Der Volkstrauertag als Tag des Gedenkens an Denkmal am Burgberg in Wentorf? Eine Problemskizze

[etwas erweiterte Version 4.6.2026; der Text ist noch unfertig]

Anfang Juni 2026 hat der Bürgerausschuss der Gemeinde Wentorf bei Hamburg darüber abgestimmt, ob nach  zweijähriger Verlegung zum Rathaus die Gemeinde den Volkstrauertag im November 2026 wieder am „Ehrenmal“ am Burgberg durchführen. Er hat dabei den dieses fordernden Antrag der CDU-Fraktion angenommen.

Dieser Antrag1 verlangt zudem einen „würdigen und angemessenen Rahmen“ den Gedenkens an jenem Tage, das  „dem Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft sowie der Mahnung zu Frieden, Demokratie und Freiheit.“ Mit der (in derselben Sitzung zu beschließenden) „Aufstellung der Informationstafel am Denkmal Am Burgberg“ sei eine „umfassende historische Einordnung“ die es ermögliche, „die Geschichte des Ortes kritisch zu reflektieren und zugleich an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft zu erinnern“, womit das „Denkmal Am Burgberg ein geeigneter Ort für die offizielle Gedenkveranstaltung der Gemeinde Wentorf am Volkstrauertag“ sei.

Diese Ausführungen sind in mindestens drei Hinsichten irrig.

  1. Ansicht eines Denkmals mit einem Sockel aus Feldsteinen mit der Inschrift "DEM LEBENDEN GEIST UNSERER TOTEN", darüber den Jahreszahlen 1939-1945, über dem Sockel die Jahreszahlen 1914-1918, getrennt mittels einer "Wolfsangel" und ganz oben einem senkrecht in einen runden Feldstein gesteckten, kunstvoll geschmiedeten Schwert mit überlanger Parierstange. Unter dem eigentlichen Denkmal ist mittig zur senkrechten Achse eine bronzene Namenstafel mit 109 Namen angebracht und einem Vermerk, dass es sich um die noch rekonstruierbaren Namen der im zweiten Weltkrieg Gefallenen und Vermissten handelt.
    Das Denkmal („Ehrenmal“) in Wentorf. Vorderseite mit zur senkrechten Achse mittig angebrachter ergänzender Bronzetafel der Namen der im zweiten Weltkrieg Gefallenen und Vermissten. Zustand am 2.6.2026; Foto: A.Körber

    Das Denkmal als Teil eines „würdigen und angemessenen Rahmens“ für eine solche Erinnerungskultur für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft
    Dass das Denkmal am Burgberg ein geeigneter Ort für ein Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft sei, ist nie inhaltlich begründet worden. Bereits bei der Ergänzung des Denkmals um die Tafel der im Zweiten Weltkrieg Gefallenen ist diese Eignung von mindestens einem der damals beteiligten Experten ausdrücklich verneint worden: „Opfer
    der NS-Gesellschaft“ habe „es auch in Wentorf gegeben. Doch das Ehrenmal würde für ihr Gedenken nicht passen“, das gehe „in eine andere Richtung. Das Anliegen müsste aber ebenso von den Bürgern kommen wie die Ehrentafel“ zitiert etwa Susanne Tamm in ihrem heute als teil des Online-Auftritts des Hamburger Abendblatts verfügbaren (damals m.E. in der Bergedorfer Zeitung erschienenen) Artikel Späte namentliche Würdigung den damaligen Archivar William Boehart. Die damals von Bürgermeister Matthias Heidelberg formulierte Aufgabe der Politik, sich auch damit zu befassen, ist m.E. jedoch nie angegangen worden.2

  2. Eine „umfassende historische Einordnung“ des Denkmals steht durchaus noch aus. Seine Charakterisierung ist keineswegs durch eine überwiegend erläuternde und eine leichte Distanzierung ausdrückende Tafel bereits geleistet – zumal der Text auf der Tafel keineswegs eine abschließende Formulierung liefert, sondern vielmehr negativ benennt, dass das Denkmal „von 1925“ dem Gedenk- und Erinnerungsbedarf der Gegenwart gerade nicht gerecht wird.Das hat zum Einen mit der auch im Zusammenhang der Kriegsdenkmäler der Weimarer Republik besonderen zeitlichen Einordnung und Formgebung zu tun, besonders aber auch mit dem (bisherigen) Fehlen wesentlicher Überlieferung zu seiner Entstehungsgeschichte. Hierzu hat zwar Volker Probst zum Einen in seiner Ausstellung 2025 und dem darauf beruhenden Artikel in der Lauenburgischen Heimat3 einiges ausgeführt und ich gedenke, demnächst eigene weitere Ergebnisse vorzulegen, aber der Befund ist derzeit noch äußerst mager. Das aber gilt für die Interpretation des Denkmals geeignet für eine „Mahnung zu Frieden, Demokratie und Freiheit“ ebenso wie für seine Kritik als Heldengedenken. Die auf der Basis der bislang vorliegenden Unterlagen und einer Einordnung in den Kontext der Erinnerungs- und besonders der Denkmalskultur und -politik der Weimarer Republik zeigt vielmehr ein deutlich komplexeres Bild (dazu auch etwas im folgenden Punkt). Besonders problematisch wird die Interpretation des Denkmals  aber durch die Ergänzung von 2009.4
  3. Die Charakterisierung des Volkstrauertags als Tag des Gedenkens „an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft sowie der Mahnung zu Frieden, Demokratie und Freiheit“ ist mindestens problematisch. Auch wenn es seit vielen Jahren eine entsprechende Übung in Form des Einbaus einer entsprechenden Formel in Gedenkansprachen gibt -wie Alexandra Kaiser in ihrer wegweisenden Dissertation zur Geschichte des Volkstrauertags5 ausführlich aufzeigt -, war diese Zusatzwidmung des ursprünglich dem Gedenken an die soldatischen Kriegstoten bzw. später auch an die im Krieg durch feindliche Aktionen zu Tode gekommenen zu einem Gedenken an die Opfer der Gewaltherrschaft, die diesen (insbesondere den zweiten) Weltkrieg als Aggressions- und Vernichtungskrieg herbeigeführt habenden Gewaltherrschaft, immer unpassend und strittig. Äußerlich wird das mindestens in der Fortsetzung der Gestaltung der Erinnerungsfeiern unter Einbezug des Liedes „Ich hatt‘ einen Kameraden“ deutlich, das nicht nur immer die deutschen Soldaten des Zweiten Weltkriegs einschließlich der SS-Mitglieder zu „Kameraden“ erklärt, was nicht nur nach dem Tode der meisten tatsächlich mit ihnen gekämpft habenden den Charakter von einem Verweis auf gemeinschaftliches Durchstehen soldatischer Gefahren (das wäre der noch am ehesten akzeptable Bezug) zu einer rückblickenden Einreihung in diese Gefahren bedeutet, sondern angesichts des verbrecherischen Charakters dieses Krieges und der entdifferenzierenden Einreihung auch von SS-Angehörigen unter die zu „würdigenden“ Kameraden gerade den Opfern der Gewaltherrschaft, für diese SS grundsätzlich und auch die Wehrmacht zu großen teilen standen, geradezu Hohn sprechen. Im privaten Erinnern mag der Bezug zu den im zweiten Weltkrieg Gefallenen als „Kameraden“ angehen – als öffentliche Bezugnahme mit über 80 Jahren Abstand und angesichts des mühsam genug anerkannten Charakters dieses Krieges und der SS ist es untragbar.
    Es ist aber nicht einmal zentral die Verwendung dieses Liedes. Die „Gedenk- und Widmungsformel von den Opfern von Krieg und Gewalt“ selbst drückt ein Gedenken aus, das nicht einfach unterschiedliche Opfergruppen gleichrangig nebeneinander stellt und erinnert und in diesem Sinne auch als inkludierend interpretiert werden könnte, sondern Formen von Opfertum gleichsetzt, die gerade nicht einfach nebeneinander stehen, sondern zwischen denen historisch Beziehungen bestehen, die eine solche Gleichsetzung als nivellierend und geradezu als exkludierend charakterisieren. Der bedeutende Historiker Reinhart Koselleck nannte die nivellierende, Unterschiede und Zusammenhänge geradezu ausblendende Zusammenfassung der Opfergruppe eine „linguistische Hypokrisie“, also eine „sprachliche Heuchelei“.6 Sie funktioniert nur auf der Basis einer mehrfachen Entdifferenzierung, nämlich  zum einen in Bezug auf die Ebene Schuld/Unschuld und somit auf das Verhältnis von Tätern und Opfern, und zum anderen auf die Eben Ehre/Unehre. Es geht also um die Vermengung zweier unterschiedlicher Gedächtnisformen. Kaiser schreibt:

    "Indem die deutschen Gefallenen und Kriegstoten in der öffentlichen Darstellung nach 1945 in Opfer im Sinne von victima verwandelt wurden, wurde eine große 'all-victims-together'-Gemeinschaft (Bill Niven) etabliert, denn nur unter dem Deckmantel des Opferbegriffs mit seiner impliziten 'Unschuldsanmutung' war ein Gedenken an die gefallenen Soldaten beispielsweise im Volkstrauertag nach 1945 noch möglich. Allerdings - hier kommt die zweite Ebene der Entdifferenzierung ins Spiel -repräsentiert die Nivellierungsformel von den 'Opfern der Kriege und der Gewaltherrschaft' nicht nur ein 'all-victims-together'-Modell - und diente als solches einer Vernebelung der Schuld der Täter. Vielmehr verkörpert die Formel zugleich ein 'all-sacrifices-together'-Modell, da das Deutungsschema Opfer ja immer zumindest eine Spur des heroischen sacrificium enthält, das dem Tod einen Sinn unterstellt, idem es die Bedeutung des Sterbens 'für etwas' impliziert. Die Gleichstellung von Kriegstoten und im Dritten Reich Ermordeten unter dem Begriff des Opfers lässt sich also nicht nur als Viktimisierung der (deutschen) Kriegstoten lesen, sondern parallel auch als eine Form der Sakrifizierung der NS-Verfolgten: Denn allein schon durch die Deklarierung als Opfer wird auch der Tod derer, die inn den Konzentrationslagern umgebracht wurden, nachträglich in gewisser Weise 'sinnvoll gemacht'."7

    So weit wie Kaiser wird man nicht unbedingt gehen müssen. Nicht jede Ansprache der Ermordeten als Opfer sakfrifiziert diese, wie ja auch die Benennung von durch einen Überfall Geschädigten als Opfer dem Überfallen-Werden nicht wirklich einen Sinn unterstellt. Diese Überlegung greift im Fall des Volkstrauertages und des Denkmals und Ehrenmals in Wentorf aber gerade nicht. Dort ist es das Gedenken der Ermordeten und durch die Gewalttaten nicht der damaligen Kriegsgegner Deutschlands, sondern durch deutsches Kriegshandeln und deutsche Verbrechen im Krieg und in der Gewaltherrschaft zu Tode gekommenen oder Geschädigten nicht nur im gleichen Zusammenhang und Gestus, sondern ausdrücklich in einer ästhetischen und verbalen Symbolik des Kriegstotengedenkens, die gerade keinen würdigen Rahmen für das Gedenken an die Ausgegrenzten und Ermordeten bietet.
    Das hat wesentlich auch mit der Dimension „Ehre“ zu tun, die Kaiser anspricht. Zwar drückt sich – wie ich in einem eigenen Aufsatz zu zeigen gedenke – im Denkmal in seiner Fassung von 1925 uns insbesondere in seiner Hauptwidmung „Dem lebenden Geist unserer Toten“ keine klassische Heldenverehrung aus, sondern vielmehr eine für eine kurze Zeit der Mitte der 1920er Jahre typisch, sogleich aber wieder von Heldenverehrungs-Bemühungen der Reichswehr und anderer überlagerte und verdrängte Form eines Versuches republikanischer und staatlicher Trauer,aber schon diese ist in sich ungeeignet für ein Gedenken an die Opfer ‚eigener‘ Gewaltherrschaft. Zudem aber wird sie strukturell durchkreuzt durch die umstandslose Einreihung des Gedenkens an die Kriegstoten des zweiten Weltkriegs unter die genannte Formel. Beides ist kurz auszuführen:

    1. Prinzipiell wäre ein Gedenken auch der Gewaltopfer unter einer Formel wie „dem lebenden Geist unserer Toten“ gar nicht einmal so abwegig und würde die unselige Frage der Ehrung von Opfern für ihr Sterben umgehen, war die genannte Formel doch 1923/24 gefunden und propagiert worden vom Reichskunstwart Edwin Redslob, um nicht den Kriegstoden (mit „d“), sondern dem Schaffen der im Kriege zu Tode gekommenen im vorherigen leben und somit dem Verlust einen Sinn zu geben.8 Ein entsprechender Bezug nicht nur auf herausragendes Schaffen, sondern auf das Leben der von den Nationalsozialisten und Mittun breiter Teile der Gesellschaft ausgegrenzten und vielfach schließlich ermordeten vor diesen Taten als ein erinnernder, spezifisch trauender Bezug darauf, dass sie als ein Verlust für das Volk, die Gemeinschaft etc. anerkennt werden und damit auch eine wenn auch nur symbolische Wiedereinbürgerung, wäre ein wesentlicher Gewinn.
    2. Auch in andere Hinsicht wäre ein gemeinsames Erinnern an „den lebenden Geist“ unserer Toten und der Opfer unseres Tuns, nicht vollends falsch. Es könnte – gewissermaßen im Gegenzug – Sakralisierung der Kriegstoten zu sacrificia entgegenwirken und den – in der Debatte um den künftigen Umgang mit dem Denkmal ja von eine Rückkehr des Volkstrauertags befürwortender Seite mehrfach betonten — Charakter als Ausdruck der Trauer unterstützen.

    Beides – der rückblickende Wiedereinbezug (auch) der Opfer in ein Verlustgedenken und die Verhinderung oder wenigstens Abschwächung der Sakralisierung der Kriegstoten aber erforderte eine bei aller Zusammenführung auch differenzierende, die konkreten Umstände und Zusammenhänge sichtbar machende Formulierung und Symbolik. Genau eine solche Symbolik fehlt aber auf dem Denkmal schon in seiner Fassung vor 2009. Ohne eine solche explizite und die Umstände und diese symbolische Wiedereingliederung bliebe es bei der wäre bei der problematischen Entdifferenzierung wie sie auch derzeit in den Reden zum Volkstrauertag stattfindet.

  4. Allerdings betreffen die oben stehenden Erwägungen das Denkmal in seinem Zustand vor 2009. Auch wenn die Formel vom „lebenden Geist(e) unsere Toten“ nicht als Heldenverehrung gemeint war und gerade weil sie den erinnernden Bezug auf das Denken und Tun der „gefallenen“ vor ihrem Tod richtet, wird sie durch die Ergänzung um die Toten des zweiten Weltkriegs problematisch. Schon die Gleichsetzung des Totenerinnerns zum Ersten und zum zweiten Weltkrieg unter dieselbe Formel entdifferenziert und verdeckt wenn nicht absichtlich so aber tätig die nötige Unterscheidung der Charakteristika beider Kriege und der Zusammenhänge zwischen dem Gewalt- und Unrechtsregime, dem Krieg und den Gewalttaten an den Opfern beider. Das wird ergänzt durch die weitergehende Wahrnehmung des Denkmals als ein „Ehrenmal“ und des Gedenkens als „Würdigung“ (man denke an die Formulierung im Zeitungsartikel: „späte Würdigung“). Beides führt im Resultat dazu, dass im Denkmal seit 2009 nicht nur beide Kriege und ihre Toten (nicht unbedingt ihre Tode) als grundlegend gleich erinnert werden, sondern ihre jeweiligen Geisteshaltungen in gleicher Weise gewürdigt werden. Dieses „Würdigen“ ist eine Form von Ehrung, die nur aktiv erfolgen kann. Mit der Setzung der Tafel von 2009 ist sie aktiv von den Initiator*innen betrieben und von der Gemeinde übernommen worden. Mit ihr wird der „Geist“ von einer wenn auch geringen Zahl an Personen, die dem verbrecherischen Regime, seinem Krieg und seinen Taten nicht nur gezwungenermaßen gefolgt sind, sondern im nahe standen, in die Würdigung einbezogen.
    Das ist schon als solches ein sehr problematischer Vorgang. Seit 2009 werden expliziter als auch die Ergänzung der Jahreszahlen 1939-1945, die schon in gleiche Richtung wies, auch das Denken der SS „gewürdigt“.
    Mit dieser Feststellung werden keineswegs alle auf der Tafel von 2009 genannten über einen Kamm geschoren und pauschal zu Verbrechern erklärt -die Pauschalisierung hat vielmehr mit der Nicht-Differenzierung 2009 und seither und der Gleichsetzung unter die Erinnerungsformel stattgefunden.
    Für die Frage nach der Eignung des Ortes für das Gedenken auch der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft aber bedeutet es, dass dieses Erinnern in beinahe höhnischer Weise unter eine Formel gestellt wird, mit der das Denken und Tun, das ihr Leid wesentlich herbeigeführt, ja verschuldet hat, gewürdigt wird. Hier ist der Kern von Kosellecks Qualifikation der Formel als Heuchelei nicht nur sprachlich, sondern in Denkmalsform gesetzt.
  5. Überhaupt ist der Volkstrauertags angesichts seiner Geschichte kaum geeignet, dieses doppelte oder gar mehrfache Gedenken zu tragen. Er war auch nie (mit Ausnahme der NS-Zeit als „Heldengedenktag“) ein verpflichtend von den Gemeinden zu begehender Tag. Derzeit ist er nur in zwei Bundesländern (Hessen und Hamburg) gesetzlich mit einer Zweckbindung versehen.9

Man kann der Auffassung sein, dass eine umstandslose Weiternutzung eines überkommenen Denkmals auch über den Bruch eines Weltkriegs und zweier Wechsel der Staats- und Herrschaftsform hinweg lässlich ist. Schon diese Auffassung ist schwierig, ist doch ein Denkmal in öffentlicher Hand immer auch eine fortgesetzte Angelegenheit. Eine solche Argumentation trifft denn auch auf die meisten Kriegerdenkmäler der Weimarer Zeit (oder auch früherer Zeiten) in der Nachkriegszeit nicht zu, weil in den allermeisten Fällen die Denkmäler keineswegs einfach unverändert weiter genutzt wurden, sondern verändert, nämlich ergänzt. Manchmal wurden Namen von Toten des zweiten Weltkriegs zeitnah ergänzt, oft aber nur die Jahreszahlen „1939-1945“ ergänze -beinahe schamhaft. So auch in Wentorf. Schon das aber war ein bewusster Umgang mit dem Denkmal und somit eine Re-Affirmation und Ausweitung des Gedenkens. Gleiches muss um so stärker gelten für die Ergänzung des Denkmals von 2009.

Auch gerade auch für Gegenwart kann ein vergleichbares Argument nicht in Anspruch genommen werden. Wie schon bei in weitaus stärkerem Maße bei Straßennamen bedeutet die Tatsache einer kontroversen Diskussion und einer kritischen Aufarbeitung, dass jegliche darauf folgende Entscheidung zum Fortbestand, zu einer Entfernung, einer Veränderung und auch zu Zwecken und Formen der Nutzung als neue, gegenwärtige Entscheidungen in Kenntnis der Zusammenhänge interpretiert und gewertet werden müssen. Eine Entscheidung auch der Bürgerversammlung zur Rückkehr zum Denkmal muss also als Affirmation seiner gegenwärtigen Symbolik und Botschaft angesichts der gegenwärtigen Fragen angesehen werden.

Ein Problem: Risiko erneuter Rückkehr zu antagonistischer Erinnerung 

Es kommt ein weiteres hinzu: Wie zuletzt aus dem sog. „Regierungsprogramm der AFD in Sachsen-Anhalt“ in Kap. III.3 deutlich wird, sind im derzeitigen politischen Diskurs politische Positionen vertreten und nicht ohne Rückhalt, denen jegliches kritisches Gedenken an Kriegstote ein Dorn im Auge ist, und welche ein Erinnern gefallener Soldaten als sacrificia, als „ihr Leben für die Verteidigung ihres Landes gegeben“ Habende und die Anerkennung und Ehrung dieses „großen Opfers“ verlangen. Im Programms werden dabei – man möchte geradezu sagen: natürlich – nur Denkmäler für die Kriege 1870/71 oder die Schlacht von Königgrätz 1866 genannt, dann aber eine gleichmäßige Förderung aller Denkmäler unter oben genannter Maxime als Programm festgehalten.

Eine Kategorisierung unterschiedlicher Formen von Politik und politischem Handeln durch die belgische Politikwissenschaftlerin Chantal Mouffe aufgreifend werden solche Formen öffentlichen Erinnerns als „antagonistisch“ bezeichnet. Eine erneute Wende hin zu einer derartigen Erinnerungspolitik, in der Freund-Feind-Denken die zentrale Kategorie ist, ist aus demokratischer Perspektive selbst abzulehnen.
Auch zielt eine solche Erinnerungspolitik zentral darauf ab, die mühsam errungene (oft aktiv abgelehnte) Anerkennung der damaligen Schuld des deutschen Dritten Reiches an Angriffs- und Vernichtungskrieg und an genozidalen und politischen Massenverbrechen an Deutschen und europäischen sowie außereuropäischen anderen Menschen sowie der daraus erwachsenden Verantwortung nicht nur eines „nie wieder“, sondern auch einer entsprechenden Erinnerung, wieder vergessen zu machen und zur einer antagonistischen Erinnerung zurückzukehren.

Vor diesem Hintergrund muss es das Interesse demokratisch verfasster und sich als demokratisch verstehender Gemeinwesen sein, auch nur die Eignung der eigenen Gedenkzeichen für eine entsprechende Umdeutung zu verhindern. Diese aber ist – durchaus unwillentlich – durch die 2009 erfolgte Unterordnung der Erinnerung der Kriegstoten des Zweiten Weltkriegs unter die Würdigung selbst des „Geistes unserer Toten“ geradezu erzeugt worden.

Damit soll nicht behauptet werden, die CDU und andere Befürworter der Beibehaltung des Denkmals in seinem jetzigen Zustand und der Rückkehr des Volkstrauertages an das Denkmal als Standort, betrieben das Geschäft der AFD. Den auch hinsichtlich der Erinnerungskultur in unserem Land veränderten Bedingungen ist aber doch Rechnung zu tragen.

Eine Chance: „Umgestaltung des Denkmals“ zu Ausdruck und Anlass „agonistischen“ Erinnerns

Auch vor diesem Hintergrund gilt es, die Botschaft des Denkmals soweit nicht nur durch Kommentierungen, sondern durch künstlerische und andere Interventionen soweit aufzubrechen, dass eine umstandslose oder gerade explizite Würdigung von Tätern bzw. Angehörigen von Täterorganisationen in einem Atemzug mit eigentlich zivil zu betrauernden Opfern mindestens erschwert, wenn nicht verhindert wird. Eine solche Umgestaltung wäre aber nicht einfach eine defensive Maßnahme – sie bedeutete auch einen bedeutenden Schritt hin zu einer spezifisch demokratischen Erinnerungskultur.

Wie schon angeführt, werden in der wissenschaftlichen Diskussion um Erinnerungskultur Gedenkkulturen, wie sie die AFD implementieren will, als „antagonistisch“ bezeichnet. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass in der und durch die Erinnerung die Konfrontation, die Feindschaft, auf die erinnernd verwiesen wird, aufrechterhalten und fortgeführt wird. Besonders ausgeprägt ist das insbesondere in offen revanchistischen Denkmälern und Erinnerungsformen, die etwa dem mit dem Wentorfer Denkmal gleichzeitigen 31er Denkmal in Hamburg-Altona und am 76er Denkmal am Hamburger Dammtor („Kriegsklotz“) von Richard Khuöl. Weniger explizit drückt sich eine solche antagonistische Haltung auch in dem Erinnern nur der Opfer der eigenen Seite im Heldenmodus aus. Eine noch zu publizierende Analyse des Wentorfer Denkmals ergibt, dass es in seiner Gestaltung von 1925 dem ersteren, revanchistischen Modell antagonistischen nicht entspricht – vor allem wegen der Formel „dem lebenden Geist der Toten“, die eher als ein Ausdruck öffentlicher Trauer zu verstehen ist. Zugleich ergibt die Analyse aber, dass die Symbolik -nicht zuletzt wegen der Verwendung des Schwertes und des Eisernen Kreuzes – nicht eindeutig genug ist, um Versuche einer antagonistischen Re-Interpretation und Vereinnahmung etwas entgegen zu setzen.

Ein Gegenmodell zu antagonistischem Erinnern ist ein „kosmopolitisches“ Erinnern. Es soll die im antagonistischen Modell angelegte und fortgeführte Feindschaft durchbrechen, indem aller Opfer gleichermaßen gedacht wird. Dies ist gewissermaßen das Modell, das in der oben angeführten „all-victims-together“-Variante sichtbar wird. Sie funktioniert als versöhnliches und friedensstiftendes Element vielleicht dort, zwei Parteien eines klassischen und einigermaßen „regelgerecht“ geführten Krieges beginnen, im Erinnern die Feindschaft zu überwinden. Ein Modell waren (und sind?) etwa die Versöhnungsgesten der Veteranen beider Parteien des US-Bürgerkriegs an der Mauer in Gettysburg. US-Präsident Lincolns Gettysburg Address propagiert es, wenn auch mittels einer Umdeutung der Toten beider Seiten mehr zu sacrifices in einer Auseinandersetzung, der gewissermaßen kathartischer Charakter zugeschrieben wird.10 Aber wie oben ebenfalls bereits ausgeführt, funktioniert die Umdeutung des Wentorfer Denkmals zu einem solchen kosmopolitischen Denkmal nur mit Hilfe einer Umdeutung aller genannten zu Opfern – also nicht ohne eine problematische Gleichsetzung von Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft, kriegstoten Soldaten und Tätern. Es ist der besondere Charakter des zweiten Weltkriegs und die gerade nicht auch nur ansatzweise „auf Augenhöhe“ in einem beiderseits ehrenhaft geführten Krieg, die es verhindert.

Eine gegenüber diesen beiden – antagonistisches und kosmopolitisches Erinnern – vorgeschlagene erinnerungspolitische und -kulturelle Grundhaltung versucht, genau diesen Aspekt zu adressieren. Der Versuch zeigt sich auch im Aufkommen des Konzepts der „Gegendenkmäler“ zu als nicht (mehr) vertretbaren antagonistischen Kriegsdenkmälern erarbeitet wurde.11

Kern des neuen Modells ist der Versuch, einen neuen Modus des Erinnerns und Gedenkens zu etablieren, der nicht zugunsten eines unscharfen und entpolitisierten Konzepts von Versöhnung den historischen Gegebenheiten gerade nicht gerecht wird, indem alles Leid und allen Tod gleichgesetzt und somit entpolitsiert wird, der aber auch nicht rechtspopulistischen Bedürfnissen nach antagonistischem Gedenken Nahrung bietet. Diese demokratische Form des Gedenkens darf somit weder antagonistisch sein, noch die Rollen von Tätern und Opfern umstandslos verschleifen – und sei es zum Zweck der Versöhnung. Das „agonistische Erinnern“- so die Bezeichnung für das neue Prinzip -kann somit nicht einfach fertige, geschlossene Narrative vor- und auf Dauer stellen. Es besteht vielmehr darin, die Uneindeutigkeiten und Spannungen des erinnernden Bezuges auf eine Vergangenheit aus einer deutlich späteren, neue Bedingungen und Fragen habenden Zeit sichtbar zu machen. Dadurch, so das Konzept, fordert es die Betrachter, nicht nur auf in das vorgegebene Narrativ gewissermaßen einzusteigen, es unverändert und fraglos zu übernehmen, sondern über das Erinnern selbst nachzudenken- über seine Bedeutung und die Schwierigkeiten damit.12

Eine Umgestaltung des Wentorfer Denkmals dergestalt, dass die im Rückblick auch wegen uneindeutiger Symbolik, Formensprache und verbalen Deutungen problematische, sodann insbesondere die zunehmende Dysfunktionalität derselben in der Demokratie nach 1945 und schließlich die Problematik der umstandslosen Ergänzung dieser Symbolik durch den Verweis auf den zweiten Weltkrieg und seine Kriegstoten erkennbar bleiben, also gerade nicht „weißgewaschen werden“, aber in ihrer Problematik markiert werden, wäre selbst ein politischer Beitrag zu einer Art agonistischer Erinnerungskultur, einer Erinnerungskultur nämlich, die zum einen reflektiert und selbst-reflexiv sein kann, und zudem die heutigen Adressaten wie auch die der näheren Zukunft nicht nur als „Publikum“ anspricht, sondern als Teilhabende an demokratischer – und das heißt: diskursiver – Erinnerungskultur ernst nimmt. Erst das wäre eine Einlösung dessen, was die CDU in ihrem Antrag formuliert, dass „die kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte […]
nicht ausgeblendet, sondern ausdrücklich Bestandteil des Erinnerungsortes wird“.

Fazit

Denjenigen, die in der Wentorfer Debatte mehr oder weniger vehement für die Beibehaltung des Denkmals in seiner gegenwärtigen Form und die Rückkehr der Veranstaltung am Volkstrauertag zum Denkmal plädiert haben, einen Willen zur Heldenverehrung vorzuwerfen, wäre nicht nur schäbig, sondern würde ihre Intentionen wohl verkennen. So hatte ja insbesondere einer von ihnen im oben zitierten Zeitungsartikel von 2009 sich ausdrücklich von einer solchen Deutung abgegrenzt. Der dabei hergestellte Bezug zu den „Tatsachen“ ist jedoch deutlich brüchig – sowohl was die Tatsachen der Namen und den Geist zumindest einiger ihrer Träger angeht, wie die Recherchen ergeben haben, aber auch, was die Symbolik des Denkmals angeht. Für die Symboliken und die möglichen und auch bereits früher realisierten Lesarten des Denkmals von 1925 und insbesondere für die durch die Anbringung der Tafel von 2009 ermöglichten Lesarten. Bei einem öffentlichen Denkmal müssen sie aber berücksichtigt werden.

Von den Befürworter*innen der Begehung des Volkstrauertags an einem unveränderten Denkmal wird aber offenkundig auch der Charakter des Volkstrauertages verkannt. Einige, die diese Lösung besonders ausdrücklich vertreten, scheinen eher einen öffentlichen Totensonntag im Sinn zu haben und die erinnerungs- und gedenkkulturelle und -politische Dimension des Volkstrauertages völlig auszublenden. Dieser Tag war nie ein zweiter Totensonntag. Auch wenn er – mit Ausnahme der NS-Zeit, wo er als „Heldengedenktag“ firmierte – nie ausschließlich der Heldenverehrung und der Propagierung von Militarismus und Revanche diente,ging es doch immer um eine sinngebende Erinnerung an Kriegstote. Und auch wenn die Inschrift auf dem Wentorfer Denkmal konkret auf die Konzeption des Weimarer Reiochskunstwarts Edwin Redslob verweist, der nicht der Tode, sondern  des „lebenden Geistes“ der Toten gedenken wollte, wurde diese Konzeption doch immer (seit 1920, 1924 und auch nach 1950 wieder) von einer militärischen Komponente überlagert.

Das aber war und ist weiter die tragende Symbolik des Tages – nicht zuletzt durch „Ich hatt‘ einen Kameraden“. Die von der CDU allein angesprochene Orientierung auf ein Gedenken an die „Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft“ passt dazu nicht. Das ist ja – wie oben zitiert – auch bereits 2009 von Bill Boehart so geäußert worden.

Die Kombination des Erinnerns an die Kriegstoten mit derjenigen an die anderen Opfer des Krieges und jene der Gewaltherrschaft funkoniert aber eben nur durch eine Entdifferenzierung und Gleichsetzung von „victims“ und „sacrifices“. Sie ähnelt in gewisser Hinsicht derjenigen, mit der die DDR in ihrer Gedenkkultur die jüdischen Opfer und anderen der Gewaltherrschaft (Sinti*zze und Romn*ja, polnische „Partisanen“ etc.) unsichtbar gemacht hat durch umstandslose Gleichsetzung mit den aus anderen, politischen, Gründen verfolgten kommunistischen Opfern. Aber dort waren es beides Opfer im Sinne von victimae. Einen ähnlichen unsensiblen Umgang kann man gerade aus CDU-Sicht auch nicht wollen. In der Bundesrepublik und im wiedervereinigten Deutschland war es aber eine doppelte, zweiseitige Entdifferenzierung und Gleichsetzung: Indem man die „Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft“ in das Volkstrauertag-Gedenken integrierte, stellte man zwar die Erinnerung an sie in einer bestimmten Hinsicht dem militärisch geprägten Gedenken an die „eigenen“ Opfer gleicht. Das ist auf eine Weise durchaus eine Aufwertung. Aber mit ihr wurden zugleich die militärischen opfer (sacrifices) ihrerseits zu in jeglicher Hinsicht unschuldigen victimae umgedeutet. Das ist das eigentliche Problem.

Hierzu nun werden die Befürwortung eines Totensonntag-artigen Gedenkens am Denkmal mit Sicherheit erneut anführen, dass die auf der Tafel zum zweiten Weltkrieg Genannten doch alle jung und unwissend gewesen seien, ins Militär eingezogen wurden und die Tragweite ihres Handelns im Krieg nicht absehen konnten. Das mag ja für einige der verzeichneten Personen gelten – vielleicht sogar für die Mehrheit. Aber es trifft eben nicht auf alle zu. Und so impliziert das Totensonntags-Gedenken am Volkstrauertag neben der (Um-)Deutung der Soldaten zu victims (etwa: Opfer eines übermächtigen Geschehens „Krieg“, Opfer einer totalitären und unausweichlichen Politik) eben auch eine pauschalisierende Unterordnung aller Namen unter diese Deutung -und damit eine noch einmal gesteigerte Form der Entdifferenzierung. Mit ihr sind die „Opfer der Gewaltherrschaft“ nicht nur mit unwillentlichen, sondern auch mit zustimmenden Beteiligten an eben diesem Krieg und dieser Gewaltherrschaft gleichgestellt. Daher ist die Formel des Gedenkens an die „Opfer von krieg und Gewaltherrschaft“ nicht nur bereits für sich eine Heuchelei (Reinhart Koselleck), sondern kommt im Kontext des Volkstrauertages auch noch einer Verhöhnung gleich.

Da das aber überall so gemacht wird, weil es die „bundesrepublikanische Formel“ geworden ist, wird man diese bisherige Praxis denjenigen, die sich an ihr beteiligt haben, das nicht vorwerfen wollen. Aber man kann und sollte darauf hinweisen, dass diese Formel dem Gedenken an die Opfer der Gewaltherrschaft und wohl auch dem an tatsächlich unschuldig im Krieg Umgekommenen gerade keinen Dienst leistet.

  1. Der Antrag ist im Gegensatz zum Gegenantrag von SPD und Grünen noch nicht im ALLRIS-System der Gemeinde Wentorf zur Bürgerausschusssitzung — Gemeine Wentorf; Bürgerausschuss. Beschlussvorlage – 2026/2.2/050. „Volkstrauertag 2026“; https://www.wentorf.sitzung-online.de/public/vo020?VOLFDNR=1001334&refresh=false&TOLFDNR=1015334 (zuletzt gelesen 2.6.2026) verfügbar. []
  2. Tamm, Susanne (2009): Späte namentliche Würdigung. In: Bergedorfer Zeitung, 21.04.2009. Online verfügbar unter https://www.abendblatt.de/region/kreis-lauenburg/wentorf/article112502257/Spaete-namentliche-Wuerdigung.html. []
  3. Probst, Volker (2026): Excalibur‘ – Zwischen Mythos und Wirklichkeit. Das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges von 1925 in Wentorf bei Hamburg. In: Lauenburgische Heimat (221 N.F.), S. 36–53. []
  4. Körber, Andreas (2009): Gefallenenehrung in Wentorf (1). In: Historisch denken lernen [Blog des AB Geschichtsdidaktik; Universität Hamburg]. Online verfügbar unter https://historischdenkenlernen.blogs.uni-hamburg.de/gefallenenhrung-in-wentorf-1/.; Körber, Andreas (2009): Gefallenenehrung in Wentorf (2). In: Historisch denken lernen [Blog des AB Geschichtsdidaktik; Universität Hamburg]. Online verfügbar unter https://historischdenkenlernen.blogs.uni-hamburg.de/gefallenenehrung-in-wentorf/. Inzwischen ist durch die Forschungen des Amtsarchivars gesichert, dass mindestens sieben der auf der Tafel genannten Namen SS-Angehörigen gehören. []
  5. Kaiser, Alexandra: Von Helden und Opfern. eine Geschichte des Volkstrauertags. Zugl.: Tübingen, Univ., Diss., 2009. Frankfurt, M., New York, NY (Campus Historische Studien, 56). []
  6. Kaiser 2009, S. 282 m. Anm. 57 []
  7. Kaiser 2009, S. 290. []
  8. Entsprechend plante er etwa für die unter diesem Motto stehende Gedenkfeier des Reiches in Berlin die Aufführung allein gefallener Künstler; vgl. wiederum Kaiser, S. 24-43. []
  9.  In Hessen wird er als „Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus und die Toten beider Weltkriege“, in Hamburg wird der Senat ermächtigt „einen Tag des Jahres zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus und die Gefallenen beider Weltkriege zu bestimmen“. Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Volkstrauertag; zuletzt geprüft 2.6.2026 []
  10. Für die unterschiedlichen Fassungen der Gettysburg Address siehe https://www.abrahamlincolnonline.org/lincoln/speeches/gettysburg.htm, zuletzt eingesehen2.6.2026 []
  11. Der Begriff des Gegendenkmals geht zurück auf einen wegweisenden Aufsatz des amerikanischen Linguisten James E. Young. (Young, James Edward (1992): The Counter-Monument. Memory against Itself in Germany Today. In: Critical Inquiry 18 (2), S. 267–296. Online verfügbar unter https://www-1proquest-1com-1mtg9ho6i023f.emedien3.sub.uni-hamburg.de/docview/1297312417/fulltextPDF/F435E4E78B194BB3PQ/6 – zuletzt geprüft 2.6.2026). Vgl. dazu auch Wijsenbeek, Dinah (2010): Denkmal und Gegendenkmal. Über den kritischen Umgang mit der Vergangenheit auf dem Gebiet der bildenden Kunst. München: Meidenbauer. []
  12. Vgl. Berger, Stefan; Kansteiner, Wulf (Hg.) (2021): Agonistic Memory and the Legacy of 20th Century Wars in Europe. SpringerLink (Online service). 1st ed. 2021. Cham: Springer International Publishing; Imprint: Palgrave Macmillan (Palgrave Macmillan memory studies). Darin bes. Cento Bull, Anna; Hansen, Hans Lauge; Colom-González, F. (2021): Agonistic Memory Revisited. S. 13–38. []

Neues Dossier (ehemaliger) Hamburger Studierender zur Begegnung mit Denkmälern

Gestern ist auf Zeitgeschichte Online ein Dossier zur Geschichtssorte „Denkmäler“ erschienen, das von vier ehemaligen Hamburger Studierenden erarbeitet wurde und auf ein gemeinsames Projektseminar der Geschichtsdidaktik mit der Public History im Jahr 2017 zurückgeht,((Vgl. zu anderen Produkten aus diesem Seminar u.a.: https://historischdenkenlernen.blogs.uni-hamburg.de/neuer-titel-in-vorbereitung/, https://historischdenkenlernen.blogs.uni-hamburg.de/reenactment-enaktive-wiedereinsetzung-in-den-vorigen-stand-zur-logik-historischer-sinnbildung-und-ihrer-partiellen-ausserkraftsetzung-im-reenactment/; https://historischdenkenlernen.blogs.uni-hamburg.de/analyzing-monuments-using-crosstabulations-of-historical-thinking-competencies-and-types-of-narrating/. )) in dem insbesondere die Handreichung zur Analyse erarbeitet wurde.

Eine englischsprachige Fassung ist in Vorbereitung.

Gratulation den Autor*innen zur Publikation!

Das Dossier enthält folgende Beiträge:

  • Roers, Benjamin; Weise, Mara; Rentschler, Hannah; Bäumer, Marlon (2024): „Definitionen. Das Denkmal gibt es nicht.“ In: Benjamin Roers, Mara Weise (Eds.): Denkmälern begegnen. Zur Auseinandersetzung mit einer alltäglichen Geschichts-Sorte. Dossier (Zeitgeschichte Online). https://zeitgeschichte-online.de/node/70784.
  • Roers, Benjamin; Weise, Mara; Bäumer, Marlon; Rentschler, Hannah (2024): „(Be-)Deutungen. Die Geschichts-Sorte Denkmal ist vielfältig“. In: Benjamin Roers, Mara Weise (Eds.): Denkmälern begegnen. Zur Auseinandersetzung mit einer alltäglichen Geschichts-Sorte. Dossier (Zeitgeschichte Online). https://zeitgeschichte-online.de/node/70812.
  • Roers, Benjamin; Weise, Mara; Rentschler, Hannah; Bäumer, Marlon (2024): „Produktion: Denkmäler werden gesetzt.“ In: Benjamin Roers, Mara Weise (Eds.): Denkmälern begegnen. Zur Auseinandersetzung mit einer alltäglichen Geschichts-Sorte. Dossier (Zeitgeschichte Online). https://zeitgeschichte-online.de/node/70892.
  • Roers, Benjamin; Weise, Mara; Rentschler, Hannah; Bäumer, Marlon (2024): „Rezeption: Denkmäler werden gestürzt“. In: Benjamin Roers, Mara Weise (Eds.): Denkmälern begegnen. Zur Auseinandersetzung mit einer alltäglichen Geschichts-Sorte. Dossier (Zeitgeschichte Online). https://zeitgeschichte-online.de/node/70893.
  • Bäumer, Marlon; Rentschler, Hannah; Roers, Benjamin; Weise, Mara (2024): „Handreichung: Denkmäler verstehen. Version 2: November 2022.“ In: Benjamin Roers, Mara Weise (Eds.): Denkmälern begegnen. Zur Auseinandersetzung mit einer alltäglichen Geschichts-Sorte. Dossier (Zeitgeschichte Online). https://zeitgeschichte-online.de/node/70785.
  • Weise, Mara (2024): „Begegnung I: Deutungskämpfe – Der Kriegsklotz am Hamburger Dammtor“. In: Benjamin Roers, Mara Weise (Eds.): Denkmälern begegnen. Zur Auseinandersetzung mit einer alltäglichen Geschichts-Sorte. Dossier (Zeitgeschichte Online). https://zeitgeschichte-online.de/node/70811.
  • Roers, Benjamin (2024): „Begegnung II: Nationalismus in Rheinkultur – Die Germania in Rüdesheim.“ In: Benjamin Roers, Mara Weise (Eds.): Denkmälern begegnen. Zur Auseinandersetzung mit einer alltäglichen Geschichts-Sorte. Dossier (Zeitgeschichte Online). https://zeitgeschichte-online.de/node/70893.

Zur Thematik siehe auch meine kurz zuvor erschienene Arbeit:

sowie den zugehörigen Aufsatz von Stéphane Lévesque:

 

Neuer Artikel zum Historischen Lernen an/mit und über Denkmäler

Körber, Andreas (2023): Elaborating Historical Thinking on Monuments. Available online at https://www.pedocs.de/volltexte/2023/28266.

Im Rahmen einer seit längerem laufenden kollegialen Diskussion über historisches Denken- Lernen an/mit und über Denkmäler habe ich heute einen Artikel auf pedocs veröffentlicht, der u.a. eine Antwort auf einen jüngeren Artikel von Stéphane Lévesque (Ottawa) darstellt. Der Artikel ist open access frei verfügbar.

As part of an ongoing collegial discussion about historical thinking – learning at/with and about monuments, I published an article on pedocs today that is, among other things, a response to a recent article by Stéphane Lévesque (Ottawa). The article is freely available open access:

Körber, Andreas (2023): Elaborating Historical Thinking on Monuments. Available online at https://www.pedocs.de/volltexte/2023/28266.

Monuments and Memorials – A tabular instrument for analysing (still incomplete)

Körber, Andreas (2020): Monuments and Memorials – A tabular instrument for analysing (Blog Entry; still incomplete)

Introduction:

A table for analyzing narrative modes within monuments
Table for analyzing narrative functions in monuments.

Reference:
Körber, Andreas (2014): De-Constructing Memory Culture. In: Helle Bjerg, Andreas Körber, Claudia Lenz und Oliver von Wrochem (Hg.): Teaching historical memories in an intercultural perspective. Concepts and methods : experiences and results from the TeacMem project. 1. Aufl. Berlin: Metropol-Verlag (Reihe Neuengammer Kolloquien, Bd. 4), 145-151 + CD-File.

A new competency-model on monuments using Rüsen’s four types of narrating by Stéphane Lévesque — and a comment

Körber, Andreas (2018): „A new competency-model on monuments using Rüsen’s four types by Stéphane Levesque — and a comment.“ In: Historisch denken lernen (14.10.2018):

In a recent contribution to Public History Weekly, titled „Removing the ‚Past‘: Debates Over Official Sites of Memory“1Stéphane Lévesque from Ottawa, Canada, presented a new model for monument-related competencies of historical thinking, using Jörn Rüsen’s types of historical narrating.

The graphic version of the model consists of four „competences“, visualized as smaller cogwheels arranged around and interacting with a central cogwheel titled with „historical consciousness“. For each of the four competencies, a short, monument-related definition is given.

Prompted by a commentary by Gabriel Reich of Virginia Commonwealth University, who also works extensively on monuments in memory culture, Stéphane Lévesque added a (more general) table version (a Spanish translation by Elizabeth Montanares Vargas has been presented on facebook, meanwhile) in an answering comment, further detailing the competencies in his model.2.

As much as I appreciate this new model of competencies in general, I have also added a few comments to it (and to one point of Gabriel Reich’s comment, which is not in focus, here). The space provided by Public history weekly for commenting is limited and graphs are (at least not easily) allowed. I therefore use this my own blog for repeating my comment to Lévesque’s model, and to detail it a bit further.

First of all, I strongly support the initiative to analyse monuments as an expression of and factor for historical consciousness. Indeed, we need both a) to analyse them as experts by using our repertoire of historiographic methods and concepts in order to stimulate and support informed public discussion about whether a particular monument is still desirable (or at least acceptable) or whether it needs to be changed (and how) or even removed, and b) to develop people’s competences to address these issues themselves, i.e. to reflect on the nature, meaning and message of a monument both at the time of its construction and today (e.g. through preservation, maintenance, alteration, commenting or removal).

For this reason, I greatly appreciate Stéphane’s proposal for a competency model, especially the table version from the commentary above. This does not mean that I fully support the concrete model, but it has enriched the debate. Three comments on this:

(1) I doubt that competence as such can be “traditional”, “exemplary”, “genetic”, “critical” or “genetic”. These patterns, both as I understand Rüsen and for myself, characterize the logic of narratives. I would therefore rather read the table as “the competence to query in the traditional mode” … “the competence to narrate in critical mode” etc.

(2) This again raises the question of whether the four patterns actually constitute a distinction of competence niveaus. While I agree that the genetic mode of narrating history is the historically most recent, complex and suitable for explaining changes, I doubt – this time against Rüsen (cf. Körber 2016) – that the typology can describe competence levels.
The competence progression would need to be defined transversally: From (a) a basic level of non-distinctive (and thus unconsciously confusing) forms and patterns, via (b) the ability to perform all these forms of operations in the various patterns of Stéphane’s table (which would this describe a fully developed intermediate level), to (c) an elaborated level of (additional) ability to think about the nature of these distinctions, etc.

For this, the model is very useful, full of ideas. It can help to think about what it takes to describe monuments neither as “the past” nor as “simply old”, but to identify and “read” them as narratives (or narrative abbreviations) from a certain time, whose current treatment adds new narrative layers to them, so that their existence (or absence), form, and treatment of them can always be seen and evaluated as contemporary statements about the respective past. To recognize this and to deal with it in a socially responsible way requires these competences.

As far as Gabriel Reich’s commentary is concerned, I only ask whether his characterization of an attitude to the confederation monuments can really be addressed with Rüsen as “exemplary”, since this mode is not concerned with the maintenance and support of a conventional identity, but with the derivation of a supertemporal rule. I would refer to the example as “traditional”. An “exemplary” attitude towards retention would be more likely to be: “At all times, monuments of one’s own heroes have helped the losers of war to hold on to their cause. Then that must be possible for us too.” Or something along that line.

So far the comment already published in Public History Weekly.

That said, I might add, that I don’t mean that the „genetic“ way of sensemaking is not in some way superior to the others, and more apt for historical meaning-making, especially in its integration of a notion of directed change over time. My scepticism focuses on the idea that today’s people’s („ontogenetic“) competencies of historical thinking progresses along the same line as the cultural („phylogenetic“) development of Rüsen’s patterns of sensemaking throughout the history of historiography. Today’s youth simultaneously encounter manifestations of historical thinking using all three (rather than four)3 patterns of sensemaking. While there is a kind of „development“ of power of historical meaning-making and explanation from traditional via exemplaric to genetic, I doubt that people and students have to move from the former to the latter — or do so.

My own idea of development of competencies of historical thinking can rather be visualized as follows (adopting Lévesque’s table):

 

  1. A „basic“ niveau (and possibly early stage) would be defined by the inability of distinguishing different modes of historical narrating in general and referring to monuments in this specific case. (Young) people on this niveau (at this stage) will relate to them. They will ask questions (and thus exercise their „inquiry competence“), think („historical thinking competence“), orientate themselves („orientation competence“), and narrate („narrative competence“). But this basic niveau will not be defined by being „traditional“, but by an uninformed mixing (possibly only half-understood) forms of all three patterns. This performance will be both instable and inconsistent. Half-baked traditional questions will stand next to unreflected exemplary statements, and so on. In the graph above, this is symbolized by the blurred table below.
  2. The ability to apply the different patterns in a somewhat clarified way, to distinguish them and select one, to identify inconsistencies in their mixing, etc., then marks the intermediary niveau, and possible a major stage in the development of these competencies. On this niveau, at this stage, people will be able to discuss about the message a monument expresses and the meaning it has for us today, but they might disagree and even quarrel because they apply different patterns of meaning-making.
    In a way, Lévesque’s table describes this intermediate niveau, the different forms of historical inquiring, thinking, orientating, and narrating can take, depending from the general pattern of sensemaking. The table (the middle one in the graph above) clearly points at something, I have also tried to express in my German article challenging Rüsen’s own idea of the different patterns forming different nivueaus of competencies4: Each of the different operations (inquiring, narrating, orientating) will take on a specific stance of narrating. It is a difference whether I ask for a tradition or for a rule to be derived from past examples, or about a patterns of change across time. These questions are informed by more general stances and understandings of history (maybe coded in Lévesque’s central cogwheel of „historical consciousness“) and will generate different forms of orientation and narrating. This does not mean that the initial stance determines the outcome of the story, rendering historical thinking a matter of self-affirmation – not at all. A person inquiring in traditional will look for an origin for something valid and might — via historical thinking and research — learn of a quite different origin. The mode of meaning-making will still be traditional, but the concrete history will have changed. But people might also be forced to change their pattern in the process, e.g. learning of the limits of exemplary thinking when gaining insight into fundamental change, and thus „progress“ in a way from exemplary to genetic sensemaking.
  3. The highest niveau, however, will be reached not by finally arriving at the genetic forms of thinking and the respective competencies, but by complementing the ability to recognize, distinguish and apply the different forma with a transgressing ability to reflect on the nature, value and limits of this (and other) typologies themselves. Only on this niveau (at this stage) are people fully at command of their historical reflection. They can address the limits societally accepted concepts and terminology pose and suggest new or amended ones, etc. In the graph above, this is symbolized by the additional focus to the rubrics of Lévesque’s table, marked by the blue rings.
  1.   Lévesque, Stéphane: Removing the “Past”: Debates Over Official Sites of Memory. In: Public History Weekly 6 (2018) 29, DOI: dx.doi.org/10.1515/phw-2018-12570. There also is a German and a French version. []
  2. The table can be found under the same address as the original contribution, down the page []
  3. Rüsen’s „critical“ type of narrating does not really fit into the typology, presenting not a new logic of interconnecting temporal information, but merely de-elgitimizing others. In 1988 already, Bodo von Borries commented on this and presented a graphical concept of the interrelation of the different types, in which a „critical“ type was placed between both the traditional and the exemplary and the latter and the genetic, thus assigning it the function of a catalyst of development (Borries, Bodo von (1988): Geschichtslernen und Geschichtsbewusstsein. Empirische Erkundungen zu Erwerb und Gebrauch von Historie. 1. Aufl. Stuttgart: Klett, p. 61; cf.  Körber, Andreas (2015): Historical consciousness, historical competencies – and beyond? Some conceptual development within German history didactics. Online verfügbar unter http://www.pedocs.de/volltexte/2015/10811/pdf/Koerber_2015_Development_German_History_Didactics.pdf, p. 14f.). In the new version of his „Historik“, Rüsen presents a similar version. Cf. Rüsen, Jörn (2013): Historik. Theorie der Geschichtswissenschaft. Köln: Böhlau, p. 260. English: Rüsen, Jörn (2017): Evidence and Meaning. A Theory of Historical Studies. Unter Mitarbeit von Diane Kerns und Katie Digan. New York, NY: Berghahn Books Incorporated (Making Sense of History Ser, v.28), p. 198. []
  4.  Körber, Andreas (2016): Sinnbildungstypen als Graduierungen? Versuch einer Klärung am Beispiel der Historischen Fragekompetenz. In: Katja Lehmann, Michael Werner und Stefanie Zabold (Hg.): Historisches Denken jetzt und in Zukunft. Wege zu einem theoretisch fundierten und evidenzbasierten Umgang mit Geschichte. Festschrift für Waltraud Schreiber zum 60. Geburtstag. Berlin, Münster: Lit Verlag (Geschichtsdidaktik in Vergangenheit und Gegenwart, 10), S. 27–41. []

Erinnerungspolitik in Hamburg: Wiederherstellung des einen und Vernichtung des anderen?

Körber, Andreas (3.1.2014): „Erinnerungspolitik in Hamburg: Wiederherstellung des einen und Vernichtung des anderen?“

Gestern (2.1.2014) bzw. heute (3.1.2014) finden sich sich in der Hamburger Presse zwei Meldungen über erinnerungspolitische Intitativen und beginnende Kontroversen darum:

  1. Die taz nord berichtet gestern unter der Überschrift „Der Geist der Kaiserzeit“ über eine erneute Initiative des Leiters des Altonaer Stadtteilarchivs, ein 1970 zugeschüttetes Mosaik mit Kornblumen unter dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal vor dem Altonaer Rathaus wieder freilegen und restaurieren zu lassen. In dem Bericht wird hervorgehoben, dass diese Blumen die Lieblingsblumen des Kaisers gewesen seien, und dass diese Blume — aus der Tradition der „blauen Blume “ der deutschen Romantik kommend — später gar Kennzeichen einer (allerdings nicht mit Hamburg verbundenen) SS-Division wurde.
  2. Die Bergedorfer Zeitung berichtet heute unter der Überschrift „Sollen umstrittene Statuen eingeschmolzen werden?“ über eine Inititaive, die in der Bergedorfer Sternwarte eingelagerten ehemaligen Kolonialdenkmäler einzuschmelzen und zitiert den Protest von u.a. HM Jokinen (u.a. afrika-hamburg.de) und dem Netzwerk „Hamburg Postkolonial“ dagegen.

Noch liegen mir zu beiden Fällen keine konkreten weiteren Informationen vor. Beide Fälle sind aber durchaus geeignet, im Rahmen einer Didaktik der Erinnerungskultur und -politik thematisiert zu werden. In der Doppelung von Wiederherstellung / Vernichtung werfen diese Fälle nämlich gerade in ihrer Kombination interessante Fragen und Thesen auf:

  • Die Wiederherstellung oder auch nur Pflege eines Denkmals wirft die berechtigte Frage danach auf, ob damit der „Geist“ und die Deutung der ursprünglichen Denkmalsetzer erneut bekräftigt werden soll oder auch nur die Gefahr besteht, dass es so verstanden wird und wirkt.
  • Kann/soll/muss demnach in der Demokratie und unter Bedingungen sich gewandelten und sich weiter (hoffentlich in zustimmungsfähiger Richtung) wandelnden politischen und moralischen Werten der Denkmalsbestand ständig kritisch durchforstet und überarbeitet werden?
    • Ist dafür das Verstecken und/oder die Vernichtung solch unliebsamer, unbequemer Denkmäler geeignet — oder bzw. inwieweit ist sie Ausdruck einer Erinnerungskultur und -politik, die mehr das Unliebsame verdrängt statt durcharbeitet?
    • Inwiefern bedeutet dieses Vernichten und Verdrängen somit auch ein Unterdrücken unliebsamer Anfragen an die Traditionen des eigenen Denkens und Handelns?
    • Welche Alternative gibt es zu den beiden Polen „Renovieren“ und „Vernichten“?
  • Wie kann eine Erinnerungskultur aussehen, welche weder in der einfachen Bekräftigung vergangener, überkommender oder gar überholter und eigentlich überwundener politischer Aussagen noch in ihrer einfachen Verdrängung noch zum Mittel der damnatio memoriae greift?
  • Sind Gegendenkmale, wie sie zumindest für viele Kriegerdenkmäler ja inzwischen durchaus nicht selten sind, dafür geeignet?
  • Gibt es weitere Formen, welche weniger in der Überprägung eines bestehenden Denkmals mit einer neuen Aussage bestehen als in der Förderung einer reflexiven und kontroversen Diskussion?

Bei alledem sollte jedoch klar sein, dass die Vernichtung solche reflexiven Formen erinnerungspolitischer Aktivitäten und zugehöriger Lernformen verhindern würde. Sie scheiden somit aus meiner Sicht aus. Insofern ist den Protesten gegen etwaige solche Pläne zuzustimmen.
Auch die einfache Wiederherstellung des Altonaer Mosaiks würde aber wohl ebenso mehr Probleme aufwerfen. Ihre Verhinderung löst das Problems ebenfalls nicht. Hier wären also andere Lösungen zu suchen.

Gefallenenehrung in Wentorf? (2)

Anmerkung 1.12.2020: Zum Ehrenmal in Wentorf nun auch die intensive Aufarbeitung im Projekt „Denkmal gegen den Krieg“ der Nordkirche: https://www.denk-mal-gegen-krieg.de/kriegerdenkmaeler/schleswig-holstein-v-z#denkmal-301

Im April dieses Jahres berichtete die Bergedorfer Zeitung von Plänen der Gemeinde Wentorf, das dortige Kriegerehrenmal aus den 1920er Jahren, das in Bezug auf den Zweiten Weltkrieg nur die Ergänzung „1939-1945“ trägt, um eine neue Bronzetafel mit den Namen Wentorfer Gefallener zu ergänzen. In dem Artikel und in den dort zitierten Äußerungen der Initiatoren wurde dies ausdrücklich als beabsichtigte „Ehrung“  bezeichnet. Das Denkmal firmiert bei der Gemeinde ausdrücklich als „Ehrendenkmal“ (etwa hier).

Zu diesen Plänen habe ich seinerzeit einen Brief an die Gemeinde Wentorf und auch an die BZ geschrieben (s. Beitrag in diesem Blog), der auf Grund seiner Länge jedoch nicht als Leserbrief abgedruckt wurde.

Später wurde -wiederum in der BZ- berichtet, dass diese Ehrentafel nun am 25.10. eingeweiht werden soll.

Aus dem Kreise der Initiatoren wird behauptet, Kritik an diesem Vorhaben verkenne die Zusammenhänge; es handle sich nicht um ein „Heldengedenken“. Dem ist aber durchaus einiges entgegenzuhalten:

Denkmal in Wentorf; Zustand 6/2009; Foto: Körber
Denkmal in Wentorf von 1925; Entwurf: Friedrich Terno1 ; Zustand 6/2009; Foto: Körber; Inschrift „Dem lebenden Geist unserer Toten“


Denkmal in Wentorf; Zustand 6/2009; Detail (Foto: A.Körber): Inschrift auf dem Schwert: "Treue bis zum Tod". Die Inschrift auf der anderen Seite des Schwerts lautet "Vaterland"
Denkmal in Wentorf von 1925; Entwurf: Friedrich Terno; Zustand 6/2009; Detail (Foto: A.Körber): Inschrift auf dem Schwert: „Treue bis zum Tod“. Die Inschrift auf der anderen Seite des Schwerts lautet „Vaterland“

Nicht nur angesichts der Tatsache, dass unter den Namen, die im April als zu „ehrende“ veröffentlicht wurden, mindestens einer einen SS-Unterscharführer bezeichnet, dessen Tod von seinen Eltern in der SS-Zeitung „Das Schwarze Korps“ in eindeutig propagandistischer Manier angezeigt wurde, muss sich die Gemeinde Wentorf die Frage gefallen lassen, ob „Ehrung“ hier die richtige Kategorie des Gedenkens ist, und ob also das Gedenken in dieser Form und an diesem Ort angemessen sein kann.

Trauernzeige für SS-Unterscharführer Reinhold Grieger. Aus: Das Schwarze Korps, Jg. 10, Nr. 16; 20.4.1944, S. 8.
Traueranzeige für SS-Unterscharführer Reinhold Grieger. Aus: Das Schwarze Korps, Jg. 10, Nr. 16; 20.4.1944, S. 8.

 

Man gewinnt den Eindruck, dass hier doch, nachdem genug Zeit ins Land gegangen ist, dort wieder angeknüpft werden soll, wo man in den 1950er Jahren nicht einfach weiter zu machen wagte (es aber wohl eigentlich wollte), nämlich bei der Glorifizierung der eigenen Gefallenen ohne hinreichende Berücksichtigung der Zusammenhänge ihres Todes.

Gegen eine Bekundung von Trauer als Verarbeitung des menschlichen Verlustes kann man sinnvollerweise nichts oder wenig einwenden. Auch ist durchaus nachzuvollziehen, dass für die Angehörigen derjenigen, die keine andere Grabstätte haben, ein konkreter Ort des Erinnerns wichtig ist.

Eine Würdigung dieser Männer als Menschen ist wohl in den allermeisten Fällen auch durchaus angebracht — aber eine öffentliche symbolische „Ehrung“ an diesem Gefallenenehrenmal muss zwangsläufig auch als positive Wertung der Tatsache ihres Sterbens verstanden werden.

Auch wenn das nicht explizit als „Heldengedenken“ gedacht ist – die Gestaltung des gesamten Denkmals spricht trotz der expressionistischen Anklänge diese Sprache. Das Schwert im Helm als Sinnbild für die Unmenschlichkeit von Krieg und das Mahnmal somit als ein Friedensmal anzusehen,  ist untriftig. Vielmehr deutet es auf die Gefahren hin, die im Krieg lauern und auf die Opfer, die zu bringen sind.

Eine Würdigung der Gefallenen als „Opfer“ des Krieges, die aus dem ganzen Denkmal ein Mahnmal machen würde, erscheint somit unglaubwürdig. Wer hier nicht „Heldengedenken“ erkennen mag oder kann, wird doch mindestens an ihren Tod als ein für das Vaterland „treu“ gebrachtes „Opfer“ denken. Opfer also im Sinne von „sacrifice“, von Aufopferung denken können, nicht aber im Sinne von unschuldigen „victims“. Und Opfer in diesem Sinne gelten nun einmal für eine „gute Sache“. — Der Zweite Weltkrieg auf deutscher Seite — eine gute Sache?

Haben wir denn nicht endlich gelernt zu differenzieren?

Initiatoren und Gemeinde müssen sich also fragen lassen, wofür dieses „Ehrenmal“ stehen soll, welche Geschichte es erzählen soll, welchen Bezug zum erinnerten Geschehen es ausdrücken soll.

Hier soll doch wohl kein neuer Ort für Gedenkfeiern entstehen, wie sie gerade auch die NPD an solchen Denkmälern immer noch abhält?

Gerade weil Erinnerung und Gedenken immer politisch sind und ihre öffentlichen Symbole immer politisch gelesen werden, sollte entweder eine eindeutige und den Werten der Bundesrepublik entsprechende Symbolik und Terminologie gewählt werden – oder man sollte das berechtigte Interesse der Trauer um die eigenen Toten doch lieber im privaten Rahmen belassen.

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Nachträge:

  1. Zu Friedrich Terno ist wenig bekannt. Aus einigen genealogischen Datenbanken können die Lebensdaten entnommen werden. Geboren am 12. Juli 1881 in Schleswig, evtl. als Sohn des dortigen Lehrers, Grafikers und Schrifstellers und Kulturadministrators Emil Terno; 1909 in Hamburg verheiratet; Kriegsteilnahme zunächst als Gefr.; im 2. Jahr des 1. Weltkrieges Unteroffizier des in seiner Geburtsstadt stationierten Infanterie-Regiments Nr. 84 „von Manstein“; am 20. Oktober 1915 wird er in Frankreich leicht verwundet. Dienstgrad bei Kriegsende Leutnant d.R.; Mitte der 1920er Jahre firmiert Terno in Hamburg, wohnhaft Claus-Groth-Straße 59a, als „Maler und Bildhauer“ und ist gemäß seinem Telefonbuch-Eintrag als Schriftführer der „Offiziers-Vereinigung der ehemaligen Mansteiner“ in der Traditionspflege aktiv. Er stirbt am 7. September 1925 mit 44 Jahren in Hamburg; vgl. u.a. https://gedbas.genealogy.net/person/show/1134152534; Preußische Armee: Armee-Verordnungsblatt; Anhang; Verlustlisten; Preußen Nr. 358; S. 9474; vorl. zugänglich unter http://des.genealogy.net/search/show/2698120; Amtliches Fernsprechbuch für die Oberpostdirektion Hamburg, 1924; Hülsemann (1921-1929): Geschichte des Infanterie-Regiments von Manstein (Schleswigsches) Nr. 84 1914-1918 in Einzeldarstellungen von Frontkämpfern. Hamburg (Erinnerungsblätter der ehemaligen Mansteiner). []

Gefallenenehrung in Wentorf (1)

Anmerkung 1.12.2020: Zum Ehrenmal in Wentorf nun auch die intensive Aufarbeitung im Projekt „Denkmal gegen den Krieg“ der Nordkirche: https://www.denk-mal-gegen-krieg.de/kriegerdenkmaeler/schleswig-holstein-v-z#denkmal-301

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Im April dieses Jahres berichtete die Bergedorfer Zeitung von dem Plan, am Wentorfer Ehrenmal nun auch die Namen von Gefallenen und Vermissten des Zweiten Weltkriegs anzubringen.

Vgl. hierzu – mit Bildern – den Beitrag Gefallenenehrung in Wentorf (2)

Ich schrieb in diesem Zusammenhang den folgenden Brief an die Bergedorfer Zeitung und einige für das Projekt Verantwortliche:

Dr. Andreas Körber⋅Am Golfplatz 6a ⋅ D-21039 Escheburg
An die Gemeinde Wentorf
Hauptstraße 16
21465 Wentorf
nachrichtlich:
• Bergedorfer Zeitung
Curslacker Neuer Deich 50
21029 Hamburg
• Dr. Bill Boehart; Archivgemeinschaft
Schwarzenbek; Ritter-Wulf-Platz 1
21493 Schwarzenbek
• Wentorf im Blick; Bürgerverein Wentorf
c/o Jan Christiani
Mühlenstraße 62a
21465 Wentorf
Ihr Zeichen:
Mein Zeichen: Wentorf_BZ_Gedenken_1.odt
D-21039 Escheburg, den 12. Mai 2009

Ehrenmal für im Zweiten Weltkrieg gefallene Wentorfer?
Sehr geehrte Damen und Herren,
die Bergedorfer Zeitung berichtete in ihrer Ausgabe vom 22. April 2009 unter dem Titel „Späte namentliche Würdigung“ über Pläne, am 1925 errichteten Kriegerdenkmal nun auch eine Bronzeplatte mit Namen im Zweiten Weltkrieg gefallener Wentorfer anzubringen. In „Wentorf im Blick“ wird dies als „Ehrenmal“ bezeichnet, und auch der BZ-Artikel spricht von einer Ehrentafel.

Dr. Boehart verweist im BZ-Artikel auf die unterschiedlichen Umgangsweisen mit der „Vergangenheitsbewältigung“ nach 1919 und 1945. In letzterem Falle habe man „vielerorts nur die Daten ‚1939-1945‘ ergänzt“. Der Tenor des Artikel ist, dass man nun nachholen könne und solle, was man damals nicht getan habe. Aus Versäumnis ? Aus Scham? Oder aus berechtigten Gründen?

Und sind die Initiatoren und die Wentorfer der Auffassung, dass eventuelle Gründe, nicht die Namen zu nennen, heute obsolet geworden sind? Ist es an der Zeit, nun die eigenen Gefallenen zu „ehren“? Ist endlich genügend Zeit ins Land gegangen?

Aufschlussreich ist auch die von der BZ berichtete Antwort Dr. Boeharts (sonst der erinnerungspolitischen Vereinnahmbarkeit einigermaßen unverdächtig) auf die Frage nach dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus: „Angesprochen auf die Opfer der Nationalsozialisten herrscht zunächst Schweigen. Boehart stellt schließlich fest: ‚Opfer der NS-Gesellschaft hat es auch in Wentorf gegeben. Doch das Ehrenmal würde für ihr Gedenken nicht passen, das geht in eine andere Richtung. Das Anliegen müsste aber ebenso von den Bürgern kommen wie die Ehrentafel.‘“

Offenkundig ist auch den Initiatoren durchaus (unter-)bewusst, dass es so einfach nicht ist: Das allmähliche Verschwinden der Erlebnisgeneration auf Seiten der Opfer macht keineswegs des Weg frei zu einem befreiten Heldengedenken. Haben Sie, Herr Dr. Boehart, die Frage der Reporterin ernsthaft so verstanden, ob man die Namen von NS-Opfern umstandlos auf dem gleichen Gedenkstein, in der gleichen Symbolik benennen könnte? Das lehnen Sie zu Recht ab. Aber ist nicht viel eher und völlig zu Recht gemeint gewesen, ob man denn wieder anfangen könnte, der eigenen Gefallenen zu gedenken (zumal sie zu „ehren“) ohne mindestens auch der Opfer zu gedenken – der Opfer der eigenen Taten? Es geht also nicht nur um das Wie und die Frage danach, ob man das am gleichen Ort tun kann, sondern auch um das grundsätzliche Verhältnis der beiden Ehrungen.

Halten Sie die Vergangenheit für „bewältigt“ im zu Recht seit langem kritisierten Sinne des „Mit-ihr-fertig-Seins“, so dass man nun wieder anfangen kann, vermeintlich unbelastet die eigenen Gefallenen zu „ehren“? Das wird spätestens dann problematisch, wenn bekannt ist, dass mindestens einer der namentlich zu „ehrenden“ SS-Unterscharführer war, Träger des EK 2. Klasse, der Ostmedaille und des goldenen HJ-Abzeichens, wie seine Familie in der Traueranzeige im SS-Blatt „Das schwarze Korps“ stolz aufführt. – Ehren? Ist „ehren“ hier wirklich der richtige Modus des Gedenkens?

Gegen Gedenken im Allgemeinen ist nichts einzuwenden. Trauern um die Väter und Großväter ist auch dann zulässig und notwendig, wenn diese an einem verbrecherischen Krieg teilgenommen haben und/oder Mitglied einer verbrecherischen Organisation gewesen sind – um so mehr, wenn das nicht der Fall ist. Das braucht auch nicht nur privat zu geschehen – aber „Ehrung“ und „Würdigung“?

Denkmalsetzungen sind gesellschaftliche Handlungen. Sie tragen Symbolcharakter. „Autoren“ des Denkmals sind nicht die einzelnen Hinterbliebenen, sondern die Gemeinde Wentorf als Ganze. Daher die Frage an die Gemeinde, d.h. an alle Wentorfer:

Ist es wirklich an der Zeit, die Taten der Gefallenen zu „würdigen“? Ist die Beteiligung am Ostfeldzug wieder „würdig“ im Modus des Heldengedenkens verewigt zu werden? Ich halte dieses für keineswegs angebracht. Ist es das, was die Wentorfer sich und ihren Gästen zeigen wollen? Seht her, welche ruhmreichen Taten unsere Söhne vollbracht haben?

Was unsere Gesellschaft offenkundig braucht, ist deutlich mehr Kompetenz im Umgang mit dem Gedenken und der öffentlichen Erinnerung. Unterscheiden zu können zwischen dem (auch symbolischen) Heldengedenken und der negativen Erinnerung als der Erinnerung an die Opfer der eigenen Taten; zwischen Opfergedächtnis, Sieger- und Verlierergedächtnis, ist dringend nötig.

Nötig wäre zudem, die mit solchen Erinnerungsformen verbundenen Gefühle und Emotionen ansprechen und aussprechen zu können. „Stolz“ auf die „tapferen eigenen Soldaten“ in einem (womöglich „heldenhaften“) Kampf für „Führer“ (wie es in der Traueranzeige heißt) „Volk und Vaterland“ – ist das der beabsichtigte Modus ?

Es gäbe andere und sinnvollere. Was Erinnerungskultur sein kann, hat gerade der Volksbund Kriegsgräberfürsorge in Hamburg gezeigt, der erstmals auf einer (von Schülern erarbeiteten) Gedenkplatte an die Opfer des Luftkrieges auch die Namen der dabei ums Leben gekommenen Zwangsarbeiter verzeichnet wurden. Ebenso haben Studierende der Helmut-Schmidt-Universität im November auf dem Friedhof Ohlsdorf eine Gedenktafel für die in deutscher Kriegsgefangenschaft umgekommenen sowjetischen Kriegsgefangenen aufgestellt.

Wozu soll also Erinnerung und Gedenken dienen? Wem ist damit gedient, nun voller Kenntnis der Ergebnisse zeithistorischer Forschung über die Wehrmacht und die S S, den Charakter des Zweiten Weltkrieges (zumal im Osten), den alten Modus des Heldengedenken wieder aufzugreifen? Geht es darum, diesen Krieg und seine Teilnehmer umzuinterpretieren in einen „normalen“ Krieg?

Soll eine Traditionslinie unveränderter „normaler“ deutscher Kriegsführung von Erstem Weltkrieg, Zweitem Weltkrieg und Auslandseinsätzen der Bundeswehr hergestellt werden (wie die Worte des Bürgermeisters in der BZ nahelegen)? Und das noch positiv, „ehrenvoll“? Dass über mögliche „Ehrungen“ oder (besser) ein Gedenken an die im Auslandseinsatz gestorbenen Bundeswehrsoldaten nachgedacht werden muss, ist wohl unumgänglich. Dazu aber die Bundeswehr in eine unverbrüchliche Traditionslinie deutschen Soldatentums zu stellen und dies zudem unter normalisierender Einordnung des Zweiten Weltkrieges, ist unerträglich.

Die Bundeswehr hat allen Grund, sich nicht als Fortsetzung dieser Tradition zu verstehen, sondern als Parlamentsarmee einer Demokratie mit einem ganz anderen Auftrag: nämlich der Friedenssicherung und ggf. -schaffung im Rahmen einer Weltgesellschaft, die auf Menschenrechte verpflichtet ist. Das ist schwierig und problematisch genug (und zu Recht strittig). Wer dazu aber die Tradition deutschen Soldatentums bemüht, muss sich entweder fragen lassen, ob er die alten Traditionen deutschen Militarismus und einer Eroberungsarmee der Bundeswehr wieder anempfehlen will, oder ob er „nur“ in diesem neuen Licht die Geschichte umschreiben will.

Ich hoffe, dass sich Wentorf und die Wentorfer das noch einmal gut überlegen.
Mit freundlichen Grüßen

Andreas Körber

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hier das Faksimile:

Wentorf_BZ_Gedenken_1