Informationsmaterial für Lehrkräfte

Bormuth, Heike; Körber, Andreas (2018): Lehrerposter_Inklusiver_Geschichtsunterricht_HB_01.03.2018

Inklusion ist bereits seit längerem kein alleiniges Thema der Sonderpädagogik mehr. Die Studierenden aller Lehrämter der Universität Hamburg werden nicht nur im Fach Geschichte, sondern im Rahmen verschiedener Seminarkonzepte mit dem Thema Inklusion und deren Bedeutung für den Unterricht vertraut gemacht. Sie werden darauf vorbereitet, in ihrem unterrichtlichen Handeln auf die sich stetig verändernden gesellschaftlichen Bedingungen und die wachsende Diversität kompetent zu reagieren.

Speziell die Geschichtsdidaktik hat es sich darüber hinaus zur Aufgabe gemacht, auch den bestehenden Lehrkörper in diesen Prozess einzubinden. Regelmäßig werden Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer im Rahmen der Begleitveranstaltung zum Kernpraktikum I angeboten und zwischenzeitlich wurde auch ein erstes Informationsmaterial entwickelt, das die Prinzipien des inklusiven Geschichtsunterrichts auch Lehkräften vorstellen soll, die nicht als Mentorinnen und Mentoren am Kernpraktikum beteiligt sind.

Das Informationsmaterial in Form eines Poster kann hier eingesehen werden.

Lehrerposter_Inklusiver_Geschichtsunterricht_HB_01.03.2018

Ein Alternativtext zum Poster kann über den folgenden Link ebenfalls abgerufen werden.

Alternativtext_Lehrerposter_Inklusiver_Geschichtsunterricht_HB_27.02.2018

Weitere Informationen zum Thema Inklusion und Professionalisierung in der Lehrer_innenbildung finden Sie auf der Internetpräsenz der Projekts Profale (https://www.profale.uni-hamburg.de/handlungsfelder/hf3.html). Dort können Sie die neben der Geschichtsdidaktik beteiligten universitären Fächer sowie die Möglichkeiten zur Teilnahme an den Maßnahmen des Handlungsfeldes einsehen. Eine weitere Anlaufstelle für Fragen zur Beteiligung bildet darüber hinaus noch das Hamburger Zentrum für Lehrerbildung.

Modulprüfung für das Modul o.i.1.k „Einführung in die Geschichtsdidaktik“: 31.1.2018

Modulprüfung 0.i.1.k (BA) Einführung in die Geschichtsdidaktik, Mittwoch 31.1.2018; 18-20h; Raum NN

Liebe Kommiliton(inn)en,

die nächste Modulprüfung im Einführungs-(BA-)-Modul „Einführung in die Geschichtsdidaktik“ sind wie folgt geplant:

  • als Klausur: am Mittwoch, den 31.1.2018; 18-20h
  • als Hausarbeit: nach Absprache mit den Lehrenden des BA-Seminars (Jan-Patrick Bauer und Annika Stork)

Für beide Formen ist eine Anmeldung zur Prüfung über StINE erforderlich!

Perspektivität – eine kleine Reflexion à propos einer Formulierung in einer Hausarbeit

Körber, Andreas (2017): Perspektivität – eine kleine Reflexion à propos einer Formulierung in einer Hausarbeit

Wieder einmal eine kleine Reflexion à propos einer Formulierung in einer Hausarbeit. Dieses Mal zum Verständnis des Konzepts der Perspektivität.

Ein(e) Studierende(r) schreibt zum geschichtsdidaktischen Ansatz von Peter Seixas und Tim Morton (The Big Six Historical Thinking Concepts, 2013):

„… Und letztlich der interpretatorische Standpunkt. Dieser ergibt [sich] aus dem, wer oder was wir sind, und unserer Beeinflussbarkeit in der Betrachtung von Geschichte (Perspektivität). Dies sind in erster Linie gesellschaftliche und kulturelle Aspekte. Nach Ansicht von Peter Seixas ergibt sich Historical Thinking aus dem Zusammenspiel und der Lösung dieser drei Probleme [zeitliche Entfernung; Entscheidungsnotwendigkeit beim Historischen Denken; Perspektivität]. Er spricht die Spannung zwischen der Kreativität des Historikers und den fragmentarischen Spuren der Vergangenheit an und zeigt kritisch auf, dass eine Beeinflussbarkeit aufgrund der Herkunft nicht auszuschließen ist.“

Daran ist viel Richtiges – das Zitat zeigt aber auch einen Aspekt auf, der es Wert ist, kommentiert zu werden. Die Verwendung des Begriffs „Beeinflussbarkeit“ und der Formulierung „nicht auszuschließen“ verweist implizit auf eine Vorstellung einer unbeeinflussten und unverzerrten Erkenntnis der Vergangenheit, die zwar mit Seixas als nicht zu erreichen gekennzeichnet wird, wohl aber im Hintergrund als normative Folie mitschwingt. Der Begriff „Beeinflussbarkeit“ nämlich ist negativ konnotiert.
Das aber ist es gerade nicht, was Seixas (und andere) m.E. meinen, und was auch mir besonders wichtig ist. Perspektivität bedeutet nicht eine leider notwendige Einschränkung der Erkennbarkeit von Geschichte im Historischen Denken, sondern eine unhintergehbare Bedingung, die das Historische Erkennen nicht beeinträchtigt, sondern geradezu erst in Wert setzt. Perspektivität ist keine Einschränkung, sondern eine Bedingung — ohne die Perspektive bliebe die Vergangenheit eine Ansammlung von Einzelheiten ohne jegliche Bedeutung. Ein Sinn der re-konstruierten Vergangenheit ergibt sich letztlich erst dadurch, dass bereits die Re-Konstruktion aus einer Perspektive erfolgt 1.
Geschichte ist somit nicht „leider nur“ ein Konstrukt und die Perspektivität der Geschichtskonstruktion, die Prägung (nicht aber Determinierung) der jeweiligen Konstruktion durch Positionen im sozialen, kulturellen, politischen Raum und durch individuelle Charakteristika ist keine Beeinträchtigung, sondern Voraussetzung dafür, dass Geschichte Sinn bilden und orientierend wirken kann.
Nicht nur für kollektive, sondern auch für individuelle Sinnbildung — die ja in gesellschaftlichem Rahmen erfolgt und für ein identifizieren und Handeln im gesellschaftlichen Rahmen orientieren soll — ist es dann von Bedeutung, wie die jeweiligen Positionalitäten und die in ihren gebildeten Perspektiven zu jenen anderer (vergangener wie gegenwärtiger) Mitglieder der Gesellschaft(en) auf verschiedenen Maßstabsebenen in Beziehung gesetzt werden (können), und wie in der Reflexion dieser Positionen, Perspektiven und der von ihnen aus gebildeten sinnhaften Narrationen Sinn auch für das jeweils eigene und das gemeinsame Sein und Handeln gebildet werden kann.

  1. Vgl. Rüsen, Jörn (1975): Werturteilsstreit und Erkenntnisfortschritt. In: Jörn Rüsen und Hans Michael Baumgartner (Hg.): Historische Objektivität. Aufsätze zur Geschichtstheorie. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht (Kleine Vandenhoeck-Reihe, 1416), S. 68–101, hier S. 86f. []

Teaching Staff Resource Center (TSRC) – Gemeinsames Lehrprojekt mit der Public History (Prof. Dr. Thorsten Logge) und der Landeszentrale für Politische Bildung.

Teaching Staff Resource Center (TSRC) für nicht-textuelle Geschichtssorten: Lehrprojekt

Das Projekt zielt auf die Einrichtung eines Teaching Staff Resource Center (TSRC) für die „Geschichtssorten“ Museum, Denkmal, Film, Bild, Reenactment und Führung.

Als „Geschichtssorten“ werden dabei unterschiedliche Formen historischer Narrative unter Einbezug ihrer jeweiligen medialen und ggf. performativen Hervorbringungsbedingungen und -prozesse angesprochen.

Die im Projektverlauf erstellten, evaluierten, angepassten und im Kernpraktikum angewandten Handreichungen zur Erschließung von Geschichte im öffentlichen Raum an den Beispielen Schlacht von Gettysburg und Schlacht bei Tannenberg fördern das geschichtsdidaktische und fachwissenschaftliche Professionswissen zur Analyse von Geschichtsrepräsentationen in Hinblick auf ihren Beitrag zum historischen Lernen. Als OER-Materialien mit Beispielen auf dem Hamburger Bildungsserver und den Internetseiten der Landeszentrale für politische Bildung veröffentlicht, stehen die Arbeitsergebnisse langfristig für die Verwendung u. a. in der Schule zur Verfügung. Das TSRC kann in Anschlussprojekten erweitert werden.

Das TSRC entsteht in einem kooperativen Lehrprojekt von Public History (Prof. Dr. Thorsten Logge), Mittelalterlicher Geschichte, Geschichtsdidaktik  (Prof. Dr. Andreas Körber) und der Hamburger Landeszentrale für politische Bildung (Dr. Sabine Bamberger-Stemmann).

Vgl. https://www.geschichte.uni-hamburg.de/arbeitsbereiche/public-history/personen/logge.html#8790747.

Unterstützt wird es in einer Kooperation durch Prof. Dr. Joanna Wojdon von der Universität Wroclaw (Polen).

Das Projekt wird gefördert durch das BMBF-Projekt „Lehrlabor Lehrerprofessionalisierung (L3PROF)“ des Zentrums für Lehrerbildung Hamburg.

ANMELDUNG VERLÄNGERT BIS 28.2.2017: Zusätzliches Lehrangebot im SoSe 2017: Seminar mit Exkursion nach USA/Polen

Liebe Kommiliton(inn)en,
nach der ersten Anmelderunde sind noch Plätze frei – insbesondere für den Teil zu Grundwald/Tannenberg mit der Exkursion nach Polen!
Neue Anmeldefrist: 28. Februar 2017!
Anmeldungen bitte zur Sicherheit per Mail AUCH AN MICH: andreas.koerber@uni-hamburg.de
Gruß

 

Das Seminar ist für Lehramtsstudierende ein Fachdidaktik M.Ed.-Seminar „Weiterführung der Fachdidaktik Geschichte“ (Modul 001k). Es ist für Studierende im B.A./B.Sc.-Lehramt Geschichte mit abgeschlossener Modulprüfung zugänglich und kann später im M.Ed.-Studium angerechnet werden

Hamburger Lehrpreis für zwei Mitglieder des Arbeitsbereichs Geschichtsdidaktik: Jan Albroscheit und Dr. Johannes Meyer-Hamme für ihre innovative und praxisnahe Lehre geehrt.

Den „Hamburger Lehrpreis“ der Behörde für Wissenschaft und Forschung (BWF) für die Fakultät Erziehungswissenschaft, Psychologie und Bewegungswissenschaft haben in diesem Jahr zwei Lehrende aus dem Arbeitsbereich Geschichtsdidaktik erhalten. Jan Albroscheit, Wissenschaftlicher Mitarbeiter für Lehre, und Dr. Johannes Meyer-Hamme, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, teilen sich die Auszeichnung für ihr gemeinsames M.Ed.-Seminar „41-65.206 MA ED Seminar: Geschichte; Projektwerkstatt zum Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten„, in welchem sie mit Studierenden die Lernkonzepte und -prozesse beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten (ausgerichtet von der Körber-Stiftung) erkundeten und dazu sowohl mit Schulen und Schülern (als Teilnehmern) sowie Lehrerinnen und Lehrern (als Tutoren), aber auch Organisatoren und weiteren Gästen zusammenarbeiteten. Auf dieser Basis erstellten die Studierenden das Grundkonzept für eine didaktisch modernisierte Form des Arbeitsleitfadens für Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die zum Abschluss des Seminars in der Körber-Stiftung vorgestellt wurde.

Die Ehrung wurde im Rahmen einer Feierstunde am 3. Juli 2013 von der Wissenschaftssenatorin, Frau Dr. Dorothee Stapelfeldt, verliehen.

In ihrer Begründung für die Auswahl der Preisträger heißt es:

„Den Lehrpreis für die Fakultät Erziehungswissenschaft, Psychologie undBewegungswissenschaften der Universität erhalten zu gleichen Teilen Herr  Jan Albroscheit und Herr Dr. Johannes Meyer Hamme (beide Erziehungswissenschaft). Damit wird ihre Arbeit für das Seminar im Lehramtsstudiengang Master of Education mit dem Titel „Geschichte; Projektwerkstatt zum Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten“ gewürdigt. Dieses Seminar wurde in Zusammenarbeit mit der Körber-Stiftung durchgeführt, die den Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten organisiert. Die Studierenden loben das Seminar als besonders motivierend, beeindruckend innovativ und fachlich auf hohem Niveau. Zitat: ‚Das beste Seminar unserer gesamten Studienzeit.'“ (Mitteilung auf den Seiten der Wissenschaftsbehörde).

Der Arbeitsbereich Geschichtsdidaktik ist stolz auf diese Ehrung zweier seiner Mitglieder und gratuliert besonderz herzlich!

Andreas Körber

Rede des Prodekans für Lehre, Studium und Studienreform zur akademischen Abschlussfeier der erziehungswissenschaftlichen Studiengänge am 14. Juli 2011

Liebe Anwesende, d.h.

  • liebe Eltern, Partner, Kinder und weitere Verwandte, Freunde derjenigen, die heute hier feiern, und die wir heute feiern, …
  • liebe Kolleginnen und Kollegen aus dem Hause, aus den anderen am Zustandekommen des hier zu feiernden Ereignisses beteiligten Fakultäten und Institutionen,
  • liebe Vertreter(innen) des Präsidiums,
  • liebe Vertreter des Hamburger Bildungswesens,
  • vor allem aber: liebe Absolventinnen und Absolventen. –

es ist eine erfreuliche Verpflichtung für mich, im Namen des Dekanats die Glückwünsche zum Abschluss Ihres Studiums zu überbringen und Ihnen für den weiteren Lebens- und Bildungsweg – die werden ja angeblich immer identischer – alles Gute zu wünschen, und das heißt nicht nur gute weitere Abschlüsse und formale Erfolge, sondern vor allem solche Momente, in denen sich eigene Anstrengungen zu Einsichten und Erkenntnissen, zu Fähigkeiten und Fertigkeiten verbinden, die nicht einfach angelernt und übernommen sind, sondern die Sie in die Lage versetzen, als Sie selbst in Ihrem Leben und Beruf aktiv und wirksam zu sein.

Was Sie jetzt geschafft haben, ist ja zunächst „nur“ ein weiterer Schritt in einer ganzen Reihe formaler Qualifikationen, die man heutzutage nach- und nebeneinander erwirbt. So wichtig diese Form der Manifestation und Dokumentation von Eignungen und Befähigungen für unübersichtliche und differenzierte Gesellschaften ist, so sehr ist es und bleibt es auch hoffentlich der Anspruch aller an solchen Bildungsprozessen Beteiligten, dass in und mit diesen formalen Qualifikationen mehrerworben – oder besser:ausgebildet, ausgeprägt, eigenständigentwickelt – wird als nur mess- und abprüfbares Wissen und Können.

Dass ich eben bei „erworben“ und „ausgebildet“ sowie „entwickelt“ gezögert habe, ist dabei symptomatisch: Einseitige Theorien oder Überzeugungen davon, worin Lernen besteht oder bestehen kann und soll, helfen in Gesellschaften wie der heutigen nicht weiter – ganz abgesehen davon, dass keine von ihnen die ganze Vielfalt der empirischen vorfindlichen Lernprozesse beschreiben kann.

Weder können Sie Wissen und Können einfach „erwerben“ im Sinne einer Übernahme von einem „Geber“ (von einem Erwerb im Sinne eines Kaufs mag ich gar nicht reden) – noch befriedigt es, davon auszugehen, dass im Laufe Ihrer Bildungsbiographien einfach „entwickelt“ wird, was schon vorher da war (und das, was nicht da war, dann eben auch nicht entwickelt werden könnte), oder dass gar andere an Ihnen etwas „ausbilden“: Lernen und sich entwickeln sind komplexe Prozesse die weder allein im stillen Kämmerlein oder einem Elfenbeinturm gelingen können – ohne all‘ die systematischen und unsystematischen, die formellen und informellen, die geplanten und ungeplanten „Einflüsse“ und Rückmeldungen aus der Gesellschaft, von relevanten Einzelnen und Gruppen, aber auch Institutionen. Noch sind es Prozesse, die nur von diesen an Ihnen (und uns allen) vollzogen werden können. Lernen ist also immer ein individueller, aber ebenso sozial eingebundener Prozess. Für gelingendes wie für scheiterndes Lernen kann man wohl nur in den seltensten Fällen nur eine Seite loben, anklagen oder verantwortlich machen. Diese doppelte Verankerung soll nun meine weiteren Ausführungen leiten:

Zunächst zum individuellen Anteil:

Gerade auch in Gesellschaften mit ausgeprägtem formalen Qualifikationssystem gilt, dass das lernende Individuum immer auch für sich selbst verantwortlich bleibt und bleiben muss, dass sowohl im Prozess wie auch unter den Zielen der Bildung die Kompetenz des Lernenden zentral sein muss. Sie haben offenkundig – sonst wären Sie heute nicht hier – diese individuelle Verantwortung wahrgenommen, diejenige für sich selbst, wie die darin auch liegende für die Gesellschaft. Dazu kann und will ich Ihnen heute herzlich gratulieren. Aber ich hätte durchaus ein Problem damit, sie einfach dazu zu beglückwünschen, dass Sie getan hätten, was man von Ihnen verlangte.

Der eben schon verwendete Begriff der „Kompetenz“, der Ihnen in den letzten Jahren in Ihrem Studium oft begegnet sein dürfte, ist für mich dabei besonders relevant. Vielleicht wundern Sie sich, dass ich ihn gerade dafür in Anspruch nehmen möchte, Sie nicht nur dazu beglückwünschen, dass Sie als Studierende in diesem System „funktioniert“ hätten, dass Sie „die Anforderungen“ bewältigt haben, die andere – wir – Ihnen gestellt haben. In mancherlei Zusammenhang gerade in der Bildungssteuerung und auch zuweilen in der Bildungsforschung gerät dieser Begriff ja auch dazu (oder wird so wahrgenommen), dass er die Befähigung zur Ausübung standardisierter Fähigkeiten bezeichnet, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die den Einzelnen in die Lage versetzen, die ihm gestellten Aufgaben möglichst selbstständig und effizient auszuführen. Vielleicht sind Sie auf der Basis eines solchen Verständnisses ja auch zu einer Kritikerin oder einem Kritiker der Kompetenzorientierung geworden. Vielleicht arbeiten Sie ja auch bereits daran, diese überwinden zu helfen.

Dem möchte ich aber entgegenhalten, dass dieses eher instrumentelle Verständnis, so oft man es findet, eine Verkürzung darstellt. Wenn immer Kompetenzen gemessen werden sollen, geht es ja darum, von der tatsächlichen Lösung standardisierter Aufgaben weiterzuschließen auf die dahinter stehenden Fähigkeiten, mit immer neuen Herausforderungen umzugehen. Aber das ist es nicht allein. Wesentlicher und leider oftmals ebenfalls vergessen, ist, dass „Kompetenz“ eben nicht nur dem Wortsinne, sondern auch dem Konzept nach das Element der „Zuständigkeit“ beinhaltet.

Wenn Institutionen und Lehrende es sich angelegen sein lassen, die die „Kompetenzen“ der Lernenden zu fördern, zu entwickeln, dann muss es ihnen, wollen sie dem Begriff (d.h. dem Gedanken hinter dem Wort) gerecht werden, auch darum gehen, die Lernenden zu befähigen, selbstständig zu werden in der Frage, ob und wie sie ihre Fähigkeiten einsetzen.

Nun stehen gerade die Universitäten in den letzten Jahren unter dem Schlagwort der Bologna-Reform nicht gerade im Ruf, diese „Eigenständigkeit“ eines nicht auf vorgegebene Zwecke fokussierten Lernens für die kritische Reflexion der gesellschaftlichen Strukturen zu fördern. Oftmals ist davon die Rede, das ganze Studium sei mit den neuen Studienordnungen und -strukturen eben denjenigen Prinzipien der „ökonomischen Verwertbarkeit“ unterworfen worden, die dem einzelnen gerade nicht den so wesentlichen Aspekt der Zuständigkeit für sein eigenes Handeln belassen wollen – und unter den gegenwärtigen Strukturen sei es auch gar nicht vorgesehen, gerade diese „Fähigkeit zur Zuständigkeit“ mit zu entwickeln.

Ich bezweifle, dass das der Fall ist. Bachelor und Master sind als solche weder besser noch schlechter als andere Systeme. Oder andersherum: Auch eine Rückkehr zu den alten Studiensystemen garantiert keineswegs, dass alles (wieder) besser wird. Natürlich ist eine Reform der Reform angebracht (und bereits unterwegs) dort, wo innerhalb des neuen Systems Rahmenvorgaben zu restriktiv oder gar unsinnig sind, wo es sich zeigt, dass Überregulierungen das eigenständige Studium erschweren, usw. Auch im gegenwärtigen Studiensystem gilt jedoch meines Erachtens, dass die genannte eigene Zuständigkeit den allermeisten Lehrenden sehr wohl am Herzen liegt. Ich wünsche mir (und hier komme ich zurück zum Glückwunsch), dass Sie das auch so erfahren konnten – und noch mehr, dass Sie es auch im weiteren Lebensweg erfahren, und dass Sie, sofern Sie selbst einmal einen lehrenden Beruf ergreifen, es sich bewahren und als eigenständig denkende und urteilende, handlungsfähige Bürgerinnen und Bürger sich selbst die kritische letzte Instanz denken (können), die für das eigene Tun verantwortlich zeichnet.

Wenn es uns gelungen ist, Ihnen im Rahmen Ihrer unterschiedlichen Studien diese Perspektive zu eröffnen, dass Sie Eigenverantwortlichkeit gerade in erziehungswissenschaftlichen und pädagogischen Handlungsfeldern zwar als Herausforderung, aber nicht als Belastung, nicht als Bürde, sondern als Chance begreifen, wenn es uns gelungen ist, Ihnen dabei zu helfen, die weiteren formalen Schritte und Qualifikationen, die Sie noch angehen werden, nicht als unverbundene, abzuhakende Einheiten anzusehen, sondern als Bausteine Ihres nur von Ihnen in Gänze zu entwickelnden „professionellen“ Selbst, dann bin ich zufrieden. Dann haben auch wir unsere Prüfung bestanden.

In diesem Sinne kann und darf Ihr Abschluss mit vollem recht gefeiert werden. Und zwar nicht nur von Ihnen selbst, sondern – jetzt komme ich zur anderen Seite des anfänglichen Arguments – gerade auch von (und mit) denjenigen, die Ihnen beigestanden haben, Sie unterstützt, gelegentlich getröstet, ermutigt, gefordert: Auch Sie haben Ihren Teil dazu beigetragen – und zwar nicht nur zur individuellen Entwicklung eines Menschen, sondern auch zur Entwicklung der Gesellschaft. Gerade wenn es gilt, dass solche Bildungssysteme nicht die „heranwachsende Generation“ nach dem Bilde der Vorangegangenen formen sollen, sondern jene befähigen und herausfordern, über diese hinauszuwachsen, neue Situationen und Probleme mit neuem Denken und Handeln anzugehen, dann tut jeder ein gutes Werk, der einem heranwachsenden Menschen hilft, sich selbst in diese Gesellschaft so einzubringen, dass er beides ist: eigenständiges, aber auch für die anderen sichtbares, erkennbares und anschlussfähiges Individuum. Also: Feiern Sie in den Absolventen auch ein wenig sich selbst. Darauf darf man stolz sein.

An die Absolventen geht nun natürlich der gleiche Rat: Feiern Sie, seien Sie auch ein wenig stolz, atmen Sie durch. Aber ich möchte auch die Bitte anschließen: Kommen Sie wieder oder bleiben Sie uns gewogen, nicht nur wenn Sie weiter studieren wollen, sondern als eine weitere Generation herausfordernder, denkender Mitglieder unserer Gesellschaft.

Ich danke Ihnen

Rede des Prodekans zur Akademischen Abschlussfeier der Erziehungswissenschaftlichen Studiengänge am 26. Januar 2011

Liebe Anwesende, d.h.

  • liebe Eltern, Partner, Kinder und weitere Verwandte, Freunde derjenigen, die heute hier feiern, und die wir heute feiern, …
  • liebe Kolleginnen und Kollegen aus dem Hause, aus den anderen am Zustandekommen des hier zu feiernden Ereignisses beteiligten Fakultäten und Institutionen,
  • liebe Vertreter(innen) des Präsidiums,
  • liebe Vertreter des Hamburger Bildungswesens,
  • vor allem aber: liebe Absolventinnen und Absolventen. –

im Namen des Dekanats unserer Fakultät beglückwünsche ich Sie alle zu dem, was Sie in den letzten Wochen, Monaten und Jahren erreicht haben.

Solche Abschlussfeiern wie die heutige gibt es – nachdem sie eine Weile aus der Mode gekommen waren und der Abschied von der Universität durch die Post vorgenommen wurde – nunmehr seit einigen Jahren wieder. Regelmäßig finden wir uns hier zusammen und hören Musik und Ansprachen, überreichen Zeugnisse und Preise und erfreuen und beim anschließenden Empfang. – alles Routine also?
Für Sie sicherlich nicht: Auch wenn Sie inzwischen mehrere Abschnitte Ihrer formalen Bildungsbiographie erfolgreich absolviert haben, dürfte dieses Examen einen merk-würdigen Einschnitt markieren. Sie verlassen nun Ihre Alma Mater, treten in einen neuen Abschnitt Ihres Lebens ein – vielleicht wissen Sie schon, wie es weitergeht, haben schon einen Platz in einer weiteren Ausbildungsphase oder einen Arbeitsplatz, oder Sie suchen noch, orientieren sich. Immer gilt: So, wie es bisher war, bleibt es nicht. Anlass genug, um zurückzuschauen auf Ihr Studium, innezuhalten und nachzudenken darüber, wie es war, als Sie hier anfingen, darüber wie Sie sich entwickelt haben, aber auch, wie sich die Institutionen entwickelt haben, Ihr Fach bzw. Ihre Fächer usw.
In diesem Sinne kann etwa daran erinnert werden, dass Sie zu einer Zeit Erziehungswissenschaften studiert haben, in der in der Bildungslandschaft, der Politik wie der Wissenschaft, einiges in Bewegung war und noch ist. Ob es Ihre eigene Präferenz war oder nicht – Sie werden sich im Studium nicht nur mit großen Pädagog(inn)en und ihren Ideen, mit der Geschichte der Disziplin, den gesellschaftlichen Bedingungen und den Institutionen von Bildung auseinandergesetzt haben, mit Schule, Unterricht und außerschulischer Bildung und Erziehung – sie werden notwendig auch eine – wie sehr auch immer vorläufige – eigene Position entwickelt haben zu den Konzepten und Ideen, mit denen heutzutage die Bildungsforschung, Bildungspolitik und die Schulpädagogik wie auch die Didaktiken das Bildungswesen reformieren. Bildungsstandards, Kompetenzen, sind entsprechende Stichworte, aber ebenso Individualisierung, Autonomie, Schülerorientierung. Sie werden Einblick gewonnen haben in Fragen der empirischen Fundierung und Absicherung bildungswissenschaftlicher und -politischer Positionen; Stichwort: PISA, Vergleichsuntersuchungen, qualitative und quantitative Forschung. Ganz egal, was genau Sie im Weiteren tun werden, ob Sie in die Schule gehen, um Lehrerinnen und Lehrer zu werden, ob sie in der außerschulischen Kinder- und Jugendbildung arbeiten wollen, in der Erwachsenenbildung, ob sie verwaltend oder forschend am Gegenstand bleiben wollen – wir Lehrenden wünschen uns, dass Sie hier nicht nur totes Wissen erworben haben, nicht nur die Fähigkeit, in einem vorgegebenen Rahmen das zu tun, was andere geplant und vorbereitet haben, sondern dass Sie sich als kritische, reflektierende und urteilsfreudige, aber auch urteilsfähige Fachleute in die weitere Entwicklung der Disziplin einmischen können. Das wäre im Übrigen auch der eigentliche Sinn eines universitären Studiums, das sich zugleich in Humboldtscher Tradition als Bildung, nicht Ausbildung versteht und doch seinen Berufs- und Praxisbezug nicht verleugnet – nicht Theorie gegen Praxis auszuspielen, nicht – wie es etwa für den Übergang zum Referendariat immer wieder kolportiert wird – zu vergessen, was man auf der Universität gelernt hat, um nun zu erfahren, wie es richtig, eigentlich gehe, sondern die berechtigten und ihre eigene Dignität besitzenden Inhalte, Perspektiven und Erfahrungen der weiteren Ausbildung selbst reflektieren und in Wert setzen zu können auf der Basis eines breiten theoretischen Wissens. Das unterscheidet gerade eine Profession und ihre Professionalität von anderen Berufen und Formen der Berufsausübung: Selbst, als Person immer neue individuelle Fälle, Situationen, Herausforderungen, die in die Lebenschancen Anderer eingreifen, neu und verantwortlich gestalten zu können, ohne sich nur auf ein feststehendes Regelwerk verlassen zu wollen oder zu können. Diese Art der Professionalität braucht die pragmatische Routine und Übung – aber eben auch die Theorie. Wenn Ihr Studium diese Basis gelegt hat, Sie sich befähigt fühlen, Ihr Tun immer selbst zu reflektieren und zu verantworten, sich zutrauen, auftretende Fragen selbstständig zu klären, Fach, Institution, Gepflogenheiten etc. kritisch zu befragen – dann hat das Studium seinen Zweck erreicht.

Das hätte so in etwa der Umriss einer Abschlussrede sein können, wären wir nicht in einer besonderen Situation. Auf nicht alle von Ihnen trifft die Formulierung “Verabschiedung” zu – nicht alle feiern heute den Abschluss “Ihres Studiums”, nicht alle verabschieden wir aus der Fakultät in ein neues, anderes Leben. Die Frage, ob denn die Absolventen eines Bachelor-Studiums bei der Abschlussfeier berücksichtigt werden sollen oder wollen, hat uns in der Tat mehrfach beschäftigt. Bei jenen des Lehramts war die Frage für diese Veranstaltung relativ einfach zu beantworten: Da die Zeugnisse noch nicht gefertigt werden konnten und können, werden wir sie in der nächsten Abschlussfeier berücksichtigen. Anders aber steht es mit den Absolvent(inn)en der Erziehungs- und Bildungswissenschaft: Ist für Sie mit dem Abschluss des Studienganges auch das Ende des Studiums erreicht? Können, sollen, wollen wir Sie heute aus unserer Institution verabschieden? Die Antwort wird durchaus unterschiedlich ausfallen. Einige von Ihnen haben vielleicht die Tatsache nutzen wollen und können, dass der Bachelor ein zumindest formal “berufsqualifizierender Abschluss” ist, und sind in der Praxis untergekommen, in einem einschlägigen Beruf, um später, nach dieser Berufstätigkeit, vielleicht weiter zu studieren. Einige von Ihnen sind vielleicht an eine andere Universität gegangen, und verlassen deshalb diese Institution. Andere aber sind als unsere Master wieder – oder noch – im System, werden nicht verabschiedet. Viele wollen vielleicht auch deshalb den jetzt erreichten Stand gar nicht als Abschluss verstanden wissen, ihn als solches bestätigen, wollen vielmehr ihr Studium, das sie als ein Ganzes betrachten, fortsetzen.

Das ist nicht nur eine Frage des persönlichen Geschmacks und der individuellen Einstellung – sie ist durchaus auch politisch. Feiern wir, die Universität, und Sie, die Studierenden, mit dem Bachelor als Abschluss auch das gegenwärtige Studiensystem? Ich selbst ziehe es vor, die heutige Veranstaltung deshalb nicht als Verabschiedung der Studierenden aus der Fakultät zu verstehen, als “Verabschiedung”, wie es in alter Übung in der Einladung und im Programm heißt, sondern als Beendigung dieses einen Studiengangs. Diesen erfolgreich absolviert zu haben, das ist auch für Sie etwas, das gefeiert werden kann und darf, denn der Bachelor ist bei aller “Abschichtung” von Prüfungsleistungen in Form von Modulprüfungen doch mehr als die alte Zwischenprüfung.
Auch wenn sich vielleicht in Ihrem Alltag nicht so viel ändert wie bei denjenigen, die uns wirklich “verlassen” – so sollten Sie daher doch die Erfahrung, die Sie bei diesem Abschluss gemacht haben, für sich in vergleichbarer Weise verbuchen: Sie haben die Fähigkeit bewiesen, sich eigenständig (und vielleicht auch eigensinnig) mit wissenschaftlichen Themen auseinanderzusetzen. Sie sind keine Anfänger mehr, sie können zu sich selbst mit Recht sagen, dass Sie nun auf ganz andere Art und Weise mitreden, mitdenken und weiter studieren können.

Damit kann ich mich wieder an alle wenden:
Sie alle haben also allen Grund zu feiern – und wir, denke ich auch. Feiern und sich freuen sollen und wollen Sie (dazu dient insbesondere auch der Empfang im Anschluss) zunächst einmal Ihre eigene Leistung. Sie haben – gleich, welchen Abschluss Sie gemacht haben – in einem geregelten, komplexen Verfahren bewiesen, dass Sie sich mit wissenschaftlichen Fragestellungen und Themen aus dem Bereich der Erziehungswissenschaft und ggf. Ihrer Unterrichtsfächer eigenständig auf eine Art und Weise auseinandersetzen können, die unter Fachleuten Anerkennung findet. Damit sind (bei allen Probleme, welche solche Verfahren immer noch aufweisen) wesentliche Anforderungen wissenschaftlicher Prüfungen erfüllt. Ich will das jetzt nicht im Einzelnen ausführen. Wichtig ist heute: Sie haben sich mit Ihrem Examen also gegenüber der Profession ausgewiesen.
Aber es gibt zwei weitere Gesichtspunkte, die ich noch ansprechen möchte:
Sie alle haben etwas geschafft, was Ihnen selbst höchstwahrscheinlich zu Beginn Ihres Studiums noch weitgehend unerreichbar schien – und zwar nicht nur wegen der zeitlichen Distanz, wegen der nur eingeschränkt gegebenen Vorab-Überschaubarkeit der Gegenstände, wegen der Wissenschaftlichkeit der Diktion, – sondern auch, weil die Prüfung, die Sie abgelegt haben, damals, zu Beginn Ihres Studiums noch gar nicht definiert war. Diese Bemerkung gilt nun in mehrfacher Weise:
Schon immer konnte bei derartigen Feiern wie der heutigen den Absolventen gratuliert werden dazu, dass sie sich nicht haben entmutigen lassen von den in Prüfungsordnungen, Studienplänen, Modulbeschreibungen, Seminarplänen, Prüfungsprotokollen von Vorgängern und anderen Dokumenten niedergelegten Anforderungen. Ich erinnere mich noch gut, wie ich zu Beginn meines Studiums immer dachte, das könnte man (nicht nur ich) nie schaffen, und wie mit dem Studieren, mit dem Angehen der Anforderungen diese auch immer bearbeitbarer wurden – bis im Rückblick selbst die Abschlussprüfungen, nicht mehr wie ein unüberwindlicher Berg aussahen, sondern im Gegenteil sogar Wesentliches von ihrem Schrecken verloren hatten: Das gilt wohl immer: Erst im Nachhinein sieht man ein, dass auch in Prüfungen mit Wasser gekocht wird – mit echtem heißen Wasser zwar, aber doch mit Wasser. Diese Einsicht gewinnt aber nur, wer sich auch ernsthaft auf die Prüfung einlässt, wer sich ernsthaft vorbereitet. Der Wechsel von Vorab- und Rückansicht der Prüfung ist selbst ein Gewinn an Lebenserfahrung und -kompetenz. Wer sich Prüfungen vorab kleinredet, gewinnt die Sache nicht, wer nicht rückblickend einsieht, dass nicht die gehabte Prüfung, sondern der zuvor gewesene Lernprozess das Eigentliche darstellt, hat sich selbst nicht gewonnen. Sie haben es offenkundig geschafft, sich selbst und die Ihnen angesonnene Sache so zusammenzuführen, dass beides, Sie und die Sache bewahrt und gefördert wurden. Verlieren Sie diese Einsicht nicht. Sie wird Ihnen weiterhelfen, wenn Sie merken, dass es keineswegs vorbei ist.
Aber in noch einem anderen Sinne war Ihre Prüfung “undefiniert”, als Sie anfingen zu studieren. Es gehört zu guten wissenschaftlichen Prüfungen, dass sie gerade nicht (zumindest nicht in Gänze) für alle Studierenden gleich gestaltet sind, dass nicht die gleichen Fragestellungen einer ganzen Kohorte von Kandidaten gestellt werden. Zumindest ein Teil der Prüfung individualisiert, bringt die Kandidatin, den Kandidaten als Individuum ins Spiel, als Menschen, der sich professionell und selbst denkend, mit den eigenen Erfahrungen, der eigenen Perspektive, den eigenen Urteilen mit einem relevanten Gegenstand auseinandersetzt. Das geschieht zumeist in der schriftlichen Hausarbeit zur Prüfung, begrenzt auch in den Klausuren. In dieser Form eine Prüfung bestanden zu haben, die nicht schon identisch hunderte vor Ihnen bestanden haben oder mehrere oder ebenfalls hunderte mit Ihnen (wie im Abitur bzw. Zentralabitur), sondern wo die Thematik der Prüfung Teil der Prüfung war, weil Sie selbst in dieser Thematik sichtbar wurden gegenüber der community, das ist etwas, das Ihnen vorab kaum einsehbar erscheinen konnte.
In zweifachem Sinne können Sie sich und wollen wir Ihnen mit dieser Feier daher gratulieren dazu, einen Weg (zumindest vorläufig) abgeschlossen zu haben, dessen Ziel Sie beim Beginn noch gar nicht erkennen konnten, weil es noch gar nicht da war. Studieren heißt somit auch: sich auf Neues, Ungewisses einlassen, das man dann aber auch mit gestalten und mit prägen kann; studiert haben, heißt dann, in einem bestimmten Maße auch sichtbar geworden zu sein und die Sache, das Fach, die Wissenschaft und ihre Erkenntnis mit geprägt zu haben. Auch das kann und darf man feiern. Es ist Teil eines Bildungsprozesses, der mehr ist als Ausbildung, sondern Professionalisierung.
In einem weiteren, dritten Sinne aber – und hier wird es “neu”, wenn auch nicht “innovativ” – war zumindest für einen relevanten Teil von Ihnen die Prüfung nicht definiert, als Sie anfingen: ich meine die Bachelor-Studierenden Erziehungs- und Bildungswissenschaften. Sie stellen die erste Kohorte derjenigen, die wir hier an unserer Fakultät in dem zweistufigen Verfahren “ausbilden”. Wie diese Bachelor-Prüfungen genau funktionieren, nach welchen rechtlichen Bedingungen (von außen vorgegeben und selbst gestaltet), und mit welchen Inhalten sie zu gestalten waren, wie von der alten Zwischenprüfung im Anspruch abzugrenzen und vom Staatsexamen – vieles davon war noch “work in progress” als Sie studiert haben: Ihre BA-Prüfung war somit auch unsere, die der Fakultät, der Studiengänge, der Lehrenden. Ob und wie wir sie bestanden haben, wir leider nicht gleichermaßen zertifiziert. Um so bedeutsamer erscheint mir Ihre Leistung: Dieses Verfahren, in dem alle Beteiligten selbst noch Lernende sind, erfolgreich abgeschlossen zu haben, ist etwas, auf das man stolz sein kann. Es ist gewiss sinnvoll, wenn Sie auch uns, Ihren Lehrenden und der Institution, Rückmeldung geben über unsere Leistung.
Dies hat aber – und damit komme ich zum letzten Punkt – eine weitere Bedeutung: Wenn es gelingt, auf der Basis dieser nun formal im Bachelor bestätigten Qualifikation das folgende, gerade erstmalig begonnene Master-Studium stärker als eine eher gemeinsame Auseinandersetzung von Studierenden und Lehrenden mit einer Sache und um sie zu gestalten; wenn es gelingt, dass dieses sich deutlich abhebt von einer tatsächlichen oder vermeintlichen “Verschulung” des Bachelors, wenn es Ihnen und uns gelingt, den Bachelor nicht nur als “Zwischenfazit” hinzunehmen, sondern als Grundlage für ein weniger formalisiertes, stärker an der Sache ausgerichtetes Studium, das diesen Namen wieder verdient, dann hat der Bachelor auch für die Universität seinen Sinn gewonnen.
Wo immer Sie also weiter tätig sind, im Beruf oder im Studium, wünscht Ihnen das Dekanat der Fakultät für Erziehungswissenschaft, Psychologie und Bewegungswissenschaft, dass Ihnen diese Qualifikation nicht nur formal nützen und helfen möge, sondern dass Sie bei Ihrem weiteren Tun und Lernen so produktiv wie selbstständig darauf aufbauen und anknüpfen können. Alles Gute!

Vielen Dank