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Geschich­te ist über­all und die Aus­ein­an­der­set­zung mit ihr fin­det schon lan­ge nicht mehr aus­schließ­lich oder über­wie­gend über die insti­tu­tio­nell-for­ma­len Geschichts­ver­mitt­ler mit ihren Kon­troll­me­cha­nis­men, Qua­li­täts­stan­dards und Publi­ka­ti­ons­hür­den statt. Ins­be­son­de­re die sozia­len Medi­en haben in den ver­gan­ge­nen Jah­ren an Ein­fluss und Bedeu­tung gewon­nen.[1] Öffent­lich wirk­sam fin­den Geschichts­dar­stel­lun­gen zudem in Fil­men, Roman, Com­pu­ter­spie­len oder Fes­ten einen Raum, um nur eini­ge zu nen­nen. Auch Die­je­ni­gen, die nie eine his­to­risch arbei­ten­de Dis­zi­plin stu­diert haben, kei­nem Geschichts­ver­ein ange­hö­ren oder regel­mä­ßig Gedenk­stät­ten und Muse­en besu­chen, wer­den so mit Geschich­te kon­fron­tiert, kon­su­mie­ren, ver­ar­bei­ten und inter­pre­tie­ren sie und tra­gen selbst zur gesamt­ge­sell­schaft­li­chen Geschichts­kul­tur bei.[2] Grund­sätz­lich ist dies kein Pro­blem, son­dern ein sogar wün­schens­wer­ter Ist-Zustand. Nun befin­den wir uns aber „[i]n einer Welt des hoch­vo­la­ti­len, unsi­che­ren und viel­fach ideo­lo­gi­sier­ten (Internet-)Wissens und zweck­ori­en­tier­ten Erzäh­lens“,[3] in der Geschich­te zuneh­mend eigen-nüt­zig instru­men­ta­li­siert wird.

Den tra­di­tio­nel­len Geschichtsvermittler:innen und ihrer wis­sen­schaft­lich begrün­de­ten Ratio­na­li­tät sind ins­be­son­de­re „in beweg­ten Zei­ten“[4] – und als sol­che las­sen sich jüngs­te Ereig­nis­se die Coro­na-Pan­de­mie und poli­ti­schen Unru­hen der USA, aber auch län­ger andau­ern­de Dimen­sio­nen, wie post­mo­der­ne Ver­un­si­che­rung nach dem Ende der Natio­nal­staa­ten, Kli­ma­ka­ta­stro­phe und wirt­schaft­li­che Unsi­cher­heit sicher­lich fas­sen – Gren­zen gesetzt. Viel­mehr tre­ten gera­de dann Geschichtsrevisiotnist:innen bzw. geschichts:revisionistische Deu­tun­gen auf, die eige­ne Inter­es­sen durch eine bestimm­te Sicht auf Geschich­te legi­ti­mie­ren wollen.

Geschichts­re­vi­sio­nis­mus ist dabei als Pro­blem in vie­ler Mun­de, aber was genau damit gemeint ist, ist einer­seits unscharf und kaum für sich genom­men defi­niert oder von Revi­si­on als legi­ti­mem Bestand­teil von Geschichts­wis­sen­schaft abge­grenzt. Gleich­zei­tig stellt sich der Begriff als inhalt­li­che über­scharf dar, denn in Deutsch­land gilt Geschichts­re­vi­sio­nis­mus als kon­sti­tu­ti­ves Ele­ment und „zen­tra­les Agi­ta­ti­ons­feld des Rechts­extre­mis­mus“.[5]

Revision als Prinzip in der Geschichte

Geschich­te als Wis­sen­schaft folgt der his­to­ri­schen Metho­de, die der Ver­si­che­rung dient, dass die Ver­gan­gen­heit nicht der belie­bi­gen Dar­stel­lung frei­ge­ge­ben wird. Dabei gilt, Geschich­te ist die selek­ti­ve Rekon­struk­ti­on einer unwie­der­bring­li­chen Ver­gan­gen­heit anhand von über­ge­blie­be­nen Ver­gan­gen­heits­par­ti­keln in Form einer Nar­ra­ti­on und unter Bedin­gun­gen des jewei­li­gen Stand­or­tes.[6] Mit fak­ti­schen Aus­sa­gen tun sich Geschichtsvermittler:innen ent­spre­chend oft­mals schwer. Dies ver­hin­dert zwar zu einem gewis­sen Grad Instru­men­ta­li­sie­rung und Dog­ma­tik, macht die Ergeb­nis­se und Pro­duk­te der Akteur:innen aber auch ver­letz­lich, da sie in der Außen­sicht als unsi­cher und damit frei umin­ter­pre­tier­bar erschie­nen können.

Ein wei­te­res Ele­ment wis­sen­schafts­för­mi­ger Geschichts­schrei­bung ist das Prin­zip der ste­ti­gen Erneue­rung und prin­zi­pi­el­len Fal­si­fi­zier­bar­keit aller Ergeb­nis­se. Historiker:innen der ver­schie­de­nen Dis­zi­pli­nen betrei­ben hier­zu eine ste­ti­ge Revi­si­on, im Sin­ne eines kri­ti­schen Ratio­na­lis­mus.[7] Dies meint die Über­prü­fung und gege­be­nen­falls Anpas­sung bestehen­der Erkennt­nis­se auf­grund neu­er empi­ri­scher Bewei­se, die ent­we­der die Plau­si­bi­li­tät einer The­se zur Ver­gan­gen­heit redu­zie­ren und sie damit weni­ger glaub­haft erschie­nen las­sen oder die­se Plau­si­bi­li­tät erhö­hen und eine zuvor kaum oder nicht­be­ach­te­te The­se damit in den Stand von Wis­sen erhe­ben. Die­se neu­en Bewei­se kön­nen die Resul­ta­te der Ent­de­ckung oder Öff­nung bis dahin unbe­ar­bei­te­ter Quel­len­be­stän­de sein sowie der Erschlie­ßung einer neu­en Art von Quel­len­ma­te­ri­al, wie z.B. im Zuge des mate­ri­al turn der 1980er oder jün­ger in Bezug auf born digi­tal Mate­ri­al. Neue Evi­den­zen kön­nen außer­dem durch neue Forschungsmethoden‑, fra­gen oder ‑ansät­ze, mit ihren jeweils eige­nen Erkennt­nis­wer­ten, ent­ste­hen, die zu einer Neu­be­wer­tung his­to­ri­scher Gesamt­zu­sam­men­hän­ge füh­ren kön­nen. Dies betrifft sowohl genu­in his­to­ri­sche Metho­den als auch inter­dis­zi­pli­nä­re Ansät­ze, wie bei­spiel­wei­se die sozio­lo­gi­sche Netz­werk­for­schung, oder jun­ge Dis­zi­pli­nen, wie die Digi­tal Huma­ni­ties. Hier ist an eine Bear­bei­tung von Quel­len­ma­te­ri­al in einem zuvor unmög­li­chen Umfang zu den­ken, die nun durch Mit­tel der auto­ma­ti­schen Tex­terken­nung und Schlag­wort­bil­dung sinn­haft wird. Ähn­lich ver­hält es sich mit der Nutz­bar­ma­chung bekann­ter aber zuvor unle­ser­li­cher Quel­len durch com­pu­ter­ge­stütz­te Tran­skrip­ti­ons­ver­fah­ren, wodurch in ein neu­er Quel­len­be­stand eröff­net wird.[8]

Neben neu­en Quel­len oder Metho­den kann auch eine Ver­än­de­rung des sozia­len Wer­te- und Nor­men­kon­tex­tes einer Gesell­schaft, in der his­to­ri­sche For­schung betrie­ben wird, die Neueva­lua­ti­on bestehen­der Wis­sens­schät­ze im Sin­ne einer Ori­en­tie­rungs­fä­hig­keit not­wen­dig machen. Vor­mals wenig beach­te­te The­men, etwa der Sozi­al- oder Geschlech­ter­ge­schich­te, kön­nen in den Fokus rücken oder bestehen­de Bewer­tun­gen, bei­spiels­wei­se von bzw. durch kolo­nia­le Begriff­lich­kei­ten, kri­tisch hin­ter­fragt wer­den. Ver­än­dern sich die Nor­men und Wer­te einer Gesell­schaft ver­än­dert sich auch der Refe­renz­rah­men, mit­tels des­sen Historiker:innen Zustän­de, Pro­zes­se, Per­so­nen und Ereig­nis­se der Ver­gan­gen­heit bewer­ten. Oft­mals kom­men mit die­sen ver­än­der­ten Per­spek­ti­ven auch neue Fra­gen an die Ver­gan­gen­heit auf, die über­haupt erst­ma­lig bear­bei­tet wer­den kön­nen. Ähn­li­ches Geschieht, wenn durch Ereig­nis­se in der Gegen­wart neue Ori­en­tie­rungs­be­dürf­nis­se durch Ver­un­si­che­run­gen ent­ste­hen, zu deren Befrie­di­gung Ver­gan­gen­heit befragt wird. Als Bei­spiel hier­zu kann ein grö­ße­res Inter­es­se an der Umwelt­ge­schich­te vor dem Hin­ter­grund der Kli­ma­ka­ta­stro­phe gese­hen wer­den oder auch, wie Avie­zer Tucker anführt, das Inter­es­se an dem tota­li­tä­ren Expe­ri­ment der Täu­fer im Müns­ter des 16. Jahr­hun­derts vor dem Hin­ter­grund des Auf­kom­mens des Tota­li­ta­ris­mus im 20. Jahr­hun­dert. In glei­chem Maße füh­ren auch Pro­zes­se, die erst kürz­lich zu einem Abschluss gekom­men sind zu neu­en Bedürf­nis­sen nach einer his­to­ri­schen Auf­ar­bei­tung, die im lau­fen­den Ent­wick­lungs­pro­zess nicht mög­lich gewe­sen war. Exem­pla­risch könn­te dies am Bei­spiel des Epo­chen­jah­res 1989 erör­tert wer­den.[9]

 

Abb.: Kri­ti­scher Ratio­na­lis­mus in der Geschichts­wis­sen­schaft (eige­ne Darstellung).

 

Der Ansatz einer legi­ti­men Revi­si­on im Kon­text his­to­risch arbei­ten­der Dis­zi­pli­nen steht, wie die For­mu­lie­rung bereits ver­mu­ten lässt, einem pro­ble­ma­ti­schen und ille­gi­ti­men Geschichts­re­vi­sio­nis­mus gegen­über. Aller­dings ist revi­sio­nis­tisch durch die star­ke nega­ti­ve Beset­zung und Ver­bin­dung zu ille­gi­ti­mer Revi­si­on kaum noch als For­schungs­be­griff prä­sent.  Die Ver­wen­dung des Begriffs Geschichts­re­vi­sio­nis­mus ist wie­der­um umstrit­ten, da sie sowohl als Fremd- als auch als Selbst­zu­schrei­bung den Nar­ra­tio­nen von ille­gi­ti­men Geschichtsrevisionist:innen eine augen­schein­li­che Legi­ti­mi­tät zuge­steht. Eini­ge Historiker:innen ver­wen­den daher alter­na­ti­ve Begrif­fe, wie den der Geschichts­leug­nung, der aller­dings nicht in glei­chem Maße ver­brei­tet ist. Ins­be­son­de­re im ang­lo-ame­ri­ka­ni­schen Bereich fin­det revi­sio­nism hin­ge­gen wei­ter­hin Anwen­dung im Sin­ne legi­ti­mer wis­sen­schaft­li­cher Erneue­rung[10] und in der fran­zö­si­schen wie auch eng­li­schen For­schungs­land­schaft wird ein ille­gi­ti­mer Geschichts­re­vi­sio­nis­mus unter star­kem Bezug zur Leug­nung von Holo­caust und wei­te­ren Völ­ker­mor­den als nega­tio­nism bzw. néga­ti­onnis­me[11] oder auch alt-his­to­ries[12] gefasst.

Zu Teil II

 


 

[1]     Sie­he Burk­hardt, Han­nes: Myth­os­ma­schi­ne Twit­ter? Fak­ten und Fik­tio­nen im Social Web zu Rudolf Heß und der Bom­ba­die­rung Dres­dens 1945. In: ZfGd (2019), 42 – 56:42f.

[2]     Sie­he Hinz, Felix/​Körber, Andre­as: War­um ein neu­es Hand­buch zu Geschichts­kul­tur – Public Histo­ry – Ange­wand­ter Geschich­te? In: Dies. (Hrsg.): Geschichts­kul­tur — Public Histo­ry — ange­wand­te Geschich­te. Geschich­te in der Gesell­schaft. Medi­en, Pra­xen, Funk­tio­nen. Göt­tin­gen 2020, 9 – 36: 10f.

[3]     Geiss, Peter: Objek­ti­vi­tät als Zumu­tung. Über­le­gun­gen zu einer post­nar­ra­ti­vis­ti­schen Geschichts­di­dak­tik. In ZFGD (2019), 27 – 41: 38.

[4]     Sie­he Jeis­mann, Karl-Ernst: „Geschichts­be­wußt­sein“ als zen­tra­le Kate­go­rie der Didak­tik des Geschichts­un­ter­richts. In: Ders. /​ Wolf­gang Jacob­mey­er (Hrsg.): Geschich­te und Bil­dung. Bei­trä­ge zur Geschichts­di­dak­tik und zur his­to­ri­schen Bil­dungs­for­schung. Pader­born 2000, S. 46 – 73: 49.

[5]     Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz (Hrsg.): Kom­pen­di­um des BfV. Dar­stel­lung aus­ge­wähl­ter Arbeits­be­rei­che und Beob­ach­tungs­ob­jek­te. Köln 2018, 24.

[6]     Zum schwie­ri­gen Ver­hält­nis von Geschich­te und Fak­ti­zi­tät bzw. Kon­struk­ti­on sie­he unter ande­rem  Koselleck, Rein­hart: Fik­ti­on und geschicht­li­che Wirk­lich­keit. In: Cars­ten Dutt (Hrsg.): Vom Sinn und Unsinn der Geschich­te. Auf­sät­ze und Vor­trä­ge aus vier Jahr­zehn­ten. Ber­lin 2010, 80 – 95; Rausch, Geb­hard: Kon­struk­ti­vis­mus und die Tra­di­ti­on der His­to­rik. In: ÖZG 8 (1997) H. 1, 45 – 75; und White, Hay­den: Auch Klio dich­tet oder die Fik­ti­on des Fak­ti­schen. Stu­di­en zur Topo­lo­gie des his­to­ri­schen Dis­kur­ses. Stutt­gart 1991. Zur Sub­jek­ti­vi­tät und Stand­ort­bin­dung sie­he Koselleck, Rein­hart: Ver­gan­ge­ne Zukunft. Zur Seman­tik geschicht­li­cher Zei­ten. Frank­furt aM 1979, 176 – 207.

[7]     Maß­geb­lich ist hier­zu auf Karl Pop­per, den Ver­fech­ter einer empi­risch-ana­ly­ti­schen Wis­sen­schaft, zu ver­wei­sen. Pop­per steht für eine logisch-plan­mä­ßi­ge, dog­men­freie, nicht-posi­ti­vis­ti­sche und ratio­na­le Her­an­ge­hens­wei­se an wis­sen­schaft­li­che Fra­ge­stel­lun­gen, die eine Induk­ti­ons­lo­gik ablehnt und ent­spre­chend zwar eine Wider­le­gung, nie aber eine end­gül­ti­ge Veri­fi­ka­ti­on von Aus­sa­gen als mög­lich ansieht. Inter­sub­jek­ti­vi­tät und Nach­prüf­bar­keit als zen­tra­le Güte­kri­te­ri­en ermög­li­chen es, die gegen­wär­ti­ge Gül­tig­keit einer Aus­sa­ge zu beur­tei­len. Auf einer sozio-poli­ti­schen Ebe­ne tritt der Kri­ti­sche Ratio­na­lis­mus für eine offe­ne, plu­ra­lis­ti­sche und sich all­mäh­lich refor­mie­ren­de Gesell­schaft ein. Pop­pers zen­tra­le Schrif­ten hier­zu sind sei­ne Logik der For­schung. Zur Erkennt­nis­theo­rie der moder­nen Natur­wis­sen­schaft (1935) und Die bei­den Grund­pro­ble­me der Erkennt­nis­theo­rie (Manu­skrip­te 1930 – 1933, voll­stän­dig erschie­nen 1979) sowie, unter der sozi­al­kri­ti­schen Prä­mis­se, Die offe­ne Gesell­schaft und ihre Fein­de (1945). Sie­he hier­zu Lam­nek, Sieg­fried: Kri­ti­scher Ratio­na­lis­mus. In: Gerd Rein­hold (Hrsg.): Sozio­lo­gie-Lexi­kon. München/​Wien 42000, 374. 122f; und Peh­le, Heinrich/​Brinkmann, Heinz-Ulrich: Kri­ti­scher Ratio­na­lis­mus. In: Ever­hard Holt­mann (Hrsg.): Poli­tik-Lexi­kon. München/​Wien 32000, 329.

[8]     Tucker, Avie­zer: His­to­rio­gra­phic revi­si­on and revi­sio­nism. The evi­den­ti­al dif­fe­rence. In: Micha­el Kopeček (Hrsg.): Past in the making. His­to­ri­cal revi­sio­nism in Cen­tral Euro­pe after 1989. Budapest/​New York 2008, 1 – 14:1 – 2.

[9]     Ebd.

[10]   Ein will­kür­li­cher The­men­quer­schnitt an Publi­ka­tio­nen der jün­ge­ren Zeit zeigt bei Arti­keln und Mono­gra­phien glei­cher­ma­ßen Titel wie Black, Jere­my: Kings, nobles and com­mon­ers. Sta­tes and socie­ties in ear­ly modern Euro­pe. A revi­sio­nist histo­ry. Lon­don 2004; Hage­dorn, John: Race not space. A revi­sio­nist histo­ry of gangs in Chi­ca­go. In: The jour­nal of Afri­can Ame­ri­can Histo­ry, 91 (2006) H. 2, 194 – 208; Kel­ler, Robert: The Ken­ne­dy-John­son Tax Cut. A revi­sio­nist histo­ry. In: The Jour­nal of Eco­no­mic Histo­ry, 61 (2001) H. 2, 571 – 573; Ko, Doro­thy: Cinderella’s sis­ters. A revi­sio­nist histo­ry of footb­in­ding. Ber­ke­ley 2007; McGre­gor, Gai­le: Dome­stic blitz. A revi­sio­nist histo­ry of the Fif­ties. In: Ame­ri­can Stu­dies. 34 (1993) H. 1, 5 – 33; Sal­emink, Oscar: Tra­ding goods, pres­ti­ge and power. A revi­sio­nist histo­ry of low­lan­der-high­lan­der rela­ti­ons in Viet­nam. In: Peter Boom­gaard (Hrsg.): Lin­king desti­nies. Trade, towns and kin in Asi­an histo­ry. Lei­den 2008, S. 51 – 70; Scot, Jamie: A revi­sio­nist histo­ry. How archi­ves are used to rever­se the era­su­re of Que­er peo­p­le in con­tem­po­ra­ry histo­ry. In: QED, 1 (2014) H. 2, 205 – 209; Sid­ney, Benjamin/​Schwantes, Micha­el: The train and the tele­graph. A revi­sio­nist histo­ry. Bal­ti­more 2019; Sis­so­ko, Caro­lyn: The Ori­g­ins of the clas­si­cal gold Stan­dard. A revi­sio­nist histo­ry. In: Inter­na­tio­nal Poli­ti­cal Eco­no­my. Mone­ta­ry Rela­ti­ons eJour­nal, (2019), 1 – 23. DOI: http://​dx​.doi​.org/​1​0​.​2​1​3​9​/​s​s​r​n​.​3​1​9​1​289. Noch brei­ter wird die Aus­wahl, sobald die his­to­ri­sche Per­spek­ti­ve inner­halb ande­rer Dis­zi­pli­nen wie Jura oder Medi­zin ein­be­zo­gen wird, bei denen legi­ti­me revi­sio­nis­ti­sche Rück­bli­cke auf bestimm­te Erkennt­nis­aspek­te durch­aus üblich sind.

[11]   Die Begriffs­bil­dung geht zurück auf Hen­ry Rous­sos 1987 erschie­ne­nes Buch Le Syn­dro­me de Vichy. De 1944 à nos jours und bezog sich zunächst kon­kret auf Aspek­te der Holo­caust­leug­nung. Er wird seit­her aber auch wei­ter gefasst ver­wen­det. Für eine wei­ter­füh­ren­de Aus­ein­an­der­set­zung sie­he Igoun­et Valé­rie: His­toire du néga­ti­onnis­me en France. Paris 2000.

[12]   Alt-histo­ry bezeich­net mut­wil­li­ge Falsch­dar­stel­lung der Ver­gan­gen­heit zur Ent­wick­lung einer alter­na­ti­ven Geschichts­er­zäh­lung, die zur allei­ni­gen Auto­ri­tät sti­li­siert wird. Hier rei­hen sich auch die Behaup­tun­gen alter­na­ti­ver Fak­ten und einer „Lügen­pres­se“ als ver­meint­li­che Trä­ger poli­tisch erwünsch­ter Welt­sich­ten ein. Valen­cia-Gar­cía, Lou­ie Dean: Far-right revi­sio­nism and the end of histo­ry. In: Ders. (Hrsg.): Far-right Revi­sio­nism and the end of histo­ry. Alt/​Histories. Lon­don 2020, 3 – 26: 7.

Zu Teil II