Arbeitsbereich Geschichtsdidaktik / History Education, Universität Hamburg

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Historische Sinnbildungsmuster: Ergänzende Dimensionierung

05. Mai 2017 akoerber Keine Kommentare

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… und noch ein [noch unfer­ti­ger] Ver­such, die Sinn­bil­dungs­mus­ter bzw. ‑typen nach Rüsen und in der Wei­ter­ent­wick­lung von Bodo von Bor­ries (1988) und mir (Kör­ber 2013) wei­ter zu dif­fe­ren­zie­ren und zu nut­zen. … auch dies­mal unfer­tig und unvoll­stän­dig — als Anstoß.

 

all­ge­mein kon­sta­tiv nor­ma­tiv appel­la­tiv
posi­tiv nega­tiv posi­tiv positiv posi­tiv-nega­tiv nega­tiv posi­tiv nega­tiv
affir­ma­ti­ves Kon­stanz-Erzäh­len 1 ver­weist auf etwas als zeit­los gültig Behaup­tung einer fort­gel­ten­den Gege­ben­heit durch Ver­weis auf ihren zeit­lo­sen Cha­rak­ter. Etwas ist ein­fach gül­tig, weil auch kei­ne Zeit denk­bar ist, zu der es nicht gegol­ten hat. Es liegt gewis­ser­ma­ßen “vor jedem Anfang”. Pro­fa­ne Ewigkeits-Vorstellung
kri­ti­sches Konstanz-Erzählen Kri­tik an einer bestimm­ten behaup­te­ten Kon­stan­te, ohne Infra­ge­stel­lung sol­cher Kon­stanz an sich. Behaup­tung einer fort­gel­ten­den Gege­ben­heit durch Ver­weis auf ihren zeit­lo­sen Cha­rak­ter. Etwas ist ein­fach gül­tig, weil auch kei­ne Zeit denk­bar ist, zu der es nicht gegol­ten hat. Es liegt gewis­ser­ma­ßen “vor jedem Anfang”.
Kon­stanz-kri­ti­sches Erzählen Kri­tik an Sinn­bil­dun­gen, die von zeit­lo­sen Kon­stan­zen ausgehen. Kri­tik an Sinn­bil­dun­gen mit dem Ver­weis dar­auf, dass Kon­stan­zen über alle Zei­ten und ohne Anfang und Ende unplau­si­bel sind.
tra­di­tio­nal ver­weist auf den Ursprung von etwas wei­ter Geltendem Behaup­tung einer fort­gel­ten­den Gege­ben­heit durch Ver­weis auf ihren Ursprung (kon­sti­tu­ie­ren­de Begebenheit) Behaup­tung eines fort­be­stehen­den Man­gels durch Ver­weis auf den Ver­lust (kon­sti­tu­ie­ren­de Begebenheit) Beschwö­rung einer fort­ge­set­zen Gel­tung einer Gege­ben­heit durch Ver­weis auf eine kon­sti­tu­ie­ren­de Begebenheit Beschwö­rung der Über­wun­den­heit eines nega­ti­ven Zustan­des durch Ver­weis auf des­sen Überwindung Beschwö­rung eines fort­be­stehen­den Man­gels durch Ver­weis auf die Ver­lust-Gege­ben­heit (Nosta­glie) Auf­for­de­rung zur Wie­der­ho­lung einer Hand­lung durch Ver­weis auf eine ver­pflich­ten­de Begebenheit Auf­for­de­rung zum Unter­las­sen einer Hand­lung durch Ver­weis auf ein ver­pflich­ten­des Bei­spiel eines sol­chen Verzichts
tra­di­ti­ons-kri­tisch kri­ti­siert einen spe­zi­fi­schen Ursprung (nicht aber das Den­ken in wei­ter gel­ten­den Ursprüngen) Dele­gi­ti­ma­ti­on des kon­sti­tu­ie­ren­den Cha­rak­ters einer Bege­ben­heit für eine behaup­te­te fort­ge­setz­te Gel­tung einer Gegebenheit Dele­gi­ti­ma­ti­on des kon­sti­tu­ie­ren­den Cha­rak­ters einer Bege­ben­heit für einen behaup­te­ten fort­ge­setz­ten Mangel
tra­di­tio­na­li­täts-kri­tisch kri­ti­siert das Den­ken mit Bezug auf gel­ten­de Ursprünge
exem­pla­risch ver­weist auf eine über­zeit­lich gel­ten­de Regelhaftigkeit Behaup­tung einer zeit­über­grei­fend gül­ti­gen Regel­haf­tig­keit durch Ver­weis auf ein/​mehre illustrierende(s) Beispiel(e)
exem­pel-kri­tisch kri­ti­siert eine spe­zi­fi­sche behaup­te­te über­zeit­li­che Regel, nicht aber das Den­ken in über­zeit­li­chen Regeln
exem­pla­ri-zitäts-kri­tisch kri­ti­siert das Den­ken in über­zeit­li­chen Regeln
gene­tisch ver­weist auf eine (säku­la­re) gerich­te­te Entwicklung
gene­se-kri­tisch kri­ti­siert eine bestimm­te behaup­te­te säku­la­re Ent­wick­lung, nicht abder das Den­ken in säk­lu­la­ren, gerich­te­ten Entwicklungen
gene­tik-kri­tisch kri­ti­siert das Dan­ken in säku­la­ren, gerich­te­ten Entwicklungen
Anmer­kun­gen /​ Refe­ren­ces
  1. Bodo von Bor­ries’ (1988) Bezeich­nung die­ser Vor­for­men als “anthro­po­lo­gi­sche” Kon­stan­te ist nicht zwin­gend. Es kann sich auch um Kon­stan­ten han­deln, die über das Mensch­li­che hin­aus­ge­hen — etwa die ‘gan­ze Natur’ betref­fen. Es han­delt sich gewis­ser­ma­ßen um pro­fa­ne Vor­stel­lun­gen von “ewig”. Reli­giö­se Ewig­keits-Vor­stel­lun­gen könn­ten hier nur inso­fern sub­su­miert wer­den, als sie nicht einen Schöp­fungs­akt vor­aus­set­zen. Die­ser wäre als tra­di­tio­nal zu den­ken.[]
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