

A pro­pos einer Anfra­ge eines Kol­le­gen von heu­te juckt es mich, doch ein­mal einen Sach­ver­halt anzu­spre­chen, den ich unbe­frie­di­gend fin­de –wie­wohl ich nicht hof­fe, ihn ändern zu können:

Die Anfra­ge lau­te­te, ob der eng­li­sche Begriff des “Mas­ter Nar­ra­ti­ve” im Deut­schen mit “Meis­ter­er­zäh­lung” kor­rekt über­setzt sei.

Die Ant­wort lau­tet: “ja, lei­der” (vgl. etwa den Ein­trag im “Kul­turglos­sar”). Es han­delt sich um die ein­ge­führ­te Über­set­zung, spä­tes­tens (ich habe das jetzt nicht tie­fer nach­ge­prüft) seit dem Sam­mel­band von Jarausch und Sab­row (2002): Auch sie ver­wen­den den Begriff eher, als dass sie ihn in sei­ner sprach­li­chen Ver­fasst­heit reflek­tie­ren. Jost Dülf­fer hat 2005 in einem Bei­trag in “Aus Poli­tik und Zeit­ge­schich­te” die­se Über­set­zung aus­drück­lich für gut befun­den: “ ‘Meis­ter­er­zäh­lun­gen’ wird das im Anschluss an die eng­li­schen ‘mas­ter nar­ra­ti­ves’ sinn­vol­ler­wei­se genannt, denn die­se wir­ken, und sie prä­gen die Sicht.” (ebda, Anm. 6).

Ich kann die­ses “sinn­vol­ler­wei­se” nicht wirk­lich nach­voll­zie­hen, weil es Miss­ver­ständ­nis­se begüns­tigt: Das mas­ter nar­ra­ti­ve ist in mei­nem Ver­ständ­nis eher dem “Mut­ter­band” im Kopier­werk einer Audio­pro­duk­ti­on ver­gleich­bar, von dem die Kopien gezo­gen wer­den — es prägt die Sicht — und in ana­lo­ger Tech­nik unter­schei­den sich die Kopien immer etwas. Im Eng­li­schen hei­ßen die­se “Mut­ter­bän­der” m.W. auch “mas­ter”.

Der deut­sche Begriff der “Meis­ter­er­zäh­lung” kon­no­tiert dem­ge­gen­über die bei den mas­ter nar­ra­ti­ves kei­nes­wegs nöti­ge Meis­ter­schaft. Ich hat­te als Jugend­li­cher in einem Bücher­re­gal ein von mei­nem Onkel geerb­ten Band mit Erzäh­lun­gen Anton Tschechovs, der mit “Meis­ter­er­zäh­lun­gen” beti­telt war — und damit eben auf die Meis­ter­haf­tig­keit der Erzähl­kunst abhob. Die mas­ter nar­ra­ti­ves wer­den zwar oft als wirk­sam (s. Dülf­fer) und oft auch als mit Auto­ri­tät aus­ge­stat­tet ange­se­hen, ihnen “Meis­ter­haf­tig­keit” zuzu­schrei­ben, hilft aber der für ihre Refle­xi­on nöti­gen Distanz nicht gerade.

Vgl. dazu auch Kri­jn Thijs (2008), dem zufol­ge die deut­sche For­schung der Begriffs­ver­wir­rung — er sei “zur Zeit des Begriffs­trans­fers bereits als indi­vi­du­el­le Glanz­leis­tung lite­ra­ri­scher Vir­tuo­sen” besetzt gewe­sen — “nie ganz ent­kom­men” sei. Erst des­we­gen haben man die Zusät­ze “his­to­risch”, “natio­nal” usw. fin­den müs­sen (S. 20 m. Anm. 31).

Lite­ra­tur:

 

Beitrag zur Weiterentwicklung der Sinnbildungstypologie

30. November 2013 Andreas Körber Keine Kommentare

Die Sinn­bil­dungs­ty­po­lo­gie Jörn Rüsens hat inzwi­schen meh­re­re Erwei­te­run­gen und Ver­fei­ne­run­gen erfah­ren. Mei­nen letz­ten Erfah­rungs­stand habe ich in fol­gen­dem Arti­kel dar­ge­legt habe, der bei pedocs ver­füg­bar ist:

 

Kör­ber, Andre­as (2013): “His­to­ri­sche Sinn­bil­dungs­ty­pen. Wei­te­re Dif­fe­ren­zie­rung.” In: PeDOCS (http://​www​.pedocs​.de/​f​r​o​n​t​d​o​o​r​.​p​h​p​?​s​o​u​r​c​e​_​o​p​u​s​=​7​2​6​4​&​l​a​=de) (urn:nbn:de:0111-opus-72646).

Metaphern als didaktische Hindernisse?

05. Januar 2013 Andreas Körber Keine Kommentare

Immer wie­der fin­den sich in Unter­richts­ent­wür­fen For­mu­lie­run­gen wie, man wol­le die Ler­nen­den, die Schü­le­rin­nen und Schü­ler auf eine “Rei­se in die Ver­gan­gen­heit” schi­cken, wo es doch so viel zu ent­de­cken gebe. Gera­de die­se For­mu­lie­rung, die — manch­mal expli­zit, manch­mal eher unge­wollt — den Titel eines wich­ti­gen Schul­buch­werks der bun­des­deut­sche Nach­kriegs­ge­schichts­di­dak­tik zitiert, fin­det sich dabei zuwei­len gera­de auch in Unter­richts­ent­wür­fen und Argu­men­ta­tio­nen, die aus­drück­lich  “kom­pe­tenz­ori­en­tiert” sein wol­len. — Aber passt das zueinander?

Zu Kom­pe­ten­zen his­to­ri­schen Den­kens gehört es m.E. zwin­gend, dass unter­schie­den wird zwi­schen der Ver­gan­gen­heit als einer unwie­der­bring­li­chen Wirk­lich­keit und der Geschich­te als einer anhand ihrer (par­ti­ku­la­ren und deut­lich ver­än­der­ten) Über­res­te und unse­rer heu­ti­gen Fra­gen rekon­stru­ier­ten Vor­stel­lung von ihr. Die Rede davon “in die Ver­gan­gen­heit” zu rei­sen, mag also moti­vie­rend sein, phan­ta­sie­an­re­gend und “kind­ge­recht” — hilf­reich allein im Sin­ne der Ver­mei­dung von fal­schen Vor­stel­lun­gen ist sie nicht. Oft genug hört man, dass Schü­le­rin­nen und Schü­ler (aber auch Stu­die­ren­de) mit der Vor­stel­lung in den Unter­richt oder die Semi­na­re kom­men, sie könn­te dort erfah­ren, wie es wirk­lich gewe­sen, dass die Vor­stel­lung einer prin­zi­pi­ell kor­rekt (wenn auch viel­leicht nie voll­stän­dig) erkenn­ba­ren Ver­gan­gen­heit, mit­ge­bracht wird. Sie mit sol­chen Meta­phern noch zu beför­dern, ist didak­tisch nicht sinnvoll.

Soll man des­halb auf die­se Meta­phern ganz ver­zich­ten? Das wäre wohl eben­so unsin­nig — nicht zuletzt, weil sie uns und den Schü­le­rin­nen und Schü­lern ja im All­tag (in der “Geschicht­kul­tur”) trotz­dem über­all begeg­nen. Es wäre also dar­auf zu ach­ten, sie in den eige­nen didak­ti­schen Ana­ly­sen und Argu­men­ta­tio­nen nicht als Ersatz für kon­kre­te­re und plau­si­ble­re For­mu­lie­run­gen von Lern­po­ten­tia­len, Bil­dungs­ge­hal­ten, Zie­len etc. zu ver­wen­den, wie wohl aber immer wie­der auch zum Gegen­stand des Nach­den­kens im Unter­richt zu machen.

Neuer Beitrag zur Graduierung von Kompetenzen

01. Dezember 2012 Andreas Körber Keine Kommentare

Im von Miche­le Bar­ri­cel­le und Matrin Lücke her­aus­ge­ge­be­nen Band “Hand­buch Pra­xis des Geschichts­un­ter­richts” ist ein neu­er Arti­kel zur Gra­du­ie­rung von Kom­pe­ten­zen erschie­nen, in wel­chem ich auch nicht aus der Geschichts­di­dak­tik stam­men­de Vor­stel­lun­gen von Lern­ta­xo­no­mien etc. prü­fe und z.T. deut­lich kritisiere:

 

Kör­ber, Andre­as (2012): “Gra­du­ie­rung von Kom­pe­ten­zen.” In: Bar­ri­cel­li, Miche­le; Lücke, Mar­tin (2012; Hgg.): Hand­buch Pra­xis des Geschichts­un­ter­richts. Bd. 1. Schwalbach/​Ts.: Wochen­schau (Formum His­to­ri­sches Ler­nen); ISBN: 9783899747836; S. 236 – 254.

Aufsatz zum Fremdverstehen im Geschichtsunterricht

30. November 2012 Andreas Körber Keine Kommentare

Zur Klä­rung der Kon­zep­te des Fremd­ver­ste­hens und der Per­spek­ti­vi­tät habe ich vor kur­zem einen Bei­trag bei pedocs veröffentlicht:

 

Kör­ber, Andre­as (2012): “Fremd­ver­ste­hen und Per­spek­ti­vi­tät im Geschichts­un­ter­richt”. in: PeDOCS (http://​www​.pedocs​.de/​v​o​l​l​t​e​x​t​e​/​2​0​1​2​/​5​849) (urn:nbn:de:0111-opus-58492).

“Uses” and “ab-uses” of history. Possible consequences for history teaching at schools

12. September 2011 Andreas Körber 1 Kommentar

Kör­ber, Andre­as (2011): ““Uses” and “ab-uses” of histo­ry. Pos­si­ble con­se­quen­ces for histo­ry tea­ching at schools”. Talk deli­ver­ed at the EUSTORY Semi­nar (Ab-)Use of Histo­ry, Hel­sin­ki, August 7th to 10th, 2011.

[jupdf-view­er file=“http://www.pedocs.de/volltexte/2012/6626/pdf/Koerber_2011_Uses_Abuses_D_A.pdf”]

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Andre­as Körber

Uses” and “ab-uses” of histo­ry. Pos­si­ble con­se­quen­ces for histo­ry tea­ching at schools

Talk deli­ver­ed at the EUSTORY Semi­nar (Ab-)Uses of Histo­ry,: Hel­sin­ki; August, 7th – 10th, 2011

1 Introduction

Use and Abu­se of Histo­ry. The terms cen­tral in the sub­ject of this con­fe­rence are both: quite strong and quite unclear – espe­ci­al­ly when appli­ed to a sub­ject like histo­ry. When con­fron­ted with the sug­ges­ti­on to con­tri­bu­te to the dis­cus­sions, here, I imme­dia­te­ly had some asso­cia­ti­ons coming to my mind which had not­hing to do with histo­ry at all, but with a series of “abuse”-subjects in public deba­te of recent years – most­ly abu­se of child­ren by adults in edu­ca­tio­nal or reli­gious insti­tu­ti­ons, by par­ents, and so on. Sure­ly, this was not was was meant by the col­le­agues sug­gest­ing this venue. So I put the­se asso­cia­ti­ons at bay – but they will play a role in my talk later on.

Of cour­se, I was also remin­ded of pro­fes­sio­nal deba­tes not only more clo­se to, but rather direct­ly cen­tral in the area I am working on: theo­ry of histo­ry, name­ly the ques­ti­on of the pos­si­bi­li­ty of truth and objec­ti­vi­ty in our domain. This is some­thing many col­le­agues have reflec­ted upon and whe­re some fun­da­men­tal insights have been gai­ned in the last deca­des. So the ques­ti­on for me was in this case, whe­ther under the hea­ding of “use and abu­se” the­re was to be ano­ther dis­cus­sion of objec­ti­vi­ty. I doub­ted that this would meet much inte­rest, here. So I tried to put this strand asi­de, too.

The­re is, of cour­se ano­ther strand of deba­te, rela­ted to the lat­ter, which is much more pro­ne to the sub­ject of this event, and that is the ques­ti­on of respon­si­bi­li­ty of pro­fes­sio­nal his­to­ri­ans and all others pre­sen­ting accounts of the past – more con­cre­te, the ques­ti­on of what histo­ry to tell and what not to tell. It is the ques­ti­on about the cor­rect, not the true, histo­ry, even though the two ques­ti­ons are stron­gly inter­re­la­ted, at least from some points of view.

When com­mu­ni­ca­ting with Andrea Sen­sen­schmidt and Han­nah Kok­ko­nen – spar­se­ly, I must admit – the ques­ti­on was pre­sen­ted whe­ther I could not say some­thing about histo­ry tea­ching in the for­mer “Ger­man Demo­cra­tic Repu­blic”, the Soviet-allied Eas­tern Ger­ma­ny. I decli­ned this, part­ly becau­se I am by far no expert on that sub­ject. The­re are others who have done first hand rese­arch on it, some of them from a Wes­tern per­spec­ti­ve (e.g. Hans-Die­ter Schmied,1 Hei­ke Mät­zing,2 …, alre­a­dy in times of Ger­man par­ti­ti­on), and others with their own edu­ca­tio­nal and some­ti­mes even pro­fes­sio­nal back­ground as didac­ti­ci­ans of histo­ry in the East, like Chris­ti­na Bött­cher, Mar­ko Deman­tow­sky,3 Saskia Handro4 etc., but also becau­se I felt that it would be only half inspi­ring to pre­sent a com­plex whe­re the jud­ge­ment that it would fall under “abu­se” at least most­ly, was known from the start. In fact the jud­ge­ment on a spe­ci­fic way of “using” histo­ry on the basis that it is foun­ded on a cer­tain ideo­lo­gy is always pro­ble­ma­tic, becau­se we must be awa­re that our own sys­tem of values may be (and most often is) seen as “ideo­lo­gi­cal” by the others. After the end of the block-con­fron­ta­ti­on this argu­ment is not done with. Even though Wes­tern poli­ti­cal thought and values have pro­ved to be supe­ri­or to tota­li­ta­ri­an ones, we still have to admit and con­sider that our values also are con­tin­gent and may be chal­len­ged as “ideo­lo­gic”, espe­ci­al­ly from other cul­tu­ral perspectives.

Much more rewar­ding, so I thought, would be the sub­jects cover­ed by others, about how to address con­tro­ver­si­al and “pro­ble­ma­tic” issues in rese­arch and tea­ching. From my point of view, I might alre­a­dy sta­te here at the begin­ning, the­re is not ques­ti­on on whe­ther to pre­sent a spe­ci­fic his­to­ri­cal account, it is not about pro­per­ly sel­ec­ting, but rather about the atti­tu­des, the func­tion and the methods. In my view, it is not the what but the how and what for of his­to­rio­gra­phy and histo­ry tea­ching, which meri­ted reflec­tion. So “use” and “abu­se” are not about whe­ther pre­sen­ting a spe­ci­fic sub­ject, a spe­ci­fic sto­ry, amounts to abu­se, but whe­ther the­re are spe­ci­fic cri­te­ria by which to judge about the “how” of this presentation.

Tow more points of start for my reflec­tion need to be men­tio­ned. First of all, the terms “use and abu­se” are far from well ela­bo­ra­ted. They are used quite dif­fer­ent­ly, espe­ci­al­ly in our domain. This needs to be reflec­ted, first. And here a refe­rence needs to be made to the recent dis­cus­sions about child abuse.

Second­ly, the ques­ti­on of “uses” of histo­ry (in the more pro­per sen­se) has alre­a­dy been addres­sed by col­le­agues. Mar­gret Macmil­lan, the renow­ned Cana­di­an col­le­ague, has published a popu­lar reflec­tion on it quite recent­ly, and one of the col­le­agues pre­sent here, Klas Gör­an Karls­son, has taken up the ques­ti­on of uses and even of ab-use at a con­fe­rence in Novem­ber 2008, the pro­cee­dings of which have just been published. It is his very short ans­wer of the ques­ti­on what defi­nes abu­se, which I’d like to initi­al­ly cite, cri­ti­cis­ing one of his ide­as, but to final­ly come to a con­clu­si­on, which can be read as a sup­port of his.

2 The problem of “use and abuse” I: Terminology

Within his con­side­ra­ti­ons, Karls­son, howe­ver cau­sal­ly quo­tes Fried­rich Nietzsche’s second “untime­ly con­side­ra­ti­ons”. This famous text, which starts with an app­rai­sal of the ani­mals’ igno­rance of any histo­ry, their living only in a pre­sent, thus being free from any obli­ga­ti­ons of any past, and of a “super­his­to­ri­cal” stand­point (which in my view, infor­med by Jörn Rüsen, would rather be an exem­pla­ric use of histo­ry), and then dif­fe­ren­tia­tes bet­ween three “uses” of histo­ry (monu­men­tal, anti­qua­ri­an, cri­ti­cal), all of which are deep­ly roo­ted in pre­sent needs, has at least in some Eng­lish edi­ti­ons (alt­hough not the bet­ter one used by Karls­son) been titled “Use and Abu­se”. This noti­on is pro­ble­ma­tic. Nietz­sche most pro­found­ly did not want to con­sti­tu­te a spe­ci­fic cri­ter­ion for pro­per use of histo­ry lying in its own domain, but reflec­ted upon the advan­ta­ges and dis­ad­van­ta­ges of histo­ry (thus the best trans­la­ti­on, simi­lar to that of the edi­ti­on used by Karls­son: “uses and dis­ad­van­ta­ges”).5 As for the sub­ject of my talk and of the who­le con­fe­rence, I take it that we don’t talk about “advan­ta­ges” and “dis­ad­van­ta­ges”, about the “pros” and “cons” of refer­ring to the past, that its is not a ques­ti­on of whe­ther to “use” histo­ry in the first place, but that we do talk about the dimen­si­on of pro­per and impro­per use.

3 uses and abuses – a question of typology?

In his pre­sen­ta­ti­on in 2008, Klas-Gör­an Karls­son distin­gu­is­hed dif­fe­rent “uses” of histo­ry, as had Mar­gret Macmil­lan: In short, their reflec­tions, which are both very inte­res­t­ing and valuable to read, can be sum­ma­ri­zed as a typo­lo­gy of moti­va­tions of pre­sen­ting accounts of the past for reasons which lie in the pre­sent. The­re are quite a varie­ty of such moti­va­tions and of spe­ci­fic struc­tures of pre­sen­ta­ti­ons fol­lo­wing them. The enu­me­ra­ti­on here can give just an overview.

      1. sci­en­ti­fic usa­ge: cha­rac­te­ri­zed by inter­nal cri­te­ria of qua­li­ty and vali­di­ty, by the idea of appro­xi­mat­ing an ide­al know­ledge or at least the idea of pro­gres­si­ve­ly “bet­ter” under­stan­ding, by the regu­la­ti­ve idea of a dis­so­cia­ti­on bet­ween the aut­hors’ inte­rests and the sub­ject mat­ter rese­ar­ched, and by the idea that tea­ching and tel­ling (Karls­son speaks of “media­ti­on”, which is by far a too reflec­ti­ve term for the posi­ti­on sket­ched here) means “trans­port” of the pro­per know­ledge into the lear­ners’ or readers’/listeners’ minds (which is thought pos­si­ble becau­se the “true” histo­ry – even though “valid” and “rele­vant” – is con­cei­ved as inde­pen­dent from the reci­pi­ents’ per­spec­ti­ves and inte­rests as from the researchers’.

      2. Exis­ten­ti­al use of history

      3. moral use of history

      4. ideo­lo­gi­cal use of history

      5. “non-use”

      6. “poli­ti­co-pedago­gi­cal use”

      7. MACMILLANS “Histo­ry for Comfort”

        1. Histo­ry as the ulti­ma­te expl­ana­ti­on for life

        2. Histo­ry as an escape from the present

        3. Histo­ry as a book of examp­les for good and evil

        4. Histo­ry as the judge for cur­rent politics

        5. Histo­ry as a field of cur­rent poli­tics (recon­ci­lia­ti­on, rep­en­tance, apo­lo­gies, histo­ry wars)

All of the­ses uses – as is made expli­cit­ly clear by Karls­son, have their merits, their own digni­ty. They can­not be just divi­ded into sup­port­a­ble and insup­port­a­ble, in uses and abu­ses. This in part is due, I’d like to sug­gest, that Karlsson’s and Macmillan’s typo­lo­gies are not “pure” typo­lo­gies, lis­ting mutual­ly exclu­si­ves modes or ways of “using” histo­ry, but rather rele­vant and com­bi­nable dimen­si­ons which need to be dis­cer­ned within any “use” of histo­ry. It may be true that the­re is no neces­si­ty for them all to be pre­sent in a ran­dom­ly sel­ec­ted use, but at least some of them will always be the­re in com­bi­na­ti­on: poli­ti­co-pedago­gi­cal use can be high­ly dri­ven by moral con­side­ra­ti­ons, or by ideo­lo­gi­cal ones, and so on.

For us, glad to say, this is no pro­blem, becau­se Karls­son does not sin­gle out some as pro­per and others as impro­per. The cri­ter­ion for abu­se, accor­ding to him, is – in a pic­to­ri­al meta­phor – not a divi­si­on bet­ween some of them and others, but lying across them, divi­ding fea­si­ble and fal­li­ble ver­si­ons in each cate­go­ry: for him, it is the vio­la­ti­on of human rights.

But: is this a cri­ter­ion which is in any way hel­pful as to the spe­ci­fi­ci­ties of histo­ry? Can it be satis­fy­ing to refer to a cri­ter­ion out­side the theo­ry of histo­ry, only? Isn’t the­re some­thing like an insi­de cri­ter­ion as to when a pre­sen­ta­ti­on of histo­ry, a sto­ry etc. amounts to abuse?

In gene­ral, I’d like to sup­port Karlsson’s libe­ral view that the­re is not one “cor­rect” use of histo­ry, not one way of “doing it”, which takes all the merits, but that the diver­si­ty of “usa­ges” can be fea­si­ble and sup­port­a­ble – espe­ci­al­ly that it is not just the “sci­en­ti­fic” use or the histo­ry of the his­to­ri­ans, which has more digni­ty. Mar­gret Macmil­lan also rejects the idea that histo­ry belongs to the his­to­ri­ans, even though she more stron­gly keeps up the idea that his­to­ri­ans have a stron­ger capa­ci­ty to for­mu­la­te valid his­to­ries, most­ly becau­se of their pos­si­bi­li­ty to take more time and efforts on the task (becau­se they are trai­ned and paid to do so), but also with a refe­rence to the idea that his­to­ri­ans can be more impar­ti­al, more distanced than nor­mal peo­p­le. Throug­hout her book, the idea is visi­ble that the­re is one cri­ter­ion for use and abu­se which comes from histo­ry its­elf, name­ly the appro­pria­ten­ess of the depic­tion of the past: The past its­elf is the cri­ter­ion for use and abu­se of history.

To a much les­ser degree, this cri­ter­ion is also dis­cer­ni­ble in Karlsson’s other dif­fe­ren­tia­ti­on bet­ween a gene­tic and a genea­lo­gic mode of histo­ry. “Gene­tic” he calls – not as the first – the “per­spec­ti­ve” in which we gain and trans­mit know­ledge about the deve­lo­p­ment up to now, whe­re­as the term “genea­lo­gic” refers to the “making” of histo­ry “by reflec­ting our­sel­ves and our pre­sent situa­ti­on in the past” (Karls­son 2011, 133). His (sup­port­a­ble) ide­al is the “balan­ce” of the­se two modes in what he calls a “reflec­ti­ve his­to­ri­cal con­scious­ness”,6 which could “join the­se two fun­da­men­tal his­to­ri­cal per­spec­ti­ves in so far that a genea­lo­gi­cal per­spec­ti­ve can pro­vi­de gene­tic histo­ry with agen­cy and cri­te­ria of rele­van­ce, while a gene­tic per­spec­ti­ve is nee­ded not only to sup­p­ly us with his­to­ri­cal con­tents, but also to help us under­stand why histo­ry is recal­led and repre­sen­ted the way it is.” (Karls­son 2011, 134). He links this to Kierkegaard’s dic­tum about living life for­ward, but under­stan­ding it back­ward. Again: Sup­port­a­ble as this view is, it is also pro­ble­ma­tic, inso­far as it sums up to dif­fe­ren­tia­ting bet­ween a know­ledge of the “real histo­ry” of the “con­tents” (what ever that means: what is the con­tai­ner of the­se con­tents?) and its uses in the pre­sent, bet­ween the sub­stra­tum and the ope­ra­ti­ons. This, to my view, can not hold. I will dwell on this point from ano­ther ang­le in a few minu­tes, but would like to sketch my solu­ti­on here in advan­ce, first: I don’t think that the­re is a pos­si­bi­li­ty of any divi­si­on bet­ween the sub­stra­tum of his­to­ri­cal “con­tents”, of any “real” histo­ry and the ope­ra­ti­on of his­to­ri­cal thin­king. In my theo­re­ti­cal frame­work, they are lin­ked tog­e­ther much more pro­found­ly than sug­gested by Karls­son. It is not a ques­ti­on of joi­ning the­se two per­spec­ti­ves or modes, but whe­ther they can be sepa­ra­ted from one ano­ther in the first place more than ana­ly­ti­cal­ly. I sug­gest that what Karls­son calls “genea­lo­gic” is a modus, a mode of asking, of the ope­ra­ti­on which essen­ti­al­ly turns our adver­tence to things past and their inter­con­nec­tions, in the first place, while what he calls “gene­tic” is a mode of ans­we­ring to such ques­ti­ons stem­ming from the genea­lo­gi­cal per­spec­ti­ve. “Gene­tic” then can be the type of histo­ry told when asked for one’s genea­lo­gy. Howe­ver, it is not the only mode for such nar­ra­ti­ve ans­wers. Jörn Rüsen alre­a­dy distin­gu­is­hed at least four of them in his well-known typo­lo­gy later on cor­rec­ted and refi­ned by Bodo von Bor­ries (and me).7 Gen­e­lo­gi­cal ques­ti­ons, ques­ti­ons asked with a view to the past out of a pre­sent need for agen­cy and rele­van­ce, can not only be ans­we­red by tel­ling a gene­tic sto­ry high­light­ing and stres­sing a deve­lo­p­ment of fun­da­men­tal chan­ges, but also by refer­ring to rules and laws cove­ring situa­tions occur­ring in quite dif­fe­rent times (the exem­pla­ric mode) or by refer­ring to well-estab­lished tra­di­ti­ons (the tra­di­tio­nal mode).

Thus – and this is why I refer to this point here – the dif­fe­ren­tia­ti­on bet­ween the histo­ry and its “use” is erro­n­eous: Histo­ry, or rather: his­to­ries, do only come into exis­tence by “usa­ge”. They are not a sub­stra­tum alre­a­dy pre­sent when the genea­lo­gi­cal inte­rest starts acting – at least not in the way sug­gested by the title of this con­fe­rence and by Karls­son and more stron­gly by Macmillan.

4 The problem of “use and abuse” II: Conceptualization

I alre­a­dy hin­ted that I think that the idea of “using” histo­ry is wrong in a cer­tain way. In order to illus­tra­te this, I’d like to refer to the alre­a­dy men­tio­ned deba­te on child abu­se: When the media star­ted to be full of this con­cept of “child abu­se”, some of the brigh­ter com­men­ta­tors imme­dia­te­ly asked (wit­hout wan­ting to play down), whe­ther talk of child-abu­se was not a pro­blem in its­elf, becau­se it forces us to think about what a pro­per “use” of child­ren would be. Can child­ren be “used” so that one can dif­fe­ren­tia­te other uses as impro­per, which then are cal­led “abu­se”?

The idea behind this chall­enge of the public deba­te and its ter­mi­no­lo­gy is con­cep­tu­al: Whoe­ver uses the term “child abu­se” refers to a con­cept of “child use” and in it to a con­cept of child­ren as being “objects”. Human rights, howe­ver, demand – at least when based on the ide­as of Kant – that no human being be trea­ted only as a means to some out­side aim, that no human being be trea­ted as an object only.

Let’s dwell for a moment on the noti­on of “usa­ge” and on the con­no­ta­ti­on of the object impli­ed in it.

Cle­ar­ly, in this under­stan­ding of “usa­ge”, of “emploi”, the object is alre­a­dy the­re befo­re it is used – we have alre­a­dy seen that point. But more – it also is con­side­red of exis­ting as it is inde­pendent­ly of the usa­ge. The object to be used is seen to have an exis­tence and a spe­ci­fic con­sti­tu­ti­on inde­pen­dent from the usa­ge and the user. If to peo­p­le e.g. use a book for gathe­ring infor­ma­ti­on, the book it its­elf, the mate­ri­al text, is given and the same for both of them. If they use it for e.g. blo­cking a door against moving in the wind, the book also is taken as an exis­ting object.

“Using” means to employ an “objec­tively” exis­ting object for some out­side purpose.

For this kind of noti­on, the­re can be some cri­te­ria for fea­si­bi­li­ty considered:

Cri­te­ria for fea­si­ble uses of this kind may be manifold:

      1. The first cri­ter­ion may be whe­ther the object was inten­ded for the pur­po­se. Thus to take a book for rea­ding may be more fea­si­ble than for using it for blo­cking a door against wind etc. But as we can see, this not a neces­sa­ry cri­ter­ion: it may be fea­si­ble to “ab-use” an object for a new, unin­ten­ded pur­po­se, if other cri­te­ria apply:

        1. First, that the objects real­ly helps to ful­fill the func­tion. The object must be useful. In con­s­truc­ti­vist terms, what us cen­tral here, is the viability.

        2. Second, whe­ther the object is dama­ged in such using. If a book is most likely to be squeezed to unre­a­da­ble sta­tus by the wind-moved door, its deploy for this pur­po­se may be ren­de­red “ab-use” in the nor­ma­ti­ve sense.

        3. Third­ly, ano­ther cri­ter­ion can refer to the sym­bo­lic value of the object. Using a book for stop­ping a door against wind may be fea­si­ble for someone, even though he would call the use of a Qu’ran abuse.

All the­se cri­te­ria have two things in common:

  1. They refer to cases in which objects were used for pur­po­ses for which they were not intended.

  2. They are appli­ca­ble – as said befo­re – if histo­ry is to be con­cei­ved as a pre-exis­ting enti­ty, unch­an­ged for all of its users.

So we should once more think about what histo­ry is and what it is made for.

  1. If “histo­ry” refers to an enti­ty inde­pen­dent from our usa­ge, to the real past or at least our best know­ledge of it, we should, I think, easi­ly con­fer that it was NOT made for any of our uses. It is one of the thoughts stres­sed in some ear­ly con­cepts of post-modern theo­ry of histo­ry: Our pre­de­ces­sors, the peo­p­le having lived befo­re our times, did not do so in order to pro­vi­de us with “con­tent”, with examp­les. They may not be redu­ced to being the sub­stra­tum of our own ori­en­ta­ti­on. The ques­ti­on, then, is not that of what kind of use would amount to ab-use, but whe­ther histo­ry should be used at all. If we take this argu­ment serious­ly (and I think we should), it would for­bid any “use” of histo­ry for some other pur­po­se that to “live it”. “Histo­ry” taken as the past enti­ty of rea­li­ty and the lives in it, cle­ar­ly have no other pur­po­se that to exist.

  2. If “histo­ry” does not refer to this past rea­li­ty, but to our own con­cepts of them, to our con­s­truc­tions, then we can­not object to such “usa­ge”, becau­se histo­ry is not used as a distinct object were, but is is crea­ted in this ope­ra­ti­on in the first place.

So I cle­ar­ly tend to the second under­stan­ding of histo­ry – and I would pre­ser­ve the term for it. The for­mer, the real lives of the peo­p­le in the past, for their hopes and values etc., should be cal­led “the past” only.

So again, we arri­ve at a distinc­tion which is very cen­tral: The rea­li­ty of other times is “the past”. It can be used, and may­be also “abu­sed” in the mea­ning of the term used in recent dis­cus­sions: impro­per, con­dem­nable emploi of an exis­ting object.

But cle­ar­ly, this does not mean that “any­thing goes”, that ever­y­bo­dy is uncon­di­tio­nal­ly free to crea­te any his­to­ri­cal account she or he wis­hes, that the­re are no cri­te­ria whatsoever.

So let’s try to take the argu­men­ta­ti­on a bit further:

Histo­ry in the under­stan­ding just out­lined is a rela­tio­nal con­cept. It is not the past in its­elf, but a cer­tain rela­ti­on bet­ween the past(s) and a spe­ci­fic pre­sent – more pre­cis­e­ly: a spe­ci­fic social, cul­tu­ral, nor­ma­ti­ve and tem­po­ral posi­ti­on. The­r­e­fo­re, cri­te­ria for the fea­si­bi­li­ty of his­to­ries can only be taken from the rela­ti­on. Jörn Rüsen has sug­gested three of them:

      1. empi­ri­cal plausibility

      2. nor­ma­ti­ve plausibility

      3. nar­ra­ti­ve plausibility.

Sin­ce we do not have any other access to the past rea­li­ty as the sub­stra­tum of his­to­rio­gra­phy, we can­not compa­re any given histo­ry to this rea­li­ty, but only eit­her to other his­to­ries of the same nar­ra­ti­ve (and that is: sel­ec­ti­ve, par­ti­tio­nal, per­spec­ti­val, nor­ma­ti­ve etc.) natu­re. If we want to test the empi­ri­cal plau­si­bi­li­ty of a histo­ry, then we should test it against the cur­rent acces­si­ble amount of best first-hand data. As for the nor­ma­ti­ve ingre­di­ents, we need to compa­re it to our own audi­ence and society’s values and as for the nar­ra­ti­ve plau­si­bi­li­ty we have to refer to the cur­rent ide­as of what is accep­ta­ble in terms of explai­ning etc.

But this may not be enough for our pur­po­se. I only refer­ring to Rüsens tri­par­ti­te con­cept of plau­si­bi­li­ties, we have redu­ced the ques­ti­on of ab-use of histo­ry to the ques­ti­on of “objec­ti­vi­ty”. I don’t think this is satisfactory.

So I think we should take into account ano­ther cha­rac­te­ristic of “histo­ry” in the nar­ra­ti­vist mea­ning: “Histo­ry” – even though an indi­vi­du­al­ly crea­ted nar­ra­ti­ve rela­ti­on to the past – is a com­mu­ni­ca­ti­ve con­cept. Histo­ry unfolds its full capa­bi­li­ty of ori­en­ta­ti­on if it does not only link us as indi­vi­du­als, qua­si as mon­ads, to a past that is fore­go­ne, but if it helps us under­stand how our pre­sent socie­ty in its com­ple­xi­ty has been come about and how it is per­cei­ved by others. If we want to be able to act in our socie­ty, we do not only have to cla­ri­fy our own rela­ti­on to the past, but we have to do so with that of our co-mem­bers of socie­ty also. It is not only about who I think I am in my light of the past, and what I make of it, about my inten­ti­ons and moti­va­tions, but also about

  • who the (dif­fe­rent!) others think they are, in their view of the past, what their per­cep­ti­ons of them­sel­ves are and their pos­si­ble actions,

  • who I think they are and what they could or should do,

  • who they think I or we are, etc.

For this coll­ec­ti­ve ori­en­ta­ti­on, we need to exch­an­ge our nar­ra­ti­ves, we need to tell them, but we also need to inte­gra­te them.

Form this con­side­ra­ti­on, long ago laid out by Kurt Rött­gers, we can abs­tract some other cri­te­ria for use and abu­se of histo­ry. But befo­re I short­ly ela­bo­ra­te on them, I might stress, that from here on, the­se cri­te­ria do not refer to “histo­ry” as a syn­onym of “the past”, but that here I refer to the nar­ra­ti­ve rela­ti­ons to the past, which I would reser­ve the term histo­ry for.

  1. First of all, if one func­tion of his­to­ries is not only to indi­vi­du­al­ly, but to coll­ec­tively ori­en­ta­te, then they need to inte­gra­te per­spec­ti­ves. In order to do so, they need to reflect the valid per­spec­ti­ves, i.e. the inte­rests, needs, values etc. of today’s mem­bers of socie­ty. A histo­ry which does not reflect their dif­fe­rent per­spec­ti­ves, ques­ti­ons, values, pat­terns of expl­ana­ti­on etc. would not be ori­en­ta­ting but dis-ori­en­ta­ting. So as a cri­ter­ion, pro­per histo­ry have to inte­gra­te the per­spec­ti­ves of dif­fe­rent par­ti­ti­ons of their audi­ence, not to impo­se one per­spec­ti­ve on the­se dif­fe­rent fractions.

  2. Second­ly, his­to­ries have to offer nar­ra­ti­ve expl­ana­ti­ons, con­nec­tions, and atti­tu­des to the past as well as con­clu­si­ons and moti­va­tions. Again it would be impro­per (and here I would start to use the word ab-use in the full sen­se) if they impo­sed such con­nec­tions and moti­va­tions. This cri­ter­ion needs some more ela­bo­ra­ti­on: How can a histo­ry offer but not impo­se if it is sup­po­sed to pre­sent such a con­nec­tion. How can a histo­ry ful­fil its nar­ra­ti­ve task but not over­due it in this direc­tion? The ans­wer I sug­gest here is: By allo­wing the rea­der, the lis­te­ner to take his own posi­ti­on in rela­ti­on not only to the past but to the nar­ra­ti­ve struc­tu­re of the histo­ry its­elf – by lay­ing open the ingre­di­ents, the inner struc­tures, so that the rea­der can rela­te to them.

If this is what Karls­son meant by not vio­la­ting human rights, if his cri­ter­ion was that the audi­ence, the addres­sees, the public needs to be taken serious­ly in their capa­ci­ty to actively rela­te to sto­ry, and that not doing so would be vio­la­ting human rights – then I ful­ly agree.

5 Using Histories

So slow­ly taking the cur­ve to the last aspect, I hold that the­re is a “using” histo­ry in the sen­se of “using nar­ra­ti­ve struc­tures” in human com­mu­ni­ca­ti­on. And in this sen­se, the­re can be use and abu­se – and they can be seen on at least two sides of the communication:

  1. “Using histo­ry” can mean the ope­ra­ti­ons a per­son car­ri­es out with regard to a given, a pre­sen­ted nar­ra­ti­ve, be it their “(cogni­ti­ve) par­ti­cu­lars” (Karls­son 2011, 135), the con­nec­tions con­s­truc­ted in it, the con­clu­si­ons drawn and offe­red and the appeals made. It can con­sist in their accep­ting them and in their doubting, their distancing from them, their critique.

    On the recipient’s side, then, pro­per use of his­to­ries would be to reco­gni­ze and accepts one’s own capa­ci­ty and respon­si­bi­li­ty, one’s entit­le­ment, but also obli­ga­ti­on to actively rela­te to his­to­ries. It means to lis­ten and read thinking.

  2. On the author’s side, pro­per use of histo­ry the means a way of addres­sing the reci­pi­ent in a way which again reco­gni­zes his com­pe­tence, it means to not trap him into a situa­ti­on whe­re he can­not actively rela­te, he may not be over­powered or over­whel­med.8 This requi­res to

    1. iden­ti­fy rather than hide the con­s­truc­tion­al sta­tus of the pre­sent histo­ry, the fact that it has been crea­ted by a spe­ci­fic, per­so­nal aut­hors, with spe­ci­fic ques­ti­ons in mind, a spe­ci­fic back­ground etc.

    2. to make visi­ble his per­spec­ti­ves and values etc.,

    3. to dis­cuss the ingre­di­ents of the sto­ry, the cha­rac­te­ristics of the pri­ma­ry source mate­ri­al used, the con­cepts appli­ed etc.

    4. to at least ack­now­ledge, bet­ter: indi­ca­te, best: pre­sent and dis­cuss con­tras­ting and con­tra­dic­to­ry mate­ri­als, con­clu­si­on, judgements,

    5. to at least indi­ca­te tho­se parts of the sto­ry, which are more infe­ren­ti­al than others – in a pic­to­ri­al meta­phor: which might be drawn in black and white or greysca­le rather that full colour.

    Misu­se, or abu­se then cle­ar­ly would be to hin­der the reci­pi­ent to make up his own mind, to reflect his/​her own situa­ti­on towards the sto­ry told, the “con­tents”, the values and con­cepts appli­ed etc. Again: to vio­la­te the human right to self-determination.

Two small remarks to the side:

  1. Using the­se cri­te­ria, we might easi­ly arri­ve at con­dem­ning much of Eas­tern Ger­man his­to­rio­gra­phy and histo­ry tea­ching – but I am sure that lots of his­to­rio­gra­phy and tea­ching in the “free west” would look meek, too).

  2. The con­cept of “media­ti­on” used by Karls­son and cri­ti­cis­ed by me abo­ve, can be regard­ed from here, too: If “media­ti­on” is con­side­red as “trans­mis­si­on” of a sto­ry to an audi­ence, their heads and minds only, in a way whe­re it has to be unch­an­ged, this would be ab-use. The term “Ver­mitt­lung” in Ger­man cle­ar­ly has the same pro­blem. In most cases it is taken as “trans­fer of know­ledge” to the stu­dents, whe­re­as a pro­per con­side­ra­ti­on not only from pedago­gi­cal per­spec­ti­ve9 but also from ter­mi­no­lo­gy would yield that it has to make dif­fe­rent per­spec­ti­ves and under­stan­dings, dif­fe­rent posi­ti­ons towards an object, a “con­tent”, here: a his­to­ri­cal account meet and reco­gni­ze each other.

6 Use and abuse in History Teaching

This leads over to the last aspect: For didac­tics, use and abu­se of histo­ry can also be dis­cus­sed on the basis laid down above.

Any histo­ry tea­ching which only focu­ses on pro­vi­ding stu­dents with (at least parts of) the one sto­ry in a fashion whe­re it is best unch­an­ged, any tea­ching which con­ce­als from lear­ners the natu­re both of the spe­ci­fic histo­ry at hand (inclu­ding tho­se in the text­books) and of histo­ry as such as a nar­ra­ti­ve con­s­truct, with strengths in ori­en­ta­ting offer but also with limits, which con­ce­als that the­se his­to­ries do not just repre­sent the past, but have a func­tion in today’s socie­ties and that they need to be asses­sed, rela­ted to, ana­ly­sed and scru­ti­ni­sed, amounts to ab-use.

Histo­ry tea­ching not abusing histo­ry (or bet­ter: his­to­ries) then has to focus on the lear­ners acqui­si­ti­on of the capa­ci­ties, the com­pe­ten­ci­es to reco­gni­ze and accept their own respon­si­bi­li­ty and entit­le­ment towards pre­sen­ted sto­ries. Lear­ners must not only learn to tell sto­ries (in a pro­per way) but also to actively act as cri­ti­cal reci­pi­ents. This is not only valid with a view to the individual’s human right of self-deter­mi­na­ti­on, but also with a focus on socie­ty and on histo­ry as such: Abu­se can only work if reci­pi­ents do not reco­gni­ze and actively take their cri­ti­cal role.

Histo­ry tea­ching which is about hin­de­ring ab-use, then, is about

  1. empower­ment – about empower­ment of the lear­ners to ack­now­ledge and assert their own entitlement

  2. It is about not just tea­ching “the histo­ry”, but also the nar­ra­ti­ve, con­s­truc­ti­ve logic of histo­ry from the start,

  3. It is about actively addres­sing his­to­ri­cal deba­tes and histo­ry wars – but not crea­ting the impres­si­on that the­se histo­ry deba­tes and wars as such were abu­se, but that may­be one side, more often some par­ti­ci­pan­ts on all sides, have bet­ter and worse argu­ments, which may be abuse,

  4. it is about con­side­ring the role of histo­ry and of spe­ci­fic argu­men­ta­ti­ons in such deba­tes and histo­ry wars,

  5. it is not about avo­i­ding to take sides and stands, but to make clear on what grounds they are taken – and about let­ting the lear­ners to take their own stands (but of cour­se not wit­hout pro­per argumentation).

It would be abu­se to hin­der lear­ners to get insight into the func­tion and role of histo­ry and his­to­ries in socie­tal deba­tes and to take their own reflec­ted position.

Thank you.

1E.G. Schmid, Hans-Die­ter (1979): Geschichts­un­ter­richt in der DDR. Eine Ein­füh­rung. Stutt­gart (Anmer­kun­gen und Argu­men­te 25); Schmid, Hans-Die­ter (1982): „Die Ent­wick­lung des Geschichts­un­ter­richts in der SBZ/​DDR.“ In: Berg­mann, Klaus; Schnei­der, Ger­hard (Hgg.; 1982): Gesell­schaft — Staat — Geschichts­un­ter­richt. Bei­trä­ge zu einer Geschich­te der Geschichts­di­dak­tik und des Geschichts­un­ter­richts 1500 – 1980, Düs­sel­dorf 1982, S. 313 – 348.

2Mätzing, Hei­ke Chris­ti­na (1999): Geschich­te im Zei­chen des his­to­ri­schen Mate­ria­lis­mus. Unter­su­chun­gen zu Geschichts­wis­sen­schaft und Geschichts­un­ter­richt in der DDR. Han­no­ver (Schrif­ten­rei­he des Georg-Eckert-Insti­tuts für inter­na­tio­na­le Schul­buch­for­schung, Bd. 96). Hei­ke Mät­zing is also Co-Edi­tor (to Vere­na Rad­kau) of a biblio­gra­phy on Histo­ry Tea­ching in the GDR: Mät­zing, hei­ke Chris­ti­na; Rad­kau, Vere­na (Eds.; 2000): Die DDR-Geschichts­di­dak­tik im Spie­gel der Publi­ka­tio­nen seit 1990. Eine Biblio­gra­phie. In: www​.gei​.de/​d​o​c​s​S​9​6​.​htm (Stand Dezem­ber 2000).

3Demantowsky, Mar­ko (2000): Das Geschichts­be­wußt­sein in der SBZ und DDR. His­to­risch-didak­ti­sches Den­ken und sein geis­ti­ges Bezugs­feld unter beson­de­rer Berück­sich­ti­gung der Sowjet­päd­ago­gik (1946−1973). Biblio­gra­phie und Bestands­ver­zeich­nis. Ber­lin (Bestands­ver­zeich­nis­se zur Bil­dungs­ge­schich­te, Bd. 9). Deman­tow­sky, Mar­ko (2003): Die Geschichts­me­tho­dik in der SBZ und DDR – ihre kon­zep­tu­el­le, insti­tu­tio­nel­le und per­so­nel­le Kon­sti­tu­ie­rung als aka­de­mi­sche Dis­zi­plin 1945 – 1970. Idstein (Schrif­ten zur Geschichts­di­dak­tik, Bd. 15);

4Handro, Saskia (2002): Geschichts­un­ter­richt und his­to­risch-poli­ti­sche Sozia­li­sa­ti­on in der SBZ und DDR (1945−1961). Eine Stu­die zur Regi­on Sach­sen-Anhalt. Weinheim/​Basel (Schrif­ten zur Geschichts­di­dak­tik; 13).

5Karlsson (2011), p. 132 citing Nietz­sche, Fried­rich (1983): „On the Uses and Dis­ad­van­ta­ges of Histo­ry for Life.“ In: Nietz­sche, Fried­rich: Untime­ly Medi­ta­ti­ons. Cam­bridge: Cam­bridge, UP, pp. 57 – 124.

6Reference to the FUER pro­ject and the dis­cus­sion about whe­ther his­to­ri­cal con­scious­ness were not reflec­ti­ve by default or by defi­ni­ti­on (Pan­del, Schö­ne­mann) in Ger­ma­ny? Sup­port for Karlsson’s position.

7On this, see Kör­ber, Andre­as (2011): “Ger­man Histo­ry Didac­tics: From His­to­ri­cal Con­scious­ness to His­to­ri­cal Com­pe­ten­ci­es – and bey­ond?” In: His­to­risch den­ken ler­nen. http://​his​to​risch​den​ken​ler​nen​.user​blogs​.uni​-ham​burg​.de/​2​0​1​1​/​1​2​/​1​1​/​1​3​48/, p. 13f.

8This aspect is of cour­se not only rele­vant for histo­ry. In tea­ching con­texts, it has been for­mu­la­ted with refe­rence to social stu­dies as the first aspect of the „Beu­tels­ba­cher Kon­sens“ – the „Über­wäl­ti­gungs­ver­bot“.

9Oelkers? Gir­mes.

 

Der Sinnbegriff meiner Geschichtsdidaktik

29. Mai 2011 Andreas Körber Keine Kommentare

Wenn in der Geschichts­di­dak­tik von “Sinn” gespro­chen wird, dann zumeist in dem Sin­ne (!), dass damit das Spe­zi­fi­sche einer his­to­ri­schen Ori­en­tie­rung bezeich­net wer­den soll, gegen­über ande­ren Orientierungen.

“His­to­ri­scher Sinn” bezeich­net somit die­je­ni­ge Kate­go­rie, mit der Infor­ma­tio­nen über meh­re­re zeit­lich ver­or­te­te Ereig­nis­se, Hand­lun­gen, Struk­tu­ren zu einem Zusam­men­hang ver­bun­den wer­den kön­nen, der sie nicht nur als zufäl­li­ge Ansamm­lung unver­bun­de­ner Infor­ma­tio­nen, son­dern als Teil eines “geord­ne­ten” Gan­zen erschei­nen lässt, mit des­sen Hil­fe auch die eige­ne Ver­or­tung “in Zeit” als Teil einer sol­chen Ord­nung begrif­fen wer­den kann.

Von “Sinn­bil­dung über Zeit­er­fah­rung” bzw. von der “Arbeit des Geschichts­be­wusst­seins, sich in der Zeit zurecht­zu­fin­den” spre­chen denn auch zwei popu­lä­re For­mu­lie­run­gen des­sen, wobei es beim Geschichts­be­wusst­sein geht.

“Sinn” kann dabei durch­aus meh­re­re Kon­no­ta­tio­nen ent­wi­ckeln, wie auch die Vor­stel­lung des Ursprungs sol­chen Sinns variiert:

  1. Sinn als Absicht und Richtung: 
    1. Der Begriff “Sinn” unter­stellt einen Zusam­men­hang zwi­schen den empi­risch auf­ge­fun­de­nen Ein­zel­hei­ten, der über das Fak­ti­sche hin­aus­geht. Er kon­no­tiert “Absicht”, die gewis­ser­ma­ßen “hin­ter” den Ereig­nis­sen, Inten­tio­nen, Hand­lun­gen, Struk­tu­ren steht.1
    2. Der Begriff kann auch (und ent­hält im His­to­ri­schen Den­ken ggf. expli­zit) die Vor­stel­lung einer Gerich­tet­heit (vgl. engl. “sen­se”2), d.h. einer Ver­laufs­rich­tung der Ereig­nis­se bzw. der durch sie mar­kier­ten Ver­än­de­run­gen, wobei nicht unbe­dingt an eine linea­re Gerich­tet­heit der Gesamt­ge­schich­te gedacht wer­den muss, son­dern auch Kreis­lauf­mo­del­le Rich­tun­gen ken­nen können.
  2. Inhä­ren­ter vs. zu bil­den­der Sinn: Unter­schied­lich ist auch die Vor­stel­lung, ob sol­cher Sinn 
    1. in der Gesamt­heit der Ereig­nis­se, Fak­ten etc. “auf­ge­sucht” wer­den muss, ob er als (von einer höhe­ren Macht, der Geschich­te selbst, der Natur) vor­ge­ge­ben gedacht wird und der His­to­ri­ker bzw. der His­to­risch Den­ken­de die­sen Sinn suchen muss, oder
    2. ob er durch den jeweils his­to­risch Den­ken­den in der Aus­ein­an­der­set­zung mit sol­chen Infor­ma­tio­nen über Ver­gan­ge­nes und in Anwen­dung sei­ner ander­wei­tig bzw. aus frü­he­ren Beschäf­ti­gun­gen mit Geschich­te gewon­ne­nen Kon­zep­ten “gebil­det” wird.

    Bei­de Posi­tio­nen sind dabei auf­ein­an­der verwiesen:

    1. Die kon­struk­ti­vis­ti­sche letz­te­re Vor­stel­lung kommt nicht ohne ein Min­dest­maß einer Vor­stel­lung aus, dass sol­cher zu bil­den­der Sinn nicht belie­big sein darf, son­dern zumin­dest ein Qua­li­täts­maß in der Empi­rie selbst findet;
    2. die fak­ti­zis­ti­sche Posi­ti­on muss aner­ken­nen, dass zumin­dest wegen der Lücken­haf­tig­keit der Über­lie­fe­rung (Par­tia­li­tät) und der Unmög­lich­keit, alles zu betrach­ten (Selek­ti­vi­tät) sowie in Aner­ken­nung unter­schied­li­cher Per­spek­ti­ven, der jeweils “gefun­de­ne” Sinn immer auch “gebil­det” wor­den ist.

    Der Unter­schied bei­der Posi­tio­nen besteht somit vor­nehm­lich in den Vor­stel­lun­gen von Wahr­heit: Wäh­rend die fak­ti­zis­ti­sche Posi­ti­on letzt­lich davon aus­geht, dass Sinn­bil­dung (wenn sie denn so bezeich­net wird) ihr ulti­ma­ti­ves Maß im Ver­gleich mit dem tat­säch­li­chen Sinn der Geschich­te fin­det, geht die kon­struk­ti­vis­ti­sche Posi­ti­on zumin­dest davon aus, dass alle For­mu­lie­run­gen von Sinn (also auch die Ver­su­che der Fak­ti­zis­ten, die unab­hän­gi­ge Instanz zu for­mu­lie­ren), glei­cher­ma­ßen kon­stru­iert sind. Ihr zufol­ge löst sich die Vor­stel­lung einer Qua­li­tät von Sinn­bil­dun­gen in ein mehr­di­men­sio­na­les Kri­te­ri­um der “Trif­tig­keit” auf, bei dem Über­le­gun­gen der empi­ri­schen Stim­mig­keit (“empi­ri­sche Trif­tig­keit” nach Rüsen bzw. “Begrün­dungs­ob­jek­ti­vi­tät” nach Her­mann Lüb­be), der nor­ma­ti­ven Pas­sung (“nor­ma­ti­ve Trif­tig­keit” bzw. “Kon­sens­ob­jek­ti­vi­tät”)3 und der “nar­ra­ti­ven Trif­tig­keit” bzw. “Kon­struk­ti­ons­ob­jek­ti­vi­tät” zusam­men­ge­hen müssen.

Gemäß der in der Geschichts­di­dak­tik (wenn auch nicht in der Pra­xis) weit ver­brei­te­ten (gemä­ßigt) kon­struk­ti­vis­ti­schen Vor­stel­lung ent­steht (in der Ver­si­on nach RÜSEN) Sinn dadurch, dass zwei dif­fe­ren­te Zeit­vor­stel­lun­gen mit­ein­an­der in Bezie­hung gebracht wer­den müs­sen, um leben zu können.

  1. Der Mensch ist als Wesen mit einem “Inten­tio­na­li­täts­über­schuss” aus­ge­stat­tet, der es ihm ermög­licht, inten­tio­nal (auch: hof­fend, erwar­tend, befürch­tend) die empi­risch erfah­re­ne Gegen­wart zu über­stei­gen und sich die Welt anders vor­zu­stel­len als sie ist.
  2. In Bezug auf Zeit zeigt sich die­ser Über­schuss dar­in, dass die Zukunft als von der Gegen­wart dif­fe­rent erwar­tet (erhofft/​geplant …) wird.
  3. In Kon­trast zu die­ser “Human­zeit” des eige­nen Pla­nens, Hof­fens, Befürch­tens und Wol­lens steht die von Rüsen so genann­te “Natur­zeit” der vom den­ken­den Indi­vi­du­um als von ihm selbst als nicht beein­fluss­bar wahr­ge­nom­me­nen Ver­än­de­run­gen in Zeit. Die­se umfasst nicht nur “natür­li­che” (im Sin­ne von Nicht-mensch­li­che), son­dern auch sol­che Pro­zes­se, die von ande­ren Men­schen ver­ur­sacht werden.
  4. Zwi­schen Human- und Natur­zeit besteht ein stän­di­ger Wider­spruch, ein Span­nungs­feld, weil nie­mals die eige­nen Hoff­nun­gen, Pla­nun­gen etc. 100% ein­tref­fen und die Zukunft nur der eige­nen Human­zeit­pro­jek­ti­on ent­spricht. Die Dif­fe­ren­zen sind unter­schied­lich stark, aber immer gegeben.
  5. Ohne ein Kon­zept, mit dem Human- und Natur­zeit in einen gemein­sa­men Zusam­men­hang gedacht (nicht: ange­gli­chen wer­den) kön­nen, müss­te der Mensch pla­nungs­un­fä­hig werden.
  6. Die­ses Kon­zept bedarf muss drei Bedin­gun­gen erfüllen: 
    1. Es muss die Grund­vor­stel­lung ent­hal­ten, die Lösung der Dif­fe­renz zwi­schen Human- und Natur­zeit weder mit dem Modell einer völ­li­gen Deter­mi­na­ti­on der rea­len Zukunft durch irgend­ein Ver­gan­ge­nes oder Gegen­wär­ti­ges mög­lich ist (weil dies bedeu­ten wür­de, dass man selbst eben­so deter­mi­niert wäre und kei­ner­lei Pla­nun­gen, Hoff­nun­gen, Hand­lun­gen mehr mög­lich wären);
    2. eben­so muss es die Mög­lich­keit aus­schlie­ßen, dass Ver­gan­gen­heit und Gegen­wart völ­lig unver­bun­den wären, dass also die jeweils neue gegen­wär­ti­ge Welt “from scratch” neu erschaf­fen wor­den wäre ohne dass auch nur irgend­ein Teil aus der Ver­gan­gen­heit über­nom­men, fort­ge­schrie­ben, ver­än­dert wor­den wäre. Eine der­art voll­stän­dig unbe­stimm­te Zukunft müss­te die Apo­rie unver­än­dert gül­tig lassen;
    3. es muss also davon aus­ge­hen, dass es einen Zusam­men­hang zwi­schen Ver­gan­gen­heit und Zukunft gibt, der gege­ben ist, der aber Raum für eige­ne Hand­lun­gen belässt. Die Auf­ga­be des his­to­ri­schen Den­kens besteht also in der “Bewäl­ti­gung” der Kon­tin­genz zwi­schen den aus­ge­schlos­se­nen Extre­men der völ­li­gen Deter­mi­na­ti­on und der völ­li­gen Unver­bun­den­heit, die bei­de ein eige­nes Han­deln unmög­lich und eine Ori­en­tie­rungs­leis­tung auch unnö­tig machen würden.
  7. Das Kon­zept “his­to­ri­scher Sinn­bil­dung” besagt nun, dass mit Hil­fe einer Wen­dung zur Ver­gan­gen­heit und der empi­ri­schen wie den­ken­den Ver­ar­bei­tung ver­gan­ge­ner Dif­fe­renz­er­fah­run­gen zwi­schen Human- und Natur­zeit und der (kon­trol­lier­ten) Extra­po­la­ti­on der Ergeb­nis­se in die Zukunft eine “Bän­di­gung” der Dif­fe­renz­er­fah­rung mög­lich wird.
  8. “His­to­ri­scher Sinn” ist also die empi­risch und kate­go­ri­al den­kend her­ge­stell­te Vor­stel­lung eines Zusam­men­han­ges zwi­schen Ver­gan­gen­heit und Gegen­wart, der in die Zukunft wei­ter reicht und der des­halb sowohl zur Iden­ti­fi­ka­ti­on des eige­nen Stand­orts im “Strom der Zeit” wie auch zur Ori­en­tie­rung eige­nen, in die Zukunft gerich­te­ten Han­delns befähigt.

1Hier­zu passt, dass der Begriff des “Fak­tums”, der oft­mals für die nack­te Tat­säch­lich­keit eines Gesche­hens genom­men wird, in der Geschichts­theo­rie des His­to­ris­mus, etwa bei Leo­pold von Ran­ke gedacht ist als das Ergeb­nis einer “Tat Gottes”.

3Rüsen, Jörn (1997): “Objek­ti­vi­tät.” In: Berg­mann, Klaus u.a. (1997): Hand­buch der Geschichts­di­dak­tik. Seel­ze-Vel­ber: Kallmeyer.[custom_field limit=“1” between=”, ” /]

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Vor Umstel­lung der Blog­farm lau­te­te die URL die­ses Bei­trags http://​koer​ber2005​.erzwiss​.uni​-ham​burg​.de/​w​o​r​d​p​r​e​s​s​-​m​u​/​h​i​s​t​o​r​i​s​c​h​d​e​n​k​e​n​l​e​r​n​e​n​/​2​0​1​1​/​0​5​/​2​9​/​d​e​r​-​s​i​n​n​b​e​g​r​i​f​f​-​m​e​i​n​e​r​-​g​e​s​c​h​i​c​h​t​s​d​i​d​a​k​t​ik/

Neuer Aufsatz zur Theorie Interkulturellen Geschichtslernens

04. März 2011 Andreas Körber 1 Kommentar

Lie­be Kommiliton(inn)en,

nach eini­ger Ver­zö­ge­rung ist der fol­gen­de Band nun end­lich auch phy­sisch hier eingetroffen.

Ventzke, Mar­cus; Mebus, Syl­via; Schrei­ber, Wal­traud (Hgg.; 2010): Geschich­te den­ken statt pau­ken in der Sekun­dar­stu­fe II. 20 Jah­re nach der fried­li­chen Revo­lu­ti­on: Deut­sche und europ­päi­sche Per­spek­ti­ven im gym­na­sia­len Geschichts­un­ter­richt. Rade­beul: Säch­si­sches Bil­dungs­in­sti­tut.

Dar­in befin­det sich mein Aufsatz

Kör­ber, Andre­as (2010): „Theo­re­ti­sche Dimen­sio­nen des Inter­kul­tu­rel­len Geschichts­ler­nens.“ S. 25 – 48,

in wel­chem ich ver­su­che, das Kon­zept der his­to­ri­schen Sinn­bil­dung aus der nar­ra­ti­vis­ti­schen Geschichts­heo­rie auf das inter­kul­tu­rel­le Den­ken zu über­tra­gen und aus bei­dem eine neu fun­dier­te Vor­stel­lung inter­kul­tu­rel­ler his­to­ri­scher Kom­pe­tenz zu entwickeln.

Sinnbildungsmuster und Triftigkeiten — eine Fingerübung aus einer Klausur

26. Juli 2010 Andreas Körber Keine Kommentare

Auf­ga­be 1. Unter­su­chen Sie (mit kur­zer Begrün­dung) den fol­gen­den Text auf den­­/​die in ihm erkennbare(n) Sinnbildungstyp(en)!

M1 1

“1954 wird in den USA das Unter­neh­men McDo­nalds gegrün­det. Kurz dar­auf wird Deutsch­land – Weltmeister.
1974 – der Bic­Mac fei­ert sei­nen ers­ten Geburts­tag in Deutsch­land. Kurz dar­auf wird Deutsch­land – Weltmeister.
1990 baut McDo­nalds das ers­te Restau­rant in Ost­deutsch­land. Kurz dar­auf wird Deutsch­land – Weltmeister.
2010 führt McDo­nalds den McWrap ein. Den Rest kön­nen Sie sich ja vorstellen.”
McDo­nalds Wer­bung 2010. Zitiert nach http://​www​.you​tube​.com/​w​a​t​c​h​?​v​=​j​b​9​V​x​m​U​d​N​K​w​&​f​e​a​t​u​r​e​=​p​l​a​y​e​r​_​e​m​b​e​d​ded (gele­sen 31.5.2010).

Mus­ter­lö­sung
In dem Text ist min­des­tens eine exem­pla­ri­sche Sinn­bil­dung erkenn­bar, inso­fern aus meh­re­ren Bei­spie­len des Zusam­men­tref­fens zwei­er Ereig­nis­se zu unter­schied­li­chen Zeit­punk­ten eine Regel abge­lei­tet wird, die auf die Gegen­wart über­tra­gen wird: Immer wenn die Fir­ma McDo­nalds eine Inno­va­ti­on ein­führt, wird Deutsch­land Welt­meis­ter. Ansatz­wei­se lässt sich auch eine tra­di­tio­na­le Sinn­bil­dung erken­nen bzw. kon­stru­ie­ren, inso­fern die Exis­tenz der Fir­ma McDo­nalds als Bedin­gung für das Welt­meis­ter-Wer­den der Deut­schen Natio­nal­mann­schaft ange­führt wer­den könn­te und somit ein Fort­be­stand der Fir­ma und gar ihr Pro­spe­rie­ren gewünscht wer­den könn­te. Eine gene­ti­sche Sinn­bil­dung kann ich nicht erken­nen, da etwa eine Qua­li­täts­stei­ge­rung nicht behaup­tet wird. Das wäre anders, wenn irgend­wie dar­ge­legt wür­de, dass Deutsch­land immer öfter, immer siche­rer, immer leich­ter Welt­meis­ter wür­de, oder wenn eine Rei­he von a) ers­ter Qua­li­fi­ka­ti­on über b) Teil­nah­me an der End­run­de, c) Viertel‑, d) Halb- und e) Final­teil­nah­me bis zum f) Welt­meis­ter­ti­tel kon­stru­iert wor­den und die­se an die Bedin­gung einer Tätig­keit von McDo­nalds geknüpft wor­den wäre.

Auf­ga­be 2. Skiz­zie­ren Sie Mög­lich­kei­ten, den Gel­tungs­an­spruch der der Aus­sa­ge in M1  zu prü­fen und ihn ggf. zu erhöhen!

Mus­ter­lö­sung

Gel­tungs­an­sprü­che von his­to­ri­schen Aus­sa­gen wer­den geprüft, indem ihre Trif­tig­kei­ten geprüft wer­den. Sie wer­den erhöht, indem die Trif­tig­kei­ten gestei­gert wer­den. Jede Geschich­te kann/​muss in jeder der drei Dimen­sio­nen “trif­tig” sein. Nach RÜSEN gibt es drei Trif­tig­keits­di­men­sio­nen: empi­ri­sche, nor­ma­ti­ve und narrative.

  1. Empi­ri­sche Trif­tig­keit: Die empi­ri­sche Trif­tig­keit betrifft den Erfah­rungs­ge­halt der Geschich­te. Es müss­te zunächst geprüft wer­den, ob Deutsch­land tat­säch­lich 1954, 1974, 1990 Welt­meis­ter gewor­den ist. Das ist ange­sichts der ver­brei­te­ten Eupho­rie wohl nicht sys­te­ma­tisch nötig, wäre aber mög­lich (die Bil­der im Video haben die wenn auch nicht hin­rei­chen­de Funk­ti­on sol­cher Bele­ge). Dazu müss­te aber geprüft wer­den, ob die Fa. McDo­nalds tat­säch­lich 1954 gegrün­det wur­de (Ein­trag in ein Han­dels­re­gis­ter, Fir­men­ge­schich­te), ob der “Big­Mac” tat­säch­lich 1973 in Deutsch­land ein­ge­führt wur­de (so dass er 1974 sei­nen “ers­ten Geburts­tag fei­ern” konn­te), ob tat­säch­lich 1990 das ers­te Restau­rant in Ost­deutsch­land gebaut wur­de (Bau­ge­neh­mi­gung prü­fen, zunächst reich viel­leicht auch eine ent­spre­chen­de Wer­bung in einer Zeit­schrift wie der “SuperIl­lu”). Dazu muss geprüft wer­den, ob tat­säch­lich der McWrap 2010 neu ein­ge­führt wurde.
  2. Nor­ma­ti­ve Trif­tig­keit: Eine Geschich­te ist nor­ma­tiv trif­tig, wenn sie den Nor­men des Publi­kums ent­spricht, ihnen wich­tig und zustim­mungs­fä­hig erscheint. Es wäre zu über­le­gen, ob “Welt­meis­ter” wer­den in der Tat etwas ist, was der Wer­be­ziel­grup­pe bedeu­tend und (in die­sem Fal­le posi­tiv) erscheint. Das ist basal ohne Wei­te­res Ein­sich­tig. Die Wer­bung basiert auf der all­ge­mei­nen Fuß­ball-WM-Eupho­rie in Deutsch­land. Sie macht sich die­sen zu nut­ze. Eine wert­be­zo­ge­ne Hal­tung des Publi­kums zur Fa. McDo­nalds kann hin­ge­gen weni­ger stark vor­aus­ge­setzt, d.h. als Bedin­gung für die Trif­tig­keit ange­se­hen wer­den, soll sie doch mit dem Wer­be­spot über­haupt erst her­ge­stellt wer­den. Gestei­gert trif­tig wäre die Nar­ra­ti­on, wenn argu­men­tiert wer­den könn­te, dass der Zusam­men­hang auch ande­ren Men­schen eben­so bedeut­sam erscheint. Das wird einer­seits schwie­ri­ger, weil die­se Wer­bung gegen­über, sagen wir, Aus­län­dern in Deutsch­land nicht eben­so ein­fach funk­tio­niert und in die­ser empha­ti­schen Form in ande­ren Län­dern, etwa den USA gar nicht funk­tio­nie­ren wür­de. Inso­fern die Geschich­te aber einer Per­spek­ti­ve­n­er­wei­te­rung durch­aus zugäng­lich ist, etwa durch Her­aus­nah­me der pathe­ti­schen, nor­ma­ti­ves Ein­ver­neh­men hei­schen­den Anspra­che des Zuschau­ers, und all­ge­mei­ner dar­ge­legt wür­de, dass die Akti­vi­tä­ten von McDo­nalds in Deutsch­land zu des­sen Erfolg bei­getra­gen hät­ten, wäre die nor­ma­ti­ve Trif­tig­keit durch­aus stei­ger­bar. Die glei­che Geschich­te kann dann auch in ande­ren Län­dern erzählt wer­den, ohne auf Wider­spruch zu sto­ßen — aller­dings wäre die Empha­se wohl dahin.
  3. Nar­ra­ti­ve Trif­tig­keit. Der in der Geschich­te behaup­te­te Zusam­men­hang zwi­schen Akti­vi­tä­ten der Fa. McDo­nalds und den Erfol­gen Deutsch­lands bei Fuß­ball-Welt­meis­ter­schaf­ten müss­te plau­si­bel gemacht wer­den: War­um soll Deutsch­land immer dann Welt­meis­ter wer­den, wenn McDo­nalds inno­va­tiv wird? Dazu müss­te zum Einen geprüft wer­den, ob denn McDo­nalds nicht auch in ande­ren Welt­meis­ter­schafts­jah­ren etwas Neu­es ein­ge­führt hat, ohne dass Deutsch­land Welt­meis­ter gewor­den wäre. Dann näm­lich brä­che die behaup­te­te die Regel in sich zusam­men. Zudem müss­te eine Logik ange­führt wer­den, war­um Inno­va­tio­nen bei McDo­nalds Ein­fluss haben soll­ten auf die Welt­meis­ter­schaft – und nicht nur Zufall sind. Das wird schwer­lich gelin­gen. Zur Stei­ge­rung der Trif­tig­keit müss­te McDo­nalds also ent­we­der anfüh­ren, dass es NUR in die­sen Jah­ren Inno­va­tio­nen gege­ben habe (was nicht stim­men wird), und WARUM ihre Inno­va­tio­nen zur Welt­meis­ter­schaft Deutsch­lands bei­tra­gen (etwa weil sie die Stim­mung im Lan­de heben, oder weil die Mann­schaft immer als ers­te davon profitiert).
Anmer­kun­gen /​ Refe­ren­ces
  1. Die Wer­bung besitzt ganz offen­kun­dig einen deut­li­chen Grad an Iro­nie (erkenn­bar u.a. an der pathe­ti­schen Spra­che und der Hin­ter­grund­mu­sik). McDo­nalds erwar­tet von kei­nem Zuschau­er, tat­säch­lich den Zusam­men­hang zu glau­ben. Gera­de des­halb eig­net sich die­se Wer­bung aber für eine Fin­ger­übung.[]
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